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Aufräumen

Da stehst Du nun also in Deinem wohnlichen Chaos, allein auf weiter Flur, obwohl, so weit ist Dein Flur gar nicht, wegen der Umzugskisten und Plasteklappkörbe, aber Du weißt ja immerhin, wohin Du treten mußt, denn ja, stellenweise ist noch Teppich zu sehen, Hauptsache Du kennst Dich hier aus, und gesucht hast Du auch noch nix länger als andere Leute, obwohl Deine Wohnung genauso unordentlich ist wie dieser Satz, macht aber nix, bzw. eigentlich schon, denn jetzt, genau jetzt, mußt Du aufräumen.

Oh Shit.

Der Anlaß ist offensichtlich wichtig, aber hier zweitrangig. Meist ist's der dräuende Besuch eines mehr oder weniger korrekterweise für wichtig erachteten Menschen, dem Du Dein wahres Ich nicht zeigen willst, etwa eines potentiellen Geschäfts- oder Sexualpartners, eines Verwandten oder auch eines noch nicht wirklich guten Freundes (denn wäre es einer, dann kennte er es ja schon). Die Methode ist schon interessanter, denn von ihr hängt der Erfolg des waghalsigen Unternehmens ab...

Methode 1: Oberflächlich wegräumen

Sicherlich einer der verbreitetsten Ansätze, des Problems Herr zu werden: Schranktür auf, Unordnung rein, Schranktür zu. Aus den Augen, aus dem Sinn. Wer's ordentlich macht, wird vielleicht vorher den Biomüll aus der Unordnung entfernen, alldieweil sich diese sonst nach einiger Zeit mit einem leicht modrigen Geruch aus dem Kleiderschrank oder Keller in Erinnerung zu rufen tendiert – was klar kontraproduktiv ist, zumindest mittelfristig.

Aber auch sonst birgt das Verfahren durchaus Gefahren: was den oberflächlichen Anschein von Ordnung erweckt, führt zu endlosen Suchaktionen, sobald man irgendwas von dem Zeug braucht, das vorher auf dem Küchentisch vor sich hin moderte. Und nach der Suchaktion sieht's dann schlimmer aus als vorher.

Methode 2: Systematisch durchackern

Der zeitaufwendigste, aber trotzdem effektivste Ansatz: Alles aus den Bergen herauszerren, in die es kumuliert ist. Wohnzimmertisch zur Seite schieben. Den Mitbewohnern den Zutritt zu diesem Raum strengstens untersagen und Verstöße mit der Todesstrafe ahnden. Und dann sortieren. Richtig sortieren. So, daß der höchste Stapel der mit dem Altpapier ist und das Konto angesichts der wiederaufgefundenen unbezahlten Rechnungen Schwindsucht bekommt, Du nochmal zu Staples Aktenordner besorgen mußt und anschließend Dich fragst, was Du mit den ganzen neugewonnenen laufenden Regalmetern anfangen sollst.

Soweit die Theorie.

In der Praxis jedoch wird das hehre Vorhaben meist scheitern, weil eben das Wohnzimmer nicht wochenlang mit Beschlag belegt werden kann oder es einfach "nur" an Zeit oder (meistens) Motivation mangelt. Zumal man sich bei sowas ja auch gern in Wiedergefundenem festliest. Und irgendwann wird der ganze Krempel dann eben doch wieder verräumt, und das Endresultat entspricht dem von Methode 1, abzüglich des Geruchs natürlich.

Methode 3: Rigoros wegwerfen

Eigentlich ist es doch gar nicht so unlogisch: was seit Jahren in der Kiste rummodert, ohne daß Du's bis jetzt vermißt hättest, von dem weißt Du nicht mehr, ob es noch existiert. Also macht's keinen Unterschied, ob es noch existiert oder nicht – und die Kiste kann unbesehen in den Müll. Konsequent durchgezogen, kannst Du Dich so von einigen Tonnen unnützer Altlasten trennen – nur leider, diese Konsequenz hast Du nicht. Im Gegenteil: Du durchforstest solche Kisten konsequenterer Mitmenschen an Sperrmülltagen und Haushaltsentrümpelungen in Deinem Bekanntenkreis und mehrst die eigenen Altlasten, zur Freude all jener, die Dir beim nächsten Umzug helfen müssen.

Fazit

Angesichts dieser Problematik ist es vielleicht ja doch das beste, auf das Aufräumen auch weiterhin zu verzichten. So werden sämtliche damit verbundenen Fährnisse elegant umgangen, und der einzige Nachteil – Unordnung – erscheint in einem neuen, weicheren Licht. Diese Unordnung ist ein Teil von Dir. Es hat Dich Jahre Deines Lebens gekostet, sie zu dem zu machen, was sie ist.

Also bitte.

Findet jedenfalls   Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 02.05.2000.

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