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Dot.commt mir komisch vor

Jetzt merken es also auch die Wentscherkapitalisten. Doch schon. Sie bemerken, daß ein paar Milliarden Dollar Umsatz durch ein paar hundert Millionen Dollar Verlust doch schon ein ganz klein wenig an Glanz verlieren. Wer hätte das für möglich gehalten?

Jahrelang hatte ja das simple Anfügen der unschuldigen Zeichenkette ".com" an eine beliebige – und damit auch beliebig belanglose – Geschäftsbezeichnung genügt, um den Speichel- und Geldfluß strömen zu lassen. Ob nun Hornhautentferner.com, Müllabfuhr.com oder gar und insbesondere Kinderschändung.com: was davor stand, war letztlich egal, solange man's aussprechen konnte. Eine Bedeutung war da schon zweitrangig; insofern wäre garglkark.com vielleicht sogar ein treffenderes Beispiel gewesen – das klingt auch nicht viel unwahrscheinlicher als juchu oder alterwichser.

Aber jetzt fragen die Geldsäcke... äh, Geldgeber auf einmal ungewohnte Dinge. Dinge wie z.B. "Was unterscheidet Ihr Angebot von all den anderen?" oder "Wenn Sie sich über Werbung finanzieren wollen, genau wie alle anderen, wer soll dann die Werbung bezahlen?". Berechtigte Fragen, fürwahr; das sieht man ja schon an den ausbleibenden Antworten nebst wie Schrumpfschlauch vorm Heißluftgebläse zusammenschnurrenden Aktienkursen. Und schon kriegen die ersten Dot.Comiker kalte Füße und ziehen ihre Neuemissionen "aufgrund der Marktlage" zurück, um anschließend wegen finanzieller Probleme ins Trudeln zu kommen. Ein schöner Anblick und Emissionsschutz, wie wir ihn lieben – ganz ohne Stinkerstrafsteuer. Toll.

Nicht daß ich jetzt plötzlich unter die Börsenspekulatien gegangen wäre, dazu bin ich eh viel zu pessimistisch und vermutlich auch nicht reich genug. Aber mit einer gewissen Schadenfreude erfüllt's mich dann doch.

Und mit einer gewissen Vorfreude. Denn mit Schrecken lese ich in der Fachpresse die Visionen einer vollvernetzten Zukunft, in der mein Mülleimer sieht, was ich an Lebensmittelverpackungen wegwerfe, und die entsprechenden Sachen selbsttätig nachbestellt. Schlimmer noch: der riechende Kühlschrank (nicht, daß meiner nicht röche), der verdorbenen Fraß umgehend zu ersetzen sucht. Als ob's nicht 'nen Grund hätte, warum das Zeug ungegessen vergammelt!

Warum also Vorfreude? Weil ich's kaum erwarten kann, wie die kranken Hirne, die solches entsinnen, genauso kläglich an der Gewinn-Verlust-Grenze scheitern wie Hornhautentferner.com, Müllabfuhr.com oder gar und insbesondere Kinderschändung.com.

Darauf freut sich schon heute
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 12.06.2000.

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