Gayzone

Jaaa! Endlich kennen wir die Wahrheit! Nach Village People und Elton John in den 70ern sowie Franky Goes To Hollywood und Culture Club (nicht ...Beat, ihr degenerierten Pappnasen) in den 80ern durften wir vor kurzem erfahren, wer heute wieder alles Wichtiges bekannt gibt, schwul sein zu müssen. Nicht, das uns das groß interessieren würde - der einzig positive Nebeneffekt solcher Ankündigungen ist ja, daß sie meist von Menschen kommen, deren Erbgut dem Genpool sicher nicht gut getan hätte und das deshalb im Verdauungstrakt ihrer Bettgefährten sicher besser aufgehoben ist, und dieser Effekt ist wohl nicht so deutlich, daß es eine global verbreitete Nachricht wert wäre -, aber was uns interessiert, kümmert die einschlägigen Medien ja schon von jeher einen Scheißdreck.

Wie soll man sich also dagegen wehren, daß solch hochwichtige Details in den alltäglichen Nachrichten verklappt werden, um in tiefgehender Wanderung vom Popo bis hin zum Gehirn die menschliche Wahrnehmung darauf zu konzentrieren. Und so erreichte uns auf den düsteren Weg durch die An(n)alen unseres Körpers (und Geistes) die Schreckensbotschaft der weiblichen, nun suizid-gefährdeten Teenies:

Der sooo süüüüßßße Sänger Stephen Gately der Gruppe "Boy-Zone" schüttet sein vom unglückseligen Geldregen gebeuteltes Herz der ganzen Welt aus. Wie einst Paul McCartney am Tag seiner Hochzeit bricht der Jüngling Hunderttausende von pubertierenden Mädchenherzen, allerdings viel effektiver, da endgültiger, als es eine Ehe heutzutage im Allgemeinen ist. Denn, kurz gesagt: Er ist schwul.

Diese Nachricht, hätte sie einen Metzger-Azubi im 2. Lehrjahr betroffen, wäre vermutlich nur bei dessen persönlichen Angehörigen mehr oder weniger spektakulär eingeschlagen - und das ist auch gut so. Denn es kann der Welt verdammt nochmal scheißegal sein, ob jemand schwul, lesbisch oder andersartig sexuell veranlagt ist - solange er nicht wie gewisse andere Pop(p)stars auf kleinen Kindern steht (dann sollte es zumindest ein paar Leute interessieren, tut es aber leider meist nicht, bis es zu spät ist, wenn überhaupt).

Aber einem echten Star (dessen Namen ich übrigens zuvor nicht kannte, seltsam) scheint das nicht zu genügen. Und so wird es groß an die Glocke gehängt. Man ist ja seinen (vor allem weiblichen) Fans - und nicht zu vergessen: der eigenen Haushaltskasse - was schuldig. Kein geringeres Blatt als die großbrittannesianische "SUN" (die dem geistigen Niveau der Blöd-Zeitung in nichts nachsteht) muß über diese wahrhaftige Tragödie, dieses "schlimmste Geständnis", das der arme Stephen je im Leben hinter sich bringen mußte, exklusiv vom Deliquenten berichten. Schnüff. Einfach schrecklich!

Die Aussage "Aber ich schulde es unseren Fans und mir selber, endlich ehrlich zu sein" erinnert fatal an das im Angesicht der dräuenden Todesstrafe gern emittierte "Ich muß meine Verbrechen gestehen, sonst können ich und die Welt (und ja, die Reihenfolge ist gewollt) nie wieder in Frieden weiterleben" (o.ä.). Okay, was die Musik angeht, kann man ja durchaus von nicht unbeträchtlichen Verbrechen reden, aber ehrlich: hast Du 'ne Bank ausgeraubt, ein Flugzeug entführt und die Geiseln mit deiner süßen Stimme sanft zu Tode gemartert? Ich hoffe nicht - bis jetzt jedenfalls.

Und selbstverständlich dankt die Welt für diese Ehrlichkeit und wird vor Freude über das letzte Geheimnis neben der seit langen verheimlichten Blinddarmoperation erleichtert aufatmen. Bis auf die kleinen pickelgesichtigen pupertären Fans natürlich, die wahrscheinlich nach dem Aufprall durch den Sprung vom höchsten Gebäude ihres Wohnortes (auch kein herber Verlust) noch mal kurz ausatmen... Die Welt ist ja sooo ungerecht.

Komisch ist in der Tat, daß ausgerechnet Angehörige zweier so politisch und sozial korrekter Boygroups, die die Mädchen zum Weinen bringen und ihnen dabei das Taschengeld für CDs, T-Shirts und Fanposter aus der Nase oder sonstwoher ziehen, mit mindestens einem Bein in der Schwulenszene stehen. Schließlich fallen diese vielen Vergleiche der geil gestylten Sänger mit den örtlichen Schulkameraden für die letzteren meist negativ aus - meist ja auch zurecht. Dennoch kann nun aber der Gerechtigkeit ein wenig genüge getan werden, wenn wenigstens der Jungenschaft vom anderen Ufer auch mal eine Chance auf feuchte Träume gegeben wird. Aber ist es das wert?

Wahrscheinlich.

Zumindest läßt sich die These, daß dies mehr eine PR-Aufmache sei als ein Geständnis eines gar düsteren Geheimnisses, dadurch bekräftigen, daß gegebene Statements eigentlich nur von und über Boyzone gegeben werden... Und wie steht es mit dem ehemaligen "Caught In The Act" (welch treffender Name)-"Star"? Wo ist sein Statement? Fehlanzeige natürlich - nicht zu vergessen geht es uns ja auch einen Scheißdreck an, aber kann es sein, daß der eigentlich "Arme" hier Eloy de Jong ist? An seiner Stelle würde man sich schon eher in den Arsch getreten als an selbigem gestreichelt fühlen.

Schließlich weiß Stephen schon seit acht Jahren was er ist. Aber Kohle machen kann da schon so manche Grundprinzipien der Moral vergessen lassen. Fatal fühlt man sich an die Schlüsselszene von "In & Out" erinnert: "Und er ist schwuul!!!" Tja, jeder ist irgendwie käuflich. Das ewige Spiel: Manieren oder Millionen?

Schließlich leben wir (und leider die auch) in Schlabonskis Welt.

Wer wissen will, woher ich diesen Summs habe, kann ja mal bei diesem hochwichtigen Presseorgan reinschauen. Und wenn jetzt einer sagt "Ist das alles, was Du an Quellen hast?", werde ich antworten "JA verdammt! Schließlich habe ich nicht die Muße, auch noch großartig Recherchen über so ein hirnrissiges Thema zu sammeln. So!"

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