Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Gibt es ein Leben außerhalb von Half-Life?

Mit freundlicher Genehmigung unseres Gastautors Hendrik "Bone" Hellige.

Ich höre sie wieder, diese Geräusche. Geräusche, die offensichtlich nicht aus meinem Kopfhörer stammen. Ich nehme ihn ab und höre sie lauter. Ich taste mich langsam durch meinen quadratischen Kokon. Wo ist diese Öffnung gewesen, durch die ich früher diese Schale verließ? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Egal.

War da nicht noch eine kleine Öffnung, mit Scheibe, gleich links? Ich taste mich vorwärts und fühle die Lagen von speckigem Papier, mit denen ich vormals die Scheiben gegen die Strahlen der Sonne verdunkelte. Ruck zuck und eine Kombination meiner geschulten Finger tastet ein kleines Loch in diese Barriere. Aber dann geht alles ganz schnell: Licht überflutet den Raum. Es brennt geradezu wie das Höllenfeuer in meinen Augen. Ich bedecke mein Antlitz. Was kann das sein? Ich kann mich nicht erinnern jemals ein solch gleißendes Licht gesehen zu haben. Nicht einmal in de_dust oder cs_desert. Ich springe zurück, weiche dem gleißenden Strahl aus, der der Innenraum meines so vertrauten Kokons durchteilt wie ein Geschoß meiner AWP den schleimigen Scheitel eines campenden Quasi-Hilfs-Terroristen. Was habe ich nur angerichtet?

Ein heiseres Stöhnen entrinnt meiner Kehle. "Taking fire. Need assistance." Ich nehme Deckung. Ich taste herum. Welche Waffe. USP? Welchen Gegner muß ich erwarten? Entscheidungen sind zu treffen. Wieviel Zeit bleibt mir noch? Auf einmal höre ich sie, diese Stimmen: "Allein... Ihr seid nicht allein... Ihr..." und "Ihr werdet sterben... alle sterben... Ihr werdet alle..." In wilder Verzweiflung beginne ich zu laufen... Ich erinnere mich... AHL... Sprung... Stunt...

Wahrscheinlich bedachte ich nicht die Enge meines Refugiums und prallte mit der vollen Wucht meines ausgezehrten Körpers gegen die Crate an der Rückseite meines Tisches. Ich weiß nicht wie lange ich so lag. Es mögen Jahre vergangen sein. Ich lebte in Welten, die ich mir nie hätte vorstellen können. Ich sah Lebewesen, die furchtbarer waren als alles, das ich je in Nihilant gesehen hatte. Ob alles nur ein Traum war? Ich habe den Bezug zur Realität verloren, das ist offenbar!

Mein Kopf beginnt zu schmerzen, und ich frage mich, wieviel HP mir wohl noch bleiben... Da schießt es mir durch den Kopf. Sie waren hier! Nur wo? Ja, wo! Langsam, ganz langsam wage ich mich zu bewegen. Ich öffne die Augen. Ich versuche die Dunkelheit zu durchdringen, aber sie gibt ihr Geheimnis nicht preis. Ich bewege meinen Kopf, hebe ihn, doch er sinkt wie ein lebloses Stück Fleisch zu Boden.

Ich versuchte meinen rechten Arm vom Halfter an meiner Hüfte zu lösen. Tief haben sich beim Sturz die Schnallen ins Fleisch gebohrt, aber ich bin glücklich, überhaupt etwas zu spüren. Ich fühle wie etwas Warmes über meine Hand läuft, pulsierend. Auch der Schmerz pulsiert. Es muß eine Arterie zerrissen sein, aber was soll's? Ich bewege meinen Arm und schlage an etwas an. Plötzlich durchdringt ein flackerndes Licht den Raum. Ich kann wieder sehen. Unscharf erkenne ich die Konturen meines Tisches, den Compi, den umgestüzten Stuhl. Nur der helle Lichtschein ist verschwunden.

Als ich die Lage wieder unter Kontrolle habe, erhebe ich meinen angeschlagenen Körper. Ich habe wohl den Tisch bewegt und die Maus erweckte den Bildschirmschoner wieder aus seinem tiefen Schlaf. Ich ertaste das Fenster. Es ist mittlerweile dunkel draußen. Einen Augenblick nur dauert es, das kleine Leck in der papiernen Barriere gegen das Licht des Tages wieder zu verschließen. Eine Diskette mit nicht mehr benötigten Crosshairs wir in Zukunft hier ihren Dienst versehen.

Mein Blick fällt auf das Geschehen auf dem Monitor. Schon lange war ich der letzte der Kämpen auf dem Server. Ich rufe "Need Backup", aber der Ruf verhallt ungehört in den Tiefen der map. Ich beschließe mein Lager aufzuschlagen, gleich am Fluß, und zu dösen. Ich muß auf der Hut sein! Jederzeit könnten ppl joinen und mich im Schlaf überraschen. Sollen sie doch kommen, denke ich bei mir, "I'm in position"! Langsam dämmere ich ein, nur der pulsierende Schmerz in meiner rechten Hand erinnert mich ab und an daran, nach meiner Waffe zu tasten. Nun warte ich auf den Morgen. Bereit, wieder mein Bestes zu geben für die Fahne meines Teams. Ich bin nicht allein... Ich bin...

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Erstellt am 10.04.2000.

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