Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Unsere Solidarisch-Wochen: Der Flug endet hier

Das war doch so ein ranziger Wir-erklären-uns-solidarisch-Artikel. Stimmt... mir wird auch schon wieder ganz schwummerich...

Nu isses also passiert. Gohd's ohn Näischen wurde Ziel eines terroristischen Attentats. Nicht so eines vergleichsweise kleinen wie anno 93 im Wöhrlt Träid Ssenta, wo läppische 6 Leute starben und um die 1000 sich die eingeatmeten Rauchschwaden mit ein paar Tagen Krankheitsurlaub versüßen ließen, nein, wenn dann gleich richtig – Holliwutt ließ grüßen, so schön einstürzende Wolkenkratzer hatten wir seit Äßteroit nicht mehr gesehen, und auch wenn das Pänntagonn nicht so elegant auseinanderflog wie einst in Inndipändentz Däih das Weithaus, fühlte man sich doch arg an dieses und andere Machwerke der Tricktechnik erinnert. Bloß war's diesmal echt. Deswegen gab's auch keine besonders guten Bilder.

Und in das Wehklagen der Njuhjorker und Woschingtönner stimmte dann sogleich die ganze Welt mit ein, außer Hussein natürlich und ein paar Palestinensern. Von einer Kriegserklärung gegen die gesamte zivilisierte Welt sprach sicher nicht nur der Bundeskanzler, sondern so ziemlich jeder. Klar, die feine englische Art ist es nicht, ein paar hundert Leute in Flugzeugen draufgehen zu lassen, indem man letztere in Häuser mit ein paar tausend Leuten drin hineinfliegt. Aber hat Amerika, nein, falsch: haben die USA denn wirklich geglaubt, einen Anspruch auf die feine englische Art zu haben?

Schließlich hat man in seiner Eigenschaft als selbsternannte Weltpolizei bestimmt ein Vielfaches an Gebäuden und Menschenleben in kleine Stücke gebombt.

Achja, ich vergaß: das war dann natürlich nicht Teil der "zivilisierten Welt", schon klar. Bombenteppiche über armen Ländern sind auch was anderes als Verkehrsflugzeuge in den Zentren der Macht. Und überhaupt.

Und prompt hat alle Welt nix Besseres zu tun, als Spenden zu sammeln für die Opfer. Die Opfer, Einwohner des reichsten Landes der Welt, das mal eben 40 Milliarden Dollar springen läßt – nicht nur für die Opfer, nein, auch für die Ergreifung der Täter. 40 Milliarden Dollar. Das ist nicht nur das Doppelte dessen, was selbst der Gott..., äh, "Präsident" dieses Landes beantragte, nein: es ist auch rund das Vierfache des angerichteten Schadens. Genug Kohle also für ein wenig der schon seit dem Jetta..., tschuldigung, Golfkrieg berühmt-berüchtigten "chirurgischen Kriegsführung", bei der mir immer die Axt aus meiner Zivildienststelle mit der Aufschrift "Schädelspalter" in den Sinn kommt: alles eine Frage der Definition. Vielleicht sollte man schon mal präventiv damit beginnen, für die Opfer in Afghanistan zu sammeln? Meinjanur.

Also fangen sie mal wieder einen Krieg an. "Wir erklären denen den Krieg?" "Den Krieg erklären? Wir haben schon seit dem 2. Weltkrieg keinen Krieg mehr erklärt. Wir fangen den Krieg an." Diese Zeilen stammen aus dem Film "Wag the Dog", und auch an den fühle ich mich in diesen Tagen erinnert. Wenn auch mit weniger Schmunzeln.

Und die Verbündeten, also unter anderem auch wir? Eilfertigst versichern wir unserem Bündnispartner "jede gewünschte Unterstützung", als ob der das ärmste Land der Welt (plusminus ein Dutzend) nicht alleine in Grund und Boden bomben könnte. Man verstehe mich nicht falsch: Dem Herrn bin Laden eine Kugel in den Kopf zu knallen, das wäre eine vielleicht nicht sehr zivilisierte, aber angemessene Reaktion – wenn er's denn war. Und den Taliban mal gepflegt die Meinung zu stoßen, wär sicher auch nicht das Verkehrteste. Aber ich werde das Gefühl nicht los, daß die Juhneited Sstäihts of Neandertal ähnlich subtil vorgehen wie jene, die nach einem bestimmten Büro im Pänntagonn nicht mit einer Granate warfen, sondern mit einem Verkehrsflugzeug. Die Leidtragenden waren in beiden Fällen andere als die Schuldigen. Und selbst das häßliche Wort "Atombombe" hört man schon in einem Satz mit den nicht viel schöneren Wörtern "nicht" und "dementiert".

Aber wehe, man schlußfolgert daraus, daß die USA und die Attentäter moralisch gar nicht so weit auseinanderliegen.

Mit dem Wöhrlt Träid Ssenta traf es ein Symbol des Kapitalismus und 5000 größtenteils wohl Unschuldige. Das ist eigentlich nicht besonders schlau gewesen. Man hätte weniger Unschuldige treffen, aber mehr Wut erzeugen können, wenn man stattdessen außer dem Pänntagonn auch noch das Weithaus und das Kappitohl zerlegt hätte, finde ich.

Nein, ich bin nicht für Terrorismus. Aber ganz ehrlich: wenn die USA das oder Ähnliches nicht haben kommen sehen, tut's mir leid. Jeder Dorftrottel kann ne Knarre kaufen, aber Terrorismus ist ein rein europäisches Problem? Hey Onkel Säm: willkommen im Club. Es wurde Zeit.

Irgendwie auch passend, daß man den Raketenschutzschild, Onkel Rehgens unerfüllten feuchten Traum, durch simples Unterfliegen mit ganz stinkordinären Passagierflugzeugen ad absurdum geführt hat. Ich meine, in "bang for the buck", also Wumm pro Dollar, ist das doch eins der erfolgreichsten Attentate der Geschichte, wenn man mal weltkriegsauslösende Pistolenschüsse beiseiteläßt: ein Dutzend Flugtickets und ein Küchenmesserset aus dem Werbe-TV für 29.98 reichen hin. Wer sollte da noch in ICBMs investieren? Lohnt doch gar nicht.

Insofern stimmt es schon, daß die Welt sich verändert hat. Die Weltpolizei hat einen Schuß nicht vor, sondern in den Bug bekommen. Und so tragisch die Tausende von Toten und Verletzten auch sind (und nein, mich läßt das bei allem Sarkasmus nicht kalt), irgendwo im Innern sagt eine kleine, leise Stimme: So ganz die Falschen traf es nicht. Das Wöhrlt Träid Ssenta war das falsche Ziel. Das richtige Land war's aber.

Wir werden sehen, ob sie draus lernen. Meine Prognose: Nie. Oder wenn, dann zumindest nicht so schnell.

Glaubt jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 17.09.2001. Letzte Änderung am 20.02.2002.

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