Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Das merkt doch keiner ...

Manchmal frage ich mich, ob der Dilettantismus zur Tugend geworden ist in der heutigen Zeit. Nein, ich meine zur Abwechslung weder Bringdienstköche noch Softwareentwickler, weder Autodiehsainer noch Musiker, weder Attentäter noch Politiker (falls jemand da überhaupt noch einen Unterschied sieht), und nein, ich meine nicht mal mich selber – ich meine die Leute, die beim Film so geschätzt sieben bis dreiundzwanzig Stufen unter denen, deren Namen man so kennt, dafür sorgen, daß die Staffage stimmt, die Kontinuität gewahrt bleibt und der Kinogenuß nicht durch den ärger über offensichtliche Fehler getrübt wird.

Oder vielmehr: die Leute, die dafür sorgen sollten, daß die Staffage stimme, die Kontinuität gewahrt bleibe und der Kinogenuß nicht durch den ärger über offensichtliche Fehler getrübt werde. Denn schaffen tun sie es irgendwie nicht.

Und ich rede gar nicht von Filmen wie "Mischen Impoßibbl", wo solch Schwachsinn (Hubschrauber im Kanaltunnel, parallel Seite an Seite über die Straße trudelnde Sportwagen, Wörkstäischens mit geheimen Daten und praktischem MO-Laufwerk extra für die Datenräuber und dergleichen mehr) vielleicht ja sogar irgendwie zur Storrie gehört. Ich rede auch nicht von solchen Fehlern wie den immer und überall gerade so eben für einen Menschen ausreichenden Querschnitt von Lüftungsschächten, die für die Handlung oder das, was dafür durchgehen soll, vielleicht ja sogar irgendwie erforderlich sind. Ich rede *auch* nicht von dem Gezirpe der Textausgabe von Kompjutern, den quietschenden Reifen auf Sand oder dem Donnern von Raumschiffen im Vakuum, die vermutlich wegen Effekthascherei passieren im vielleicht ja sogar irgendwie vorhandenen Wissen, daß sie falsch sind. Und ich rede nicht mal von solchen Effekten wie dem, daß der Held in New York um die Mittagszeit einen Parkplatz vor der Tür der Bank findet und seine Karre nicht zuschließt, die dazu da sind, die vielleicht ja sogar irgendwie existierenden Handlungsfäden nicht durch trivialärgerbedingte Verzögerungen abreißen zu lassen.

Sowas nervt, aber ich kann es verstehen. Doch, wirklich.

Nein – was ich meine, sind diese lächerlichen, vermeidbaren Fehler. Die Helden fahren einen gammeligen alten VW-Bus, aber dessen Motor klingt nach dem eines gammeligen alten Opel. Klar, Nachvertonung ist gang und gäbe – aber herrjeh, ist denn niemandem aufgefallen, daß alte VW-Luftheuler anders klingen als andere Autos, und war denn nicht mal ein alter Porsche in der Saunddatenbank? Oder war die Suche danach zu teuer? Autotüren sind auch so ein Beispiel: die machen immer *woomph*, wenn man sie zuschmeißt, nie *plapp* oder *bäng*. Ich hatte noch nie ein Auto, dessen Türen *woomph* machen. Okay, das fällt vielleicht genauso unter Effekthascherei wie die Sache mit dem Reifenquietschen oder die spektakulären Berstlaute bei Kollisionen, deren wahres Geräusch – für die unter Euch, denen das bislang erspart blieb – weitaus öfter einem leisen *zischschsch-papp* ähnelt als dem filmüblichen *ieeeeeeek-BäNG-dengelkalüngelroingroingrrrroinnnggg*, aber ich frag Euch: warum? Und warum muß die Scheiße anschließend in Zeitlupe in die Luft fliegen?

Schlimmer noch sind dann nur noch die Fehler, bei denen man merkt: Den hat vom Produktionsteam wirklich *niemand* bemerkt. Ich weiß nun wirklich nicht viel über die Streitkräfte der Ukraine, und ja, es mag schon sein, daß es bei denen inzwischen auch Unimogs gibt im Fuhrpark. Aber es gibt da ganz bestimmt keine mit orangefarbenen Standleuchten nach US-Vorschrift, und sehr wahrscheinlich schon gleich gar keine aus den 60er Jahren, als es diese Vorschrift noch nicht mal in den USA gab. Und, achja, selber Film: es gibt in Moskau bestimmt viele russische Geländewagen und bestimmt auch viele Autos in USA-Ausführung, aber russische Geländewagen in USA-Ausführung? Sowas gibt's, da wette ich meinen Firmenbulli gegen einen russischen Geländewagen, nur in Hollywood.

Alberne Beispiele? Klar. Ich geb auch gerne zu, daß ich wahrscheinlich der einzige im Saal war, der das gemerkt hat. Aber was für Fehler mögen da noch drin sein – was findet jemand, der sich in Uniformen auskennt, in Flugzeugen, in Funkgeräten oder von mir aus in Modeschneidern? Und wofür zum Geier kriegen die, deren Job es ist, sowas zu vermeiden, ihre Kohle?

Na gut. Anderes Beispiel. Kein Fachwissen erforderlich. Sehr prominenter Film, steht in jedem zweiten Wohnzimmer im Regal: Menn in Bläck, Teil 1. Da verfolgt der Herr Smith eingangs einen Zeflapoidingsbums, der dann einfach die Wand eines hohen Gebäudes hochrennt und dann auf dem Dach einen Eingang sucht. Nicht nur, daß der nicht einfach auf der anderen Seite wieder runterrennt – worauf ich hinaus will, ist Herr Smith: der bahnt sich einen Weg ins Innere und findet dort keinen Fahrstuhl, keine Treppe, sondern eine spiralförmige Rampe bis zum Dach. Und die rennt er hoch. Achtet mal drauf: in der Draufsicht ist die Rampe im Uhrzeigersinn steigend. Aber Herr Smith rennt in den folgenden Einspielungen von rechts nach links, also eine andersherum steigende Rampe hoch.

Vielleicht drehortbedingt, okay. Aber bei den Speschel Iffecktz, die sonst so in dem Film sich stapeln, wär es doch ein Klacks gewesen, die paar Sekunden zu spiegeln. Dutzende, wenn nicht hunderte mehr oder weniger hochbezahlter Menschen haben während der Produktion diese Szenen gesehen. Waren die alle besoffen oder bekifft, oder sind die wirklich alle so doof?

Da kommt einem doch das Popcorn hoch. Ich weiß ausnahmsweise mal keine Antwort, aber vermuten tu ich letzteres. Wie schon Hildebrandt, oder war es Scheibner, sang, so scheint auch das Lebensmotto der Grips zu sein, die wohl so heißen, weil sie keinen haben: Das macht doch nix, das merkt ja keiner.

Kuckuck. Kuckuck. Schönen guten Abend.

Wünscht jedenfalls Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 01.09.2002.

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