Schlabonskis Welt
17. February 2010
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 22:00

Soso, einer der beiden Reisezüge, die da in Belgien frontal zusammengedonnert sind, hat also vermutlich ein Haltsignal überfahren. Irgendwie habe ich gerade ein dickes fettes Deja-vu. Ja, so einen Artikel gab es schon mal auf Schlabonskis Welt, damals, 1999, als British Rail ein ähnliches Mißgeschick passierte.

Und schon damals war ich hin- und hergerissen zwischen Amüsement und Entrüstung über die Tatsache, daß British Rail in 200 km/h schnellen Intercity-Zügen immer noch nicht über eine Einrichtung verfügte, die es an deutschen Dampflokomotiven schon in den 50er Jahren gab: die induktive Zugsicherung, kurz Indusi.

Man sieht schon an der irgendwie netten Abkürzung im Stil von Gezuvor und Vileda, wie alt diese Erfindung ist. Heute hieße sie vermutlich ITS (Inductive Train Safety) stattdessen. Das Prinzip aber ist so simpel, daß man es heute vermutlich auf keinen Fall mehr so realisieren würde. Man braucht nicht mal einen Computer dafür: Das haltzeigende Signal gibt im Prinzip nur Strom auf einen Elektromagneten im Gleis, was einen Strom eine Spannung in einer Spule in der durchfahrenden Lok magnetisiert induziert und dieser so mitteilt: Heee, ich bin rot! Und die Lok bremst dann von selber. Mehr ist da nicht.

Erschreckend, daß das immer noch nicht alle eingebaut haben. Ein Eisenbahnzug ohne Indusi mutet 2010 ähnlich antiquiert an wie ein Auto mit Seilzugbremsen. Beides ist zwar TÜV-tauglich, aber täglich damit rumfahren möchte man eigentlich nicht mehr. Achtzehn Zugreisende in Belgien haben diese Erkenntnis mit ihrem Leben bezahlt. Ich bin neugierig, ob sie endlich die letzten sein werden.

Nein, glauben tu ich das nicht.

Danke an Mail- und Kommentarschreiber und andere E-Technik-Nachhilfelehrer!

Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 02:31

Daß ein zum Tode Verurteilter stirbt, ist nichts sonderlich Ungewöhnliches. Leider immer noch. Daß er aber, wie neulich in den United States of Neandertal, im zarten Alter von 94 Jahren eines natürlichen Todes stirbt, ist schon seltener.

Und es ist ein hübscher Anlaß, mal zu überlegen, ob man diese primitive Strafmethode nicht vielleicht doch endlich mal abschaffen sollte. Nicht so sehr wegen ihrer Unmenschlichkeit, und auch nicht, weil man dabei einmal gemachte Fehler nicht mehr korrigieren kann — beides ist den Amis ja traditionell egal –, sondern aus einem Grund, der vielleicht mehr Gehör finden wird: es kostet einfach zuviel.

Denn es ist ja nicht wegen Schlamperei, daß der Senior da seit 27 Jahren im Knast saß und auf seine Hinrichtung wartete. Ich weiß nicht, was der an Anwalts- und Gerichtskosten generiert haben mag im letzten Vierteljahrhundert, aber davon könnte man vermutlich einige Verbrecher bis an ihr Lebensende im Kittchen durchfüttern. Todesstrafe ist teuer, nicht wegen des Stroms für den elektrischen Stuhl, sondern wegen der -zig Sicherheitsnetze, die seinen fälschlichen Gebrauch vermeiden sollen. (Daß das trotzdem nicht immer so toll klappt mit dem Vermeiden, steht auf einem anderen Blatt.)

Es ist also teuer, fehlerbehaftet, nicht korrigierbar, und es sorgt obendrein für ein schlechtes Image in der zivilisierten Welt, wenn man Leute von Staats wegen umbringt. Und gelegentlich, zum Beispiel im aktuellen Fall, sorgt es außerdem auch noch für mildes Gespött. Ich bin ja mal gespannt, wann sie es einsehen da in USAnien. Mein Tip: das wird noch dauern. Mal kucken, wieviele ihrer Todeskandidaten bis dahin noch die Geduld verlieren und von alleine wegsterben.