Ex

Vermeiden kann man das Unheil nur durch konsequente Enthalt- oder ewig wenn schon nicht glückliche, dann doch zumindest währende Zweisamkeit. Oder natürlich durch taktische Entsorgung des Gefährten an deren vorzeitigem Ende, aber das ist ja eher die Methode einer Minderheit. Tja, Pech gehabt, zu spät - das hätte man sich früher überlegen sollen. Und so steht man sich wieder plötzlich gegenüber, Aug in Auge mit dem Menschen, mit dem man einst alles teilte: Wünsche, Träume, Geheimnisse, Frühstücksbrötchen, Körperflüssigkeiten ... und jetzt ist dieser Mensch nicht mal mehr ein Freund, sondern nur noch ein(e) "Ex", die niederste aller menschlichen Lebensformen. Schade eigentlich.

Und dann tut man gleichgültig, lächelt betont nonchalant und fragt: "Na, wie geht's?" Und eigentlich ist es einem ja auch völlig gleichgültig, wen der andere vögelt. Eigentlich ist man ja mehr oder weniger glücklich Single, fleißig anderswo am Buddeln oder auch anderweitig vergeben. Eigentlich will man den anderen ja gar nicht wirklich wiederhaben, nicht insgeheim und schon erst recht nicht offiziell, und hatte ihn auch schon wieder monatelang vergessen gehabt. Und doch: irgendwie stellt sich ein flaues Gefühl ein, wenn man sich unterhält über des anderen Leben, Job und Partner. Je deutlicher man versucht, es nicht zu zeigen, um so deutlicher sieht man's. Man fühlt sich, als müsse man kotzen. Man fragt sich, warum man's nicht tut.

Und warum?

Versuchen wir mal ein Gleichnis. Man sollte ja eigentlich auch die Musik oder das, was man früher dafür hielt und wofür man sein gesammeltes Taschengeld hingab, heute nicht mehr oder weniger mögen als den ganzen anderen Schrott, den man schon damals schrecklich fand. Und objektiv gesehen tut man das vielleicht auch - aber wenn man sich denn doch mal zu einem Sender verirrt, der heute noch spielt, was vor 20 Jahren eigentlich schon akustische Umweltverschmutzung war, und ein Lied erklingt, das man damals bis zur Vergasung gehört und mit dem man die eigenen Eltern fast in den Wahnsinn getrieben hatte ... dann ertappt man sich doch dabei, mitzusingen, und errötet, wenn man's merkt. Man ist eben nicht einfach nur jemand, der Udo (ob Jürgens oder Lindenberg) damals flüchtig kannte - man ist ein Ex-Fan. Und man kann das auch nie mehr ändern.

Exe sind meistens ziemlich peinlich. Man fragt sich insgeheim, was man je an ihnen fand. Und peinlich ist einem das vor allem, weil man nun erkennt, daß sich das alle anderen schon damals gefragt haben - nur man selber hatte die berühmte rosarote Brille auf und war überzeugt, das Größte unter der Sonne gefunden zu haben, auch wenn's im Rückblick nur ein eher kleines Lichtlein war.

"Uaaah, erinnere mich nicht daran."

Die eine Nacht oder Woche kann man ja plausibel erklären. Man war besoffen, entweder vom Alkohol oder von der ungewohnten Zuwendung. Man hat genommen, was man kriegen konnte. Und dumm fickt gut.

Bei Monaten und Jahren muß man sich da schon bessere Ausreden einfallen lassen.

Und jedesmal in 'ne andere Stadt ziehen kann man sich ja auch nicht leisten. Wenn das alle täten, wären wir ein Nomadenvolk - also was soll's. Man kann ja auch gequält lächeln und innerlich mit den Zähnen knirschen. Und sich abends mit der zukünftigen Ex über die aktuelle unterhalten, um sich mit etwas Glück einen Trostfick zu verdienen. Alternativ kann man sich natürlich auch bei der Rotweinflasche mit Trost bedienen, aber das ist weniger angenehm, ungesünder und teurer.

Euch lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten, bis daß der Tod Euch scheide. Ist das nun ein Traum oder ein Alptraum? Eigentlich klingt es toll - so richtig romantisch, hachja. Aber wenn ich dann meine Ex treff... uääh. Mit der ein ganzes Leben?

Obwohl ...

... damals war's gar nicht so schlimm.

Naja, so ist das in Schlabonskis Welt und vermutlich auch anderswo. Tut mir leid, Euch damit auf den Sack gegangen zu sein.

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