Furby

Endlich ist es soweit: Furby ist da! Wer es noch nicht kennt, hat nichts verpaßt: Furby sieht aus wie ein Gremlin und ist technisch mehr oder weniger ein Tamagotchi zum Knuddeln. Ein liebes kleines Wesen für diejenigen unter uns, die sonst niemanden zum Streicheln haben und denen ein Meerschweinchen oder eine Hauskatze zu haarig und zu eigenwillig ist. Das brechreizerregend niedliche Stoffknäuel mit der Piezostimme ist ja auch viel günstiger im Unterhalt - Katzen laufen nun mal trotz Fortschritten in der Gentechnologie noch nicht mit Haushaltsakkus.

Man sollte auch das Positive sehen. Positiv an Furby ist zweifelsohne, daß weniger echte Tiere dem ungewissen Schicksal als zunächst verhätscheltes, bald aber langweiliges bis nerviges "Spielzeug" ausgesetzt werden. Außerdem wird die junge Generation so ganz spielerisch an ein Leben mit Elektrogeräten herangeführt, und die notleidende Kunststoffindustrie erschließt sich neue Absatzmärkte. Mal wieder. Nochwas? Ach ja, ein prima Sommerlochfüller für die Medien ist es auch.

Paßt also hervorragend in unsere Zeit.

Außerdem ist Furby, im Gegensatz zu den ja panischen Plaste-Eiern, unsterblich. Seine Augen schließen sich nicht aus Vernachlässigung, nur wegen Energiemangels. Na gottseidank - immerhin droht so keine Elektronikschottwelle. Und lernfähig ist es hoffentlich auch nicht, sonst boomt bald die Knuddelwesenpsychatrie, zumindest bis Furby Plus rauskommt, mit der Gehirnwäsche-, äh, Verzeihung, Reset-Taste.

Wir erleben die ersten, zaghaften Versuche der Erschaffung künstlicher Lebewesen. So unbeholfen sie auch sein mögen - der Weg zum ernstgemeinten mechanischen Haustier ist klar vorgezeichnet. Logisch: echte Lebewesen, ob Mensch oder Tier, kann man nicht reklamieren oder umtauschen, und vorübergehend die Batterien rausnehmen kann man auch nicht: die Abschaltung hat was Endgültiges.

In der Egoismusgesellschaft haben Tiere (oder Menschen) keinen Platz. Also wird sich das Single mit deren künstlichen Nachbildungen umgeben. Wie künstliche Pflanzen oder die berüchtigten aufblasbaren, auf's Wesentliche (nämlich die Löcher) reduzierten Frauentorsos und deren noch viel reduzierteres Gegenstück für's angeblich schwache Geschlecht werden sie kurzfristige Befriedigung vermitteln - aber Zufriedenheit?

Fortgeschrittene Tamagotchi-Betreuer installieren sich heute ein NT oder sowas auf den heimischen Rechner, denn das braucht (wie auch der Rechner selbst) immer die geduldige Zuwendung seines Menschen. Bald schon werden sie stattdessen für ihren Wauwau 2000 (die Bezeichnung "Hund" ist ja schon von Mutter Natur copyrightgeschützt) bei fortgesetzter Stubenunreinheit ein Harntreiberupdate daunloden. Von dort zum künstlichen Lebens- und vor allem Sexualpartner, sei er/sie nun real oder virtuell, ist's ein programmiertechnisch vielleicht nicht trivialer, logisch aber naheliegender Schritt.

Furby ist nicht der Anfang. Es wird vielleicht noch nicht mal besonders wichtig sein, wenn wir in ein paar Jahrzehnten auf den Siegeszug der Künstlichen Dummheit zurückblicken werden. Aber für mich ist es der erste größere Schritt auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der jeder sich mit einem Berg Elektronikschrott umgeben wird, um den Mitmenschen zu beeindrucken, statt mit dem letzteren zu reden.

Vom Kinderspielzeug zum Yuppiestimulator hat's der verkleidete Soundchip mit der Quäkestimme nun schon geschafft. Ein paar Dutzend Stellmotoren mehr, ein paar Sensoren zum Gleichgewicht-Halten, 64-bit-Sound, schon ist der Designerhund fertig. Wieviel RAM braucht man eigentlich für das Betriebssystem der perfekten Bettgefährtin? Ein paar Megabytes für Soundsamples, ein paar kB Programmcode für die Force-Feedback-Routinen und noch'n Schlag für das Windows CE, das alles koordiniert, samt Touchskin-Interface; wollen wir mal hoffen, daß die unvermeidliche allgemeine Schutzverletzung wenigstens schmerzhafte Quetschungen zur Folge hat...

Die Hoffnung, daß der Mensch dann noch den Unterschied zwischen Lebewesen und Maschinen begreifen wird, sollten wir allerdings zügig begraben. Schon heute gibt's Leute, die ihr Auto öfter streicheln als ihr Kind.

Willkommen in Schlabonskis Welt. "I'm pregnant, darling. Abort, Retry, Ignore?"

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