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Unter der Rubrik: "Das Leben ist Scheiße - Ein Odyssee zu den tiefsten Abgründen des Alltags oder: Wie schreibt man wööast Kääisse??"

Bringdienste

Einige der fröhlichen und zugleich nützlichen Einrichtungen unserer Gesellschaft, die stets mit einem Fuß im Knast stehen, sind Essens-Bringdienste. Waren sie noch zu Anfang der 90er vereinzelt in den Großstädten zu finden, so haben diese Mikrowellenbuden zur Jahrtausendwende ein unübersichtliches Ausmaß angenommen. Zu bestellen gibt es alles: Italienisch (Pizza & Pasta), französisch (Croque oral), chinesisch (Dackel Chop Suey) oder alles zusammen (Döner rot-weiß).

Wenn man in einer Firma ohne eigene Kantine seine Brötchen verdient, bleibt auch nicht viel Auswahl zwischen den eigenen Genexperimenten in der Mikrowelle (wie erhitze ich Risottoschimmel in 2 Minuten) oder dem Griff zur bunten Bestellkarte. Letzterem ausgesetzt treibt schon die zweistündige "Vorfreude" auf die schmackhaften Köstlichkeiten im Styropormantel einigen Mitarbeitern die Magensäure durch die Speiseröhre, allerdings in der verkehrten Richtung. Leider auch zurecht. Glaubt der Besitzer des gebeutelten Magens noch, daß seine Verdauung nach Hunger gurgelt, so ist es doch eher ein verzweifelter Hilfeschrei.

Dies wissen natürlich auch die Anbieter dieser "Speisen". Deshalb werden deren Zutaten auch geschickt verschleiert. Spricht man zum Beispiel von Pizza Italia, so fragt sich der Esser sicherlich, warum beim einen Bringdienst auch die Salami mit dabei ist, sie beim anderen jedoch fehlt. Die irrige Annahme, mit Salami wäre es doch toller, läßt sich durch die Beobachtungen widerlegen, die man machen kann, wenn das Weiße zwischen Käse und Salami beseitigt wurde.

Extremer noch die Zutaten, äh, -mutungen, die die chinesische Küche uns bietet. Das reicht von nahezu ungegarten, aber trotzdem undefinierbaren Gewächsen aus Haus und Hof über die scheinbar wahllose, tatsächlich jedoch fein abgestimmte Anwendungen von konkurrierenden Grundgeschmacksrichtungen (etwa "süß-sauer" oder "bitter-metallisch") bis hin zu so exotischen Kostbarkeiten wie "Flitierter Lattenschwanz" oder "Knoblauchbohnen 'Peking' mit Schokoladensauce". Alles mit dem naheliegenden Hintergedanken, durch gekonnte Kombination die mangelnde Qualität der Zutaten als solche zu verschleiern. Siehe zu diesem Thema auch unseren Tophit "Ein bißchen China".

Andere Bringdienste sind wesentlich aggressiver. So preisen sie mit Coupons und Geschenken, wie Chilisauce, einem Liter Kräutercola oder verschimmelten Brot zum Salat ab einem Bestellwert von DM 50,-. Frei nach dem Motto "Wenn der Idiot soviel bestellt, können wir doch unseren Abfall gleich mit loswerden" werden die längst abgelaufenen "Geschenke" lustig aufgemacht und fachgerecht entsorgt.

Doch nicht nur kulinarisch, sondern auch was die Kundenfeindlichkeit angeht, sind noch lange nicht alle Register gezogen worden. So ist es mittlerweile normal, wenn nach 1,5 Stunden Wartezeit immer noch weder Essen noch dessen übliche Imitate beim Besteller angekommen ist, obwohl die nette weibliche sexy Stimme oder das gebrochene unverständliche Deutsch an der anderen Seite der Leitung von "halber bis dreiviertel Stunde" sprach. Nach dreimaligen Rückruf kommt das "Essen" dann schließlich an: Kalt, ohnehin ungenießbar - und natürlich nur die Hälfte der Bestellung hat den Ort des Hungernden erreicht, dafür ergänzt um nie bestellte Siebenpersonenplatten zum Spottpreis von Achtnviersichdreißich.

Wobei man aber zur Ehrenrettung der Bringdienste (wenn da noch was zu retten wäre) zugeben muß, daß auch bei der Übermittlung der Bestellung vom kopierten Wisch mit den viel zu kleinen Kästchen zum schmierigen Quittungsblock des Nahrungsmittelvergewaltigers öfter mal was schiefgeht. So kann es durchaus passieren, daß statt der drei Scheibchen Fetakäse auf der Pizza mal "versehentlich" ein halber Kubikmeter der weißen Masse angelandet wird - oder umgekehrt. Etwaige Rechnungsbetragsschwankungen gehen zu Lasten des Bestellers. Wer hätte das gedacht.

Endlich, nachdem alles da ist, alle Packungen geöffnet sind und der erste schmachtende Blick samt Gabel in der glibbrigen, öligen Masse versunken ist, erkennt auch der Letzte, daß er dies gar nicht bestellt hat. Selbstverständlich alles zum vollen Preis. Plus Anfahrt.

Doch Reklamationen sind meist zwecklos, da nach Lieferung der Bringdienst untergetaucht ist und die Telefonnummer wieder der alten gebrechlichen Renterin aus der Nachbarschaft gehört.

Na dann, guten Appetit und willkommen in Schlabonskis Welt.

Erstellt am 11.11.1998. Letzte Änderung am 22.09.1999.

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