Schlabonskis Welt
30. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 23:07

Es gibt doch noch Affären, die zumindest so verlaufen, daß man als Beobachter sich nicht ständig vors Hirn schlagen muß ob soviel geballter Inkompetenz, Unbeholfenheit und Selbstsucht.

Jörg Tauss, früher SPD, seit letztem Jahr dann Piratenpartei, ist wegen Besitzes von Kinderpornos zu 15 Monaten Knast auf Bewährung verurteilt worden. Darüber gibt es nix weiter zu sagen — er leugnet, das aus persönlichem Interesse getan zu haben, und ob der Richter oder ich ihm das glauben oder nicht, tut nix zur Sache. Was ich an der Affäre so gut finde, ist das, was dann passiert ist.

Nämlich hat ihn erstmal die Piratenpartei nicht rausgeschmissen, sondern ihm eine Chance gegeben, die Sache zu regeln — bis das Urteil rechtskräftig ist (er könnte ja noch in Berufung oder Revision gehen). Und dann ist aber er aus der Partei ausgetreten, ausdrücklich um selbige vor Diskussionen über seine Person zu schützen: “Wir müssen an den Infoständen über unsere Inhalte diskutieren können und dürfen nicht durch eine ‘Tauss-Debatte’ gelähmt werden. Aus diesem Grunde erkläre ich meinen Austritt aus der Partei.” Respekt, Herr Tauss. Und Respekt auch den Piraten. So soll es laufen, wenn es schon mal schiefgelaufen ist. Keine Vorverurteilung, keine Sesselkleberei. Schön, daß es sowas noch gibt.

28. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 13:40

“Top Kill” nennen die BP-Manager ihre nach grade mal gut einem Monat überraschend schnell eingeleiteten Versuche, das Leck im Golf von Mexico zu schließen. Und man kuckt so auf die Live-Bilder und denkt sich: Schlimm, schlimm. Wird der Sprit bestimmt bald wieder teurer.

Die großen und ständig größerwerdenden Zahlen vermögen es hingegen kaum, Betroffenheit auszulösen. Wie auch? Wer kann sich denn auch 3,8 Millionen Liter vorstellen?

Schlabonski hilft.

Ein normaler Eisenbahn-Kesselwagen faßt so etwa 50.000 Liter (plus/minus ein paar 10.000, aber egal). Davon kann man mit 3,8 Mio Litern also immerhin sechsundsiebzig Stück vollschütten. Mit anderen Worten: Im Golf von Mexiko fließen zwei Güterzüge voll Öl ins Meer. Pro Tag. Oder anders gesagt: 152 Sattelzüge voll. Knapp alle zehn Minuten einer.

Und wenn das nicht bedrohlich genug klingt, bitte: statt der 3,8 Mio kann man, so man mag, auch 15 Mio einsetzen — das ist die höchste von mir bisher gefundene Schätzung. Das macht dann schon 300 Eisenbahnkesselwagen (oder rund 10 Güterzüge) bzw. 600 Sattelschlepper am Tag: einer alle 144 Sekunden.

Oder auch: etwa soviel Öl, wie Slowenien oder Zypern in derselben Zeit verbrauchen. Oder Hamburg.

Klingt schon ganz anders, oder?

27. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 00:33

Daß die geschätzten Kollegen Lastwagenfahrer es mit der Eß-Teh-Vau-Ooh nicht immer so hundertprozentig genau nehmen und sowas wie Überholverbote oder Tempolimits mitunter ein wenig großzügig auslegen, ist ja allgemein bekannt und in Maßen auch in Ordnung. Aber der Kollege eben hat’s dann doch übertrieben: der hat auf der A2 einen Schwertransport mit Überbreite samt BF3-Begleitfahrzeug überholt. Nix Besonderes? Doch: er selber fuhr nämlich auch einen Schwertransport mit Überbreite nebst BF3-Begleitfahrzeug (dessen Fahrer etwas spät nach links zog, offenbar hatte der mit einem solchen Stunt auch nicht gerechnet). Gemeinsam haben die mit ihrem Elefantenrennen XXL incl. Krawallbeleuchtung dann alle drei Spuren dichtgemacht. Im LKW-Überholverbot.

Jungs: Bißchen mehr Augenmaß in Zukunft, bitte. Sowas schadet unser aller Image.

26. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 19:01

Nein, ich hab nix gegen Fußball. Auch nicht gegen Fußballfans. Wirklich nicht. Es ist nicht mein Ding, aber bitte, wem’s Spaß macht, der soll ruhig. Mir egal.

Aber irgendwie hat sich diese ganze Fußballbranche offensichtlich dazu verschworen, mir mit maximaler Gewalt auf die Nüsse zu gehen. Und damit meine ich gar nicht so sehr die bald ja auch wieder fälligen hupenden Autokorsos der Debilen, und auch nicht die mangels Fernsehempfang mich ja ohnehin nicht störenden wilden Programmänderungen mit abendfüllenden Sondersendungen über den quersitzenden Furz eines Nationalspielers auf allen Kanälen.

Nein, im Moment meine ich damit vor allem diese mir überall entgegendröhnende musikalische Diarrhoe eines gewissen Oliver Pocher. Zweitausendzehn zweitausendzehn zweitausendzehn, wir gehn nur zurück um Anlauf zu nehm, so der Titel des Machwerks. Und 80% des Texts sind damit auch schon abgehandelt. Was Herrn Pocher nicht davon abhält, den Scheiß vier Minuten lang im Kreis zu erbrechen. (Wer ist das überhaupt, dieser Oliver Pocher? Irgendwie les ich dauernd von dem, aber was macht der? Wozu ist der gut? Brauchen wir den?)

Allmählich wittere ich da eine Verschwörung. Denn es kann doch kein Zufall sein, daß jedes verdammte Fußball-Irgendwas-Meisterschafts-Hymnengejaule bei mir spontan und unangefochten die Nummer-1-Position der Haß-Hitparade erklimmt. Da muß doch irgendein System hinterstecken?

Naja. Überlegen wir uns schon mal den beschissensten denkbaren Reim auf Zweitausendzwölf. In zwei Jahren werden wir ihn brauchen. Und jetzt entschuldigt mich bitte: Zweitausendzehn zweitausendzehn zweitausendzehn, Olli Pocher singt und Dieter muß rasch kotzen gehn.

25. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 16:53

Grongpriehdöhrowisiongdellaschongßong. Allemannje sehro poää. Interessiert das hier irgendwen? Nein? Mich auch nicht. Aber zwei kleine Anmerkungen mag ich denn doch noch loswerden:

1. Ja, das Lied nervt ein wenig, aber eigenlich nur wegen des aufgesetzten britischen Akzents, ohne den es völlig unbemerklich wäre, mit dem es aber immerhin interessant genug ist, um zu nerven, und das ist ja auch schon mal was. Gab jedenfalls schon Schlimmeres, nicht nur für den Grongprieh, sondern eigentlich immer, wenn Pink, Lady Gaga oder so Schnepfen mal wieder zum Mikro griffen. Also eigentlich dauernd.

2. Eins muß ich aber der etwas despektierlich, aber zumindest milde amüsant so bespitznamsten Lena Meier-Landei hoch anrechnen: daß sie nicht mit der Bildzeitung redet, inkaufnehmend, daß die Bildzeitung sie deswegen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit attackiert. Allein dafür sollte sie den Grongprieh gewinnen, finde ich.

Ich muß mir deswegen ja nicht gleich die CD kaufen. Obwohl, in ein paar Jahren, als Neißpreiß, warum nicht … :-)

21. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Geschichten, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 20:14

…, stelle ich mir vor, wie cool es wäre, da als Vorgruppe aufzutreten. Und dann vor diese ganzen präpubertären Wichser zu treten und ein Liedelein mit Pink-Bezug von einer gewissen, irgendwie auch nicht ganz unähnlich benamsten britischen Rockband zu intonieren. Als da folgt:

So you thought you might like to go to the show?
To feel the warm thrill of confusion, that space cadet glow?
I’ve got some bad news for you Sunshine
Pink isn’t well, she stayed back at the hotel
And they sent us along as a surrogate band
We’re gonna find out where you fans really stand …

Are there any queers in the theatre tonight?
Get ‘em up against the wall
And that one in the spotlight, he don’t look right to me
Get him up against the wall
And that one looks Jewish, and that one’s a coon
Who let all this riffraff into the room?
There’s one smoking a joint, and another with spots!
If I had my way I’d have all of you shot!

Und dann ein fettes E-Gitarren-Solo, bis denen die Ohren bluten. Die blöden Gesichter der Bande wären es wert, danach nicht nur gefeuert, sondern auch in Handschellen abgeführt zu werden.

20. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 03:28

Aus der Abteilung “Lebensweisheiten, die jeder kennt und ich nicht glauben wollte”, heute: Zeitarbeitsfirmen sind herzlose Ausbeuter. Aus dem Off in der Stimme Vicco von Bülows ein trockenes “Achwas”. Danke.

Was ist passiert? Nun, in meiner Eigenschaft als frischgebackener Zeitarbeitnehmer entlud ich einen Lastwagen, als plötzlich ein gar erschöcklich heftiger Schmerz meinen rechten Unterschenkel, und somit: mich, immobilisierte. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man so ein Körperteil einfach als gegeben hinnimmt und erst, wenn es nicht mehr schmerzfrei seinen Job tut, bemerkt, wie oft man es doch braucht. Lieber Leser: Klopfe Deinem rechten Unterschenkel mal auf die sprichwörtliche Schulter und danke ihm für die gute Arbeit!

Naja. Am zweiten Arbeitstag läßt man, wenn es irgendwie geht, wegen sowas nicht gleich den Laster stehen, also bin ich die Schicht dann halt noch zuende gefahren. Viele (naja, gefühlt viele, tatsächlich vielleicht zwei) Kilometer Fußwegs im Volkswagenwerk Hannover und 12 Stunden später war dieses vollbracht, und ich sank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Es folgten ein Arzt- und ein sicherheitshalber Krankenhausbesuch, mehrere Telefonate und eine Fahrt zur Zeitarbeitsfirma, den Krankmeldungswisch abgeben. Und was bekomme ich dort als Dank für die zur vollen Zufriedenheit des Kunden unter Schmerzen durchgezogene Schicht? Na was wohl: eine fristgerechte Kündigung.

Nein, die Frage, ob das so überhaupt rechtens sei, stellt sich mir eigentlich nicht. Denn wenn ich die eben schnell ergoogelten Websites richtig verstehe, habe ich bestenfalls Lohnfortzahlung über das Ende der Kündigungsfrist hinaus bis zum Ende der Krankheit zu erwarten. Das werden, so wie sich das derzeit anfühlt, ziemlich genau null Tage sein. Drauf geschissen also. Und ja, ich denke, daß das Methode hat: Auf Weiterbeschäftigung klagen würde ich auch bei guten Erfolgsaussichten schon deshalb nicht, weil ich bei so einem gar nicht beschäftigt sein will. Und ich denke, weil die das wissen, trauen die sich sowas.

Liebe Zeitarbeitsfirmen: Wenn Ihr so mit Euren Arbeitnehmern umgeht, braucht Ihr Euch nicht über Euer mieses Image zu wundern. Wer gute Leute beim ersten Problemchen rauswirft, kriegt irgendwann nur noch schlechte; und wer dann nur noch schlechte hat, kann die irgendwann auch seinen Kunden nicht mehr als gute verkaufen. Denkt mal drüber nach.

12. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Geschichten, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 23:35

Drama am Nebentisch bei McDonald’s: Ein Gast beschwert sich bei der Bedienung, auf ihrem Veggieburger sei gar kein Gemüse? Antwort: “Sie haben da auch keinen Veggieburger, sondern einen Chickenburger.” Die werden nämlich im selben Papier verpackt (auf dem dann beide Bezeichnungen draufstehen), und die Dame hat sich dann versehentlich den Chickenburger ihrer Begleitung gegriffen und fröhlich drauf rumgemümmelt.

Mit der Fröhlichkeit war es dann alsbald vorbei. Boah, was sei das eklig! Und was ne Unverschämtheit, daß da Veggieburger auf dem Chickenburgerpapier stehe! (Letzterem bin ich geneigt zuzustimmen, ersteres kann ich nicht recht beurteilen.)

Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte und die zur Entschuldigung in beachtlicher Menge angelieferten Gummibärchen (ob die frei von tierischen Produkten sind?) verkostet, dämmerte der Guten dann aber auch die wahre Ironie des Ganzen: Daß man bei McDonald’s als Vegetarier einen Burger mit Hähnchenfleisch essen kann, ohne dieses zu bemerken. Beachtlich geschmacksneutral das Zeugs.

10. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 02:37

(Die Überschrift auf deutsch: in etwa “Nordrhein-Westfehlschlag”.)

Wie schon in England haben wir nun also auch in Nordrhein-Westfalen nach der Neuwahl ein Patt. Während das bei den Briten daran liegt, daß die sowas wie eine Koalition nicht kennen und außerdem ein völlig verkorkstes Wahlsystem haben, liegt es in NRW mal wieder daran, daß sich niemand traut, zusammen mit der Linkspartei zu regieren.

CDU und SPD gleichauf, Grün 23 Sitze, FDP 10, Linke 11 — und fertig ist der Deadlock. Ohne Linke hat weder Rotgrün noch Schwarzgelb ne Mehrheit, Ampeln egal welcher Kombination will keiner, was bleibt also? Große Koalition. Na toll.

Wie lange kann sich unser Land noch leisten, die Linken zu blockieren? Die Mehrheit hat klar für Rotrotgrün gestimmt. Wann begreifen die Politiker der “etablierten” Parteien, daß sie da nicht länger den Kopf in den Sand stecken können?

Schlabonskis Tip: Bald. Aber diesmal noch nicht.

5. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Achwas, Links (zwo drei), Wahnsinn im Alltag — Dieter Schlabonski @ 11:22

Nein, die Überschrift bezieht sich nicht auf diesen Blog, auch wenn man’s manchmal meinen könnte, sondern auf die Bildzeitung. Über die mecker ich normalerweise ja aus zwei Gründen nicht, nämlich weil ich sie zum einen nicht lese, sondern ihre Eskapaden nur aus dem Bildblog mitbekomme, der zum anderen auch einen guten Job beim Meckern macht, so daß ich dann nicht mehr muß.

Aber diese aktuelle Fehlleistung ist einfach zu hübsch, als daß ich widerstehen könnte. Bild lamentiert über mangelnden Datenschutz bei Google Street View. Entgegen der selbstgesetzten Grundsätze von Google komme es laut Bild vor, daß Kennzeichen oder Gesichter auf Street-View-Fotos unverpixelt und somit erkennbar zu sehen seien.

Grundsätzlich hätte Bild da schon recht, das Problem anzusprechen. Wären da nicht drei kleine Ungereimtheitelein:

  1. Datenschutz? Bild? Ausgerechnet die Zeitung, die Fahndungsfotos auch nach Ende der Fahndung noch unverfremdet zur Illustration nutzt, die Familienfotos erpreßt und sich auch nicht zu schade ist, Leichen im Detail zu zeigen, mokiert sich über anderer Leute Verfehlungen beim Datenschutz bei Bildern? Als nächstes beschwert sich dann AMG über die ökologischen Defizite verschwenderisch motorisierter Luxuskarossen.
  2. Dazu paßt es dann auch, daß Bild die Google-Street-View-Bilder mit den unverpixelten Gesichtern und Kennzeichen abbildet. Natürlich unverpixelt, ist ja klar.
  3. Soweit noch “Bildness as usual”, aber als dann auch noch rauskam, daß die beanstandeten und abgedruckten Bilder gar nicht von Google Street View stammten, sondern von Flickr, fiel mir denn doch nix mehr ein.

Außer diesen Artikel zu schreiben natürlich. Und Bildblog eine Empfehlung auszusprechen: kuckt da ruhig öfter mal rein oder abonniert den Feed, das ist oft amüsant und öfter das Drübernachdenken wert. Sie berichten auch nicht (mehr) nur über Bild, andere Redaktionen sind ja oft auch nicht viel besser.

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