Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Die deutsche Sprache

Geklaut von Klaus Petersen, gefunden in de.etc.sprache.deutsch

Der Verein Deutsche Sprache versteigert die deutsche Sprache bei Ebay: http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=3312018053, und Du fragst Dich: Kann man etwas verkaufen, was man nicht besitzt?

Du siehst das falsch. Du mußt wissen, früher, als die Welt noch in Ordnung war, zerfiel der zivilisierte Teil der Menschheit (also dort, wo Latein gesprochen wurde, einschließlich jener schaurigen Winkel, dort sich die ungebildete Mehrheit eines unflätigen Geraunzes bediente, das in jedem Dorf ein bißchen anders klang und dem, was wir heute Deutsch nennen, mehr oder minder ähnlich war) in drei Gruppen: Da war der Adel, das waren sozusagen die Chefs, die bauten sich Burgen, fraßen sich voll und waren im übrigen dafür zuständig, das Land, dort ihr Fraß wuchs und ihre Burgen standen, vor bösen Leuten zu beschützen.

Allerdings, was wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können, das ganze lange Leben hindurch nur essen und böse Leute verprügeln, das füllt einen nicht aus. So kam es, daß viele Adlige mit Anfang fünfzig oder so, falls sie denn so alt wurden, plötzlich Zweifel bekamen, ihrem Leben eine neue Richtung geben wollten, mit Seidenmalerei anfangen oder Lesen lernen oder desgleichen Unsinn mehr. Um das zu verhindern, gab es die zweite Gruppe, den Klerus. Der war auch super wichtig, weil er eben dafür zuständig war, dem Adel zu erzählen, daß das schon gut so sei mit dem Feindemetzeln. Nur gegen die Völlerei hatten die Geistlichen was, ist ja auch ganz einsichtig, denn auch der adligste Männe ist im Kampf wenig nützlich, wenn man ihn zum Schlachtfeld rollen muß. Naja, auf jeden Fall hielt also der Klerus mit seinen Psycho-Methoden den Adel am Laufen und meinte deswegen manchmal sogar, eigentlich viel wichtiger zu sein als derselbe. Darüber haben die sich oft gestritten.

Ja, und dann war da noch die dritte Gruppe. Die kann man eigentlich vernachlässigen, wenn man mal davon absieht, daß das doch irgendwie die meisten waren. Außerdem waren das oft große Koryphären im Graben (Adam) und Spinnen (Eva, natürlich), in Ackerbau und Viehzucht, im Pferdebeschlagen und Schafescheren, sprich, die haben die ganze lästige Arbeit gemacht, damit Adel und Klerus sich in Ruhe streiten konnten, und bekamen dafür Schutz und Segen.

So war das also damals, und damit das so blieb, nannte man das Göttliche Weltordnung, drückte Jesus ein Schwert in die Rechte und eine Lilie in die Linke und sagte den Bauern, klar, wer beide Hände voll hat, muß ja auch gefüttert werden, also macht mal hinne mit eurem Zehnten.

So also funktionierte damals die Welt. Seitdem hat sich allerdings einiges verändert. Heute braucht nämlich die ganze Welt nur noch einen einzigen Kriegsherrn, dessen Burg ist weiß, und weil er nicht mehr wie seine Vorfahren mit einem Schwert brüllend auf seine Feinde losrennen muß, sondern bequem im Sitzen seine Verbündeten anbrüllen kann, doch endlich mal in die Strümpfe zu kommen, kann er fressen so viel er will. Auf diese Weise hat der amerikanische Präsident den Adel überflüssig gemacht und ist folgerichtig ein Stützpfeiler der Demokratie. Oder so.

Mit dem Dahinscheiden des Adels ist natürlich auch der Klerus ziemlich hyperfluent geworden: Da gibt es heute im großen und ganzen noch diesen einen, der je und je mal was vom Baumarkt murmelt und absurderweise auch ab und zu was vom Frieden auf Erden – eine völlige Perversion des ursprünglichen Prinzips!

Am schlimmsten aber hat es die Bauern erwischt, denen sich im Laufe der Zeit noch Arbeiter und Dienstleister hinzugesellt haben: die müssen nämlich immer noch arbeiten, bekommen aber weder Schutz noch Segen dafür. Aus Frustration darüber haben sie im Laufe der Jahre so Dinge erfunden wie Geld, Rumkugeln, RTL und Microsoft, die zwar für sich genommen zu nichts gut sind, aber dem zu Tode gelangweilten dritten Stand die viele überflüssige Zeit ihres sinnlosen Lebens vertreiben. Es läßt sich leicht ersehen, die Welt wäre ohne sie viel besser dran.

Zusammenfassend können wir feststellen, daß die Welt heute eigentlich nur noch George Bush braucht. Manche haben das auch erkannt und sind deshalb ganz wild darauf, alle anderen einen nach dem anderen totzumachen.

Allerdings gibt es, und damit komme ich nun langsam zum Them... Ende, wie gewöhnlich auch in diesem Fall ein paar Unbelehrbare, die meinen, ihr eigenes Ding durchziehen zu müssen; und weil die alte Einteilung in Starke (Adel), Geistreiche (Klerus) und Nützliche (Dritter Stand) so kläglich versagt hat, haben sich diese Leute ein Thema gesucht, das zu beherrschen man weder besonders stark noch besonders geistreich sein muß und das auch nicht direkt besonders nützlich ist: die Bewahrung der deutschen Sprache.

So verteilt sich also heute alle Macht und aller Besitz der Welt auf zwei Parteien: den Präsidenten und die Sprachgesellschafter. Sicher hast Du auch schon bemerkt, Ingo, daß der Präsident nun nicht einmal seine eigene Sprache wirklich beherrscht. Vor diesem Hintergrund ist es meines Erachtens zweifelsfrei so, daß die deutsche Sprache den Sprachgesellschaftern gehört, und wenn jene sie nun verkaufen wollen, dann ist das ihr gutes Recht und diese Auktion völlig legal.


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Erstellt am 18.02.2003
Letzte Änderung am 24.07.2004 12:59 (CEST)
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