Armesgeddon

So, da sitzen nun die paar tausend Idioten mit verheulten Augen und plärren, was das Zeuch hält. Endlich! Es ist mal wieder Zeit, Leute. Macht Euch bereit, bald geht es los. Dann geht die Welt, unsere schöne kleine Müllkippe, unser Schadstoff-Versuchslabor oder auch die Meteoriten-Auffangkugel, vielleicht endlich mal wirklich kaputt. Wäre ja eigentlich auch mal Zeit.

Dann braucht man dazu nicht die menschlichen Mitbewohner, sondern kann den Meteroiten (bzw. je nach Prophezeihung den Russen) für alles Unglück dieser Welt verantwortlich machen.

Einer muß ja schuld sein. Ein anderer als man selber natürlich.

Nicht umsonst wird vorausschauend in die zukunftslose Zukunft geblickt: Bunker, Ufos und jede Menge Büchsenfleisch helfen uns über die trüben 20.000 Jahre Halbwertzeit hinweg, die wir mit Freunden in teuren, unterirdischen Betonbauten verbringen dürfen, in der Hoffnung, ein grünes Männchen mit sechs Fühlern klopft freundlich an die Tür, um einen von dem Zimmergenossen zu erlösen. Wäre ja zu schön, um wahr zu sein.

Bis zum Eintreffen des Ernstfalls verlangen diverse Sektenführer von ihren treudoof bis psychotisch veranlagten Anhängern ein paar Opfer mehr ... in Tacken ausgedrückt natürlich. Die Zeitungen suchen jeden auch nur erdenklichen Grund für die erneute Voraussage eines "Jahrhundertereignis'", welches ihnen zufolge alle zwei Jahre woanders stattfindet. Und nicht zuletzt die Kinowelt gewährt uns eine effektvolle Vorstellung, was einem alles so Dummes an einem sonnigen Vormittag passieren kann - Kometen, Vulkane, Aliens, mehr oder noch mehr riesige Echsen, der Phantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt. Und die Wirklichkeit liegt doch nahe am jeweiligen Betrachter seines Lieblingsuntergangs, oder?

Weit gefehlt. Kaum ist die angekündigte Sonnenfinsternis in Wolken und Autoabgasen apokalyptisch untergegangen, scheint das Eintreffen der Russen - sei es als Personal oder als blitzendes, hochradioaktives Feuerwerk - wieder genauso wahrscheinlich wie vor dem Ansturm an den Apothekerfilialen nach der aluminiumbedampften Plastefolie in der grellbunten Papphülle. Dumm gelaufen.

"Na gut. Ein paar Tage wird noch gewartet. Wenn dann nix passiert, komm ich raus, schließlich ist das Bier schon alle, und das Dosen-Risotto schmeckt irgendwie auch Scheiße. Außerdem ist der Job trotz 3-Tage-Regelung eh flöten - vielleicht hätt ich doch Urlaub nehmen sollen? Aber meine Rache wird fürchterbar sein - ich werde sie alle ... werde sie ... werde ... sie verklagen, genau!! Oder noch besser, ich schreibe einen Leserbrief. BLÖD hilft mir. Da bin ich mir ganz sicher..."

Schön. Aber es ist eher unwahrscheinlich, einen ex-drogenabhängigen Seuchen-Arzt, der seit ca. 500 Jahren in der Kiste modert, für etwaige Fehleinschätzungen, die er in einem Dampfbad als Visionen durch die Nase ins Gehirn aufgenommen und in Versereimen verbreitet hat, auf Schadenersatz für schlechtgewordenes Dosenbrot und ein noch viel weiter als eh schon überzogenes Bankkonto mit Erfolg verklagen zu können. Der Haftbarkeit sind doch einige Grenzen gesetzt. Angefangen bei der Dummheit der Gläubigen. Gläubiger. Gläubigern. Wie auch immer.

Für die aber, die die moderne Variante des Weltuntergangs bevorzugen, gibt es schließlich noch die SAT1-Lieblings-Sektenführerin mit dem hirnlosen Grinsen und dem Finger im Badewasser, deren Namen man sich einfach nicht merken kann oder mag. Der Vorteil dieses Glaubens an die Unverschiebbarkeit von russischen Manövern, Stromausfällen und dem Sendetermin der Lindenstraße besteht sicherlich darin, daß man sein Geld (oder das seiner Hausbank) für den Bunker sparen kann, um es stattdessen dem Glaubensverein für "Träger weißer Wäsche" als Mitgliedsbeitrag zukommen zu lassen.

Die Erlöse der Beiträge fließen sofort und ohne Abzüge in die Stiftung "Helft dem armen Alien aus dem sozialen Abseits". Wer der Sekte mehr als 100.000 DM (oder Euro, so eng sehnwadasnich) zukommen läßt, bekommt einen verzinkten Ernie-und-Bert-Messingsticker sowie einen Erste-Klasse-Platz im Raumgleiter, der pünktlich zur Sonnenfinsternis, ääh ... zum Russenüberfall, ööhm ... oder Meteoritenabsturz, ach was sage ich: Zur Jahrdreitausendwende die heilige Gemeinde mit zu einer Fremden Welt mitnimmt, um dann vor Schreck über die mangelnde Intelligenz der übriggebliebenen menschlichen Spezies versehentlich über dem Mond die Ladeluke zu öffnen.

So wird es dann wohl auch mit uns hoffentlich zu Ende gehen. Okay. Das Datum verschiebt sich, laut höherem Wesen, aus logistischen Gründen halt immer wieder nach hinten. Im Himmel ist halt auch nicht alles perfekt. Und wer weiß, von wem die sich die Software besorgt haben...

... schließlich leben die Sterblichen auf Schlabonskis Welt. Leider auch die doofen.

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