Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Suppa, Buarsche!

"Hat das Leben keinen Sinn,
bist Du allein auf dieser Welt,
kriegst Du überhaupt nix hin,
möchtest schwimmen im dicken Geld,
willst Du Frauen imponieren,
auch wenn in den Lenden steckt keine Kraft,
willst Sozifressen mal polieren,
dann bist richtig in der Burschenschaft."

So oder womöglich in dieser Art müssen wohl im 18. und 19. Jahrhundert mutierte y-Chromosome ihresgleichen gesucht und gefunden haben. Schließlich gibt es diese Debilen erschreckenderweise auch heute noch in fast jeder Universitätsstadt. Immer bereit, sich mit diversen Ökos, Punks und Grienpieß-Terrouristen auseinanderzusetzen, finden selbst diese putzigen kleinen Patriarchatenanhänger noch und vor allen Dingen nur in der pseudointellektuellen Gesellschaft Anhänger, die bereit sind, neben dem Studium Zeit finden, mit einem Glas Bier und einem Säbel (austauschbar auch einer Fackel) in der Hand über die Asylantenplage, den gemeinen lesbischen Ökotussen von der ASTRA (die gehören an den Herd!) und über das Nein zur Grienkart für indische Systementwickler zu philosophieren.

Nun ja, jedem die eigene Psychose. Aber welchen unersetzlichen Wert stellen diese Burschenschaften denn für unsere Gesellschaft dar? Genau genommen keine. Der einzige Vorteil der Sache ist doch, daß man als Narbenträger später über geile Connections verfügt, ohne die man höchstens im "Waste Consulting" oder in der "Senior Social Association" gelandet wäre mit fantastischen Aussichten letztendlich zum "Sanitary Faciltity Administrator" aufzusteigen. Und so gesehen passen sie auch ganz gut in dieses Land und diese Zeit, wo eine Hand die andere wäscht und trotzdem keine von beiden je wieder richtig sauber wird.

Zugegeben, manches schaselige Sandalenstudententum mit dreistelliger Semesterzahl an jeder Backe hätte auch nichts besseres als Wäißt Konßalltink verdient. Jedoch hört es sich in manchen Vorstellungsgesprächen immer noch besser an, wenn man seine überlange Unizeit mit den ausgiebigen, kameradschaftlichen Bierabenden in der Burschenschaft als mit der intensiveren Fortbildung durch Besuchen diverser Studienzweige zu entschuldigen sucht. Sowas läßt sich ohnehin nur mit irgendwelchen Drogen ertragen, womit der Bursche näher an der Wahrheit wäre. Aber das ist noch nicht alles.

Burschenschaften, die was auf sich und ihre Traditionen halten, haben in erster Linie lateinische Namen, die eher an medizinische Experimente und zu Recht ausgerottete Tierarten erinnern als an Bezeichnungen menschlicher(?) Gruppierungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Für den Laien klingt das aber unglaublich intellektuell und daher höchst beeindruckend. Verstehen soll es ohnehin nicht jeder. Tut auch keiner.

So leben die Burschen stets unter sich (gottseidank) und fönen äh.. frönen ihrer "alt-historsch-überlieferten" Gebaren. Wie die im einzelnen aussehen, soll kein Außenstehender erfahren. Vor allen Dingen Frauen sind dort unerwünscht, womöglich weil man fürchtet das schwache Geschlecht könnte sich vor Scham von ihrem Partner, der Mitglied ist, trennen oder zumindest einen tödlichen Lachanfall ob der Peinlichkeit bekommen.

Möglich wäre es.

Nur an wenigen Tagen im Jahr, wenn die Sonne scheint und man auch mal in Ruhe draußen sitzen könnte, trauen sich auch die Burschenschaften in die Öffentlichkeit. Irgendwo im dunklen Schwabenland auf einer Burg treffen sich dann schließlich alle deutschen Burgenschaften, um gemeinsam mit den Altmitgliedern eine feucht-fröhliche Orgie mit gnadenloser Selbstbeweihräucherung zu veranstalten. Vier Tage lang darf sich dann in der "Tagung" über das "ungerechte" Weltbild ausgelassen, diverse Säbelduelle ausgefochten bis zur Oberkante Unterlippe vollgesoffen werden.

Als Beweis für die Degeneriertheit deutscher Intellektueller oder als Antwort auf die Frage, woher eigentlich unsere teuren Vorstandsvorsitzenden, Politiker und Richter kommen, wird am letzten Abend ein gewaltiger Fackelzug veranstaltet, der mit Gesang und Rum-Ta-Ta-Gejaule im Stil diverser Schützenfestkapellen grölend den Berg hinabsteigt, um der Welt oder zumindest den herumstehenden Dorfbewohnern zu beweisen das man seit Nürnberg in den Dreißigern immer noch was auf der Pfanne hat. Jawoll!

Daß sich dabei versehentlich keiner selbst und damit in Panik auch seine umliegenden Nachbarn angezündet hat, bleibt zwar ein Rätsel – aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben.

Jedenfalls erklärt sich so auch zwanglos, warum aus uns normalen Menschen ohne Säbelspuren im Antlitz irgendwie nicht so recht Vorstandsvorsitzende, Politiker oder Richter werden wollen. Manche sind eben doch gleicher. Aber eigentlich bin ich da auch gar nicht so böse drum – denn so gleich will ich auch gar nicht sein.

In diesem Sinne, Abmarsch!
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 06.06.2000.

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