Schlabonskis Welt
26. March 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 00:06

In Abwandlung eines alten Erziehverses könnte man dieser Tage einen Merkspruch für Politiker propagieren: “Wenn einer mal die Wahrheit spricht — wenn der dann lügt, man glaubt ihm nicht.”

Der eine ist natürlich Onkel Brüderle, der mit Blick aufs “Atom-Moratorium” (mein Kandidat fürs Unwort 2011, nebenbei bemerkt) vor seinen Kumpanen in von der Wirtschaft den Satz fallenließ, kurz vor Wahlen seien politische Entscheidungen nicht immer rational. Was ja nur eine hübsche Umschreibung ist für unbedacht, kleinhirngesteuert, einfach drauflos. Wörter, die des Merkels Atompolitik in der Tat ganz treffend charakterisieren.

Klasse Vorlage jedenfalls, und entsprechend war auch der Nachhall. Brüderle, ganz Politiker, sah sich bemüßigt, zurückzurudern. Und das auch noch mit der dämlichsten Ausrede von allen: ein Protokollfehler sei es gewesen, man habe ihn falsch zitiert. Hohngelächter von der Opposition im Bundestag, und nicht nur von der … ich lache ja selten bei den Nachrichten, aber da schon.

Und wegen dieses Protokollfehlers (lies: dieses Fehlers, so eine versehentliche Ehrlichkeit ins Protokoll zu schreiben), tritt nun der Schnappauf zurück. Hat wohl zuviel aufgeschnappt. Er redet da aber auch von einer “Indiskretion”, nicht von angeblichen Protokollfehlern.

Und als sei der Scherbenhaufen nicht schon groß genug, kommt dann auch noch einer daher, den eigentlich keiner mehr auf dem Schirm hatte, und fällt mit der geballten Macht seiner wasweißichwievielen Zentner dem Merkelteil in den Rücken, daß die Knochen nur so krachen: der Kohl! Gut, der kommt aus einer ganz anderen Richtung und kritisiert das Atom-”Moratorium” direkt. Nicht daß der auf seine alten Tage auf einmal grün geworden wäre, nein: er fürchtet um die Wirtschaft und findet, man hätte einfach nix tun sollen, blah, das übliche, ist auch egal.

Nicht egal ist, wie die ganze Union entsetzt zusammenzuckt. Das ist dazu viel zu amüsant. “Beweis der Illoyalität”, “bloßgestellt”, “in den Rücken fallen”, “blankes Entsetzen” — Begriffe, die man gemeinhin nicht mit der Endphase eines Wahlkampfes assoziiert. Wenn man dann noch die Wörter aus der Brüderle-Geschichte wie zum Beispiel “Eselei” oder “Bauernopfer” dazunimmt, bleibt mir eigentlich nur eins: Der CDU einen spannenden Wahlabend zu wünschen.

Gnihihi. Vorfreu.

23. March 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 19:57

Fukushima liegt natürlich nicht in Bayern, sondern in Japan. Wie wir alle seit kurzem wissen, wo da dieses Atomkraftwerk nach Erdbeben und Tsunami (das ist aber auch fies, erst Erdbeben und dann auch noch Tsunami, damit konnte doch keiner rechnen!) langsam auf kleiner Flamme vor sich hin köchelt. Nun ist Japan weit weg, bis die radioaktive Verseuchung hier ist, kann man sie vermutlich als Meßfehler wegverbuchen. Insofern hält sich unsere Bestürzung wie immer in komfortablen Grenzen.

Trotzdem hat das Merkel in heldenhaftem Beinahe-Alleingang ein “Moratorium” verkündet, daß die sieben ältesten Atomkraftwerke “vorläufig” vom Netz sollen. Seht her, Schwarz-Geld tut was! Wie auch schon die Laufzeitverlängerung schööön am Bundestag vorbei, klar, man will das ja unbürokratisch wieder loswerden, wenn in ein paar Monaten (müssen nicht drei sein) etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Und selbst wenn die sieben Schrottmeiler nicht wieder ans Netz gehen: dank Laufzeitverlängerung können ihre Restlaufzeiten ja problemlos auf andere Atomkraftwerke übertragen werden. Die laufen dann vielleicht bis 2050. Macht ja nix. Sind ja sicher.

Ja. Naja. Und dann ist da das Atomkraftwerk in Gundremmingen. Das ist, genau wie die jetzt zermöllerte Schrottbüchse in Fukushima, ein Siedewasserreaktor. Bedeutet: der Dampf, der da in der Turbine Strom macht, ist radioaktiv. Was natürlich eine zusätzliche Fehlerquelle ist. Siehe Japan.

Gundremmingen hat drei Blöcke, A, B und, wer hätte es erwartet, C. Oder vielmehr hatte es die, denn der Block A ist seit den Siebzigern abgeschaltet. Da gab es nämlich den (bisher) einzigen größeren Störfall der deutschen Atomkraftgeschichte. Immerhin zwei Tote, radioaktive Belastung der Umgebung und ein Kraftwerksblock, der danach als Totalschaden abgeschrieben worden ist, also kein ganz kleiner Unfall. Update: Das waren zwei verschiedene Störfälle im selben Kraftwerksblock: ‘75 die Toten, ‘77 der Totalschaden.

Und ausgelöst hat diesen Störfall damals was? Nein, kein Tsunami. Auch kein Erdbeben, auch wenn die in Deutschland schon was häufiger sind als Tsunamis. Nein, die Ursache war — zuviel Rauhreif auf ein paar Stromleitungen. Beruhigend, hm?

Aber was red ich. Natürlich sind unsere Kraftwerke viiel sicherer als die in Japan. Ja nee, Merkel. Is klar. Die japanischen waren bis vorletzte Woche bestimmt auch viiiel sicherer als die russischen.

Gundremmingen B und C sind Baujahr ‘84, gehören also nicht zu den plötzlich unsicher gewordenen ältesten Kraftwerken und sind damit selbstverständlich weiterhin am Netz.

Mein einziger kleiner Trost: Auch Bayern ist weit weg. Nur leider nicht ganz so weit wie Japan.

8. March 2011
Filed under: Allgemein, Achwas — Dieter Schlabonski @ 18:29

Man kann ja über Elektroautos verschiedener Meinung sein, aber eins werden auch ihre Kritiker nicht leugnen: daß es in Zukunft mehr davon geben wird als bisher. Ob der Touareg Hybrid, der in der näheren Umgebung von Eigenheim und Kinderkrippe alibimäßig vor sich hin stromert, oder der Eco Carrier, der außer sich und seinen Bleibatterien auch noch vier Europaletten von Steckdose zu Steckdose schleppen kann, einen großen Vorteil haben sie alle gemeinsam: sie machen keinen Krach. (Der Tesla Roadster schon: der quietscht mitunter anhaltend mit den Reifen. Aber ich schweife ab.)

Der Vorteil der Geräuscharmut ist aber offensichtlich der UN ein Dorn im Auge. Mit den üblichen Argumenten (schwächere Verkehrsteilnehmer könnten von den leisen E-Autos gefährlich überrascht werden) fordert man darum nun, die sollen künstlich Lärm machen!

Ja hallo? Gehts noch?

Haaaaaallloooo!

Hört wieder keiner. Vermutlich schon alle taub da.

Nein, ich bestreite nicht, daß solche Unfälle schon mal passieren können. Aber das ist doch der falsche Ansatz! Erstens gibt es auch ohne Elektroautos schon reichlich lautlose Verkehrsteilnehmer vom Radler bis zum Jaguar XJ12, mit denen auch schwächere Verkehrsteilnehmer nun mal zu rechnen haben, und zweitens haben auch E-Autos eine Hupe, mit der sie fallweise auf sich aufmerksam machen können.

Stattdessen sollen die jetzt also vor sich hinbrummeln, -surren oder -knattern. Bloß nicht zu laut, beeilt sich die UN zu ergänzen, “nicht lauter […] als die anderer Wagen, Motorräder oder Busse mit Verbrennungsmotor bei Tempo 20″ — ein weites Feld zwischen der Hayabusa im 1. Gang und dem Phaeton ohne Gasgeben. Und das Geräusch selber ist auch nicht egal: Nicht akzeptabel seien Geräusche wie die von Sirenen, Alarmanlagen oder Feuerwehr. Vermieden werden sollten laut dem UN-Bericht Melodien sowie Geräusche von Insekten und anderen Tieren.” Hm, also manch Verbrennungsmotor klingt schon ziemlich tierisch … reichlich Stoff jedenfalls für künftige Streitereien, Prozesse und ähnliches.

Müssen wohl Anwälte gewesen sein, da in der Arbeitsgruppe.

Na, da brauch ich wohl irgendwann doch noch einen Spochtauspuff für meinen Youngtimer. Nicht daß mich noch wer überhört bei all den rumlärmenden Elektrokaleschen der Zukunft.

Es gibt so Tage …

4. March 2011
Filed under: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:54

Zusammenfassung für Leute, die hier nur ne saftige Pointe suchen: Gerd Sonnleitner, der Präsi vom Bauernverband, hat gestern angesagt, die Angst vor Motorschäden durch E10 sei unbegründet. Ja nee, is klar. Und Karl Ranseier, Präsident des Verbandes der deutschen Frittenfettproduzenten, verweist auch die Angst vor Herzinfarkten durch zu fette Ernährung energisch ins Reich der Fabel. Ist doch immer schön, sowas von Leuten zu hören, die sich damit auch auskennen und vor allem keinerlei eigene Geschäftsinteressen mit ihrer Aussage verknüpfen.

So. Jetzt kommt die Langfassung.

Gestern ging ein Rauschen durch den Äther: E10 sei gestoppt, vermeldeten die Radiosender. E10, für die Nichtautofahrer (und die Nicht-Deutschland-Bewohner) unter den Lesern, ist der halbherzige Versuch der Mineralölindustrie, gesetzliche Vorgaben zum Anteil von “Biokraftstoffen” am Spritverbrauch der Nation zu erfüllen. Statt in Zusammenarbeit mit der Autoindustrie vielleicht mal die Einführung von und flächendeckende Versorgung mit (nahezu) reinem Ethanol, dem sogenannten E85 (85% Ethanol, 15% Mineralöl) auf die Beine zu stellen, hat man dort mal wieder gekniffen und E10 (wie der Name zustandekommt, sei dem Leser als Übungsaufgabe überlassen) in den Markt gedrückt.

Nicht weiter dramatisch, möchte man meinen, schließlich ist normales Eurosuper ja schon seit Jahren eigentlich E5. Es scheint aber so, als sei dieses Ethanol schon ein fieses Gesöff; trinkbar ist es zwar (wohlgemerkt: E100 wäre trinkbar, nicht daß Ihr jetzt an die Tanke einen saufen geht, und ich bin dann schuld!) …, wo war ich? Achja: … fieses Gesöff, das bei größerer Konzentration durchaus Spritschläuche und, was teurer kommt, Vergasergehäuse anzuknabbern vermag.

Und weil der deutsche Autofahrer nun vor lauter Verunsicherung ob solcher Hiobsbotschaften das neumodische Zeugs einfach nicht getankt hat, sah die Mineralölwirtschaft ihre Felle schwimmen: Logistische Probleme würde das machen, die Versorgung mit dem normalen Sprit sei nicht mehr zu gewährleisten. Und gestern haben sie dann eben die Reißleine gezogen und die E10-Einführung erstmal gestoppt.

Was für die Umwelt jetzt weniger schlimm ist, als es erstmal klingt. Denn auch wenn Ethanol rein technisch kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre entläßt, wenn man es verbrennt (denn das hat es ja zuvor, als es noch eine Pflanze war, selber gebunden beim Wachsen), so ist Autofahren mit Ethanol doch trotzdem nicht CO2-neutral. Denn die ganzen Traktoren, Erntemaschinen, Lastwagen und Schiffe, die das Zeug umherkarren, laufen ja auch nicht mit Luft (und auch nicht mit Ethanol, sondern wenn überhaupt mit Pflanzenöl, aber das ist eine andere Geschichte), und daß für den Anbau der Pflanzen auch erstmal Regenwald gerodet wird und/oder Anbauflächen, die für die Nahrungsmittelproduktion in der sogenannten dritten Welt gebraucht würden, umgewidmet, kommt erschwerend hinzu.

Summa summarum meinen die Umweltverbände jedenfalls, die Nicht-Einführung von E10 sei eine der wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen, die man jetzt so auf die Schnelle durchführen könne.

Und dann kommt der Herr Sonnleitner. Der ist Präsident des Deutschen Bauernverbandes und meint öffentlich, Schuld an dem Schlamassel hätten doch eh nur die Ölkonzerne, weil die die Autofahrer nicht richtig informiert hätten, und deren Angst vor eventuellen Schäden am Auto sei ja auch völlig unbegründet. Dazu siehe den ersten Absatz.

Und was die mangelhafte Information des Autofahrers betrifft: Na klar verweisen da die Ölkonzerne auf die Autohersteller. Die sind ja nicht bescheuert. Wenn ich als Ölkonzern sage, klar, lieber Kunde, dein sagenwirmal sechsundneunziger Audi A4 verdaut selbstredend problemlos E10, und der tankt das dann, und drölftausend Kilometer später brennt die Karre in einem schönen Benzinfeuer ab, oder die Einspritzanlage krepiert … wen wird der dann wohl verklagen? Selbst wenn der Schaden gar nix mit E10 zu tun hat? Das Risiko bindet sich doch keiner freiwillig ans Bein.

Und die Autohersteller? Denen ist es im Wesentlichen egal, ob die Leute, die ihre alten Kisten fahren, E10 tanken können oder in Brasilien ein Spritfaß umfällt. Also erteilen sie die Freigabe nur für die Autos, bei denen sie sich absolut sicher sind, daß das geht. Citroën zum Beispiel sagt: Alle Modelle ab Organisationsnummer sowieso, was soviel bedeutet wie: die ab einem bestimmten Datum gebaut worden sind. Kann mir keiner erzählen, daß genau an dem Tag alle Modelle entsprechend konstruktiv verändert worden sind — aber weiß man’s? Weiß man nich, und tankt also lieber weiter normalen Sprit. Wenn man sich denn überhaupt informiert hat und den nicht sowieso lieber weiter tankt, denn auf die paar Cent Unterschied zwischen Super und E10 sei doch geschissen. Bis man da eine Einspritzanlagenreparatur oder gar einen Motorbrand von bezahlt hat, ist die Karre eh ein paarmal zum Mond und zurück gefahren oder, wahrscheinlicher, zu Kochgeschirr rießaikelt.

Nee, richtig lohnen, wenn schon nicht für die Umwelt, dann wenigstens finanziell, tut sich Ethanol nur als E85. Das Gesöff kostet pro Liter weniger als nen Euro. Und auch wenn man davon wegen seines geringeren Energieinhalts ein paar Schluck mehr verbraucht, rechnet sich das zügig. Wenn die Karre es denn verträgt. Wie oben geschrieben: Wenn man die Leute dazu bringen will, Biosprit zu tanken, dann ist das der erfolgversprechendere Weg. Ich zumindest werde das für meine beiden Automobile (das alte und das richtig alte) mal in Erfahrung bringen müssen. Aber das ist ein anderer Schnack und gehört auch nicht hierher.

Meine Prognose? E10 kommt wieder, und sie werden es durch Anhebpassen der Preise in den Markt drücken. Ganz einfach: So lange E5 teurer machen und E10 billiger, bis der Pöbel E10 tankt. Fertig. Dazu müssen nur die Lobbyisten in Berlin dafür sorgen, daß diese lästige Pflicht, normales Super weiter anzubieten, wegfällt. Die Leute mit den E10-inkompatiblen Kisten können dann ja OptimaxPlusWiePauerUltimaRacing100 tanken.

Hoffentlich tank ich bis dahin schon E85.