Camping
Der Tagesablauf der deutschen Familie auf dem Campingplatz:
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Frühaufstehen ist angesagt, für's Ausschlafen haben wir nicht gebucht, das könnt ihr
auch zuhause. Mama zieht mit den Kindern unter 12 Jahren zum Waschhaus und sorgt für Hygiene.
Die größeren werden unter lautstarker Androhung von Strafe zur Katzenwäsche
dorthinkomplimentiert.
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Mama geht Brötchen und BILD-Zeitung holen.
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Papa steht auf, rückt die Satellitenschüssel wieder gerade man muß ja die Tagesereignisse
sehen.
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Mama kommt vom dritten Waschhausgang zurück und macht, während sie Kaffee, Tee und Kaba
kocht, die Betten, fegt die Behausung aus, wäscht die Überlassenschaften vom Abend zuvor ab und
schickt schließlich alle anderen erstmal RAUS!
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Mama deckt den Tisch, während Papa die Zeitung liest, der Jüngste schon wieder im Dreck
unter dem Tisch liegt, die Tochter mit verträumtem Blick unterm Walkman schweigt und
der Ältere nur noch seinen Gameboy wahrnimmt.
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Essen, naja, die Nahrungsaufnahme ist ein Kampf, wie immer: die Tochter sorgt sich um die schlanke
Linie, Nutellagläser sind dennoch immer zu klein und Papa hört inzwischen
Sportnachrichten über die Deutsche Welle.
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Aufatmen für Mama. Nach dem Frühstückskampf stapft Papa brav mit den Kindern zum
Strand (Mama gibt noch die Kühltasche mit). Mama hat Zeit zum Aufräumen und abspülen.
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1. Ruhephase für Mama. Eine Zigarette rauchen und ein bis zwei Verwandte in der Heimat per
Handy anrufen.
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Mama macht die tägliche kleine Wäsche und benutzt die triefend nassen Sachen als Zaun-Ersatz.
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Noch ein schnelles Telefonat und dann nichts wie hin zum Strand. Dort kommt sie gerade rechtzeitig
um den lieben Kleinen ein Eis zu besorgen.
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Mama ist fertig und braucht Ruhe, Papa mault was von "Spielverderber", weil Mama pennt und sich
nicht im Sand eingraben lassen will.
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Nachdem Mama endlich da ist, bekommt Papa Hunger, die Biere aus der Kühltasche waren
appetitanregend...
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Mama geht nach 1/2 Stunde und einem kurzen Bad (nur die Haare nicht naß machen) also schnell zum
Einkaufen, bevor der Laden am Campingplatz zumacht.
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Mama sitzt vorm Wohnwagen, raucht sich eine, telefoniert noch was und fängt dann mit der
Zubereitung des Mittagessens an.
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Papa kommt vom Strand zurück, der Sonnenbrand von gestern ist noch schlimmer geworden
(Mama hätte ja auch daran denken müssen, daß er sich einschmieren muß). Der Jüngste
hat Streit mit dem älteren, weil Papa nicht 2 Gameboys kauft. Man gibt sich pädagogisch.
Der Altere hat sich verletzt, weil er wie ein Blöder die Riesenrutsche runtergesaust ist,
um eine junge Italienerin zu beeindrucken.
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Mama versorgt aus der Hausapotheke zuerst den Sohn (Papa mault weil ihm der Buckel brennt, das Bier
zu warm ist, die Scheiß-Sat-Schüssel schon wieder verdreht ist und... überhaupt!). Dann
pflegt Mama auch Papas Rücken.
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Während Mama das Essen aufträgt, beginnt der Älteste mit ersten vorsichtigen Vorstößen,
um abends in die Jugend-Disco gehen zu dürfen. Mama reagiert gereizt: "...ich wollte, daß
wir uns mal zusammensetzen..." Sohn mault: "...ooch so ein Scheiß, das ist echt ätzend,
immer hier rumhängen..." Der Jüngste hält sich raus, solange er nur genug
Ketchup für seine Nudeln oder was auch immer bekommt. Die Tochter starrt gedankenversunken auf
ein Bild von Sascha, Traum ihrer schlaflosen Füße, von dem sie alle Platten und Bravo-Artikel
hat und auch im Urlaub mitschleppt.
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Mittagsruhe, die Fontäne am Swimmingpool wird abgestellt, der Laden hat jetzt geschlossen.
Mama nimmt eine wohlverdiente Mütze voll Schlaf, der Jüngste ist glockenwach und nervt
rum bis Mama mit ihm spielt. Papa verbrennt sich derweil, des Gleichgewichtes wegen, auch noch
Bauch und Stirn während er auf der Liege ratzt.
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Zwischendurch tänzeln 2 junge Mädchen im knappen Badeanzug Typ Baywatch von Stellplatz
zu Stellplatz um die Attraktionen des Platzes für diesen Tag anzukündigen. Dazu gehören:
Kinderdisco (19:30-20:30, jeden Tag die gleiche Scheiß-Kassette die der ganze Platz hören muß:
Ententanz und irgendwas ausländisches, achja, man ist ja in Italien). Danach "Grande Fiesta
auf der Arena" für die Großen und eine Jugenddisco.
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Der Junior, der ältere, hat die beiden Mädels gesehen und es wird ihm eng in der Hose.
Von nun an wird er die Familie so lange nerven, bis er die Zusage hat, abends in die Disco zu
dürfen und dort auch bis 0 Uhr bleiben zu können. Die Überredungsaktion dauert, dank des
inzwischen rundherum verbrannten Papas und der Mama, die inzwischen fast besinnungslos ist vor
Müdigkeit, immerhin 3 Minuten...
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Die Tochter ist mit der Reife ihrer zwölf Jahre jenseits solchen Tuns. Sie bewahrt sich ihre
Unschuld für Sascha. Jugenddisco? Das ist was für unreife Kinder. Die Familie hört
sich das zum x-ten Mal an und findet es immer noch nicht interessant.
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Ruhe für die Alten? Nöö, jetzt ist der Kleine sauer: "...immer darf DER alles und ich
NICHTS..." Junior bekommt ein Eis versprochen (das 4. heute), und Mama holt das, wenn in 10 Minuten
der Laden wieder aufmacht.
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Der Nachmittag verläuft wie der Vormittag: Mama macht nach einem kurzen ... halt! Heute hat Papa
keine Lust auf Spaghetti und Dosenfleisch aus der Heimat, heute will er es krachen lassen: Man geht
zum Ristorante des Campingplatzes. Für den Kleinen gibt es endlich: Nudeln mit Ketchup (Mamas
schmeckt besser, oder es gibt wenigstens mehr davon). Der ältere stochert auf seinem Teller
herum (Pizza, was sonst): er überlegt nur noch, wie er abends so richtig cool rüberkommt
in der Disco. Mama freut sich, daß sie den Abwasch vom Mittagessen dann noch "nachher" machen kann...
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Zurück am Wohnmobil: Papa schaltet die Glotze ein nachdem er mit dem Nachbar-Papa klar gemacht
hat, wer denn nun den besseren Wohnwagen hat, am meisten Geld gespart hat oder was auch immer... RUHE!
Endlich mal Fußball im TV, kommt ja auch wirklich zu selten! Die anderen maulen weil sie "GZSZ" und
"Big Brother" sehen wollen:
Mama, um anderen beim Leben zuzusehen
Der Ältere, weil er bei seinesgleichen mitreden können muß und kein Detail verpassen darf
Die Tochter, weil sie den einen oder anderen Jüngling so süüüß findet
Der Jüngste, weil er den Pokemon-Werbespot so geil findet
Aber Fußball geht vor. Menschliche Bedürfnisse muß der Rest der Familie eben durch Lektüre
von Goldenem Blatt, Bravo oder Donald-Duck-Heftchen, je nach Alter, befriedigen.
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Mama bringt nach der Rückkehr von der langweiligen Kinderdisco-Folter den Kleinen zu Bett.
Nach 2 Stunden schläft der dann wohl auch endlich ein. Der Älteste hat sich nach auffallend
ausgiebiger Körperpflege in Schale geworfen. (Unterhosen über (!) die Jeans gezogen usw...)
Egal, zum ersten Mal seit 2 Wochen stinkt es nicht nach Schweißfuß es riecht nach Papas ...
Mooment mal! Papa reagiert gereizt: "SO geht es nicht, junger Mann, du bleibst zur Strafe hier!"
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Wohnwagentürenknallen, ihrseidsogemein, ichmußimmerdastunwasihrwollt, Scheiße...
Naja, der Ausgang ist klar: er darf doch gehen. Papa trinkt weiter Bier, Mama versucht sich an 1
oder 2 Glas Wein, ist dank der Tageslast augenblicklich angeschickert und beginnt lauthals über
Witze zu lachen, die sie vor 10 Jahren gehört hatte (auch das ist Urlaub, die Aufarbeitung
abgestandener Witze).
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Die Tochter ist längst im Bett und träumt von Sascha, Papas TV-Abend wird langweilig,
Der Finger zum Zappen ist inzwischen angeschwollen. Noch ein paar Bierchen mit dem Nachbarn (auch bei
dem sieht die Frau schon etwas "angestrengt" aus), dann geht er nochmal zum Toilettenhaus und nimmt
sogar das Portapotti mit (im Dunkeln sieht's ja niemand). Dann geht er schlafen... aber nicht bevor
der Älteste geschwollenen Schritts heimgekehrt ist und sich seine leicht lallend vorgetragene
Standpauke abgeholt hat (es ist schließlich schon viertel vor eins), die er ungeduldig erduldet,
hat er doch noch einen dringenden Termin mit einem Coupé-Heft, einer Taschenlampe und einer Flasche
Sonnenmilch.
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Was dann sonst noch abläuft, entzieht sich meiner Beobachtung wenn nicht der Wohnwagen 30
Sekunden lang verdächtig schaukelt.
Erstellt am 25.01.2001.
Letzte Änderung am 22.07.2001.
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