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Kulinarische Ausflüchte

Heute: Folienfraß und Dosenfutter

Nicht immer kann man sich's leisten, den örtlichen Nahrungsmittelvergewaltigern im Austausch für's eigene, sauer verdiente Geld deren dubiose Produkte abzuringen – und um ehrlich zu sein: manchmal will man auch gar nicht. Manchmal ist es gut für's Ego, genau zu wissen: dieses Sodbrennen, diese Magenschleimhautentzündung ist selbstgemacht!

Nun ist aber nicht jedem die Fähigkeit gegeben, aus Rohstoffen wie Kartoffeln, Nudeln oder gar Schlachtabfällen ein schmack- oder auch nur nahrhaftes Mahl zu bereiten. Aber wozu leben wir denn in einer Industriegesellschaft? Da können wir immerhin industriell hergestellte Nahrung konsumieren.

Leider.

Es ist schon erstaunlich, was einem da manchmal so entgegenglibbert beim Öffnen der Verpackung. Die Diskrepanz zwischen der Abbildung außen und der Optik des Inhalts geflissenlich mit dem Wörtlein "Serviervorschlag" erklärend, trauen sich die Hersteller fast alles – oder hat von Euch schon mal wer richtig rote Erdbeerstückchen im gleichnamigen Joghurt gefunden oder gar als solche erkennbare Kartoffeln in der entsprechenden Suppe?

Wir wissen ja schon länger, daß Fleischbeigaben in Suppen, Grünkohl oder ähnlichen Dosengerichten grundsätzlich der knorpelig-glitschigen Geschmacksrichtung angehören, während Würstchen oder Hackfleisch erstaunlich geschmacksneutral sind – erstaunlich deshalb, weil ich mir beim besten Willen nicht erklären kann, wieso Knochenmark und Innereien nach nix schmecken sollen. Nicht gut, okay, das wäre verständlich – aber nach nix? Doch der Erfindungsreichtum der Konservativ... Konservis... Konservenhersteller reicht noch weiter: die Zutaten werden nicht nur zerkocht, sondern auch noch bis zur Unkenntlichkeit in Grund und Boden gesalzen, damit man das Faulige an ihrem Eigengeschmack nicht mehr so erkennt.

Der kluge Esser schwenkt darob zügig auf sogenannte "Halbfertigprodukte" um: Gemüse, bereits gewaschen und geschält, in Dosen oder Gläser verstampft. Dagegen ist nicht viel zu sagen; wer nix Besseres kennt, kann damit glücklich werden. Aber das Problem ist: davon allein kann man zwar leben, aber man will nicht.

Und wenn man die Lücken im Speiseplan dann mit Tiefkühlware zu stopfen sucht, erlebt man ein schock- und blaugefrorenes Wunder nach dem anderen. In der Kühlkette, die ja nebenbei auch ein paar Dutzend Liter Diesel pro Päckchen tiefgefrorener Bratzkartoffeln kostet, ca. dreizehnmal angetaut und wieder eingefroren, poltert ein zunächst immerhin einigermaßen geruchsneutraler, dafür aber auch völlig unerkenntlicher Klumpen Biomasse in die Pfanne, mit einem wahrlich appetitanregenden Klappern, das an die Hackfleischimitatscheibchen der Hamburgerbräterei bei Real-Kauf gemahnt. Mit steigender Temperatur zerfällt der Klotz dann und nimmt die Konsistenz und Farbe, mit etwas Glück auch den Geruch und Geschmack von Dosenfutter an. Mit etwas Pech jedoch wird's dann richtig eklig.

Vor den Genuß (?) jedoch haben die Götter und jene, die sich für solche halten, den Schweiß gesetzt: das Entpacken der Güter. Da grinst einen freudig eine perforierte Linie in der Pappe an: Hier aufreißen. Nnnng... *ritsch* ...wo war doch gleich das Messer? Oder diese netten kleinen Einschnitte in der Plastefolie, die sich dann an die Versprechungen *ihres* Herstellers entsinnt und beweist, daß dessen Versprechen zur Dehnbarkeit keine leeren waren, weswegen der Magen des Hungrigen ein leerer bleiben wird, bis er mit Bastelmesser oder ähnlichem sich Zugang verschafft, um dann die Curryfleischwurst in der Pfanne... und woher zum Geier kommt eigentlich dieser *Gestank*? Achso, logisch, wie konnte ich auch vergessen, daß natürlich *jede* *einzelne* Wurst ihre eigene Plastikhülle haben muß? Die äußere könnte ja beim Transport beschädigt werden, hä?

Dann eben heute keine Wurst. Und die Tiefkühlfritten in der Panik auch halbverkohlt. Habbich noch irgendwo Joghurt oder sowas? Abgelaufen 11/99, na was soll's, ist ja gezuckert. *glob*

Es grüßt – hungrig, aber magenkrank –
  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 20.04.2000.

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