Schlabonskis Welt
22. February 2009
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 18:19

Eine Bedienungsanleitung

Nur vorsichtig nähert sich der gelernte Wessi der automobilen Errungenschaft des realexistierthabenden Sozialismus und fragt sich: ist es ein Auto, oder ist es doch nur ein Trabiwitz? Gar zu zierlich mutet an, was da in Toilettenkachelblau, Wählscheibentelefongrün, Hornhautumbra oder natürlich dem allgegenwärtigen Plattenbaubetongrau vor ihm steht und sich fast hinter der daneben geparkten Goldwing verstecken kann. Doch tatsächlich: es hat vier (Schubkarren-)Räder und zwei (Waschbeckenunterschrank-)Türen, es hat sechs (Sehschlitz-)Fenster, man kann hineinsehen und vermutlich auch hinaus, und drin ist es möbliert mit zaghaft gepolstertem Gartengestühl in geschmackvollem Durchfallbraun. Es hat sogar ein Lenkrad. Es muß wohl doch ein Auto sein.

Behutsam läßt er den zierlichen Schlüssel ins Türschloß gleikratzen, zaghaft dreht er ihn, fast schon ängstlich drückt er den Knopf in der baumaschinell anmutenden Hartplastklinke, und siehe da: mit einem satten Prapp öffnet sich die Pforte und gibt mit dem sich bietenden Anblick Anlaß zur Überlegung, wie man sich denn in den zur Verfügung stehenden Platz hineinzufalten gedenke. Aber wer Kamasutra kann oder ersatzweise Origami, dem gelingt auch dies, und erschüttert läßt er den Blick über die in ihrer Spartanität schon fast nichtvorhanden anmutende Instrumentierung gleiten. Sehr übersichtlich, würde Herr von Bülow wohl sagen; das hat aber immerhin den nicht zu unterschätzenden Vorteil, daß die Bedienungselemente trotz ihrer teils ungewohnten Form und Anordnung sich dem Auffinden nicht dauerhaft entziehen können.

Also nur Mut, den Schlüssel ins Schloß, eifrig gedreht, und was bitte ist das? Da klötert auf einmal etwas im vorderen Bereich des Fahrzeuges herum, als führe man bereits mit mehrstelliger Geschwindigkeit und sei gerade dabei, das Getriebe auf der Fahrbahn zu verteilen. Doch nur keine Panik: nähere Untersuchungen haben ergeben, daß das bemitleidenswert unmelodische Geschepper das normale Betriebsgeräusch dessen ist, was wir hier mangels eines besseren Wortes den Motor nennen wollen. Noch uneins allerdings ist sich die Forschung darüber, wie man mit nur sieben bewegten Teilen eine Lärmkulisse zu erzeugen vermag, die eher an die zehnfache Anzahl zudem völlig loser Teile gemahnt, die in einem Blecheimer rege geschüttelt werden.

Ein vorsichtiger Tritt aufs rechteste der zierlichen Pedälchen verändert diese Geräuschkulisse ins Hektische, auch wird sie deutlich lauter. Dieser Effekt, es sei hier vorweggenommen, ist auch dann noch der hauptsächlich auf diese Weise zu erzielende, wenn die Fuhre Fahrt aufgenommen hat; eine wesentliche oder gar spürbare Änderung der Geschwindigkeit hat solcherlei Tun jedenfalls nicht zur Folge. Dennoch muß eine solche aber gelegentlich stattfinden, denn wenn man nach Einrücken des ersten Ganges mit dem Krückstock und Loslassen des linken Pedälches solches tut, kann man nach endlicher Zeit durch Vergleich der Aussicht durch die Sehschlitze feststellen, daß das Gefährt tatsächlich seinen Standort verändert hat, ja mehr noch, daß es dies auch kontinuierlich weiter tut: es fährt! Und wenn man nach längerem Stochern einen der immerhin drei angebotenen höheren Gänge gefunden hat, fährt es sogar schneller, als man laufen kann. Nicht zu fassen.

Mit zornigem Gebrüll hetzt der unterdimensionierte Hartkunststoffbomber nun also der ersten Kurve entgegen. Obacht! Jetzt bloß nicht übermütig werden, brav und rechtzeitig das mittlere Pedälchen bedienen, sonst ist man ratzfatz in die Gruppe wartender Überhauptnichtmotorisierter dort an der Tramhaltestelle gewichst, und dann müssen die wieder minutenlang die Duroplastsplitter aus den Profilen ihrer Schuhsohlen kratzen. Das wollen wir ja nun auch nicht. Und nur keine Sorge: es bedarf heutzutage keiner um Gnade winselnden Diagonalreifchen mehr, um sich des Gespötts der Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen sicher zu sein, da genügt schon das Gedängel und das blaue Fähnlein aus dem hühnerknochendicken Abgasrohr.

Mitunter ist die Freude am gelungenen Start aber auch schon nach der ersten Kurve wieder eine gewesene, alldieweil das Geklöter jämmerlich erstirbt. Das hat oft, aber leider nicht immer die Ursache, daß der gelernte Wessi vergaß, den Kraftstoffhahn (der hier eigentlich korrekter “Lärmstoffhahn” heißen sollte) in die korrekte Position zu drehen. Kann schon mal passieren nach nunmehr knapp einem halben Jahrhundert, in dem das kanonische Buckelauto des Wessis bereits ohne eine solche Vorrichtung auszukommen vermag.

Sollte der Zweizylinderzweitaktzerknalltreibling aber auch mit wiederhergestellter Kraftstoffzufuhr die Arbeit nicht wiederaufnehmen wollen, so bietet sich die Gelegenheit, einen weiteren Vorteil der sozialistischen Minimalmotorisierung zu würdigen: sie schiebt sich doch deutlich leichter als ein Touareg. Und nun versteht man auch, warum das Köfferräumchen der scherzhaft sogenannten Limousine so herzzerreißend winzig ausgefallen ist, daß schon ein größerer Atlas nur gefaltet duch seine Öffnung paßt: so behält man, die Anwesenheit der in der in gnadenloser Selbstironie so bezeichneten Top-Ausstattung “S de luxe” serienmäßig vorhandenen heizbaren Heckscheibe vorausgesetzt, auch dann beim Schieben warme Finger, wenn es sich beim havarierten Trabanten nicht um einen der relativ seltenen Kleinstkombinationskraftwagen namens “Universal” handelt, die den weiteren wesentlichen Vorteil bieten, daß man sogar ganze Bierkästen unzerlegt zuladen kann.

Ist unterdessen ein Standort erreicht, an dem man keine Gefahr läuft, vom Kühlerventilator eines vorbeifahrenden X5 angesaugt und zu Hackschnitzeln verarbeitet zu werden, vermag man sich getrost der Fehlersuche zu widmen. Diese wird aufgrund der bewährten Einsicht, daß nicht kaputt sein könne, was nicht da ist, relativ schnell zum Erfolg führen: das meiste, woran so ein A8, CX oder SL gemeinhin so verrecken, ist nämlich nicht da. Und im Zweifel ist auch das gesamte Triebwerk fix ausgebaut, locker aus dem Ellenbogengelenk über die Schulter geworfen und durch das vom erfahrenen Trabantlenker stets in der linken Hosentasche mitgeführte Reserveaggregat ersetzt.

Was zählen angesichts solcher Vorteile schon die kleinen Umstände, die das Leben mit dem Trabi so mit sich bringt? Wen kümmert es da noch, daß wesentliche Betriebsflüssigkeiten mittlerweile am einfachsten zu erstehen sind, indem man vorgibt, sie für den heimischen Rasenmäher zu benötigen? Was macht es schon, daß die Feinstaubemissionen des prähistorischen Antriebsaggregates nicht zu ermitteln sind, weil die Meßapparatur schon lange vorher an den Grobstaubemissionen verreckte? Wen interessiert, daß das Fuhrwerk trotz Duroplastkarosse sehr wohl strukturell bedenklich zu rosten vermag, nur eben so, daß man es nicht sieht, bis es auseinanderfällt?

Nein, er hat seinen Platz auf dem Olymp der deutschen Automobilgeschichte schon verdient, der Trabant 601. Generationen von Chiropraktikern und Ohrenärzten wären ärmer gewesen ohne ihn. Möge er noch lange vor sich hinklötern! Doch bitte nicht vor mir.

Wünscht sich jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

12. February 2009
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 19:05

Allmählich werden die Einschläge häufiger. Das erstemal hab ich den Spruch aus der Überschrift vor … äh … herrjeh, ist das lange her … Mist! Wenn man schon überlegen muß, wie lange es her ist, daß man das erstemal dachte, man werde alt — dann wird man wirklich alt. Bei mir war das irgendwann in den 90ern, als die Zeitschrift Oldtimer-Markt (damals noch “Markt für klassische Automobile und Motorräder”) das erstemal ein Auto auf dem Titel führte, an das ich mich noch ganz gut vom Titel der Auto Motor und Sport erinnern konnte: den Porsche 924 GTS. Mittlerweile ist sowas alltäglich. Sowas und Schlimmeres.

Meint doch neulich einer an der Tankstelle angesichts meines Winterautos: “Ey kuck mal, ‘n ouler GTI! Daß das sowas noch gibt!” Klar freut einen sowas erstmal, und ja, “ich mag den Golf”, aber hallo? Das Auto ist nur ein paar Monate älter als mein Führerschein!

Den Spruch “ich mag den Golf” (er-)kennt heute auch kaum noch einer als VW-Werbeslogan, oder? Und wer von den Lesern weiß denn schon noch, daß Werther´s Original-Bonbons mal “Werther´s Echte” hießen? Oder daß Bentley mal fast dasselbe war wie Rolls Royce, Trix aber was völlig anderes als Märklin? Und daß Twix einst Raider hieß? Wenn Ihr das alles noch wißt, hab ich eine schlechte Neuigkeit für Euch: Scheiße, Ihr werdet auch alt. ;-)

Nee, was haben wir damals gewitzelt, als Stephen Kings Romane “Es” und “Sie” in den Bestsellerlisten standen, daß sein deutscher Verlag dann ja für die nächsten 22 Romane die Titel mit Erfolgsgarantie schon fertig in der Schublade hätte: “Mein”, “Ihr”, “Euch”, “Mich”, “Die”, “Dein”, “Mir”, “Ich”, “Uns”, “Sich”, “Sein”, “Euer”, “Ihnen”, “Er”, “Dir”, “Unser”, “Wir”, “Du”, “Ihm”, “Dich”, “Deren” und “Euer”. Und heute? Heute hat der Mann seitdem nicht bloß 22, sondern, wenn ich mich nicht verzählt habe, sogar 26 weitere Romane geschrieben. Nebst ein paar anderen Büchern. Nicht zu fassen.

Neulich im Bäckerladen hab ich mich dann das erstemal diesbezüglich böse blamiert. Die Verkäuferin sprach mich auf meine Antwort “Dito” auf ihr “Frohes neues Jahr” an, sie habe das schon mal gehört, aber was es denn genau bedeute und ob das hier in der Gegend üblich sei? Und ich antwortete sinngemäß, das habe mit der Gegend m.E. wenig zu tun, aber “in unserer Generation” sei das ein ziemlich normaler Begriff. Den sparsamen Blick, mit dem diese 18-jährige Azubine mich alten Knacker ansah, der tatsächlich sich zu ihrer Generation zugehörig zu fühlen schien, werde ich so schnell nicht vergessen.

Scheiße, ich werde alt. Und auf einmal sind auch so Phrasen wie “man ist so jung, wie man sich fühlt” oder “Hauptsache man ist geistig junggeblieben” gar nicht mehr so lächerlich wie vor … äh … Mist!

11. February 2009
Filed under: Allgemein, Achwas, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 15:15

Lange haben sie sich ja gesträubt in Weissach: Porsche und Diesel, nein, das passe ja sowas von überhaupt gar nicht zusammen. Dabei haben sie doch schon mal Dieselporsches gebaut …

Scherz beiseite: manche brauchen eben etwas länger, um zu bemerken, daß es dem Verbrauch nicht unbedingt in jeder Fahrsituation guttut, ein paar hundert zusätzliche Kilo an Elektromotoren und Batterien mit sich herumzuschleppen, daß also somit die tolle Modelösung “Hybrid” nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß ist. Hätten sie nur schon vor Jahren mal einen Test des Lexus RX400h gelesen! So aber mußten sie sich erst Europas größten Dieselmotorenhersteller kaufen, bevor sie gemerkt haben, daß die Dinger ja durchaus auch was taugen können heutzutage.

Und dann? Dann nehmen sie einen stinkordinären Dreiliter-V6, hängen ihn in ihr übergewichtiges Super Unnecessary Vehicle namens Cayenne (Spitzname: Gewürzmunga) und wundern sich, daß die Presse sich die Mäuler zerreißt über den mit stolzen 224 km/h Endgeschwindigkeit langsamsten Porsche seit dem, welch Zufall, ebenfalls audi-motorisierten 924 (wobei der vermutlich auf der Rennstrecke gegen den Dieselcayenne noch gar nicht mal so alt aussieht).

Dabei hätte der just erworbene Konzern doch nun wirklich den einen oder anderen einem Porsche angemesseneren Dieselmotor im Portfolio gehabt. Es hätt ja nicht gleich der auch schon hier gewürdigte V12 (”Triple-Whopper XXL mit extra allem und doppelt Fleisch”) aus dem Audi Q7 sein müssen; auch der V10 aus dem VW Touareg R50 oder notfalls der in sämtlichen Oberklassemodellen des Konzerns verbaute V8 hätten sicherlich einen “porschigeren” Antrieb abgegeben als der vergleichsweise piffelige V6. Den man ja notfalls immer noch hätte nachschieben können, sobald sich die Kundschaft und Presse an den Gedanken eines Dieselporsche gewöhnt haben.

Man verstehe mich bitte nicht miß: ich halte den Cayenne V6 Diesel keinesfalls für untermotorisiert. Aber ich bin ja nun auch nicht direkt die Zielgruppe für einen neuen Porsche-SUV. Wer sowas kauft, der will doch wohl zumindest einem der kanonischen Außendienstler-TDI-Variants davonfahren können, oder? Ob ein Porsche, der das nicht kann, wirklich ein Erfolg wird, das bezweifle ich doch stark.

Aber vielleicht soll er ja auch gar nicht. Vielleicht wollen sie ja nur in einem Jahr oder so auf die hauseigene Verkaufsstatistik zeigen und sagen können: Hier, kuck, wir haben’s versucht, wollte aber keiner.

Könnte sich jedenfalls vorstellen:
  Euer Dieter Schlabonski.

8. February 2009
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 21:50

Kennt Ihr das auch, wenn ein Lied oder insbesondere eine Zeile eines solchen sich dermaßen ins eigene Ohr gefressen hat, daß man sie partout nicht mehr loswird? Ich leide jetzt gerade schon wieder seit Tagen an einem Fragment des Machwerkes “The Look of Love” von, äh, ja, ich weiß gar nicht von wem, und vielleicht ist das auch besser so.

Denn diese Zeile, die ich meine (nennt sich Maja, nee, falsches Lied), ist außerdem auch noch so unterirdisch schlecht, daß ich jedesmal, wenn sie mir wieder durch den Kopf wabert (also in letzter Zeit: dauernd), richtig ärgerlich werde. Naja, geteiltes Leid ist halbes Leid; darf ich also vorstellen, mein Anwärter für den Reim-Dich-oder-ich-freß-Dich-Preis des 20. Jahrhunderts:

If you judge the book by the cover
Then you judge the look by the lover

Ja nee, is klar. Wenn Du das Buch nach dem Umschlag beurteilst, beurteilst Du auch das Aussehen nach dem Liebhaber. (Nicht umgekehrt, was ja immerhin marginal sinnvoller gewesen wäre.) Und wenn Du dann ob solchen Schwachsinns die Kontrolle über Deinen Bewegungsapparat verloren hast und so richtig schön mit Schmackes auf der Fresse gelandet bist, singt dieser Schwachmat in der nächsten Zeile:

I hope you´ll soon recover

Ich hoffe, Du erholst Dich bald. Ja, schönen Dank auch. Aber von diesem Dreck erhol ich mich glaubich so schnell nicht wieder. Und jetzt werd ich mir erstmal dieses eklige schleimige glibberige wimmelnde Ohrgewürm mit Hilfe von Simon & Garfunkel, live im Central Park 1981, mit maximalem Schalldruck aus dem Hirn zu spülen versuchen.

I just wanna thank the police department, and the fire department, and the arts commissioner, and Ed Koch …

Hoffentlich klappt´s.

6. February 2009
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 18:02

Einmal mehr, der geneigte Leser ahnt´s wohl bereits, soll es hier um Automobile gehen. Diesmal möchte ich das Verschwinden einer besonderen Form des automobilen Minimalismus beklagen. Klar, auch heutzutage gibt´s noch einige erschütternd karge Kisten zu kaufen, und da muß man gar nicht ins ferne Rumänien nach Dacia hin, es reicht schon ein VW Fox aus dem viel näheren … äh … Brasilien: außen kein Design, nicht mal schlechtes, und innen in Hartplastik gegossene Freudlosigkeit.

Aber was Wunder, diese Art von Minimalismus meine ich gar nicht. Sondern vielmehr eine, bei der man als Betrachter und Benutzer merkt: die, die das entwickelt haben, hatten Spaß daran. Die haben nicht einfach ein konventionelles Design genommen und solange daran rumgespart, bis es ins Budget paßte, sondern sich vorher einen Kopp gemacht, wie man die gestellte Aufgabe anders (und billiger) realisieren kann.

Auch wenn’s schon vor ihr solche Autos gab (ein Paradebeispiel wäre, wenn’s denn noch jemand kennte, das Hanomag-”Kommißbrot”), ist das kanonische Beispiel für so ein Auto selbstverständlich Citroëns “Ente”. Alles drin und alles dran, was der Mensch nebst Korb voll Eiern braucht, um heil von A nach B zu kommen, auch wenn dazwischen mal ein Acker liegen sollte, und aber zumindest ursprünglich nix, aber auch sowas von gar nix von alledem, was der Mensch nur zu brauchen meint: Leistung, Geräuschdämmung, Aufprallsicherheit oder einen Ipod-Anschluß gar. Wo andere Autos auch damals schon ein Armaturenbrett zu brauchen meinten, hat die Ente ein Kästchen mit zwei Uhren, aus dem ein paar Schalter unmotiviert herausragen. Mehr nicht. Wozu auch, es reicht ja.

Und dennoch kommt in der Ente Freude auf. Das den Eckdaten nach eher zu einem untermotorisierten Kraftrad passende Motörchen schnattert aufgeregt, aber verläßlich vor sich hin und versetzt die beängstigend dünnblecherne, eher weniger ver- als lediglich läßlich zusammengebastelte Fuhre auf Anforderung tatsächlich in eine Art beschleunigtes Watscheln, das zu jedem Zeitpunkt schneller anmutet, als es ist. Und man freut sich drüber! Unwillkürlich wird jeder Berg, nein, jeder Hügel — ach was: jede größere Fahrbahnunebenheit zu einer Herausforderung, die es gemeinsam mit dem Vehikel zu bezwingen gilt, und hat man dies geschafft, so möchte man auf dem Weg bergab mit dem Triebwerk um die Wette jubeln. Im Blickfeld türmt sich die von draußen gar nicht so gewaltige Motorhaube, als gehöre sie zu einem Vorkriegs-Bugatti, und dennoch erkennt man durch die verglasten Schießscharten genug von der Umgebung, um zumindest nicht dagegenzufahren. Und je öfter man mit der Ente im Dreck gespielt hat, umso sicherer ist man sich, auch dann anzukommen, wenn zum Ziel keine Straßen mehr führen sollten. Komisch eigentlich, den Abstandsassistenten vermißt man irgendwie schon gar nicht mehr. Und auch sonst nix.

Solche Talente hatten früher durchaus auch andere Autos, der erste VW-Bus etwa oder auch der ganz frühe Mini, bevor er einerseits zum mega-erfolgreichen Rennwagen und andererseits zum ersten Lifestylepremiumschickimickikleinwagen überhaupt mutierte. Aber irgendwie ist derlei in den letzten paar Jahrzehnten aus der Mode gekommen. Das m.E. letzte Gefährt, in dem dieser zur Kunstform gewordene Minimalismus noch zu spüren war, war der erste Fiat Panda. Mit Hängemattenstoff überzogene Stahlrohrgestelle als verblüffend bequeme Sitze (und dafür aber auch eine Rückbank, deren Variabilität heutigen Minivans die Schamröte ins verquollene Antlitz treiben sollte!), ein mit Teppich überzogenes Armaturenbrett mit verschiebbarem Aschenbecher als einzigem Feature und aber auch solch unauffällige, aber clevere Details wie ausschließlich plane Fensterscheiben, für die einem notfalls jeder Autoglaser passenden Ersatz schneiden kann, auch in Katmandu. Gut, besonders untermotorisiert war die leichte Büchse trotz in der Basisversion leicht entenmäßiger Eckdaten nicht mehr, im Gegenteil: man konnte damit in guter italienischer Tradition schon sehr behende durch die Stadt wuseln, und je enger desto besser; trotzdem fand auch technisch nicht viel mehr als das Nötigste statt, und sogar das Reserverad kam noch im Motorraum unter.

Und heute? Heute sehen Billigautos eben genauso aus wie normale Autos. Nur halt billiger. Man läßt alles weg, was irgendwie schick ist oder bequem oder praktisch, und wundert sich dann, daß die häßliche unbequeme unpraktische Kiste wenn auch vielleicht Käufer, so doch keine Fans mehr findet. Und die Leute, die in der Lage sind, eines Autotyps Fan zu sein (wofür man zugegebenermaßen schon eine eigene Art Mensch sein muß), wenden sich dann eben den Old- und Youngtimern zu oder den mit Gewalt kosmetisch auf kultig getrimmten Karren vom Schlage eines VW New Beetle, neuen Mini oder auch neuen Fiat 500. Ob diese Beziehung aber von Dauer ist? Die beiden Entenfahrer, die ich gut kenne, haben ihre Ente jeweils mehr als ein Jahrzehnt gefahren (ja, jeweils dieselbe Ente). Bei den neuen Möchtegern-Kultautos würde es mich schon arg überraschen, wenn die normale Haltedauer die Zeit bis zur Präsentation des nächsten neuen Möchtegern-Kultautos wesentlich übersteigt.

Wann also baut mal wieder jemand ein wirklich minimalistisches neues Auto? Jedesmal, wenn ich in den letzten Jahren bei der Präsentation eines Prototypen dachte, hey, der könnte es werden (und das war nicht oft der Fall), sah ich mich vom späteren Serienmodell herb enttäuscht. Derzeit setze ich meine Hoffnung auf den Citroën C-Cactus. Und nein, keine Bange: die Luft anhalten werde ich deswegen nicht.