Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Herr Doktor, Herr Doktor!

Geraume Zeit ist ins Land gegangen, seit der erste Steinzeitmensch mit geschientem Bein rumhumpelte und damit die medizinische Revolution in Gang setzte. Noch im Mittelalter waren solch interessante Heilmethoden wie Aderlaß oder Einlauf gängige Praxis, und die wenigen Überlebenden wurden bald darauf als Hexen verbrannt. Da war die Welt noch in Ordnung: die natürliche Auslese funktionierte hervorragend, denn Dummheit oder Diabetes waren tödlich, so daß das "survival of the fittest" nicht nur eine leere Darwinsche Worthülse war wie heute (davon mal abgesehen, daß Darwin damals noch gar nicht gelebt hatte).

Ein paar Jahrhunderte später wurden dann plötzlich alle möglichen Sachen heilbar. Zunächst nur für die oberen Zehntausend, aber kaum wenige Jahrzehnte später dann für alle. Und was haben wir davon?

Die Krankenkassen geben Milliarden dafür aus, Unfallopfer aller Art wieder zusammenbasteln zu lassen, die, nach Darwin, den Tod verdient hätten. Bergsteiger mit Sandalen, Downhill-Biker mit zehn Minuten Radelerfahrung oder BMW-Fahrer mit 240 im Nebel: wenn diese Dummheit aus dem Genpool verschwände, wäre das für alle Beteiligten doch wohl das Beste. Und wir zahlen den Mist!

Menschliches Leben wird ohnehin viel zu hoch bewertet. Was soll's, sie sind doch billig herzustellen, wozu der Aufstand? Wenn ich mich aufs Dach eines hohen Gebäudes stelle, aber nicht gleich runterspring, weil ich ja eigentlich nur mal durchatmen und nachdenken will, rückt sofort eine Hundertschaft Freunde und Helfer nebst Rettungswagen und Feuerwehr-Sprungtuchmannschaft an. Okay, daß ein paar Bullen aufkreuzen und vielleicht die Autos in meinem voraussichtlichen Einschlaggebiet in einem Akt vorausschauender Schadensbegrenzung abschleppen lassen könnten, ist ja einzusehen. Aber mein billiges Leben mit Gewalt retten? Was das kostet! Soviel bring ich der Volkswirtschaft in den nächsten 30 Jahren nicht ein. Selbst wenn man die nicht unbeträchtlichen Reinigungskosten des Einschlaggebiets im Erfolgsfall berücksichtigt, wäre es bei weitem ökonomischer, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Ich komm ja irgendwann von selber wieder runter. Endweder zu Fuß oder eben anders. Egal. "Uuund... Action!" *splat*

Okay okay, manche Menschen sind sich selbst oder anderen wichtig. Und manche Menschen wären sicher bereit, alles menschenmögliche zu tun, um sich oder manchen anderen Menschen das Überleben zu ermöglichen. Deswegen ist die Abschaffung aller medizinischen Versorgung sicher nicht das erstrebenswerte Ziel. Aber eine Umverteilung der Kosten scheint angebracht. Als Modell möge die Autoversicherung dienen:

Haftpflicht. Jeder zahlt ein paar hundert Mark im Jahr, statt Krankenkassenbeiträgen, von denen die Reparaturkosten gedeckt werden, die er bei anderen verursacht. Nebeneffekt: Schläger sein ist ein teures Hobby, wegen des verlorenen Schadenfreiheitsrabatts. Pazifismus lohnt sich wieder, auch finanziell. Und ohne Haftpflicht keine Zulassung zum Leben.

Teilkasko. Moderater Betrag, mit dem allgegenwärtige kleinere Schäden am eigenen Körper gedeckt sind: Zahnarzt, verstauchter Knöchel, Wildschaden, Erkältung. Nicht Pflicht, lohnt sich aber für die meisten noch einigermaßen.

Vollkasko. Horrend teure Versicherung gegen Eigenschaden aus eigener Dummheit, etwa selbstverschuldeter Auto- oder Sportunfall, Lungenkrebs etc., lohnt wohl meist nur bei Neukörpern oder solchen, mit denen sich Geld verdienen läßt. Beitrag nach Schadenhäufigkeit und Risiko gestaffelt, versteht sich von selber.

Selbstverständlich steht es jedem frei, eine von der Versicherung nicht gedeckte Reparatur an eigenen oder fremden Körpern auf eigene Rechnung ausführen zu lassen. Wir leben in einem freien Land. Und wenn die Reparatur nicht mehr lohnt, greift die Pflicht des Herstellers zur kostenlosen Rücknahme und umweltgerechten Entsorgung des Altkörpers.

Stichwort Entsorgung: Alles wird angeblich fachgerecht entsorgt und stofflich oder thermisch wiederverwertet, bloß beim Altkörper ist der Fortschritt ausgeblieben. Da werden immer noch schadstoffverseuchte Karkassen, verpackt in edlen Stoff und poliertes Holz, im Erdreich verscharrt, wo sie auf Jahrzehnte hinaus das Grundwasser belasten; ja schlimmer noch, wenn denn durch glückliche Umstände beim fremdverschuldeten Ableben Teile des Altkörpers und damit des Entsorgungsproblems in der Natur verbleiben, wird mit Millionenaufwand danach gesucht, nur damit die Reste dann nicht in freier Wildbahn verwesen oder gar dem Meister Reineke als Nahrung dienen, sondern ja in der geweihten Erde landen, an deren Relevanz doch ohnehin kaum einer glaubt. Und wer zahlt? Logisch. Auch hier sollte das Verursacherprinzip greifen: wem nicht egal ist, wo er vergammelt, der sollte zu Lebzeiten vorgesorgt haben, sonst unterbleibt jeder Aufwand zur Wiederauffindung der Überreste.

Und das Entsorgungskonzept? Irgendwo muß der verwesende Gabber doch bleiben! Nun, ich empfehle die fachgerechte Kompostierung, vielleicht unter Aussparung besonders schadstoffangereicherter Organe wie Leber oder Nieren, für die dann die Sondermüllannahmestelle zuständig wäre. Zum Verzehr ist der Altkörper nur bedingt geeignet, außer bei günstigen Umständen wie Tod im Haus oder durch Unfall im Winter vielleicht.

Letzten Endes sollte hier die Gleichberechtigung greifen. Den toten Menschen unterscheiden nur Äußerlichkeiten vom toten Tier. Jede Unterscheidung in Leichnam und Biomüll ist also eine auf Äußerlichkeiten beruhende; die anfallenden Stoffe sind weitgehend dieselben, könnten also auch getrost gleich behandelt werden. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Das Tier zerschellt an der Bugwand der Elektrolokomotive und verwandelt sich so ganz von selbst in Dünger für den Bahndamm; die geringen Spuren der Verwandlung beseitigt die nächste Lokomotivwaschanlage. War das Tier aber ein Angehöriger der nicht einmal vom Aussterben bedrohten Gattung homo sapiens, wird die Strecke stundenlang gesperrt und jedes Fitzelchen aufgesammelt, eingetütet und ins Kühlhaus verfrachtet, wo dann ein Gerichtsmediziner feststellt, worauf niemand gekommen wäre: das Tier ist tot.

Und warum der Aufwand?

Sterben ist nun mal nichts Natürliches mehr für uns. Man sieht's schon daran, daß ich hier ungestraft Witzchen über alles mögliche machen darf, ohne von der Moralpolizei behelligt zu werden, dieses Pamphlet hier jedoch nicht unbedingt nur auf Gegenliebe stoßen wird, wenn die "Betaleser" recht behalten sollten. Macht aber nix - meine E-Mail-Adresse habt Ihr ja...

"Ach wie gut, daß niemand weiß, wie Schlabonski wirklich heißt!"

Erstellt am 27.04.1999. Letzte Änderung am 14.09.1999.

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