Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Von Handgranaten und Hausmäusen

Tschetschenische Rebellen also haben die Wohnblocks in Moskau in Stücke gesprengt, um damit die russische Regierung unter Druck zu setzen. Sie fordern Unterwäsche oder Unabhängigkeit, wer weiß das schon so genau, und bedienen sich zu ihrer Erlangung denkbar idiotischer Mittel. Denn wer will schon ein Grüppchen Bombenleger in einem Staat an der eigenen Grenze, ob nun in Tarnkluft oder Unterhosen?

Das denken sich auch die Russen und bomben die Provinz platt, bevor sie ernstlich droht, ein Staat zu werden. Vielleicht auch nicht gerade der überzeugendste, sicher aber ein ziemlich effektiver Weg, wenn das Ziel ist, sich die Tschetschenier sehr nachhaltig zum Feind zu machen. Was man als erreicht ansehen dürfte.

Besonders putzig aber die offiziellen Erklärungen Moskaus, man habe "Terroristenverstecke" angegriffen. Raffinerien und Flughäfen haben schon eine verblüffende Ähnlichkeit mit dunklen Kellern und diskreten Hotelzimmern. Entweder sind die Zielerfassungsoptiken der russischen Kampfflugzeuge nicht das Papier wert, auf dem ihre Dokumentation gedruckt ist, oder dieselbe wird nicht gelesen, oder, und das vermute ich mal, die Führung der Kriegsmaschinerie hat ein diesbezüglich eher eigenwilliges Vokabular.

Das Bekämpfen von Terroristen mit Raketen gleicht dem Bekämpfen von Hausmäusen mit Handgranaten. Vielleicht erwischt's ein paar, aber danach ist das Haus im Eimer, das man mit ihnen nicht teilen wollte.

Bleiben wir noch einen Moment bei der Analogie: die westliche Staatengemeinschaft, allen voran die vereinigte Weltpolizei von Amerika, "warnt" die russische Regierung vor einem Einmarsch. "Hör zu, Boris: mir ist scheißegal, ob Du da bei dem Haus die Scheiben einwirfst. Ja, von mir aus, mir ist auch egal, womit Du sie einwirfst - wenn die Geschosse explodieren, tja, Pech für die Bewohner, sowas kann schon mal passieren. Aber eins sag ich dir, Boris: wenn Du da reingehst und Mäuse erschießt, dann ist das Mausfriedensbruch. Dann muß ich wohl die Bullen holen."

Klar ist man im eigenen Interesse so vorsichtig: Boris hat viele nette Spielzeuge, die man schon eher in dem fremden Haus explodieren sieht als im eigenen - so einfach wie Saddam damals kann man den Aggressor also nicht loswerden. Auch mag man die Opfer nicht sonderlich leiden - ein ziemlich islamischer potentieller Staat mit reichlich Erdöl, sowas weckt unangenehme Assoziationen. Trotzdem findet man nicht gut, was da passiert - jedenfalls nicht offiziell - und versucht also, sich aus der Zwickmühle zu reden.

Irgendwie schon 'ne blöde Situation.

Und? Was ist der Ausweg? Wenn ich das wüßte, würd ich hier keine Webseiten schreiben. Aber fest steht, daß alle Seiten in dieser Geschichte eine gesunde Portion Mißtrauen verdienen.

Aber auch das war schon immer so - in Schlabonskis Welt wie auch anderswo.

Erstellt am 29.09.1999.

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