Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Ich muß maa...!

In der heutigen Neuzeit hat sich die vulgäre Fäkaliensprache in den verschiedenen Schichten unserer Gesellschaft verbreitet. Selbst diese Seite bleibt von ihr mehr oder weniger gar nicht verschont. Wieso sollte sie auch? Aber hin und wieder gibt es Situationen, die eine gewisse Zurückhaltung gebieten, und damit sei nicht nur das tägliche Schließmuskeltraining nach dem frühen Erwachen oder dem Verlieren des Haustürschlüssels gemeint.

Vor allen Dingen in der Berufswelt, bei der die lieben Kollegen mit noch lieberen Vorgesetzten interagieren müssen, klingt ein "Ich geh mal eben scheißen!" einfach zu direkt und irgendwie auch zu persönlich. In der Bürowelt macht sich dadurch auch ein seltsam negatives Gefühl breit, welches im nachhinein dem ähnelt, was man eigentlich loszuwerden gedachte.

Wie drückt man sich also am besten aus, um zum einen den zukünftigen Aufenthaltsort und gleichzeitig die geschätzte Aufenthaltsdauer gewählt ausgedrückt seinen lieben Kollegen und anderen Plagegeistern mitzuteilen? Kein Problem, Dieter hilft Euch! Es gibt schließlich für jeden Scheiß eine Lösung.

Während im Handwerk die allgemeinen Sätze wie "Ich muß mal eben einen Neger abseilen" oder "... durch die Brille boxen" den Ort eindeutig kennzeichnet und die Dauer des "Geschäfts" auf längerwierige Verhandlungen schließen lassen, offeriert hingegen ein "Ich geh mal die Keramik gießen" ein baldiges Wiederkehren vom Etablissemong mit positiven Endergebnis. Gleiches läßt sich auch angehörs von "Ich geh mal 'ne Stange Wasser abstellen" vermuten, wenngleich dieser Ausdruck die Dringlichkeit vermissen läßt, wie sie in den meisten Fällen des alltäglichen Lebens auftreten können. Der Kontext: "Mir platzt gleich der Harnleiter" oder "noch einen Moment und es ist hart!" verleihen dem ganzen doch eine höhere Priorität als so mancher Lottogewinn am Samstag abend.

Auch lassen sich der Grad der Erleichterung besser artikulieren, als "...gerade noch rechtzeitig!" oder "...das war aber höchste Eisenbahn". Zum Beispiel wäre ein "Hui, das gibt wieder Muskelkater in der Rosette" eine gelungene Abwechslung und sorgte nebenbei immer noch für ein paar Schmunzler oder Brechreizanfälle – je nachdem.

Aber nicht alles paßt in jedes Umfeld. So wäre ein "Ich muß mal eben 'ne Nougatstange aus dem Becken pressen" in einer Autowerkstadt ebenso unangebracht, wie ein "Ich geh mal schnell einen Ölwechsel machen" in der Backstube einer namhaften Konditorei. Im Baugewerbe spricht man daher auch vom "Ablassen des Trägers" oder vom "Fundament in die Schüssel gießen". Der Elektriker tendiert sicherlich eher dazu, "den Ableiter zu erden", während der Tischler meint, die "Späne aus dem Hobel zu drücken" zu müssen. Und beim Bahnpersonal spricht man eingedenk der ollen Dampflokbehandlungsanlagen auch vom "Besuch der Auschlackgrube".

Welche Ausdrucksweise an welchem Ort die beste ist, erkennt man am besten am Umfeld. Während in privaten Gefilden ein "Ich muß ma' käck'n!" ein allgemeinen anerkannter Gebrauch ist, darf im öffentlichen Leben die Grazie und die Anmut zusammen mit den wichtigen Informationen nicht vergessen werden. Wo und wie gedenkt man seinen "Stuhl" zu verrichten? (Hoffentlich nicht auf selbigem.) Das Warum ist dabei eher unwichtig, höchstens wenn man sich entschuldigen will, daß der Pilzsalat womöglich verträglicher gewesen wäre, hätte der Hauswein sein Verfallsdatum nicht bereits seit Monaten überschritten gehabt. Taktisch unklug ist's jedenfalls, nach den Möglichkeiten des "Sich-Frischmachens" oder gar "Händewaschens" zu erkundigen – allzuleicht landet man im Badezimmer und muß dann im Extremfall ins Waschbecken pinkeln, in den Abfalleimer kacken und sich mit dem Handtuch reinigen...

Etwas konkreter darf's also schon sein. Aber eben auch nicht zu: wenn das Wort "Scheiße" im übertragenen Sinn auch schon fast zum allgemeinen Wortschatz des nichtpolitischen Menschen gehört, so wird doch sein ursprünglicher Gebrauch nach wie vor eher stirnrunzelnd betrachtet. Trotzdem ist es wichtig, der modernen Zeit und der damit verbundenen Ausdrucksweise nachzukommen. Ein "Ich muß mal für kleine Mädchen" oder "wo bitte befindet sich denn hier das WC" scheidet völlig aus, erinnert es doch zu sehr an die alte Anstandsbibel aus dem 19. Jahrhundert. Auch Begriffe wie "Kot" oder gar "Natursekt" (obwohl dieser Begriff eher in die Irre führt, denn ist dieses Getränk zwar meistens gelb, aber hat weder Blubberblasen noch ist es kühl. Selbst der Alkoholgehalt ist abhängig von des Spenders augenblicklicher Verfassung) gehören ebenso wenig in den Alltag wie "Kackwoarst" oder "Pipi" (Pfui!). Ein gediegenes "Wo kann ich denn hier bitte mal ein Ei legen?" ist da im Zweifel die empfehlenswertere Lösung.

Alles in allem sollte stets eine Regel beachtet werden: Abwechslung und Anstand sind der halbe Stuhlgang. Wer es nicht schafft, beim Austritt einigermaßen redegewandt zu bleiben, gerät schnell ins Abseits und verliert immer mehr an gesellschaftlichen Ansehen, ist also irgendwie schon ein bißchen angeschissen.

So! Und ich werde jetzt mal "meinen Pümpel durch die Leitung jagen". Auch Euch viel Erfolg bei Wasserlaß und Stuhlgang!
  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 26.06.2000.

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