Schlabonskis Welt ...only life is worse...

ADSL – Allen Dummfug Schneller Laden

Am Anfang bist Du fasziniert, daß Dir ohne weitere laufende Gebühren eine nie erlebte Geschwindigkeit rund um die Uhr stabil zur Verfügung steht. Der Streß mit den teuren Verbindungsproblemen fällt mit einem Schlag weg. Dafür kommt ein neuer hinzu: Du probierst hektisch alles aus, was Dir bisher aus Kostengründen vorenthalten war. Jede Menge exotische Browser-PlugIns werden installiert und in Betrieb genommen; na bitte, jetzt flasht's richtig! Internet-Radio und -Fernsehen werden entdeckt. Der Anschluß an den Stand der Informationstechnik amerikanischen Standards wird hergestellt. Viel zu lernen. Mega-Bytes haben plötzlich kein Gewicht mehr. Es wird klar: Die schwierige Suche nach Qualität beginnt jetzt erst richtig.

Und was es alles downzuloaden und zu installieren gibt! Fantastische Dinge! Immer mehr, noch mehr, noch viel mehr... Lechz!

Nach etwa einer Woche gibt es bei den meisten eine Aus-Zeit von einem Tag, weil sie sich genötigt sehen, ihr PC-System neu aufzusetzen, da durch die neu entdeckten Möglichkeiten jetzt alles anders oder besser organisiert werden muß. Die "Temporary Internet Files"-, "Downloads"- und Agents "Data/Temp"-Ordner bekommen eigene Partitionen. Die CD-Brennerei wird auf UDF und automatische BackUps aufgerüstet. Ja, auch die Sicherheit ist gefährdeter als vorher. Firewalls werden installiert. Mehr Files sind im Umlauf. Neue, größere Festplatten werden eingebaut. Dauernd neue Töne.

Nach ein paar Wochen so gut wie permanent dröhnender Internet-Show kommt dann plötzlich eine Phase der Ernüchterung. Du merkst (lange nach Deinen Lebenspartnern), daß Du nur mehr vor der Kiste sitzt, die ZiB hat keine Chance mehr, daß sie Deine hundertprozentige Aufmerksamkeit gewinnt; Gottschalk, selbst die wichtigsten Sport-Übertragungen laufen nur nebenbei. Familie? Sport betreiben? Regelmäßig schlafen? Hast Du überhaupt ein Leben?

Während ich durch den Meinl flitze und schon hinten bei der Milch den Filialleiter auffordere, für mich gefälligst eine Extra-Kassa aufzumachen - "Ich bin in einer Minute dort!" -, stoße ich heftig mit einem Broadband-Bekannten zusammen, der es auch eilig hat: "Wenn ich in fünf Minuten nicht wieder oben bin, gehen mir wichtige Fills für Unreal verloren, servus, mehl mich!" Früher gingen wir gerne ein paarmal im Monat etwas unternehmen. Wenn ich in drei Minuten nicht wieder am Bildschirm sitze, verpasse ich bei der Online-Auktion lebenswichtige Möglichkeiten.

AUS. Sie können den Computer jetzt abschalten.

Wirklich? Lange nicht gesehen. Tatsächlich! Es geht! Er ist aus! Ich bin offline. Ich kann aber nicht mehr aufstehen. Es schmerzt. Ich suche mein Auto.

Ein paar Tage im tiefen Wald ohne Mobiltelefon, eMail und Usenet klären die Dinge. Lerne wieder gehen. Beste Vorsätze für das nächste Jahrtausend.

Zurückgekehrt gießt Du die Blumen, streichelst die Katze, schickst die Putzkraft nach Hause, staubst selbst Saug und schielst dabei immer verstohlen auf den abgeschalteten Monitor. Wohnung und Schreibtisch werden verlegenheitshalber aufgeräumt. Hast Du nicht früher gerne gekocht? Sogar die Ex-Schwiegermutter wird eingeladen und ganz freundlich behandelt. So, so. Danielle Spera hat eine neue Stützwelle. Frische Tote und herrliche Katastrophen. Juheii! Sie springen wieder von den Schanzen. Irgendwie immer dasselbe. Wie habe ich es nur früher so lange vor dem Fernseher ausgehalten? Sogar die Kinder sehen dabei ganz normal aus. Langsam werde ich nervös.

Es reicht. Nur eine halbe Stunde...

Aha. Zweihundert ungelesene - geschweige denn beantwortete - eMails im Postkasten. Zweitausend neue Artikel in den abonnierten Newsgroups. Eigentlich wollte ich ein paar neue Programme ausprobieren. Eine Stunde, nicht länger...

Zunächst brauche ich einen eigenen PC, der nur online ist und sonst nix, dazu einen Linux-Firewall-PC... Mein neues Mobiltelefon hat jedenfalls für alle Fälle schon mal ein eingebautes Hardware-Modem.

Was noch fehlt, ist ein bequemerer Sessel am Schreibtisch.

Anmerkungen: ZiB (Zeit im Bild) - österreichisches Äquivalent der Tagesschau; Danielle Spera - Nachrichtensprecherin; Meinl - Lebensmittelladen. Unser österreichischer Gastautor zieht es vor, anonym zu bleiben.

Erstellt am 22.12.1999.

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