Schlabonskis Welt
11. June 2006
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 00:35

Ein recht alter Text, der aber nach dem allfälligen Ersetzen der Währungseinheiten nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und deswegen trotzdem hier zu Ehren kommen möge.

Das Wort “Schnellkasse” vermittelt dem Ungeübten den Eindruck, hier werde man schneller abgefertigt werden als an all den normalen Kassen. Dieser Eindruck aber täuscht.

Denn leider ist es diesseits des Dreiwocheneinkaufs einer Großfamilie nicht wirklich der bestimmende Faktor für die Dauer eines Kassiervorgangs, ob da nun acht, siebzehn oder auch mal einunddreißig Artikel über das Scannerfeld wandern. Da spielen leider auch ganz andere Faktoren rein, die Art der Bezahlung etwa, die Intelligenz des Bedienpersonals oder auch und vor allem die des Kunden.

Die drei Euro dreiundachzich habbich genau passend, glaubich, Moment, irgendwo hatte ich hier noch ein Zweizenntstück…

Von den Dölmern, die sich mit voller Einkaufskarre kackfrech an die Schnellkasse stellen, will ich gar nicht erst anfangen. “Huch, das habbich ja gar nicht gesehen”, logisch, steht ja auch in nur 30 cm hohen Lettern an der Wand. “Ich hab’s aber eilig”, achso, dann ist das schon in Ordnung, wir anderen sind ja nur zum Spaß hier. “Willse paar auf Fresse?”, och, wenn Du so fragst, lieber nicht — klär das man mit der Kassiererin.

Die klärt dann auch brav, was zwar genauso lange dauert, wie den Typen abzukassieren, aber diesem wenigstens die verdiente Demütigung verschafft, sich wieder rückwärts aus der Kassenschneise manövrieren und anderswo anstellen zu müssen — und die ist auch zum Beruhigen der wartenden Schlange dringend nötig, diese Demütigung.

Leider widerfährt sie nicht den Pappnasen, die an der Schnellkasse mit Karte zahlen wollen. Und das ist eigentlich auch mein Hauptkritikpunkt: warum die Dinger bloß nicht nur Höchstens-acht-Artikel-Kassen, sondern auch und vor allem Barzahlerkassen sind?

Am besten dann noch Payback-freie Barzahlerkassen, um das weinerliche Gejaule all jener gleich mit zu eliminieren, die mal wieder vergessen haben, ihre Knauserkarte rechtzeitig rauszurücken, und deswegen jetzt den entgangenen sechsunddreißig Zennt lautstark und ausdauernd nachweinen.

Irgendwie sind diese Payback-Karten doch ziemlich schlau benamst, so im Nachhinein. Dachte ich mir und schwor, was auf den Dingern draufsteht: Rache. Jaaaaaah! RACHE! Wie weiland Mel Gibson würde ich mordend und brandschatzend durch den Realkauf ziehen, aber immer schön höflich, “nein, ich will nur mein Geld”.

Aber das Leben ist nun mal kein Hollywood-Film. Zum Glück aller Schnellkassenbenutzer bei Real in Braunschweig.

10. June 2006
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 20:56

Wie ich ja vorhin schon befürchtete, ist die Übersetzung von Douglas Adams’ “Dirk Gently’s Holistic Detective Agency”, die von einem Herrn Benjamin Schwarz verfertigt und bei Heyne als “Der elektrische Mönch” verlegt wurde, grauenhaft. Man wünscht sich, die hätten sie nach dem Verlegen nicht wiedergefunden.

Eigentlich wollte ich das ja durchlesen, aber es war einfach zu ärgerlich, darum nur drei Beispiele, bis ich auf Seite 52 das Buch in die Ecke geschmissen habe:

Original: Professor Urban Chronitis had a memory that he himself had once compared to the Queen Alexandra Birdwing Butterfly, in that it was colourful, flitted prettily hither and thither, and was now, alas, almost completely extinct.” Auch wenn man nicht alle Wörter versteht (to flit? thither? alas?), so ist doch klar, daß der Mann ein Gedächtnis wie ein Schmetterling hat: farbenfroh, hübsch umherflatternd und leider beinahe ausgestorben. Und dazu muß man nicht mal den Namen dieses Schmetterlings bei Google eingeben. Kann man aber natürlich trotzdem machen.

Und Herr Schwarz? Der schreibt, der Professor habe ein Gedächtnis, das er selbst einmal mit der Königin Alexandra Birdwing Butterfly verglichen hatte: lebhaft, anmutig hin und her hüpfend und mittlerweile leider fast gänzlich erloschen.

Das muß man sich echt mal bildlich vorstellen: die lebhafte Königin Alexandra Vogelflügelschmetterling, wie sie anmutig hin und her hüpft, bevor sie gänzlich erlischt. Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte man sich drüber schlapplachen.

Leider sind Herrn Schwarzens Schnitzer nicht immer so witzig. The idea of him actually having friends as such seemed not so much unlikely, more a sort of mismatching of concepts, like the idea of the Suez crisis popping out for a bun. Auch hier muß man nicht unbedingt wissen, daß to pop out for something soviel bedeutet wie kurz rausgehen, um etwas zu holen, zu essen oder so; das mit dem mismatching of concepts, völlig korrekt übersetzt als Unvereinbarkeit von Begriffen, sollte eigentlich reichen, um darauf aufmerksam zu machen, daß es nicht um die Vorstellung gehen kann, die Suezkrise sei wegen eines Korinthenbrötchens ausgebrochen.

Korinthenkackerei? Vielleicht. Zu schwierige Beispiele? Von mir aus, auch wenn ich mit meinem Leistungskursenglisch da keine Probleme mit dem richtigen Verstehen hatte und von einem professionellen Übersetzer eigentlich mehr erwarte. Aber bitte, hier, ein gaanz einfaches Beispiel: Not too difficult to organize, really. Wörtlich: Nicht zu schwer zu organisieren, wirklich. Was nicht schön gewesen wäre, aber immerhin korrekt. Herr Schwarz hingegen schreibt: Aber wirklich zu schwierig, um Kapital draus zu schlagen. Das mit dem Kapital, geschenkt, paßt sogar einigermaßen. Aber die Bedeutung des Satzes, die hat der Herr Schwarz leider ins Gegenteil verkehrt. Seufz.

Also, wieder mal ein deutsches Douglas-Adams-Buch für die Tonne. Schade. Beim “Anhalter” hatte ich ja noch ein gewisses Verständnis, vieles davon wüßt ich auch nicht richtig gut zu übersetzen — aber hier ist das echt nur noch Unfähigkeit und/oder Schlamperei.

Wäre es nicht vielleicht mal ein lohnendes Projekt, die Dinger neu übersetzen zu lassen? Diesmal von Leuten, die ihr Handwerk verstehen? Vielleicht so zum 30. Erscheinungsjubiläum?

Naja. Selber schuld. Was kauf ich auch preisreduzierte Mängelexemplare, da darf ich mich ja nicht über Mängel beschweren.

Literaturnachweis: Douglas Adams, “Dirk Gently’s Holistic Detective Agency”, Pan Books, London 1988, ISBN 0 330 30162 4. Douglas Adams, “Der elektrische Mönch”, aus dem Englischen von Benjamin Schwarz, Heyne Verlag, München 2001, ISBN 3-453-19908-1.

Filed under: Allgemein — Dieter Schlabonski @ 13:54

Huch. Da wirft mir einer ein Stöckchen zu? Schnüffelschnüffel. Nagut, wenn XTaran meint, daß ich auch soll … Schwanzwedel. Klöff!

1. Greife das Buch, welches Dir am nächsten ist, schlage Seite 18 auf und zitiere Zeile 4:

“werden könnten. Ich glaube, ich habe Sie mal drin rumge-”. Das ist jetzt zugegebenermaßen nicht übermäßig lesenswert, also nehmen wir mal lieber den gesamten Dialogfetzen: “Es scheint doch merkwürdig, meinen Sie nicht auch, daß die Qualität des Essens sich reziprok zur Helligkeit der Beleuchtung verändert. Läßt einen überlegen, welche kulinarischen Höhen das Küchenpersonal erklimmen könnte, wenn man es zu lebenslanger Finsternis verdonnerte. Könnte einen Versuch wert sein, meine ich. Gibt ein paar Kellergewölbe im College, die dazu benutzt werden könnten. Ich glaube, ich habe Sie mal drin rumgeführt, hmmm? Hübsches Mauerwerk.”

Wer’s nicht erkannt hat: Douglas Adams, “Der elektrische Mönch” (deutsche Version von “Dirk Gently’s Holistic Detective Agency”, die hier rumliegt, weil ich mal rausfinden will, ob die Übersetzung genauso schlimm ist wie die des “Anhalters”, und der obige Ausschnitt läßt mich Schlimmes ahnen).

2. Strecke Deinen linken Arm so weit wie möglich aus. Was findest Du?

Eine benutzte Pfanne. Bäh. Mal aufräumen.

3. Was hast Du als letztes im Fernsehen gesehen?

Weiß ich nicht. Hab kein Fernsehen. Das ist schon Monate her, und was Besonderes war’s auch nicht.

4. Mit Ausnahme des Computers, was kannst Du gerade hören?

Verkehrslärm: Autos (mittelleise), ab und zu eine Tram (etwas lauter), gelegentlich ein Krad (und mir fallen die Ohren ab). Vereinzelte Fußballjohler und -hupendkonvoifahrer, die sich seit gestern nicht beruhigt haben. Vogelgezwitscher. Normale Stadtgeräusche.

5. Wann hast Du den letzten Schritt nach draussen getan?

Gestern nachmittag: ne Stunde durchs Naturschutzgebiet und danach noch nen Happen einkaufen.

6. Was hast Du gerade getan, bevor Du diesen Fragebogen begonnen hast?

Unterm Dachfenster in der Sonne gelegen und einen schlechten Krimi gelesen.

7. Was hast Du gerade an?

Schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, keine Schuhe oder Strümpfe. Meine üblichen Zuhause-Klamotten.

8. Hast Du letzte Nacht geträumt?

Vermutlich. Aber ich weiß nicht mehr wovon. Allerdings hatte ich gestern abend einen Halbschlaftraum: ich hatte zuvor die Original-Synopsis des “Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy” gelesen, die in Neil Gaimans Douglas-Adams-Biographie “Keine Panik” als Anhang veröffentlicht ist, und habe dann bestimmt ne halbe Stunde völlig inkohärente Handlungsfäden mindestens gleichen Verwirrungsgrades gesponnen, bis ich das bewußt durch Einlegen einer CD abgewürgt habe. Konkretes davon weiß ich aber nicht mehr, und das ist auch gut so.

9. Wann hast Du zum letztenmal gelacht?

Vor ner Stunde oder so während eines Telefonats.

10. Was befindet sich an den Wänden des Raumes, in dem Du Dich gerade befindest?

Nix außer weiß gestrichener Rauhfasertapete, denn die sind schräg: Dachwohnung und Bilder-Aufhängen sind ziemlich inkompatibel. Leider.

11. Hast Du kürzlich etwas sonderbares gesehen?

Mein Spiegelbild.

12. Was hälst Du von diesem Quiz?

Ich bin kein Segler, also halse ich auch nicht.

13. Was war der letzte Film, den Du gesehen hast?

Im Kino: “V für Vendetta”. Auf DVD: “Falling Down”. Beide uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

14. Was würdest Du kaufen, wenn Du plötzlich Multimillionär wärst?

Ein altes, riesiges, schnörkeliges, aus Backsteinen gemauertes, verlassenes Fabrikgebäude. Sowas wie in “Wayne’s World 2″. Da würd ich dann oben wohnen, unten alte Autos sammeln und in der/n Etage/n dazwischen zum Beispiel Fremotreffen veranstalten. Außerdem natürlich diverse alte Autos, als erstes die neulich auf einem Schrottplatz gefundene Magirus-Eckhauber-Allradfeuerwehr; einiges an Modellbahnkram; und einen 20″-Intel-iMac.

15. Sag mir etwas über Dich, was ich noch nicht wusste.

Es gab mal eine Zeit, da standen die Aussichten gar nicht schlecht, daß ich mal mit Nachnamen “Jackson” heißen würde. Aber es kam zum Glück anders.

16. Wenn Du eine Sache auf der Welt ändern könntest, was wäre das?

Dafür sorgen, daß die Angehörigen verschiedener Glaubensrichtungen einsehen, daß es in keines Gottes, Menschen oder sonstigen Wesens Sinn sein dürfte, einander die Köpfe einzuschlagen.

17. Tanzt Du gerne?

Keinesfalls.

18. George Bush

Mit genug Schub fliegt Omas Kleiderschrank einen Looping, und mit genug Geld wird auch der letzte merkbefreite machtsüchtige alkoholkranke Berufssohn US-Präsident. Sag bloß, Dich überrascht das?

19. Stell Dir vor, Dein erstes Kind wäre ein Mädchen. Wie würdest Du es nennen?

20. Und einen Jungen?

Die Beantwortung dieser Fragen muß ich aus überzeugungstechnischen Gründen ablehnen.

21. Würdest Du es in Erwägung ziehen, auszuwandern?

Vielleicht. Allerdings wohl nicht weiter als ein bis zwei Grenzübertritte, denn irgendwie häng ich doch zu sehr an meinen Freunden und meinem Leben, als daß ich das alles nur noch selten mal zu Besuch wiedersehen mögen würde. Aber Dänemark, die Niederlande, Österreich, Norditalien — warum nicht?

22. Was würdest Du Gott sagen, wenn Du das Himmelstor erreichst?

“Ups, da lag ich wohl falsch. Na, Leute wie mich solltest Du ja mittlerweile gewohnt sein, hm?”

23. Zwei Leute, die das hier auch beantworten sollen.

Frank Wieduwilt (Mail ist raus) und Stefan Seibt.

9. June 2006
Filed under: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 13:26

Ich hab es bei Google nicht finden können, aber Audi hatte mal vor vielen Jahren ein Inserat in amerikanischen Zeitungen laufen, in dem ein Dinosaurier-Skelett abgebildet war mit dem Text (sinngemäß): “Warum ist dieses Tier ausgestorben? Zuviel Körper, zuwenig Hirn.”

Etwaige Ähnlichkeiten zu damals aktuellen Angeboten der US-Mitbewerber zu finden hatte Audi den Lesern überlassen. Vielleicht kennt das Inserat deshalb heute keiner mehr.

Und heute? Heute bauen sie den Q7, den bisher größten und schwersten Versuch der deutschen Automobilindustrie, im Markt der gigantischen SUVs (Super Unnecessary Vehicles) Fuß zu fassen. Way to go, Audi. Fast so peinlich wie Jaguar-Dieselkombis mit Ford-Motoren.

7. June 2006
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 20:45

Ja, okay, es war auch ein bißchen meine Schuld, daß ich letzttach mit dem Auto zum Leipziger Hauptbahnhof gefahren bin, obwohl ich gar nicht zum Leipziger Hauptbahnhof mußte, sondern irgendwo an den Leipziger Stadtrand hin, was auch gar kein Problem gewesen wäre, wenn ich denn gleich dahin gefahren wäre.

So bin ich denn aber zum Leipziger Hauptbahnhof gefahren. Und das war die Hölle. Ich hab ja schon oft und gern über Hannover und seine Verkehrsführung gelästert, aber herrjeh, gegen Leipzig ist Hannover ein einziger Großparkplatz ohne irgendwelche Verkehrsprobleme. (Gut: Hannover ist auch sonst nicht viel mehr als ein Großparkplatz mit Wohngelegenheiten, das stimmt schon.) Von der Autobahn zum Hauptbahnhof, das dauert da doch schlimmstenfalls ne Dreiviertelstunde. Zu Fuß.

Zu Fuß hätte es in Leipzig möglicherweise auch nicht viel länger gedauert, das mag ja sein. Aber wer da auf die Idee gekommen ist, ca. 37 Großbaustellen gleichzeitig anzulegen, der hat entweder ne Straßenbahn-Monatskarte, einen Privathubschrauber oder, was am wahrscheinlichsten ist, wohnt in Halle. Da bauen die u.a. einen mörderisch großstädtischen Boulevard, mit drei Fahrspuren je Richtung, Tram in der Mitte und Bürgersteigen, auf denen man Sattelschlepper wenden könnte, ohne zurückzusetzen. Alles vom Feinsten, Feinsteingut-Pflaster und Chrom-und-Glas-Bushaltestellenhäuschen inklusive. Nur die Fahrbahndecke fehlt. Und mittendurch steht ein Stau von Kraftwagen, schön ordentlich links und rechts eingefaßt von brandneuen Baustellen-Absperrbaken, und bewegt sich um knapp eine Autolänge pro Minute stadteinwärts.

Das war ja schon nicht besonders schön, aber nagut, sowas kann mal passieren. Richtig den Haß bekam ich auch erst, als ich, am Hauptbahnhof angekommen, herausfand, daß ich da gar nicht hinmußte. “Und wie komm ich nun zur Dingensstraße?”, frug ich den freundlichen Leipziger, der mir diese bittere Wahrheit eröffnet hatte. “Da fahren Sie”, ich lasse den Dialekt hier mal lieber weg, “da fahren sie hier vom Parkplatz runter, dann links und immer geradeaus.” “Das glaube ich nicht”, erwiderte ich, “da ist doch die Baustelle, das geht doch nur stadteinwärts da.” “Oh”, meint der, “da hab ich ja jetzt gar nicht mehr dran gedacht. Dann wird das ja richtig kompliziert.”

Ich solle, so er weiter, immer grob auf jenes Hochhaus dort am Horizont zuhalten und dann dahinter links abbiegen. Ich mach das (das sagt sich so leicht: eine halbe Stunde hat’s schon gedauert, es zu erreichen) und steh nach dem Abbiegen prompt im Wohngebiet. Mehr Einbahnstraßen als Häuser.

Hier funktionierte dann irgendwann nur noch die Navigationsmethode, die Douglas Adams einst für Cambridge vorschlug: solange immer schneller werdend im Kreis fahren, bis einen die Fliehkraft rausträgt, und dann versuchen rauszubekommen, in welche Richtung man nun rausgeflogen ist. Den blauen Schildern Richtung Autobahn nach, dachte ich, kann man ansich nicht viel verkehrtmachen. Klappt aber nur, wenn die einigermaßen konsistent an jeder Kreuzung, wo man abbiegen müßte, stehen. Klappt also nicht in Leipzig.

Dafür gabs dann Massen dieser schönen weißen “Bitte einordnen”-Verkehrtschilder: unten zwei bis vier Linien, die sich über ein lustiges Muster in drei bis sechs Pfeilspitzen oben verästeln, die in zwei bis vier Richtungen weisen. Tolle Sache. Nur steht da leider nirgends, welcher Pfeil zu welchem Ziel gehört. Eigentlich steht auf dem ganzen Schild kein einziges Ziel. So weiß ich dann, wenn ich halblinks fahren will, muß ich auf die zweite Spur von links. Aber woher soll ich wissen, wohin ich fahren will?

Naja, mit Hilfe des Sonnenstandes, des Erdmagnetfeldes, einer guten Portion mutigen Ratens und nicht zuletzt ebenso mutigen Ignorierens irgendwelcher durchgezogenen Linien und ähnlichen Unsinns gelang es mir schlußendlich, den Moloch (wie ich diese Stadt fortan zu nennen gedenke) zu verlassen, die Autobahn zu erreichen und dann von der richtigen Ausfahrt mit der inzwischen ertelefonierten richtigen Wegbeschreibung einen neuen Versuch zu starten. Und das ging dann ja auch prima. Aber ganz ehrlich, liebe Leipziger Stadtväter: als ich mit einem tiefen Seufzer das Gaspedal durchtrat auf dem Beschleunigungsstreifen, erstmals seit drei Stunden wieder schneller als 40 fahrend, da war die Versuchung doch schon sehr groß, dieses Leipzig komplett zu vergessen und unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu fahren.

Und wenn Ihr meint, daß das der Eindruck ist, den ein Besucher von Eurer Stadt haben sollte, dann macht doch ruhig einfach weiter so.

Empfiehlt jedenfalls und freut sich auf seinen nächsten Besuch in Hannover (und hätte dieses vorher nie im Leben für möglich gehalten):
   Euer Dieter Schlabonski.

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