Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Grüner Donnerstag

Warum heißt der Grüne Donnerstag eigentlich Grüner Donnerstag? Nun, da gibt es eine alte Sage, die ich der verehrten Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Das Ganze begann im Mittelalter...

So um 1234, vielleicht auch später, lebte ein recht unbetuchter Händler namens Halma Leiserbach mitten in dem Gebiet, das man heute als Deutschland bezeichnen würde, hätte es nicht woanders gelegen...

Da Geldmangel eine chronische Krankheit war und Verbrechen die einzige Möglichkeit blieb, versuchte sich Halma mit allerlei Trickbetrügerein, um zumindest noch ein wenig Geld zu ergaunern, bevor er kurz darauf die Stadt überraschend verlassen musste.

Eines Tages aber, als er mal wieder im Rinnsaal der Stadtabwässer vor dem Gasthaus aufwachte, entdeckten seine blaugeschlagenen Augen ein seltsames gelb/braun geschecktes Objekt vor seiner Nase liegen: Ein Ei, wie die Henne es schuf und die Färbung von Menschen, die unter Bandwürmern zu leiden schienen. Und so wie es wohl auch Eisack Njutn mit dem faulen Apfel passierte, so erleuchtete eine famose Idee den ziemlich leeren Kopf des armen Halma. "Warum verkaufe ich eigentlich keine farbigen Eier??", muss seine Frage damals wohl gewesen sein. Oder vielleicht befasste sich sein Gehirn auch nur mit den Vorgängen der letzten zwei Stunden? Egal.

Glücklicherweise war gerade Fasching in der Stadt, so daß Halma in der Menge der Bekloppten gar nicht auffiel, als er am Rosenmontag den Bauern nur so die Eier wegstahl... Gelacht haben die alten Bauern, weil sie ihn wohl für Heinz Schenk hielten, den alten Tunichtgut... Ha Ha... oder so ähnlich.

Kaum waren die Hennenfrüchte in seinen gichtzefressenden Fingern, landeten sie auch schon im Topf mit dem kochenden Wasser und gluggerten für die nächste Stunde fröhlich vor sich hin.

Nun war die Frage, wo er die Farbe hernehmen soll. Doch dafür gab es ja viele Möglichkeiten: Teer (schwarze Eier), Dung (braun/grün-gescheckte Eier), schimmliges Brot (türkis/haarig), Blut natürlich (ins Bräunliche tendierendes Rostrot), Eiter (wie original die farbe, nur kräftiger) und Urinstein (gelb).

Nun, das Bemalen gestaltete sich etwas schwieriger, aber irgendwie schaffte er es, dass die Farbe klebenblieb. Wie sollte sich seine Idee aber jetzt in bare Münze verwandeln? Nichts einfacher als das: Er eröffnete kurzerhand den ersten HL-Markt der Welt und pries seine Errungenschaften an.

Das Geschäft verlief zu Anfang jedoch mäßig und der Geruch der Eier schreckte selbst die halbwegs Interessierten ab. Kaum war Fasching vorbei, folgte gerade mal zwei Monate später auch schon, welch Überraschung, Ostern. Doch kein verdammtes Ei verließ die Ladentheke. Jedenfalls nicht in der Tasche eines Kunden, sondern wenn, dann eher *platsch* versehentlich. Kurz vor der Zwangsräumung durch die Gerichtsvollzieher jedenfalls griff er nach dem letzten Rettungsanker, der ihm gerade einfiel. Er schnallte sich einen Tag vor Karfreitag seine vergammelte Hasenfelljacke und trug in seinem Rucksack die riesige Menge der gefärbten Eier um sie billig an den Mann zu bringen. Ostern, Eier, klar, dass der Begriff Osterei früher oder später in seinem Kopf herumspukte. Gut nur, dass die alte Fäkalienfarbtunke den wahren Geruch seines Gutes zu überdecken vermochte.

Nur so kann man sicherklären, daß die interessierten Bürger magisch von dieser Geschäftsidee angezogen wurden und der Fastenzeit zum Trotz sich um die letzten Schalenklumpen prügelten, bis alle restlos verkauft waren...

So glücklich wird Halma noch nie gewesen sein und verließ als reicher Mann die Stadt um woanders den nächsten HL-Markt zu eröffnen...

Kaum ward er nicht mehr gesehen, entrissen die gierigen Käufer dem Eiweiß die weichgewordene Schale und schlangen alles in einem Bissen herunter. Gierig, von der Fastenzeit halb verhungert und auch sonst ziemlich entwöhnt glaubte jeder Kunde das Ei des Kolumbus in seinen Händen zu halten - hätte es den alten Indianerschänder zu der Zeit schon gegeben.

So nahm das Schicksal seinen Lauf: Kaum erkannten die Mägen was sie dort in sich trugen, schlugen sie kollektiv den Rückwärtsgang ein.

Und so kotzten sie. Sie kotzten auf die Straßen, sie kotzten an die Wände, auf reichlich gedeckten Tischen. Sie kotzten ins Essen, auf Stühle und Bänke, in die Gesichter und auf die Gewänder anderer bedauernswerter Lebensformen in Aus-Wurfweite. Sie göbelten und göbelten, bis kein Tropfen mehr in ihnen war. Als alle ihr Würfelhusten beendet hatten, erstrahlte die Stadt im satten Grün der Galle ihrer Einwohner. So grell und saftig war die Farbe und alle waren glücklich. Es war ein befreiender Akt, eine unglaubliche Erlösung eingeschlossener Gedanken und anderer ... Dinge, die sich einer Revolution gleich mit einem Schlag zu befreien versuchten. Herrlich.

Der nun in der Stadt liegende Geruch verhalf nun auch den anderen, die leider nicht mehr in den Besitz der Eier gekommen waren, zu röchelnden Würgereizen, die einem fernem Donnern gleich die Mauern der Stadt erzittern ließen.

Und so begann die lange Jahre währende Tradition des grünen Donnerstags. Und noch heute werden kurz vor Ostern die farbigen Eier an die Kunden von HL verschenkt, um diese Tradition mit all ihren Nebenwirkungen zu erhalten: Am Rosenmontag gekocht, am Aschermittwoch beschmiert *slürp* und am Grünen Donnerstag gemeinsam mit anderen Zerialien schwungvoll an die Wand gespieen.

Und so grüßt Euch mampfend
  Euer Dieter Schlabonski nebst Eiern


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Erstellt am 25.04.2003
Letzte Änderung am 24.07.2004 13:00 (CEST)
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