Schlabonskis Welt
9. November 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 09:45

Nun ist es also doch passiert, was sich keiner vorzustellen wagte. Schon wieder. Nach dem Brexit, der ja, wir erinnern uns, von seinen Gegnern angeleiert wurde (”laß uns darüber einfach mal volksabstimmen lassen, damit der Scheiß dann vom Tisch ist” — und dann sagt das Volk “Ja!”, sowas Dummes aber auch, wer konnte denn damit rechnen?) erleben wir nun unter ganz ähnlichen Vorzeichen die Clintektomie. Denn auch die Demokraten haben ja den Herrn Trump als Gegner hochgeschoben in der Hoffnung, gegen den verwirrten Vollspacken eher gewinnen zu können als gegen einen weniger kontroversen Kandidaten. Toller Plan. Hat bloß nicht funktioniert. Anscheinend hat man doch ein wenig unterschätzt, wie abstoßend Hillary wirklich ist.

Und jetzt dauert es bestimmt nur noch Minuten, bis das Jammern und Wehklagen, die Wählerbeschimpfung und die düsteren Zukunftsaussichten auch in meiner Filterblase aufzuschlagen beginnen. Hach, wie ich mich darauf freue.

Ja sicher, Präsident Trump ist jetzt nicht gerade das Geilste, was ich mir als Ersatz für den Träger des Schwedischen Comedypreises hätte vorstellen können. Aber es war ja nun auch eine Wahl zwischen Pest und Cholera: will man lieber den populistischen, fremden- und frauenfeindlichen Rassisten oder doch lieber die merkbefreite Verbrecherin? Ehrlich gesagt: mir wäre die Entscheidung auch schwergefallen. Jeremy Clarkson hat das Problem ganz hübsch zusammengefaßt mit seiner Frage, ob sich unter 300 Millionen US-Bürgern denn wirklich keine geeigneteren Kandidaten hätten finden lassen als ausgerechnet die beiden.

Aber der Weltuntergang, den jetzt gleich viele heraufbeschwören werden — sorry, den seh ich nicht. Sicher ist es nicht gerade ein beruhigender Gedanke, daß Donald nun den Finger auf dem roten Knopf hat, aber hey, das war es bei Ronald, George oder George Dabbeljuh auch nicht gerade, und da ist auch nix passiert (wenn auch nur knapp). Ich bin weder von Trump noch von Putin ein Fan, aber für so bescheuert halte ich wirklich keinen der beiden, zumal man ja in Rußland sich auch recht angetan zeigt vom Wahlausgang — vielleicht taut’s ja sogar ein bißchen im Kalten Krieg, das wäre doch auch nicht das Verkehrteste. Klar, Vladimirs Zustimmung wird als weiteres Indiz dafür gesehen werden, wie schlimm Donalds Sieg nun sei, aber mir sind zwei Verbrecher, die einander gut finden, an den roten Knöpfen immer noch lieber als zwei erbitterte Feinde, selbst wenn einer davon ein Guter wäre. (Was ja auch nicht unbedingt der Fall sein muß.)

Gratulation nebenbei an einen weiteren Unsympathen in staatstragendem Amte, den Herrn Erdogan: Perfektes Timing für den nächsten Schritt auf dem Weg zum Diktator. Das Erstatten einer Anzeige wegen Beleidigung gegen alle Abgeordneten der größten Oppositionspartei in den Nachrichten der ganzen Welt unter “ferner liefen” zu verstecken, schafft man nicht so ohne weiteres, aber heute klappt es prima, das hat er schon gefickt eingeschädelt.

Und daß man sich in Berlin in der Koalition nicht auf Klimaschutzziele einigen konnte, ist schon gleich ganz egal. Bis zur Bundestagswahl ist das eh vergessen.

Weitergehen, weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen.

Wenn ich abschließend eine Prognose wagen darf: Genausowenig, wie Obama seinen überreichlichen Vorschußlorbeeren gerecht geworden ist, werden sich die üblen Weissagungen über Trumps Präsidentschaft bewahrheiten. Klar, einiges wird schlimmer werden, und ich würde jetzt noch weniger als bisher in Amerika arm sein oder dorthin einwandern wollen, aber eigentlich habe ich vor dem komplett republikanischen Kongreß Senat und Repräsentantenhaus viel mehr Angst als vor der Witzfigur im Präsidentenamt. Aber auch alle zusammen werden nichts kaputtschlagen, das sich nicht auch wieder reparieren ließe — und ihre Wähler werden hoffentlich bald schon merken, daß auch ihre vermeintlichen Heilsbringer nur mit Wasser kochen und ebensowenig wie die Konkurrenz die Patentrezepte haben, mit denen alles gut wird.

Denn daß tatsächlich alles gut werden könnte — den Glauben habe ich schon vor Jahrzehnten verloren.

20. September 2016
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 10:42

Da die Berliner ja die Sprinter ihrer örtlichen Autovermietung Robben & Wientjes bekanntlich als “eine Robbe” titulieren …

heuler.jpg

… ist das dann ein “Heuler”?

26. July 2016
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal, Kritisieren statt kreieren — Dieter Schlabonski @ 13:54

wennwahnsinn.jpg

Unter diesem Titel machen im Leitartikel des Alfelder Tageblatts die Herren Thorsten Fuchs, Jan Sternberg und Roland Herold — nach einer differenzierten Betrachtung über Amoklauf vs. Terroranschlag — durchaus angemessene Vorschläge zur Berichterstattung nach Amokläufen:

wastun.jpg

So weit, so gut, so richtig. Schade nur, daß das Alfelder Käseblatt den Artikel nicht gelesen hatte, als sie das hier auf die gegenüberliegende Seite 3 druckten:

fasziniert.jpg

Und als sei das nicht genug, zeigen sie im Kopf der beiden Seiten auch noch acht der neun Opfer von München (das neunte, ein 45-Jähriger, war vermutlich nicht fotogen genug oder hatte keine Bilder in den “sozialen Medien” hochgeladen?). Und zwar, im Gegensatz zu dieser Abbildung hier, unverpixelt und mit voller Namensnennung:

opfer.jpg

Jawoll, liebes Alfelder Drecksblatt. Genau so macht man das mit dem Vermeiden des Ruhms. Habt Ihr echt prima hingekriegt.

Ihr Pappnasen.

(Unschärfe und Verpixelungen bzw. rote Balken sind von mir. Ich will ja nicht zum Ruhm des Täters beitragen, gell.)

25. July 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:18

Eigentlich ist es erstaunlich: fast jeder weiß (und die meisten geben es auch vor sich selber zu), daß es so nicht weitergehen kann mit dem motorisierten Individualverkehr und den Mengen an fossiler Energie, die derselbe verbrennt und in Luftschadstoffe verwandelt — und trotzdem gibt es keine wirklich spürbare Bewegung hin zu den Alternativen.

Einer der Gründe ist, daß von den Alternativen zu viel verlangt wird. Die meisten PKW stehen 22 oder 23 Stunden am Tag — den Rest schafft jedes Elektroauto ohne Zwischenladen. Trotzdem würde niemand ein Auto kaufen, das nach zwei Stunden an die Steckdose muß — was ist, wenn man damit in Urlaub fahren will? (Eine ganz ähnliche Argumentation dient übrigens auch der Rechtfertigung der Anschaffung eines siebensitzigen SUV spätestens bei der Geburt des zweiten Kindes, aber dies nur nebenbei.)

Nun kann man dem Autokäufer predigen, daß es nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger ist, einen kleinen, sparsamen, heute vielleicht auch schon elektrisch betriebenen Wagen zu fahren, der 95% der Zeit ausreicht, und für die restliche Zeit dann eben den benötigten Kleinbus, Geländewagen oder von mir aus auch Luxus- oder Sportwagen zu mieten. Auf besonders viel Gehör stoßen wird man damit aber nicht. Seh ich ja an mir selbst: eine 24 Jahre alte, fünftürige Mittelklasse-Limousine mit 120 PS und Automatikgetriebe brauche ich eigentlich nie und fahr trotzdem eine. Warum? Weil es Spaß macht.

Es bedarf also eines anderen Ansatzes, will man dem Explosionsmotor und dem fossilen Kraftstoff den Garaus machen. Die Alternativen müssen nicht nur wirtschaftlicher werden, sondern auch sexier. Wenn das Lustzentrum sagt: Sowas will ich! — dann findet das Gehirn schon selbst einen Weg, wie man sich sowas leisten kann.

Die Firma Tesla ist da schon auf einem ganz guten Weg. Man baut dort eben kein utiliarisches Elektroauto, sondern (nach einem Roadster als Einstieg) einen hocheleganten, unglaublich schnellen und sehr komfortablen Luxuswagen mit einem wegweisenden Update-Konzept, der nebenbei aber auch noch elektrisch angetrieben ist (und nur deswegen so schnell sein kann, weil das mit Elektroantrieben eben viel einfacher zu bauen ist als mit Explosionsmotoren). Und klar, natürlich ist das Ding teuer. Na und? Eine S-Klasse ist auch teuer. Aber ein Tesla ist sexier — und prompt verkauft er sich in den USA, wo er herkommt, immerhin schon mal besser als die S-Klasse.

Teslas erklärtes Ziel ist es, aus der Oberklasse hinunter in den Massenmarkt zu kommen. Das dazu benötigte Mittelklassefahrzeug, das “Model 3″, ist bisher nicht mehr als eine Designstudie — und trotzdem hat man bereits über 300.000 Vorbestellungen mit je 1.000 US-Dollar Anzahlung dafür eingesammelt. Das funktioniert also schon mal ganz gut.

Und trotzdem — auch 300.000 Elektroautos sind nichts, vergleicht man sie mit den Millionen Benzin- und Dieselautos, die alljährlich neu auf die Straßen kommen. Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben; ein Ziel, das inzwischen illusorisch sein dürfte. Warum?

Ich denke, um die Reichweitenangst kommen wir nicht herum. Wer Langstrecken fährt, der will keine Batterien laden müssen, sondern volltanken und weiterfahren können.

Das Interessante dabei: so eine Technik gibt es. Volltanken wie bei einem Benzinauto und trotzdem elektrisch fahren wie mit einem Tesla. Sie nennt sich: Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der unter hohem Druck verflüssigt getankte Wasserstoff verbindet sich in der Brennstoffzelle mit Luftsauerstoff zu Wasser, und die freiwerdende Energie wird zum Antrieb des Autos genutzt.

Diese Technik eröffnet die Möglichkeit eines sanften Übergangs von der derzeitigen Benzin-und-Diesel-Welt zu einer Welt von Elektrofahrzeugen. Der gestaltet sich so:

  1. Kurzstreckenfahrzeuge (Taxis, Busse, Müllwagen, Stadtlieferwagen etc.) können bereits heute problemlos durch batterie-elektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Wo nötig, kann berührungslose Induktions-Ladetechnik etwa an Taxiständen und Bushaltestellen einen Dauerbetrieb ermöglichen. In einigen Städten fahren schon die ersten so ausgestatteten Busse.
  2. Neben batterie-elektrischen Privatwagen sollten auch brennstoffzellen-elektrische angeboten werden. Das bedingt eine Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur. Da solche Fahrzeuge für die Langstrecke prädestiniert sind, reicht es aber, diese entlang der Fernstraßen zu errichten.
  3. Als “eierlegende Wollmilchsau” fungiert der Hybridantrieb — nicht wie bisher mit Elektro- und Verbrennungsmotor, sondern nun halt mit Akku und Brennstoffzelle. Im Alltag billig und effizient an Steckdose oder Ladestation Strom tanken, aber trotzdem fernreisetauglich mit Wasserstoff-Betankung. Sicher erheblich teurer und schwerer als reine Batterie- wie Brennstoffzellen-Autos, aber man sehe sich auf den Straßen um: teure, schwere Autos verkaufen sich gut!
  4. Bleibt der schwere Güterfernverkehr. Klar, eigentlich will man den auf der Schiene haben, aber mit brennstoffzellen-elektrischen Lastwagen (die nebenbei mit gar nicht mal so großen Akkus durch regeneratives Bremsen bergab auch noch einen Haufen Energie sparen, der derzeit noch in den Retardern als Abwärme verpufft) wird er auch auf der Straße schon sehr viel nachhaltiger und erträglicher.
  5. Und für die Oldtimer, die Kleinserien-Sportwagen und die paar Prozent an Unverbesserlichen, für die ein Auto Brumm-Brumm machen muß, weil es sonst kein richtiges Auto ist — für die paar hunderttausend Autos, die auch in ein paar Jahrzehnten noch Explosionsmotoren haben werden, gibt es dann ja immer noch Biokraftstoffe, bis dahin sicherlich auch dank Biomass-to-liquid ohne die zu Recht kritisierte Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion.

Wie man das durchsetzt? Jedenfalls nicht mit ein paar tausend Euro Elektroauto-Kaufprämie, soviel ist nach den ersten Erfahrungen mit derselben mal sicher. Mein Vorschlag wäre: Spritsteuer rauf. Und zwar europaweit, und mit Ansage, also planbar. Sagen wir: pro Jahr um 20 Cent pro Liter, Biokraftstoffe natürlich weiterhin ausgenommen. Dazu ein schönes Förderprogramm für Akku-Ladestationen (eher in Städten) und Wasserstoff-Tankstellen (eher an Fernstraßen). Und dann wollen wir doch mal sehen, ob die geschätzte Autoindustrie es nicht ganz von selber — ohne jede Subventionierung — hinkriegt, den Millionen, die ihnen danach die Bude einrennen, schöne Akku- und Brennstoffzellen-Autos zu verkaufen.

Und wer dann 2025 immer noch einen Porsche Turbo haben will oder einen Zwölfzylinder-Bentley, oder einfach seinen geliebten Käfer oder Twingo behalten? Bitte, kein Problem, wer möchte, der darf ja. Heute gibt es ja auch noch ein paar hunderttausend Fossilien ohne Katalysator da draußen. Ein paar hunderttausend umweltschädliche Exoten sind auch gar nicht das Problem — das Problem sind die Millionen “normaler” Autos, gefahren von “normalen” Leuten. Wir können es uns nicht leisten, daß die noch jahrzehntelang fossile Energieträger verbrennen. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo wir es uns auch schon nicht leisten konnten, aber keine hinreichend attraktiven Alternativen anzubieten hatten, haben wir die heute.

Jetzt müssen wir es nur noch tun.

19. June 2016
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 12:51

Das ist doch mal nett, wenn sich ein Kunde so freundlich bei der Telekom bedankt für den prompten Service, oder?

netzderzukunft.jpg

Man muß ja nicht immer nur meckern …

15. June 2016
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 20:12

Was klingt wie ein Witz, ist leider eine wahre Geschichte. Kommt ein Fernfahrer ins Restaurant eines Autohofs, um 20:30 Uhr, kurz vorm Anpfiff eines im Restaurant live übertragenen Fußball-Europameisterschafts-Spiels. Und bekommt was gesagt?

“Die Küche hat schon geschlossen.”

Geht’s noch? (Nein, nicht ich, ich hab meinen Leberkäse mit Kartoffelstampf und Spiegelei und mein Maisel Pale Ale noch gekriegt.) Solche Öffnungszeiten wären irgendwo aufm Dorf vielleicht noch okay — obwohl, während der EM? –, aber auf nem Autohof? (Nein, ich sage nicht wo. ;-) )

10. June 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 14:28

Mein Kollege Torsten Böhme hat in seinem Blog “Blick Ableiter” einen wie ich finde doch etwas heftig überspannten Bogen geschlagen von der Ausflaggung ganzer LKW-Flotten von Deutschland nach Osteuropa hin zu allgemeiner Demokratie-Kritik. Das Folgende sollte eigentlich dort ein Kommentar werden, wurde aber von der Blogsoftware abgewiesen — zu lang? Egal. Wird’s eben ein Blogpost hier. Uuuund schnipp!

Ich finde, Du hängst das hier ein bißchen hoch. Dem Normalbürger, und in der Folge dann auch dem ihn vertreten sollenden Politiker, ist doch scheißegal, wo der Laster, der seinen bayrischen Joghurt nach Niedersachsen karrt, angemeldet ist oder welche Sprache sein Fahrer spricht. Und zwar mit Recht.

Hinzu kommt, daß Du als Land halt nicht mal eben europäischer Exportmeister sein und dann den Nachbarn verbieten kannst, sich beim Transport ein paar Krümel des Kuchens zu holen. Mal ganz davon abgesehen, daß ohne die osteuropäischen Flotten vermutlich unsere Wirtschaft schnell kollabieren würde — nicht wegen der dann höheren Frachtpreise, sondern schlicht wegen Kapazitätsmangel.

Und zu guter Letzt: Der Bauherr darf selbstverständlich ein paar Tausender sparen mit der Malerkolonne aus Polen. Dem Landwirt bleibt gar nix anderes übrig, als litauische Erntehelfer zum Spargelstechen einzustellen, weil es schlicht kein deutscher Student oder Hartzer durchhielte, 12 Stunden am Tag in sengender Sonne gebückt übers Feld zu gehen. Warum sollte nun also der mittelständische Unternehmer nicht auch ein paar Euro sparen dürfen, indem er Waberer’s beauftragt statt Wandt? Das ist eben Marktwirtschaft. Muß man nicht gut finden, tu ich auch nicht immer, aber die Alternativen sind halt auch nicht überzeugend.

Aber Demokratie? Die hat damit m.E. nix zu tun. Oder weißt Du auch nur von einer Partei, ob und wenn ja was sie in ihrem Wahlprogramm zu ausgeflaggten LKW-Flotten stehen hat? Das Thema ist so klein, das ist schlicht egal. Allen nicht direkt Betroffenen. Also fast allen.

9. June 2016
Filed under: Allgemein, Geschichten, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 20:00

Steh ich mal wieder in der landeshauptstäd…nein. Landeshauptdörflichen Filiale eines wie immer ungenannt bleibenden norddeutschen Automobilherstellers mit zwei Buchstaben und bekomme gesagt: Zwei Abladestellen. Sechsnzwanzich und Kämpa. Ich frage, mehr aus Frust denn aus echtem Interesse, warum dasselbe Zeug denn immer wieder je zur Hälfte auf zwei Abladestellen verteilt werden müsse. Und bekomme wie üblich keine brauchbare Antwort.

Nunja. Also auf nache Sechsnzwanzich hin. Das ist keine Halle im Werksgelände, sondern in dessen Nachbarschaft, und gehört einem auch nicht ganz unbekannten, aber ungenannt bleibenden Logistikkonzern, dessen Name sich auf “Henker” reimt. Da steh ich dann erstmal zweieinhalb Stunden an der Straße, dann nochmal knapp eine mit offenen Planen (beide Seiten, da Abladen von rechts) in der Halle, bis ein Stapler erscheint. Der pickt die zehn Behälter vom Auto, woraufhin sein Fahrer fragt: “Die sind alle für Kämpa, wo sind denn meine zehn?” Deine zehn? Ich hab nur die zehn.

Stellt sich raus: Meine auftraggebende Spedition hat Mist gebaut und mir einen überzähligen Frachtbrief mitgegeben (was in einem Packen von Telefonbuchstärke nicht weiter auffallen muß). Zur Sechsnzwanzich hätt ich gar nicht hingemußt. Schöne Scheiße.

Lustigerweise wendet sich aber alles zum Guten: der Lagerist der Sechsnzwanzich nimmt die eh schon abgeladenen Behälter an, “bei Kämpa is jetz eh keiner mehr”, und ich bin wider Erwarten schon fertig bei diesem Kunden.

Naja. Sobald ich aus der Halle raus bin, denn zwei Entladeboxen vor der meinen sortiert der Staplerfahrer in aller Ruhe seine Behälter — einer für mich, drei für die anderen, zwei wieder für mich –, und zwar mitten auf der Fahrbahn. Aber das kann mich jetzt auch nicht mehr erschüttern.

Resultat: Mal wieder kein Standgeld, diesmal wegen Sechsnzwanzich nicht avisiert. Macht nix. Trifft ja diesmal die richtigen: die, die es auch verbockt haben. Und, ach ja, 2 h zu spät beim nächsten Kunden (und auch da, logisch, kein Standgeld deswegen).

Nie war mir das egaler als heute.

7. June 2016
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 17:11

Beginnen wir diesen Rant mal wieder mit einem Blick in die Straßenverkehrsordnung. Das ist übrigens, seinem mitunter etwas trockenen Ton zum Trotze, ein stellenweise wirklich spannendes Werk. Was da alles drinsteht und trotzdem kaum einer weiß, erstaunlich. In §7 Absatz 4 zum Beispiel steht:

Ist auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung das durchgehende Befahren eines Fahrstreifens nicht möglich oder endet ein Fahrstreifen, ist den am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen in der Weise zu ermöglichen, dass sich diese Fahrzeuge unmittelbar vor Beginn der Verengung jeweils im Wechsel nach einem auf dem durchgehenden Fahrstreifen fahrenden Fahrzeug einordnen können (Reißverschlussverfahren).

Ich hab da mal die entscheidenden fünf Wörter markiert für alle diejenigen, die schon hunderte von Metern vorher, der Verengung nur auf den sie ankündigenden Schildern gewahr geworden, sie aber noch nicht mal am Horizont erspähen könnend, bereits auf die durchgehende Spur zu wechseln sich genötigt fühlen (und dabei die, die schon auf jener sind, nötigen, sie reinzulassen).

Leute: Ihr schadet damit allen außer denen, die auf der endenden Spur hinter Euch waren. Ihr selber braucht länger bis zur Engstelle (weil davor ja noch die regelgetreu Fahrenden einscheren dürfen), vor allem aber brauchen die, die auf der durchgehenden Spur nun hinter Euch sind, länger — und auch nochmal länger als Ihr selber, denn nach den Buchstaben der StVO muß ja jeder einen reinlassen: Ihr, und der hinter Euch auch.

Multipliziert mit sagenwirmal 50 Frühwechslern pro solch Stau ist das schon richtig Lebenszeit.

Aus der Kabine meines Sattelschleppers heraus ist das natürlich noch viel frustrierender als für Euch, denn ich kann viel weiter kucken und sehe deswegen auch viel mehr Frühwechsler in Aktion. Und wegen LKW-Überholverbot hab ich nicht mal die Wahl, stattdessen auf der linken Spur zu sein (die es ja zumeist ist, die da endet).

Aber was red ich. Über die Frühwechselitis haben sich schon Generationen von Motorjournalisten die Finger wund getippt. Deswegen nur eine Bitte: Wenn Ihr Euch schon vor mir reindrängelt, dann wenigstens mit Blinker und ein paar Alibimetern Abstand, ja? Ich kann Euch sonst kaum sehen, und das führt entweder (wenn ich’s doch grad noch so kann) zu Notbremsung und einem kräftigen BLAAAAAARG aus der Drucklufttröte oder (wenn nicht) zu einem unangenehmen Blechschaden. Und nein, “da war doch mindestens ein halber Meter Platz” zählt nicht: von hier oben kann man das in der einen Schrecksekunde nicht unterscheiden.

Aber ernsthaft: Lest mal StVO. Es lohnt sich.

Ihr Pappnasen.

5. June 2016
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 01:56

… natürlich aus der Region. Stimmt ja auch. Der Olivenbaum gehört in Norddeutschland ja bekanntlich zum Landschaftsbild unauslöschlich dazu:

gutesausderheimat.jpg

Oder … ach so, die meinen die Plastikschale? Dann allerdings.

Next Page »