Schlabonskis Welt
21. September 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Kritisieren statt kreieren — Dieter Schlabonski @ 16:03

District 9. Im Kino.

Endlich traut sich mal einer, zu zeigen, was wahrscheinlich passieren würde, wenn die Aliens uns nicht haushoch überlegen sind. Was wird schon passieren? Einsperren werden wir sie, benutzen, betrügen, mißbrauchen und abschlachten. Machen wir doch mit allen so, die uns nicht haushoch überlegen sind.

Wobei sich nach dem Kinobesuch zugegebenermaßen schon ein paar Fragen auftun, was die Logik und Sinnhaftigkeit des Films angeht. Die sind also vor 20 Jahren hier gestrandet. Ihre Waffentechnik ist unserer hoch überlegen — und, wie an reichlich Geballer zu sehen, funktioniert noch einwandfrei. Ihr Schiff ist unserer Technik erst recht überlegen — und funktioniert, wie sich gegen Ende herausstellt, auch einwandfrei. Und auch die anderen kleinen Gimmicks, Computer und so, sind den unseren … na Ihr wißt schon. Und funktionieren. Einwandfrei. Warum haben sie das (was, verrate ich hier mal nicht) also nicht schon vor 20 Jahren gemacht?

Achja, sie mußten ja dieses Wundermittel aus Müll destillieren. Schon ein tolles Stöffchen; funktioniert als Treibstoff ebenso wie als Auslöser völlig durchgeknallter biologischer Reaktionen. Haben sie dann am Ende aber beides nicht wirklich gebraucht.

Der hier bisher stehende Absatz über zu alte Autos und Computer für einen Film, der in der Zukunft spiele, hat sich erledigt: District 9 spielt, wie ich mittlerweile festgestellt habe, in einer fiktiven Gegenwart. Sorry!

So. Genug gelästert. Denn wie gesagt: solch Logiklücken bemerkt man erst, wenn man schon wieder raus ist aus dem Kino. Während man drin ist, ist man (oder zumindest: war ich) völlig hin und weg von dem Streifen. Erstens wegen der wirklich klasse gefilmten Bilder, die völlig frei von Glamour und Pomp eine Welt zeigen, die einfach nur brutal realistisch rüberkommt, mit Menschen, die mit den außerirdischen Gefangenen realistisch brutal umspringen. Man kann das nicht gut finden (im Gegensatz zu Filmen wie etwa Starship Troopers, wo man unwillkürlich bei jedem gemetzelten Alien mitjubelt, oder Independence Day, wo sie einem zumindest ziemlich wurscht sind), im Gegenteil, es macht einen ähnlich betroffen wie echte Foltervideos aus Kriegsgebieten, und das ist ja auch die Absicht der Macher. Aber man muß widerstrebend zugeben, daß es sehr wahrscheinlich so und nicht anders laufen würde, daß wir Aliens, wenn sie uns lassen, so und nicht anders behandeln würden: wie ein Mittelding aus Untermenschen, Melkkühen und Ungeziefer.

Daß die dann nur noch weg wollen, kann man ihnen nicht verdenken. Daß wir sie nicht lassen, weil wir ihre Waffen so geil finden (die wir aber dank DNA-Codierung nicht bedienen können), erscheint leider ebenfalls realistisch. Und die resultierende Ghettoisierung der Aliens (passenderweise in einem eingezäunten Slum in Johannisburg, Südafrika) ist dann die logische Konsequenz.

Zur eigentlichen Story mag ich nicht viel sagen; sie tritt gegenüber der bedrückenden Szenerie und den eindrucksvollen Bildern eh in den Hintergrund, und sie hält sich am Ende auch alle Optionen offen für den zweiten Teil, mit dessen Kommen ich fest rechne und dessen Titel “District 10″ sich sogar schon herleiten läßt.

Fest steht nur eins: ich geh wieder ins Kino, wenn der kommt. District 9 ist m.E. ein hervorragender Film. Nicht gerade unterhaltsam oder gute-Laune-induzierend, eher bedrückend und pessimistisch stimmend; aber anders kann er auch nicht wirken, wenn er so wirken soll, wie er soll. ;-) Es ist nun mal eine Tatsache, daß Zukunftsgeschichten, sollen sie realistisch wirken, nicht wirklich fröhlich sein können. Und District 9 wirkt wirklich verdammt realistisch. Hoffen wir mal für die Aliens, daß sie nicht hier stranden. Besser ist das. Vor allem für die. Besser für uns ist indes, diesen Film kucken zu gehen. 9 von 10 Punkten, den einen zieh ich nur wegen der erwähnten Logikfehler und Nachlässigkeiten ab.

16. September 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 18:24

Da komm ich neulich in der Braunschweiger Innenstadt um ne Kurve getapert und wähne mich auf einem Leichenwagentreffen: nur schwarze Autos um mich rum. Fast nur: von vierzehn in jener Straße geparkten Vehikeln waren elf schwarz. Nichtschwarz waren nur ein alter Volvo (dunkelblaumetallic), ein alter Passat (dunkelrotmetallic) und das Auto des offensichtlichen Extrovertierten in dieser Runde, ein Audi Avant in vergleichsweise mutigem Silbermetallic.

Sagt mal, was ist los? Leiden Neuwagenkäufer an einer Farbverschiebung im Sehnerv? Denken sie sich, “wenn schon Krise, dann soll wenigstens der Neuwagen nach Tod aussehen”? Sind neue Autos in, nunja, farbigen Farben selbst ihren Käufern zu häßlich und nicht nur mir? Oder soll sich die teuer mitbezahlte Klimaanlage (”serienmäßig” bedeutet nicht “kostenlos”, sondern nur “obligatorisch”) dann wenigstens rechnen?

Man sagt ja, Gutes komme wieder. Na mal kucken — ob wir die Zeit der signalroten S-Klassen, quietschgrünen Polos und knallgelben BMW-Tourings wirklich nochmal wiedererleben dürfen?

Ich tu den Leichenwagenfans Unrecht mit meinem Vergleich oben, Entschuldigung. Auf Euren Treffen gehts bunter zu, im Lack und auch sonst. :-)

10. September 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Kritisieren statt kreieren — Dieter Schlabonski @ 18:10

Final Destination: Death Trip. Originaltitel: The Final Destination. Derzeit im Kino, demnächst dann wohl auch als DVD, Werbungsunterbrechung im TV, Bluhräidisk, Videothekenverlegenheitsauswahl und Kaugummisammelbildchen.

Ja, haben wir alle gedacht, ganz toll, vierter Aufguß, die brauchen wohl Kohle? Klar, mag schon sein, aber um das Fazit vorwegzunehmen: wer das mit dem vierten Aufguß so angeht wie die Macher von “The Really, Truly, This-time-we-mean-it, Like, You Know, ***FINAL*** Destination, Honest!”, der hat sich die Kohle aber auch redlich verdient.

Wer mit der Story nicht vertraut ist: Am Anfang passiert ein schwerer Unfall mit vielen Toten, der sich aber als Vision eines der Charaktere entpuppt. Jener rettet dann eine Handvoll Freunde wie Fremder vor dem natürlich trotzdem passierenden Unfall, nur um erleben zu müssen, wie Gevatter Tod, offenbar sauer ob der unbefugten Einmischung, sich seine Opfer dann einzeln trotzdem holt, bis man “die Kette durchbricht” und die noch verbleibenden Überlebenden rettet. Oder auch nicht. Oder so.

Das Strickmuster ist für alle vier Filme dasselbe, aber dieser hier ist der erste, der sich das epische Auswalzen der innewohnenden Erkenntnisse weitgehend spart. Keine unheimlichen schwarzen Männer, die in irgendwelchen schummerigen Katakomben ihrem Job als amtlich bestellter Leichenbeschauer nachgehen (ja nee, is klar); keine (oder zumindest fast keine) ermüdenden Gruppengesprächsrunden der Überlebenden, in denen die Überzeugten die Zweifler zu erretten versuchen; kurz: kein unnötiger Ballast, der vom Wesentlichen ablenkt: Gemetzel!

Und auch hier spart sich der neue Film einige der minutenlangen Vorspiele, die den Tod in den vorherigen zum Teil zur willkommenen Erlösung werden ließen. Klar, so ganz aus heiterem Himmel kommt der finale Splash auch hier nur selten (dann aber umso überraschender), aber die Choreographie scheint mir im neuen Film doch schwungvoller, weniger hölzern zu sein. Und mit ganz wenigen Ausnahmen wirken auch die Unfall-Abläufe ziemlich realistisch, lange nicht so konstruiert wie etwa die Sonnenstudio-Szene aus einem der Vorläufer, ich glaube dem dritten.

Sonderpunkte gibt’s dann noch für den Vorspann, der auf grafisch sehr elegante Art die drei Vorgängerfilme zitiert (also nicht zu spät zur Vorstellung kommen, sondern die blöde Pizzeriareklame einfach mal erdulden) und für die Tatsache, daß der Film sich meist die vordergründigen Splattereffekte verkneift. (Meist, nicht immer. Aber es geht. Meine Magennerven haben bei “Inglorious Basterds” mehr gelitten.)

Insgesamt also eine gelungene Wiederaufnahme eines zwar alten, aber deswegen ja nicht notwendigerweise schlechten Konzepts. Ich sag mal 7 von 10 Sternchen; Filmkunst darf man nicht erwarten, aber solide Unterhaltung fürs Geld gibts allemal.

Eine neue Kategorie bei Schlabonski! Sagt ruhig, was Ihr davon haltet. Mir ist jedenfalls keine andere Kippe für Ergüsse dieser Art eingefallen, und immer nur witzig sein fällt mir auch zunehmend schwerer. Also muß ich diversifizieren, wenn der Blog hier nicht total einschlafen soll. Meinungen willkommen!

4. September 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 16:36

Es scheint zunehmend, als wolle der olle General Motors seine Tochter Opel nun doch nicht mehr in fremde Hände geben. In die von der deutschen Regierung und von den Opelanern selbst favorisierten, Magna in Zusammenarbeit mit dem russischen Autohersteller GAZ (besser bekannt als Wolga), sowieso schon mal gleich gar nicht — schließlich ist Rußland für GM, inkarniert als die neuerdings überwiegend koreanische Marke Chevrolet, ein wichtiger Exportmarkt, auf dem man sich nicht ohne Not durch Verkauf von Opel-Know-How an die Konkurrenz selber das Leben schwermachen will.

Aber auch sonst gibt es eigentlich wenig Grund, den Laden nun partout zu verhökern. Die Abfuckwrackprämie hat Opel übers Gröbste weggeholfen, und in den USA steht selbige erst in den Startlöchern (und falls Deutschland da ein Indiz ist, wird man kleinere Autos brauchen dann); die Regierungen haben großzügig Übergangskredite und Bürgschaften springen lassen, darunter die deutsche für Opel satte 1,5 Milliarden Euro; und die Kassenkuh der Rüsselsheimer, der neue Astra, steht in den Startlöchern und scharrt mit den Vorderrädern.

Und die enge Verbandelung von Opel und den anderen GM-Marken zu lösen wäre eh kein Vergnügen gewesen. Kaum ein Opel-Modell, das nicht irgendwo auf der Welt nicht auch unter einem anderen GM-Label vertickt wird (ob das nun echte Opels als wasauchimmer getarnt sind oder eher echte Wasauchimmers als Opel verkleidet, ist ja egal).

Fazit: Glückwunsch nach Berlin, Detroit hat Euch nach Strich und Faden verarscht. Hoffentlich können sie mit den 1,5 Milliarden was anfangen in Amerika.

1. September 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 22:03

… aber muß man das so deutlich dranschreiben?

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