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Diehsain oder Nichtsein: Mercedes 500 SEC


Da steht er nun also beim Altautoverwerter zwischen Artverwandten aus der Droschkenbranche: das absolute Überauto, der stolze Orgasmus (ähh... Höhepunkt) des Mercedes-PKW-Programms der Jahre 1981-1992. Und wie sieht er aus? *Gähn*!

Gut, etwas organischer als die mit der Trennscheibe geschteilten "Coupés" der 70er Jahre wirkt er ja, der Mercedes SEC, doch, ja. Fließende Dachlinien formen eine harmonische Einheit mit Taxirückleuchten und geriffelten Stoßfängern und Seitenschutzleisten, die auch einen Fiat Panda schmücken. Auch die Plasteradzierblenden Modell "Praktiker", die heute allerdings wohl keins der Autos mehr trägt und von denen ich im Web nur ein völlig unbrauchbares Bild fand, sind eines Achtzigtausend-Mark-Vehikels durchaus würdig.

Besonders elegant gelungen sind die Türgriffe. Um den mercedestypischen Bügelzuggriff, der den unschätzbaren Vorteil hat, auch im Vollrausch und nach der Vollgaskarambolage noch bedienbar zu sein, gruppiert sich beim Spitzenmodell locker ein Plasterähmchen von der hochwertigen Anmutung einer Meerschweinchenfutterschale, damit die Brillantringe und Goldkettchen des Fahrers keine Kratzer im zugrundeliegenden Lack hinterlassen.

Absolutes Haileid aber: der Kühlergrill. Ein schönes Beispiel für Kontinuität im Automobildiehsain, wie es wohl nur Traditionsfirmen wie MercedesDaimlerChryslerBenz so unverkrampft rüberbringen können. Gerade im hochpreisigen Segment wirkt sowas ja gern etwas gekünstelt, aber die mühelose Selbstverständlichkeit, mit der dieses Zitat der Formensprache der frühen 60er Jahre in das 20 Jahre jüngere Luxuscoupé integriert wurde, das hat schon was. Die Quelle des Zitats ist auch durchaus angemessen, war doch der O 317-Stadtbus in den 60ern auch nicht wirklich ein erschwingliches Automobil, das wohl den meisten bestenfalls aus dem Fahrgastraum zu erleben vergönnt gewesen sein dürfte.

Wie sich die Grills doch gleichen...

Alles in allem: ein würdiges Beispiel für den Innovationsmut der deutschen Automobilindustrie und eine ebenso würdige Grundlage für den Aufbau rotmetallicfarbener Ludenkisten mit Radlaufchrom und goldenen Speichenalurädern. Und wie die Bilder zeigen, auch eine würdige Zierde der Höfe halbseidener Verbrauchtwagenhändler, wo der SEC mittlerweile öfter zu sehen ist als im Straßenbild. Vor allem aber ein würdiger Vorgänger seines Nachfolgers, der ja noch viel schlimmer kam und dessen Modellbezeichnung, CL 600, jedem genauso benamsten Jetta oder Fiat die Schamröte ob der unverschuldeten Namensgleichheit unter die Kühlergrills treiben sollte.

Die Krone des Automobilbaus. Zumindest die Diehsainer hatten einen in derselben.

Vermutet jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski


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Erstellt am 26.06.2000
Letzte Änderung am 18.07.2004 16:45 (CEST)
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