Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Der Dosenfant

Liebe Tierfreunde, heute habe ich Euch einen besonders putzigen kleinen Gesellen mitgebracht: den Dosenfant. Jahrelang wurde über seine Existenz spekuliert, bis ihn Anfang des Jahres eine Gruppe unerschrockener Dosenpilzsammler in den tiefen Realhöhen von Mittel-Edekasien aufspüren konnte.

Aber Spaß beiseite, wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Das Dosenpfand hat eine mindestens genauso aufreibende Geschichte hinter sich: erstmals gefordert anno knack von einer Regierung, die jetzt Opposition ist und deswegen auch seine Einführung nach Kräften zu blockieren versuchte; von der Getränkeindustrie beharrlich ignoriert bis zum letzten Tag in der Hoffnung, es werde irgendwie von selber wieder verschwinden, weil nicht sein kann, was nicht sein darf; demzufolge mit einem Umsetzungskonzept gestraft, das sich auch Meikroßofft nicht schlimmer hätte ausdenken können, und zu allem Überfluß auch noch Schuld am seitherigen Rückgang des Bierkonsums um beängstigende sieben Prozent: was hat das arme Fant in den paar Monaten seit seiner Geburt nicht all erdulden müssen, von den Jahren davor ganz zu schweigen.

Und seitdem sitzen sie in jedem großen Supermarkt in einem abgeschiedenen Eckchen zwischen Müll... Wertstoffrückgabestation und Kundenklo: die Pfandtasten. Bemitleidenswerte Geschöpfe, die mit verhärmtem Gesichtsaus- und verhärtetem Gesäßabdruck auf unbequemem Gestühl vor einer Registrierkasse aus der Zwischenkriegszeit hocken, von lustig bunten Mülltonnen umgeben, und darauf warten, daß alle paar Viertelstunden mal ein Kunde vorbeikommt und von der Lektüre des Sonderangebotszettels abzulenken verspricht mit folgendem Dialog:

Kunde: Isch will main Geld zurück!
Pfandtast: Ja, drei Dosn Beck's, eine Dose Erdinger. Hammsie n Kassnzeddl?
Kunde: Kassnzeddl? Wofüer dasdann?
Pfandtast: Ja ohne Kassnzeddl kannich Ihn kein Fant auszahlen.
Kunde: Warum nich?
Pfandtast: Weil Sie die Dosn ja auch letzt Jahr gekauft haben könnten.
Kunde: Seh ich aus, als hättich fünf Monate alte Bierdosen im Schrank?
Pfandtast: Offen gesagt ... kein Kommentar.
Kunde: Moment, ich hatte doch irnkwo ...

Der Kunde durchwühlt nun also seine diversen Taschen und sonstigen Körperöffnungen nach schimmligen alten Zeddln, auf denen mit Glück schemenhaft zu erkennen ist, von welchem Laden sie stammen – was dort aber wann gekauft oder gar bepfändt wurde, kann meist nur der Kunde noch lesen. Sparen wir uns das Mitanhören der Debatten, warum eine Paulanerdosenquittung nicht die Abgabe einer Erdingerdose ermöglicht, was passiert, wenn drei Dosen mehr auf der Quittung stehen als auf dem Tresen, und warum der Kunde seine Quittung nicht fürs Finanzamt wiederhaben kann, und fassen wir zusammen:

Wer sich dieses Umsetzungs-"Konzept" ausgedacht hat, gehört riehßaikelt, und zwar am besten noch heute, bevor er echten Schaden anrichten kann.

Und wären ein paar Euro für jeden, der sich die Mühe macht, tatsächlich den Wald oder die eigene Küche nach herumoxidierenden Dosen zu durchforsten bzw. -küchen, nicht vielleicht sogar billiger gewesen als das Rumgeeier mit den Kassnzeddln und das obschon sicher spärliche Gehalt der Pfandtasten? Man weiß es nicht. Aber man möchte es vermuten.

Aber andererseits: je unbequemer das Dosenfant nun wirklich nicht funktioniert, umso effektiver ist es in seiner eigentlichen Aufgabe: weg vom Einweg. Das funktioniert erstaunlich gut, sogar die schon verflossen geglaubten Drittelliter-Automatencolaflaschen gibt's wieder zu kaufen, also mag man auch einklich gar nich so laut meckern.

Typisch isses aber trotzdem mal wieder: Bloß keine pragmatische Lösung, sondern erstmal ne hirntote Krücke, die man dann später mit reichlich malfunktionabler Haiteck erschlagen kann, um dann das Ganze als Verbesserung zu verkaufen. Na was soll's. Man erwartet ja inzwischen schon gar nix anderes mehr.

Jedenfalls nicht
  Euer Dieter Schlabonski.


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Erstellt am 25.04.2003
Letzte Änderung am 24.07.2004 12:59 (CEST)
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