Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Kulturelles Popelessen live oder: Pig Brasser is wotsching juh

Man muß sich das wirklich mal so richtig lange unter Schmerzen anhören, dieses Gefasel über die pubertierende Sendung eines Rotlicht-Privatsenders mit dem Hang zu billigen Karate-B-Movies, um für sich zu entscheiden, daß diese Sendung sich anzutun für die eigene hart zu erhaltene Gesundheit eher unbekömmlich sei. Warum man Sie sich trotdem ankucken müsse? Keine Ahnung... Na gut, höchstens eine vage Vorahnung.

Laut den diversen Berichten unbekannter Persönlichkeiten, die sich temporär in meinem Dunstkreis aufzuhalten müssen glauben, handelt es sich bei der Sendung um ein süchtig machendes Extrat aus televisonalem Durchfall gepaart mit sexuellem Eigenbedarf, welchen sich die meisten eher schämen würden öffentlich einzufordern.

Da sitzt dann also in einem 10-Zimmer-Bungalow ein Häuflein verblödeter Arbeitsloser und vermutlich auch Exknackis, die es ohne Fernsehen oder Radio (was ein Paradies), ohne Computer oder Stereoanlage (welch eine Ruhe) und ohne den müden Hauch einer Intelligenz (watten Scheiß) schaffen müssen, eine elendliglich lange Zeit miteinander auszuhalten, ohne ihre Nächsten oder Nächstinnen mit diversem Küchengerät zu restrukturieren. Wer das blutige Finale womöglich überlebt, bekommt angeblich 250 Kilotacken bar auf Kralle. Als Siegprämie und für den mehrmonatigen Aufenthalt in einer der renommiertesten Visagenveränderungsanstalten der großen weiten Welt in Sizilien.

Alles könnte so schön sein. Würde man nicht sogar beim allmorgendlichen Wichsen auf dem Klo von ein Paar Millionen Zuschauern beobachtet. Nicht nur in der Küche, im Wohnzimmer oder im Garten ist man sich der Kameras nicht sicher, die schlecht versteckt in Wänden oder Blumenbeeten eingebaut wurden. Nein! Auch das schläfrige Röcheln um halb vier Uhr in der Nacht wird mit Infrarotbildern genauestens erspäht. Kein Popel, den man insgeheim seinem Zimmernachbarn in die Haare schmieren kann. Keine Gase, welche sich unbemerkt von der Weltöffentlichkeit die Freiheit durch den Dickdarm erkämpfen könnten. Nichts dergleichen, was einem Menschen in den eigenen vier Wänden als normal oder gar herzlich erscheint, ist so wirklich richtig erlaubt und aber auch nicht so wirklich richtig verboten. Denn die gierigen Bespanner des Produkts, welches doch hoffentlich nur aus Versehen aus Holland zu uns herübergeschwappt kam, entscheiden darüber, wer in dem Haus weiter wohnen darf und wer das Glück hat, rausgeschmissen zu werden.

Keine Frage, daß selbstverständlich nur die härtesten oder kaputtesten diese Tortur überleben werden. Die anderen werden freiwillig gegangen oder im Teppich eingerollt, als Düngemittel im Blumenbeet (neben der Kamera) verbuddelt oder heimlich im gleichen Zustand in eine Hamburger Familie eingeschleust. Vor den Augen des Publikums natürlich, denn das Auge ißt ja bekanntlich mit.

Was aber bringt einem deutschen Voyeur... ääh... Zuschauer das alltägliche Betrachten dieser gequirlten Scheiße nun wirklich? Das vergebliche Warten auf den ersten nicht so schlecht gestellten Live-on-Tape-Fick im Privatfernsehen? Die härteste Konkurrenz zu "Gutes Reiten, schlechtes Reiten"? Wer mag es endgültig wissen? Vermutlich wissen es die Macher selbst nicht so genau und stellen sich vorsichtshalber den Fluchtkoffer unter ihren Schreibtisch – nicht zu vergessen die Flugtickets griffparat in der Innentasche ihres Armani-Jacketts.

Wenn diese Sendung vielleicht irgendwann endlich mal ein verdientes Ende finden wird, wird sicherlich auch die Diskussion nicht ausbleiben, wie man eine allfällige Nachfolgesendung denn noch schärfer, brisanter und werbefreundlicher gestalten könne. Nicht zu vergessen die versauten Spiele, zu denen sich die Kandidaten bereiterklären müssen werden. Der Fantasie sind zum Glück keine Grenzen gesetzt – nur leider ist sie bei den Auswurfkreatoren dünn gesät. Einzig und allein die Opfer... ääh... "Kandidaten" haben vorerst vielleicht noch die Gelegenheit, bei SAT1 für eine satte Gage zu erzählen, mit welchen Methoden der Konkurenzsender sie zu unmoralischen Perversitäten angestiftet habe, die sie lächelnd und geldgeil-triefend ertragen mußten. Die Welt ist ja soo ungerecht.

So sollte sie aber auch sein. Denn worüber sonst sollte ich schreiben?

Erstellt am 10.04.2000.

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