Schlabonskis Welt
20. January 2007
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 09:42

Soso, da haben nun also wider Erwarten nicht die Amis, sondern die Chinesen einen erfolgreichen Waffentest im All durchgeführt und einen Satelliten abgeschossen. Zunächst einen eigenen.

Und, huch, auf einmal ist das aber auch sowas von böse. Die internationale Staatengemeinschaft beeilt sich, solch Tun scharf zu kritisieren. Komisch, wieso habe ich das Gefühl, daß die Verschmutzung durch Trümmerteile bei der den Cowboys ja glorreich gescheiterten Stretätschick Diefenß Innischetiff nie so wirklich ein Thema war?

Am bezeichnendsten aber ist der Kommentar eines wohlweislich ungenannt bleiben wollenden Wissenschaftlers: “Der Weltraum ist kein Spielplatz, sondern für das Wohl der Menschheit da.” Ah ja. Interessant. Nach der Erde macht Euch nun also auch den Weltraum untertan, oder was? Man gut, daß wir dazu nicht lange genug leben — weder als Individuum, um mal eben nach Beteigeuse zu fliegen und da Ärger zu machen, noch als Rasse, um mehr als vielleicht noch unser Sonnensystem zu besiedeln, wahrscheinlicher aber beim Versuch zu scheitern.

Der des Englischen mächtigen Leserschaft sei noch dieser Blogeintrag von Scott Adams ans Herz gelegt: was wäre, wenn es intelligentes Leben gäbe auf dem Mars, aber es nur die Größe einer Mikrobe hätte? Der Autor zeichnet ein bedrückend realistisches Szenario. Bedrückend vor allem für die Marsianer.

Insofern ist es wohl für alle Beteiligten das Beste, wenn in absehbarer Zukunft der erdnahe Weltraum so voller Trümmer ist, daß wir uns effektiv selber eingesperrt haben werden.

Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 08:38

Wer’s nicht mehr kennt: die Überschrift ist natürlich ein Seitenhieb auf der Bundesbahn angeberischen Slogan “Alle reden vom Wetter. Wir nicht”, mit dem sie in den späten 60er Jahren ihren systemimmanenten Vorteil der relativen Unempfindlichkeit gegenüber widriger Witterung pries. Seitdem hat sich einiges geändert. Nicht so sehr bei der Bahn, sondern wohl hauptsächlich bei den anderen Verkehrsträgern, allen voran der Gummikonkurrenz, die in dieser Zeit ja den Sprung vom 6-Volt-Käfer zum ESP-bewehrten, xenonbeleuchteten und klimatisierten High-Tech-Automobil geschafft hat.

Nicht daß die Bahn nicht auch High-Tech-Züge hätte (auch wenn da noch mehr aus den 60er Jahren rumfährt, als man gemeinhin denkt oder der Normalkunde bemerkt). Das ändert an einer Sache aber nix: daß der Systemvorteil, nicht auf Sicht fahren zu müssen (und deshalb auch bei Nebel noch pünktlich sein zu können), zum Systemnachteil wird, nicht auf Sicht fahren zu können, wenn Bäume auf den Gleisen liegen. Analog wandelt sich dann auch der Vorteil, als spurgeführtes Verkehrsmittel nicht ins Schleudern kommen zu können (und deswegen auch bei Schnee und Eis noch ganz gut zu funktionieren, zumindest bis die Weichen einfrieren), zum Nachteil, die herumliegenden Bäume nicht einfach umfahren zu können. (Oder zugegebenermaßen auch gar nicht fahren zu können, wenn diese Bäume die Fahrleitung mit runtergerissen haben.)

Das allerdings dann auch einzusehen und zu sagen: hört mal, da liegen überall Bäume auf den Gleisen, und wo jetzt noch keine liegen, da liegen vielleicht in 5 Minuten welche, also laßt uns mal den Verkehr komplett einstellen — dazu gehört indes Mut. Der Mut, die gewißliche Verärgerung tausender Fahrgäste, die nun in Kleinkleckersdorf Hbf festsaßen, und die Häme von Lästermäulern wie mir inkaufzunehmen für die Sicherheit, dann wenigstens nicht mit Bäumen zu kollidieren oder auf freier Strecke gestrandete Züge evakuieren zu müssen. Für diesen Mut sei den Verantwortlichen an dieser Stelle höchster Respekt gezollt.

Und das ist denn auch etwas, was man sich als möglicherweise angefressener Fahrgast nach 24-stündiger Verspätung fragen sollte: Wäre ich wirklich glücklicher, wenn ich mir stattdessen bei dem Schlag, der durch den Zug ging, als er in den Baum krachte, die Stirn an einem Garderobenhaken aufgeschlagen hätte, ich dann in einem dunkeln und ungeheizten Zug aufs Eintreffen der Rettungskräfte hätte warten müssen, mir dann beim Stolpern ins Schotterbett den Fuß verknackst hätte und zum Abschluß noch bei strömendem Regen und Orkanböen durch den knöcheltiefen Matsch eines Ackers zu den auf einem nahen Feldweg wartenden Bussen des THW hätte waten müssen?

Nee, die Verkehrseinstellung geht schon in Ordnung. Das mit dem Auf-Sicht-und-um-die-umgestürzten-Bäume-herum-Fahren hat ja auch, wie man so hört, die Gummikonkurrenz nicht immer so elegant hinbekommen und darum auch einige Todesopfer (und vermutlich einige Quadratkilometer verformten Blechs) zu beklagen.

Das einzig Peinliche, was der Bahn im Zuge dieses Orkans widerfahren ist, hat nur am Rande was mit Schienenfahrzeugen zu tun. Ich rede natürlich von Berlin Hauptbahnhof, wo dieser Stahlträger aus der Dachkonstruktion gefallen ist und zufällig niemanden erschlagen hat. Hallo? Liebe Architekten und/oder Bauingenieure: entweder war das ein tragendes Teil, dann hätte es eigentlich nicht abfallen können, oder es war ein Zierteil, aber warum zum Geier wiegt es dann ein paar Tonnen? Ich weiß jetzt echt nicht, welche dieser Alternativen mir mehr Angst macht. Daß man aber auch aus tonnenschweren Stahlträgern orkanfeste Bahnsteighallen bauen kann, ist, wie zahlreiche noch stehende solche beweisen, schon seit 100 Jahren Stand der Technik. Wer heute trotzdem so einen Scheiß konstruiert, sollte zur Strafe in einem selbstentworfenen Haus wohnen müssen.

Und zwar im Oberharz.