Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Familientragödie oder: ESP ist nicht alles im Leben

Huch, hier is glatt! Und da sind dann auch all die elektronischen Helfershelferlein im T-Modell ziemlich hilflos – was Wunder, wenn der Papi mal ordentlich Schnur gibt und die eigene Familie, schön verpackt in Blech, Plastik und Glas, mit Karacho durch einen angesichts der Großwetterlage selbstverständlich völlig unvorhersehbaren Graupelschauer katapultiert. Es kommt also, wie's kommen muß: die einst so stolze, mehr oder weniger elegante Karosse wird jäh von einem Verkehrsschild quer in zwei Teile getschoppt, mit an amerikanische Raketenwerfer gemahnender chirurgischer Präzision schön entlang der Rücksitzlehne.

Jaja, der mitteleuropäische und -alterliche, elchtestgeprägte und automobilindustievertrauensgeschädigte echte Mann kann mit solchen Naturgewalten eben nicht mehr um. Damals in der Lehre mit dem Manta einskommaneun S, da konnte man notgedrungenermaßen noch gegenlenken – aber solch juveniles Tun hat man sich ja schon lange abgewöhnt, weil die Gattin dann immer so krisch.

Und während so die betroffenen Eltern mit dem Rettungshubschrauber gen Klinik entschweben, alldieweil die getroffenen Kinder langsam am Verkehrsschild runtertropfen und surreale Spuren im Schnee hinterlassen, übertragen die Fernsehsender schon wieder hautnah und ganz schön laif das Geschehen, herrlich blutrünstig mit Großaufnahme, um dann mit angemessen ernsten Gesichtern diese quotenfördernd schaurige "Familientragödie" zu kommentieren. Einzig und allein die geiferglänzenden Mundwinkel zeugen von letzten unterdrückten Resten ehrlichen journalistischen Enthusiasmus'.

Herrjeh.

Entweder der Familienvater a.D. war gar nicht mal so dumm (wie entledige ich mich dreier unnützer Esser in fünf Sekunden), oder er hat's halt nicht besser verdient. Wer bei Glätte so fahrgasthalsbrecherisch schnell fährt, der muß mit den Folgen eben leben. Aber wen interessiert das schon? Uns. Wie im Stau oder nach dem Bombenattentat starren wir gebannt wichsend auf die Bilder geborstenen Blechs nebst ebensolcher Schädeldecken und denken erleichtert: Gottseidank, schon wieder nicht wir.

Und warum kann man mit sowas Nachrichten und Webseiten füllen, wenn angesichts des vorweihnachtlichen Nachrichtenlochs einem mal wieder nichts Besseres einfällt? Ganz einfach: Blut verkauft sich gut.

In diesem Sinne: Guten Rutsch und man sieht sich...

Erstellt am 06.12.1999.

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!