Schlabonskis Welt
27. August 2009
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 13:58

Wißt Ihr, welches motorbetriebene Gerät mir mit Abstand am meisten auf den Sack geht? Lastwagen? Nö, die brummeln doch nur. Taxen? Getunte PKW? Kräder? Wärmer, aber kein Treffer. Nein, das Schlimmste ist die sogenannte gemeine Motorsumse (sensus zweitaktiensis vulgaris), ein auch unter dem Namen “Rasentrimmer” bekanntes Gerät, das in sich eine absolut ekelhaft kreischende Klangfarbe mit extrem aufmerksamkeitsheischenden Drehzahlschwankungen vereint.

Anders nämlich als Rasenmäher, Laubpuster und ähnliche Krawallgeräte, die mit konstanter Drehzahl vor sich hin grölen, halten es die Betreiber der Motorsumse nämlich für besser, jedesmal, wenn sich das rotierende Ende von den zu meuchelnden Grashalmen entfernt, auch den Gashebel loszulassen: böböböböbö-ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ-böböböbö-ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ-böböböböböböbö-ÄÄÄÄÄÄÄÄ-böböbö-ÄÄÄÄÄ-böböböböbö-ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ … Und das ist schlimmer als ein durchgehendes ÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ, das man als Stadtmensch ja recht erfolgreich ausblenden kann.

Dabei gibt es gar keinen Grund, warum die Scheißdinger so laut sein müssen. Im Gegensatz zu meinem kanonischen Beispiel eines Geräts, bei dem das schwer vermeidbar ist, nämlich der Kettensäge, wuchtet man ja die Motorsumse nicht mit der Kraft der eigenen Arme durch die Botanik, sondern hat sie gemütlich über die Schulter gehängt und dröhnt sich mit dem in Kopfhöhe hinten angebrachten Motörchen die Ohren voll. Ein ordentlicher Schalldämpfer, vielleicht Wasserkühlung, eventuell gar eine niedrigere Drehzahl (und ein Getriebe, damit die Drehzahl des Schnittwerkzeugs nicht leidet), das kann doch nicht so schwer sein! Ein paar Kilo Mehrgewicht sind m.E. kein zu hoher Preis für einige zehn gesparte dB. Und es ließe sich sogar als Arbeitsschutzmaßnahme verkaufen.

Aber NÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ, wozu denn? Ohrenstöpsel sind billiger. Seufz. Wie bitte? Ich sagte SEUFZ!

24. August 2009
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 18:24

Flattert mir doch ein Flugblatt ins Haus mit folgendem Angebot:

kiel-hamburg-preise.jpg

Von Kiel nach Hamburg für mindestens knapp 1900 Euro. Da muß sich die Bahn echt warm anziehen. Obwohl, einen Vorteil hat sie schon noch: sie fährt immerhin den direkten Weg. Was man von dem Angebot des Flugblatts nicht behaupten kann, die haben offensichtlich nicht mal einen Atlas an Bord, so hilflos wie die auf der Ostsee umherirren:

kiel-hamburg-route.jpg

:-)

21. August 2009
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:18

Übersetzen ist ein hartes Brot, wie jeder weiß, der es schonmal versucht hat. Je besser der zu übersetzende Text, desto härter wird es. Ganz besonders hart wird es, wenn man etwas übersetzen soll, das sich ohne Verlust an Bedeutung nicht übersetzen läßt.

Und genau deswegen eignet sich eine solche Stelle ganz hervorragend, um zu zeigen, was ein Übersetzer draufhaben sollte, eh er sich an Douglas Adams wagen mag.

Zunächst die Stelle (aus “The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy”, die Namen der Figuren stehen im Original so nicht davor):

Ford: “You’d better be prepared for the jump into hyperspace. It’s unpleasantly like being drunk.”
Arthur: “What’s so unpleasant about being drunk?”
Ford: “You ask a glass of water.”

Böse Falle. “Getrunken werden” meint Ford, “betrunken sein” versteht Arthur, und auf Deutsch funktioniert’s eben nicht.

Was tun?

Der herausragende Übersetzer …

… würde einen Weg finden, in etwa dasselbe auf Deutsch so zu sagen, daß das Mißverständnis trotzdem funktioniert und der Witz damit erhalten bleibt. Was zum Beispiel? Woher soll ich das wissen? Bin ich ein herausragender Übersetzer? Also bitte.

Aber vielleicht bist Du ja einer? Wenn Dir eine Übersetzung dieser Stelle einfällt, die diesen Kriterien genügt, schreib mir (oder hinterlasse einen Kommentar), und es winken Ruhm, Ehre und mehr Groupies als Du tragen kannst, wenn ich Deinen Geniestreich hier veröffentliche. ;-)

Der verdammt gute Übersetzer …

… würde statt dieses Wortwitzes einen anderen finden, der auf Deutsch funktioniert und außerdem nicht völlig vom Thema abkommt. Auch hier muß ich, der nicht eben verdammt gute Übersetzer, das Beispiel schuldig bleiben.

Aber auch hier gilt mein Angebot von oben.

Der gute Übersetzer …

… würde merken, oh, Mist, das pack ich nicht, und das Problem in einer Fußnote verständlich machen, etwa so:

Ford: “Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.”
Arthur: “Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?”
Ford: “Frag ein Glas Wasser.” 1
[…]
1 Ford sagt “being drunk” und meint “getrunken zu werden”, Arthur versteht “being drunk” als “betrunken zu sein”. (Anm. d. Übers.)

Nicht eben der Brüller, aber verständlich. Man kann den Witz würdigen, und man versteht, worum es geht. Immerhin.

Der schlechte Übersetzer …

… würde stumpf 1:1 übersetzen, was die Figuren sagen, und sich einen Dreck darum scheren, wenn Blödsinn dabei rauskommt. So zum Beispiel:

Ford: “Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.”
Arthur: “Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?”
Ford: “Frag ein Glas Wasser.”

“Häh?”, denkt der Leser, “ein Glas Wasser fragen?” Mit ein wenig Nachdenken kann er noch drauf kommen, was da passiert ist, ansonsten zuckt er mit den Schultern – “was weiß ich” – und liest weiter.

Doch doch, es kann schlimmer kommen. Viel schlimmer.

Der erschütternd schlechte Übersetzer …

… verbiegt nämlich das, was die Figuren da sagen, soweit, daß es zwar wieder einen scheinbaren Sinn ergibt, dafür aber sowohl der Witz als auch die Aussage verloren gehen:

Ford: “Du solltest Dich auf den Sprung in den Hyperspace vorbereiten. Es ist unangenehm, so wie betrunken zu sein.”
Arthur: “Was ist so unangenehm daran, betrunken zu sein?”
Ford: “Man wünscht sich ein Glas Wasser.”

Das führt zwar nicht zu einem “Häh?” wie das vorherige Beispiel, sondern nur zu einem Stirnrunzeln – aber dafür gibt es beim Lesen des englischen Textes ein riesiges Deja-vu, in dessen Folge man den Übersetzer noch nachträglich rituell erwürgen möchte.

Oder, wie in meinem Fall, wenn man sich beim ersten Lesen des englischen Textes nicht mehr an die Übersetzung erinnert, dazu, daß das deutsche Buch beim nächsten Lesen in hohem Bogen in die Ecke fliegt. So geschehen mit der oben hoffentlich richtig zitierten Ullstein-Übersetzung “Per Anhalter durch die Galaxis” von Benjamin Schwarz.

Die Zweitausendeins-Übersetzung fehlt hier noch. Aber soweit ich mich entsinne, ist sie nicht besser.

Fazit

Mag sich nicht mal bitte ein mindestens guter Übersetzer am “Anhalter” versuchen? Bitte bitte bitte? Mit Zucker obendrauf? 1 ;-)

Es wäre Zeit.

1 Ja, ich weiß, daß das eine schlechte Übersetzung ist, keine Bange. Und wer weiß, woher, kriegt ein Fleißpünktchen.

18. August 2009
Filed under: Allgemein, Achwas, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 20:32

Wenn mein Französisch nicht völlig eingerostet ist, lautet der Handelsname für diese Datteltomaten hier …

taubenherzen.jpg

… tatsächlich “Taubenherzen”. Brr. Sehr appetitlich.

Waren aber lecker. :-)

17. August 2009
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 15:44

Bei uns hätten sie bestimmt wieder ein Schild aufgestellt mit jeder Menge Text. Achtung, langsamfahrende LKW, Unfallgefahr. Oder so. Und sich dann gewundert, daß irgendwelche Leute ohne gute Deutschkenntnisse trotzdem draufsemmeln.

Die Spanier machen das irgendwie geschickter. Ich kann zwar kaum ein Wort Spanisch, aber dieses Schild hier …

achtunglangsam.jpg

… hab ich auch so verstanden. Und mehr noch: drüber geschmunzelt. Der Gesichtsausdruck des Lastwagens! Genau so fühlt man sich, wenn man 25 Tonnen Polo-Bremsen mit 430 DAF-PS da die Pyrenäen hochschleppen muß, genau so!

Und wie immer: sorry für die schlechte Bildqualität, aber anhalten ging grad nicht.

15. August 2009
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 20:25

Da steht doch vorhin so ein Mercedes-Leichenwagen mitten auf der Straße, kurz vor nem Kreisverkehr, so daß PKW gut vorbeikamen (wenn kein Gegenverkehr kam), leichte Lastwagen gerade mal so und alles, was einen Anhänger oder Auflieger dabeihatte, beim besten Willen nicht. Gut, denk ich mir, kann passieren, fährste mal rechts ran und fragst, ob er abgeschleppt werden will (ich war mit dem PKW da).

“Geht nicht, ist ein Automatik.” Ja nee, is klar. Da steht in der Anleitung, daß man nicht weiter als x km mit nicht mehr als y km/h abschleppen soll, aber er traut sich nicht die 1,5 km zur nächsten Tanke. Dann lassen Sie ihn uns wenigstens an die Seite schieben, mein ich, Sie blockieren hier ja alles.

“Der wiegt 2,5 Tonnen, den kriegen Sie nicht geschoben.” Zu dritt hätten wir das schon geschafft, und wenn nicht, hinter uns im Stau waren noch genug Helfer. Aber nein, es war keinerlei Erfolg bei meinen Überredungsversuchen zu verzeichnen.

Und da fragt man sich schon ein bißchen, wo denn nun die Leiche war — hinten im Sarg oder doch vorn auf dem Fahrersitz. Denken konnten sie jedenfalls beide nicht die Bohne.

So, das mußte einfach mal raus. Danke fürs Lesen.

Kopfschüttelnde Grüße,
  Euer Dieter Schlabonski.

11. August 2009
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 19:07


Ich bau ne Stadt für dich
Aus Glas und Gold und Stein
Und jede Straße die hinausführt
Führt auch wieder rein
Ich bau eine Stadt für dich - und für mich

Soso. Verehrte (hust) Cassandra Steen: wie habe ich mir das bitte vorzustellen? So etwa?

stadtfuerdich.png

Hm. Interessante Variante der “Fortress Around Your Heart” von Sting damals. Selber Effekt quasi, aber statt mit Gräben und Stacheldraht wird das Ziel mit Verarschung und Wecken falscher Erwartungen erreicht. Prima. Ganz toll.

Da kriegt doch Stings Lösung, den ganzen Scheiß einfach niederzubrennen, ganz unverhofft eine gewisse Attraktivität.

Und außerdem ist dessen Song besser als Ihrer. Was heißt hier besser … der ist sogar gut.

10. August 2009
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 11:58


Auf der Brücke zu Paris
saß ein altes Weib und schiß
in ein leeres Butterfaß –
Donnerwetter, krachte das!

Kam ein Wagen angefahren
voll mit schönen jungen Damen,
und der Kutscher auf dem Bock
schiß sich lachend in den Rock!

Ja, liebe Kinder, über sowas lachten unsere Urgroßeltern! Oder zumindest meine. Das obige Verslein hat jedenfalls meine Uroma (*1876, +1967) oft und mit Freude zitiert — so oft, daß meine Mutter es immer noch auswendig kann.

Was vielleicht nicht viel, aber doch zumindest eines beweist: der vielbeklagte Verfall von Sitte und Kultur ist kein Produkt der Neuzeit.