Schlabonskis Welt
20. February 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 12:00

Wer’s nicht gemerkt hat: der Artikel von gestern war natürlich ein Plagiat der Presseerklärung unseres Vertuscheidigungsministers Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, wenn auch mit ein paar kleinen Textänderungen, die auf Vorsatz hinweisen.

Das ist aber auch zu blöd, ne? Da puzzelt der junge Familienvater in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit ne Dissertation zusammen, statt sich um seine Abgeordnetentätigkeit zu kümmern, nur um seinen zahlreichen Vornamen und Adelstiteln auch noch das Wörtlein “Doktor” hinzufügen zu können, und dann sagt dem keiner, daß man sowas selber schreiben muß! So ein Pech aber auch.

Das wäre ja alles noch irgendwie ungefähr ein klein bißchen verzeihlich gewesen, aber seine engagierte Vorwärtsverteidigung (so sagt man in seinem Job für “Angriff”), beginnend mit dem Begriff “absurd” und endend in dem gestern hier plagiierten Gestammel, hat dann dafür gesorgt, daß er vollständig verkackt hat. Denn daß das Ausmaß der Abschreiberei im Internet-Zeitalter ans Licht kommen würde, muß ihm doch vorher klargewesen sein?

Das einzige, was er jetzt noch zu seiner moralischen Verteidigung anbringen könnte, wäre die Aussage, ihm sei nicht klargewesen, in welchem Maße sein Ghostwriter abgeschrieben habe. Und ja, das würde ich ihm sogar abnehmen, die Geschichte mit dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages hin oder her.

Seinen Doktortitel und sein Ministeramt sollte das aber nicht retten können, eigentlich. Denn daß er damit sein Amt und seine Alma Mater beschädigt, dürfte selbst dem glanzäugigsten Adelsanbeter klar sein. Ich wage indes die Prognose, daß er trotzdem im Amt bleiben wird. In der Union hat das Aussitzen von Problemen ja eine gute Tradition.

19. February 2011
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 11:02

Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung, und sie gab es auch nicht. Meine von mir verfaßte Website ist kein Plagiat, und diesen Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa elf Jahre neben meiner Berufs- und Vereinstätigkeit als junger Modelleisenbahner in mühevollster Kleinarbeit entstanden, und sie enthält fraglos Fehler, und über jeden einzelnen dieser Fehler bin ich selbst am unglücklichsten.

Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewußt getäuscht oder bewußt die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1500 Kilobytes und 304 Dateien verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid.

Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Leserschaft, und ich werde selbstverständlich aktiv mithelfen festzustellen, inwiefern darin ein wissenschaftliches — und ich betone ein wissenschaftliches — Fehlverhalten liegen könnte. Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend — ich betone vorübergehend — auf das Führen des Titels verzichten — allerdings nur bis dahin.

Anschließend würde ich ihn wieder führen. Ich werde mir keine anderen Maßstäbe anlegen, als ich sie bei anderen angesetzt hätte.

Jede weitere Kommunikation zu diesem Thema werde ich von nun an ausschließlich per E-Mail führen. Die Menschen in diesem Lande erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt des Mineralsekrets mit voller Kraft kümmere, und das kann ich auch. Wir stehen vor einem historischen Website-Redesign, und ich trage die Verantwortung für die Markupsprache im Einsatz, wie ein Ereignis am heutigen Tag wieder einmal mehr auf bittere Weise zeigt. Herzlichen Dank.

18. February 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:37

Soso, da hat nun also das Bundeskabinett ein Gesetz beschlossen, in dem steht, daß Kindergeschrei rechtlich nicht als Lärm einzustufen sei, mit dem erklärten Ziel, es schwierig bis unmöglich zu machen, gegen den Bau von Kitas oder Spielplätzen in der Nachbarschaft zu klagen. Begründung: Kinder seien ja unsere Zukunft!

Nun, dazu mag man stehen, wie man will; Fakt ist jedoch, daß Kindergeschrei Lärm ist, auch wenn der Gesetzgeber was anderes sagt. Ich habe etwa ein Jahrzehnt lang neben einem Spielplatz gewohnt, ich weiß wovon ich rede — und auch wenn ich zumindest eingangs jenes Jahrzehnts selber noch Kind war, mir ging der Rabatz da tierisch auf die Nüsse. Ich kann jeden verstehen, der neben sowas nicht wohnen mag.

Ja dann zieh doch weg, sagen nun die Kinderfans. Ja hallo? Gut, da von neben dem Spielplatz bin ich weg, aber das Problem bleibt: es ist nicht möglich, in eine garantiert kinderlärmfreie Umgebung zu ziehen. Das liegt daran, daß man ein Kinderhaltungsverbot, anders als etwa Entsprechendes bezüglich Haustieren oder Autos, nicht in den Mietvertrag schreiben darf — Schwangerwerden ist schließlich ein Grundrecht! Und so passiert es mir immer wieder, daß das an sich ruhige Haus oder (in einem Fall) die an sich friedliche WG binnen weniger als Jahresfrist sich in einen weiteren Hort des plärrenden Vermehrungswahns verwandelt.

Vermutlich wird das auch noch so weitergehen, bis ich endlich alt genug bin fürs Seniorenheim. Da werden die Frauen wenigstens nicht mehr schwanger.

7. February 2011
Filed under: Allgemein, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 03:22

Da fiel mir doch gerade der Firma Sony ihr neuer Slogan auf. Nachdem der alte ja von unseren ostdeutschen Mitbürgern assimiliert wurde (”it’s nöt e drick, it’s e Zööni”), haben sie sich nun auf diesen hier verlegt:

SONY make.believe

Schade eigentlich. Denn “make-believe” bedeutet leider sowas wie “Vorspiegelung”, “Täuschung”, auch “Phantasie”. Welchletztere man wohl auch braucht, wenn man bei 150 Watt “Musikleistung” von 13-cm-Lautsprecherchen für 35 Euro das Paar nicht an erstere denken will.

6. February 2011
Filed under: Allgemein, Geschichten — Dieter Schlabonski @ 12:49

Nachdem mal wieder diese alte Schwarte hier in einer Diskussion über den Für- und Widersinn von SUVs (Super Unnecessary Vehicles) aufkam, wollt ich eine dazu passende, noch viel ältere auch mal zu Platte bringen.

Sie spielt an einem Strand in Südfrankreich, zu einer Zeit, als man da noch mit dem Auto draufdurfte (obwohl, vielleicht darf man das da auch heute noch, keine Ahnung — ich weiß nicht mehr, wo das war, und ich war da seitdem auch nicht mehr). Jedenfalls durfte man, und man nutzte das auch zahlreich.

Nun floß aber da auch ein Bach oder Flüßchen ins Meer. Und zwar nicht so kläglich wie der Bourne Stream, der ja eher im Strand versickert — nein, dieses Flüßchen hatte auch quer über den Strand noch ein richtiges Flußbett, und da durch führte für die Autos eine Furt.

Das weiß jetzt nicht mehr jeder der Leserschaft, was das ist. Eine Furt ist eine nicht ganz so tiefe Stelle, an der man mit geeignetem Fahrzeug und etwas Mut einen Fluß ohne Brücke überqueren kann. Früher gabs das öfter, das sieht man schon an Ortsnamen wie Frankfurt … auch wenn ich nicht weiß, ob es da wirklich eine Furt durch den Main gab. Aber ich schweife ab.

In der besagten südfranzösischen Furt jedenfalls hatte sich ein Golf oder sowas festgefahren. Das passierte so etwa einmal am Tag, und es lag nicht am Golf, sondern am Fahrer … viel Gas bedeutet nicht immer viel Vortrieb. Entsprechend gelassen ertrugen diejenigen, die nicht mit dem Ausbuddeln und Schieben des Golfs befaßt waren, den sich zügig an der Furt bildenden Stau.

Und dann kam er, der Held des Tages. Er fuhr einen (damals noch recht neuen) Citroën CX Break, und damit fuhr er ganz langsam am Stau vorbei und sorgte für verdutzte Gesichter: Was hat denn der vor? Na, er wollte durch den Fluß fahren.

Neben der Furt.

So 10 Sekunden, bevor er da war, hob sich des CX’ Karosse majestätisch — ein Trick, den nur beherrscht, wer mit Hydraulikflüssigkeit und Stickstoff federt anstelle schnöden Stahls. Dann brüllte der 2200er zornig auf, und mit ansehnichen Sandfontänen von den radierenden Vorderrädern stob der große Kombi vehement auf die Uferböschung zu, kippte anmutig darüber weg und versank mit einem lauten Klatschen in den Fluten. Naja, aber fast — die Bugwelle schlug über der Windschutzscheibe zusammen, und die wohlgeformte Nase des Fahrzeugs war komplett unter Wasser.

Und komplett mit Matsch bedeckt, als sie wenig später auf der anderen Seite durch die Böschung brach wie ein U-Boot beim Alarm-Auftauchen durch die Wasseroberfläche. Mit immer noch durchdrehenden Vorderrädern arbeitete sich der für sowas eigentlich ob seiner ansehnlichen Länge völlig untaugliche Familienkombi wieder auf ebenes Terrain, um sodann mit Schritttempo und Leerlaufdrehzahl, die Fahrhöhe auf normales Niveau zurückregulierend, an der anderen Seite des Staus entlangzutuckern, als sei nix gewesen. Nur halt verschlammt wie ein Landrover nach der Camel-Trophy.

Ich mag es nicht beschwören, aber es kann gut sein, daß an jenem Tage die Wurzeln meiner lange latenten, letztes Jahr dann aber auch ausgebrochenen Citroën-Affinität gelegt wurden.