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Gigahertz (oder: Die Kraft der einskommavier Billionen Hertzen)

Nun ist es also endlich soweit. Nachdem in den späten Neunzigern das gute alte Megabait ausgedient hatte als Maßeinheit für Fetzplatten und einen Altersteilzeitjob übernehmen mußte als ebensolche für die Größe von Ihmehl-Attätschments, ist nun sein ebenso bekannter Kumpel, das Megahertz, dran. Für den einen Ersatzjob zu finden, wird aber schwieriger. Unter einem Gigahertz gibt's neu vorgestellte Kompjuhter jedenfalls bloß noch bei Äppel, aber die waren ja schon immer lieber benutzbar als schnell und spielen beim deutschen Pehzeh-Kunden eh keine Rolle, denn damit kann man nicht so schön angeben wie mit einem Einskommaviergigahertzpenziummvier.

Das Traurige daran ist nur, daß diese beeindruckende Zahl gleich in mehrfacher Hinsicht einem Luftschloß ähnelt. Zum einen geben die Jungs von Intel kaum verhohlen zu, daß der Penziumm 4 eher auf hohe Taktfrequenzen diehsaint wurde als auf hohe Pärformäntz, weil erstere sich eben besser verkaufen. Das sieht man beim allmonatlichen Wettrennen Attlonn gegen Pennziumm in der c't, aber merken tut man's eigentlich weniger, denn, und damit kommen wir zum zweiten: eigentlich braucht soviel Pauer keine Sau.

Denn seien wir doch mal ehrlich: diesseits irgendwelcher Ballerspiele verbringt so eine Zehpehuh doch eh 90 % ihres Daseins damit, darauf zu warten, daß der schaselige Benutzer endlich mit der Maus den Weg zum OK-Batten gefunden oder mit den Wurstfingers das "G" auf der Tastatur getroffen hat. Das sieht man sehr schön zum Bleistift daran, daß Rechenzeitvernichter wie Setiätthohm immer gleich lange an so ner Wörkjuhnit rumbasteln, egal ob der Juhser gerade schläft oder arbeitet. Und das war auch vor 5 oder 10 Jahren nicht viel anders – auch der 8-Megahertz-68000er meines antiken Atari ST hat sich wohl die meiste Zeit gelangweilt.

Und deswegen gab das auch schon damals Programme, die nix weiter tun, als die Zehpehuh zu beschäftigen (und idealerweise den Juhser von der Arbeit abzuhalten). Ob das nu sekundengenaue Bildschirmuhren, Menü- und Battenverschönerungsgedöns, Prozessorlastanzeigen, animierte Mauszeiger oder sich drehende Atarisymbole in der Menüleiste waren – oder heute pseudowissenschaftliches Zeugs wie Setiätthohm oder eher verspieltes wie Windohblainds –, ist eher zweitrangig: stets diente es dazu, die schnellen Rechner von den langsamen erkennbar unterscheiden zu können und so deren Benutzer von den armen Schweinen mit den veralteten Kisten abzuheben.

Und das funktioniert auch.

Es sei denn, man widersetzt sich diesem Wettrennen und benutzt die von den Hertzschrittmachern verstoßenen Kompjuhter. Diese Zeilen entstehen an einem solchen, einem Penziumm-200-Emmemmiks-Läpptopp, von der Geschäftsleitung ausgehend quasi nach unten durchgereicht, bis auch der letzte Praktikant sich geweigert hat, damit noch zu Kunden zu fahren. Und das Tolle ist: die Kiste tut. Sie muß nicht alle Naselang zur Reparatur, denn die Fehler, die sie vielleicht mal hatte, sind schon '98 behoben worden, und die schlechten Teile sind alle schon abgefallen. Der bleibende Kern ist für die Ewigkeit. Und was damit anno '98 ging, geht auch heute noch genauso gut, wenn nicht besser – denn nicht jede ßoftwähr wird langsamer mit den Jahren, manches wird sogar schneller...

Dem Leser sei angeraten, gleiches mal zu versuchen. Alte Rechner gibt's für einen Appel und ein Ei (mir ist zettbeh neulich ein Pauermäckintosch zugelaufen), wenn sie nicht schon auf dem Dachboden stehen. Platte putzen, neu installieren, vielleicht was RAM dazu und ne große Platte rein – und dann kein Windohs EmmEh oder MäckOhEs Tänn drauf, keinen IehEh 6 oder Mozilla, sondern das, was damals Stand der Technik war. Und dann benutzen.

Ihr werdet sehen: es geht. Und es hat was ungeheuer Entspannendes. Denn man weiß genau: das ging vor 5 Jahren, das geht auch noch in 5 Jahren. Man hat endlich Zeit, sich auf die Arbeit (oder das Vergnügen) zu konzentrieren, statt sie mit Gedanken über das oder Rumbasteln an dem Werkzeug zu verplempern. Und die paar tausend Mark, die man in der Zeit stattdessen zum Palettenschieber getragen und in einige Billionen Hertzen investiert hätte, kann man schließlich immer auch irgendwie anders verbraten.

Damit jedenfalls keine Probleme habend grüßt
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 22.07.2001.

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