Schlabonskis Welt
9. November 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 09:45

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Nun ist es also doch passiert, was sich keiner vorzustellen wagte. Schon wieder. Nach dem Brexit, der ja, wir erinnern uns, von seinen Gegnern angeleiert wurde (”laß uns darüber einfach mal volksabstimmen lassen, damit der Scheiß dann vom Tisch ist” — und dann sagt das Volk “Ja!”, sowas Dummes aber auch, wer konnte denn damit rechnen?) erleben wir nun unter ganz ähnlichen Vorzeichen die Clintektomie. Denn auch die Demokraten haben ja den Herrn Trump als Gegner hochgeschoben in der Hoffnung, gegen den verwirrten Vollspacken eher gewinnen zu können als gegen einen weniger kontroversen Kandidaten. Toller Plan. Hat bloß nicht funktioniert. Anscheinend hat man doch ein wenig unterschätzt, wie abstoßend Hillary wirklich ist.

Und jetzt dauert es bestimmt nur noch Minuten, bis das Jammern und Wehklagen, die Wählerbeschimpfung und die düsteren Zukunftsaussichten auch in meiner Filterblase aufzuschlagen beginnen. Hach, wie ich mich darauf freue.

Ja sicher, Präsident Trump ist jetzt nicht gerade das Geilste, was ich mir als Ersatz für den Träger des Schwedischen Comedypreises hätte vorstellen können. Aber es war ja nun auch eine Wahl zwischen Pest und Cholera: will man lieber den populistischen, fremden- und frauenfeindlichen Rassisten oder doch lieber die merkbefreite Verbrecherin? Ehrlich gesagt: mir wäre die Entscheidung auch schwergefallen. Jeremy Clarkson hat das Problem ganz hübsch zusammengefaßt mit seiner Frage, ob sich unter 300 Millionen US-Bürgern denn wirklich keine geeigneteren Kandidaten hätten finden lassen als ausgerechnet die beiden.

Aber der Weltuntergang, den jetzt gleich viele heraufbeschwören werden — sorry, den seh ich nicht. Sicher ist es nicht gerade ein beruhigender Gedanke, daß Donald nun den Finger auf dem roten Knopf hat, aber hey, das war es bei Ronald, George oder George Dabbeljuh auch nicht gerade, und da ist auch nix passiert (wenn auch nur knapp). Ich bin weder von Trump noch von Putin ein Fan, aber für so bescheuert halte ich wirklich keinen der beiden, zumal man ja in Rußland sich auch recht angetan zeigt vom Wahlausgang — vielleicht taut’s ja sogar ein bißchen im Kalten Krieg, das wäre doch auch nicht das Verkehrteste. Klar, Vladimirs Zustimmung wird als weiteres Indiz dafür gesehen werden, wie schlimm Donalds Sieg nun sei, aber mir sind zwei Verbrecher, die einander gut finden, an den roten Knöpfen immer noch lieber als zwei erbitterte Feinde, selbst wenn einer davon ein Guter wäre. (Was ja auch nicht unbedingt der Fall sein muß.)

Gratulation nebenbei an einen weiteren Unsympathen in staatstragendem Amte, den Herrn Erdogan: Perfektes Timing für den nächsten Schritt auf dem Weg zum Diktator. Das Erstatten einer Anzeige wegen Beleidigung gegen alle Abgeordneten der größten Oppositionspartei in den Nachrichten der ganzen Welt unter “ferner liefen” zu verstecken, schafft man nicht so ohne weiteres, aber heute klappt es prima, das hat er schon gefickt eingeschädelt.

Und daß man sich in Berlin in der Koalition nicht auf Klimaschutzziele einigen konnte, ist schon gleich ganz egal. Bis zur Bundestagswahl ist das eh vergessen.

Weitergehen, weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen.

Wenn ich abschließend eine Prognose wagen darf: Genausowenig, wie Obama seinen überreichlichen Vorschußlorbeeren gerecht geworden ist, werden sich die üblen Weissagungen über Trumps Präsidentschaft bewahrheiten. Klar, einiges wird schlimmer werden, und ich würde jetzt noch weniger als bisher in Amerika arm sein oder dorthin einwandern wollen, aber eigentlich habe ich vor dem komplett republikanischen Kongreß Senat und Repräsentantenhaus viel mehr Angst als vor der Witzfigur im Präsidentenamt. Aber auch alle zusammen werden nichts kaputtschlagen, das sich nicht auch wieder reparieren ließe — und ihre Wähler werden hoffentlich bald schon merken, daß auch ihre vermeintlichen Heilsbringer nur mit Wasser kochen und ebensowenig wie die Konkurrenz die Patentrezepte haben, mit denen alles gut wird.

Denn daß tatsächlich alles gut werden könnte — den Glauben habe ich schon vor Jahrzehnten verloren.

26. July 2016
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal, Kritisieren statt kreieren — Dieter Schlabonski @ 13:54

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Unter diesem Titel machen im Leitartikel des Alfelder Tageblatts die Herren Thorsten Fuchs, Jan Sternberg und Roland Herold — nach einer differenzierten Betrachtung über Amoklauf vs. Terroranschlag — durchaus angemessene Vorschläge zur Berichterstattung nach Amokläufen:

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So weit, so gut, so richtig. Schade nur, daß das Alfelder Käseblatt den Artikel nicht gelesen hatte, als sie das hier auf die gegenüberliegende Seite 3 druckten:

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Und als sei das nicht genug, zeigen sie im Kopf der beiden Seiten auch noch acht der neun Opfer von München (das neunte, ein 45-Jähriger, war vermutlich nicht fotogen genug oder hatte keine Bilder in den “sozialen Medien” hochgeladen?). Und zwar, im Gegensatz zu dieser Abbildung hier, unverpixelt und mit voller Namensnennung:

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Jawoll, liebes Alfelder Drecksblatt. Genau so macht man das mit dem Vermeiden des Ruhms. Habt Ihr echt prima hingekriegt.

Ihr Pappnasen.

(Unschärfe und Verpixelungen bzw. rote Balken sind von mir. Ich will ja nicht zum Ruhm des Täters beitragen, gell.)

25. July 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:18

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Eigentlich ist es erstaunlich: fast jeder weiß (und die meisten geben es auch vor sich selber zu), daß es so nicht weitergehen kann mit dem motorisierten Individualverkehr und den Mengen an fossiler Energie, die derselbe verbrennt und in Luftschadstoffe verwandelt — und trotzdem gibt es keine wirklich spürbare Bewegung hin zu den Alternativen.

Einer der Gründe ist, daß von den Alternativen zu viel verlangt wird. Die meisten PKW stehen 22 oder 23 Stunden am Tag — den Rest schafft jedes Elektroauto ohne Zwischenladen. Trotzdem würde niemand ein Auto kaufen, das nach zwei Stunden an die Steckdose muß — was ist, wenn man damit in Urlaub fahren will? (Eine ganz ähnliche Argumentation dient übrigens auch der Rechtfertigung der Anschaffung eines siebensitzigen SUV spätestens bei der Geburt des zweiten Kindes, aber dies nur nebenbei.)

Nun kann man dem Autokäufer predigen, daß es nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger ist, einen kleinen, sparsamen, heute vielleicht auch schon elektrisch betriebenen Wagen zu fahren, der 95% der Zeit ausreicht, und für die restliche Zeit dann eben den benötigten Kleinbus, Geländewagen oder von mir aus auch Luxus- oder Sportwagen zu mieten. Auf besonders viel Gehör stoßen wird man damit aber nicht. Seh ich ja an mir selbst: eine 24 Jahre alte, fünftürige Mittelklasse-Limousine mit 120 PS und Automatikgetriebe brauche ich eigentlich nie und fahr trotzdem eine. Warum? Weil es Spaß macht.

Es bedarf also eines anderen Ansatzes, will man dem Explosionsmotor und dem fossilen Kraftstoff den Garaus machen. Die Alternativen müssen nicht nur wirtschaftlicher werden, sondern auch sexier. Wenn das Lustzentrum sagt: Sowas will ich! — dann findet das Gehirn schon selbst einen Weg, wie man sich sowas leisten kann.

Die Firma Tesla ist da schon auf einem ganz guten Weg. Man baut dort eben kein utiliarisches Elektroauto, sondern (nach einem Roadster als Einstieg) einen hocheleganten, unglaublich schnellen und sehr komfortablen Luxuswagen mit einem wegweisenden Update-Konzept, der nebenbei aber auch noch elektrisch angetrieben ist (und nur deswegen so schnell sein kann, weil das mit Elektroantrieben eben viel einfacher zu bauen ist als mit Explosionsmotoren). Und klar, natürlich ist das Ding teuer. Na und? Eine S-Klasse ist auch teuer. Aber ein Tesla ist sexier — und prompt verkauft er sich in den USA, wo er herkommt, immerhin schon mal besser als die S-Klasse.

Teslas erklärtes Ziel ist es, aus der Oberklasse hinunter in den Massenmarkt zu kommen. Das dazu benötigte Mittelklassefahrzeug, das “Model 3″, ist bisher nicht mehr als eine Designstudie — und trotzdem hat man bereits über 300.000 Vorbestellungen mit je 1.000 US-Dollar Anzahlung dafür eingesammelt. Das funktioniert also schon mal ganz gut.

Und trotzdem — auch 300.000 Elektroautos sind nichts, vergleicht man sie mit den Millionen Benzin- und Dieselautos, die alljährlich neu auf die Straßen kommen. Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu haben; ein Ziel, das inzwischen illusorisch sein dürfte. Warum?

Ich denke, um die Reichweitenangst kommen wir nicht herum. Wer Langstrecken fährt, der will keine Batterien laden müssen, sondern volltanken und weiterfahren können.

Das Interessante dabei: so eine Technik gibt es. Volltanken wie bei einem Benzinauto und trotzdem elektrisch fahren wie mit einem Tesla. Sie nennt sich: Wasserstoff-Brennstoffzelle. Der unter hohem Druck verflüssigt getankte Wasserstoff verbindet sich in der Brennstoffzelle mit Luftsauerstoff zu Wasser, und die freiwerdende Energie wird zum Antrieb des Autos genutzt.

Diese Technik eröffnet die Möglichkeit eines sanften Übergangs von der derzeitigen Benzin-und-Diesel-Welt zu einer Welt von Elektrofahrzeugen. Der gestaltet sich so:

  1. Kurzstreckenfahrzeuge (Taxis, Busse, Müllwagen, Stadtlieferwagen etc.) können bereits heute problemlos durch batterie-elektrische Fahrzeuge ersetzt werden. Wo nötig, kann berührungslose Induktions-Ladetechnik etwa an Taxiständen und Bushaltestellen einen Dauerbetrieb ermöglichen. In einigen Städten fahren schon die ersten so ausgestatteten Busse.
  2. Neben batterie-elektrischen Privatwagen sollten auch brennstoffzellen-elektrische angeboten werden. Das bedingt eine Wasserstoff-Tankstellen-Infrastruktur. Da solche Fahrzeuge für die Langstrecke prädestiniert sind, reicht es aber, diese entlang der Fernstraßen zu errichten.
  3. Als “eierlegende Wollmilchsau” fungiert der Hybridantrieb — nicht wie bisher mit Elektro- und Verbrennungsmotor, sondern nun halt mit Akku und Brennstoffzelle. Im Alltag billig und effizient an Steckdose oder Ladestation Strom tanken, aber trotzdem fernreisetauglich mit Wasserstoff-Betankung. Sicher erheblich teurer und schwerer als reine Batterie- wie Brennstoffzellen-Autos, aber man sehe sich auf den Straßen um: teure, schwere Autos verkaufen sich gut!
  4. Bleibt der schwere Güterfernverkehr. Klar, eigentlich will man den auf der Schiene haben, aber mit brennstoffzellen-elektrischen Lastwagen (die nebenbei mit gar nicht mal so großen Akkus durch regeneratives Bremsen bergab auch noch einen Haufen Energie sparen, der derzeit noch in den Retardern als Abwärme verpufft) wird er auch auf der Straße schon sehr viel nachhaltiger und erträglicher.
  5. Und für die Oldtimer, die Kleinserien-Sportwagen und die paar Prozent an Unverbesserlichen, für die ein Auto Brumm-Brumm machen muß, weil es sonst kein richtiges Auto ist — für die paar hunderttausend Autos, die auch in ein paar Jahrzehnten noch Explosionsmotoren haben werden, gibt es dann ja immer noch Biokraftstoffe, bis dahin sicherlich auch dank Biomass-to-liquid ohne die zu Recht kritisierte Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Nahrungsproduktion.

Wie man das durchsetzt? Jedenfalls nicht mit ein paar tausend Euro Elektroauto-Kaufprämie, soviel ist nach den ersten Erfahrungen mit derselben mal sicher. Mein Vorschlag wäre: Spritsteuer rauf. Und zwar europaweit, und mit Ansage, also planbar. Sagen wir: pro Jahr um 20 Cent pro Liter, Biokraftstoffe natürlich weiterhin ausgenommen. Dazu ein schönes Förderprogramm für Akku-Ladestationen (eher in Städten) und Wasserstoff-Tankstellen (eher an Fernstraßen). Und dann wollen wir doch mal sehen, ob die geschätzte Autoindustrie es nicht ganz von selber — ohne jede Subventionierung — hinkriegt, den Millionen, die ihnen danach die Bude einrennen, schöne Akku- und Brennstoffzellen-Autos zu verkaufen.

Und wer dann 2025 immer noch einen Porsche Turbo haben will oder einen Zwölfzylinder-Bentley, oder einfach seinen geliebten Käfer oder Twingo behalten? Bitte, kein Problem, wer möchte, der darf ja. Heute gibt es ja auch noch ein paar hunderttausend Fossilien ohne Katalysator da draußen. Ein paar hunderttausend umweltschädliche Exoten sind auch gar nicht das Problem — das Problem sind die Millionen “normaler” Autos, gefahren von “normalen” Leuten. Wir können es uns nicht leisten, daß die noch jahrzehntelang fossile Energieträger verbrennen. Und im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo wir es uns auch schon nicht leisten konnten, aber keine hinreichend attraktiven Alternativen anzubieten hatten, haben wir die heute.

Jetzt müssen wir es nur noch tun.

10. June 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 14:28

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Mein Kollege Torsten Böhme hat in seinem Blog “Blick Ableiter” einen wie ich finde doch etwas heftig überspannten Bogen geschlagen von der Ausflaggung ganzer LKW-Flotten von Deutschland nach Osteuropa hin zu allgemeiner Demokratie-Kritik. Das Folgende sollte eigentlich dort ein Kommentar werden, wurde aber von der Blogsoftware abgewiesen — zu lang? Egal. Wird’s eben ein Blogpost hier. Uuuund schnipp!

Ich finde, Du hängst das hier ein bißchen hoch. Dem Normalbürger, und in der Folge dann auch dem ihn vertreten sollenden Politiker, ist doch scheißegal, wo der Laster, der seinen bayrischen Joghurt nach Niedersachsen karrt, angemeldet ist oder welche Sprache sein Fahrer spricht. Und zwar mit Recht.

Hinzu kommt, daß Du als Land halt nicht mal eben europäischer Exportmeister sein und dann den Nachbarn verbieten kannst, sich beim Transport ein paar Krümel des Kuchens zu holen. Mal ganz davon abgesehen, daß ohne die osteuropäischen Flotten vermutlich unsere Wirtschaft schnell kollabieren würde — nicht wegen der dann höheren Frachtpreise, sondern schlicht wegen Kapazitätsmangel.

Und zu guter Letzt: Der Bauherr darf selbstverständlich ein paar Tausender sparen mit der Malerkolonne aus Polen. Dem Landwirt bleibt gar nix anderes übrig, als litauische Erntehelfer zum Spargelstechen einzustellen, weil es schlicht kein deutscher Student oder Hartzer durchhielte, 12 Stunden am Tag in sengender Sonne gebückt übers Feld zu gehen. Warum sollte nun also der mittelständische Unternehmer nicht auch ein paar Euro sparen dürfen, indem er Waberer’s beauftragt statt Wandt? Das ist eben Marktwirtschaft. Muß man nicht gut finden, tu ich auch nicht immer, aber die Alternativen sind halt auch nicht überzeugend.

Aber Demokratie? Die hat damit m.E. nix zu tun. Oder weißt Du auch nur von einer Partei, ob und wenn ja was sie in ihrem Wahlprogramm zu ausgeflaggten LKW-Flotten stehen hat? Das Thema ist so klein, das ist schlicht egal. Allen nicht direkt Betroffenen. Also fast allen.

22. April 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 21:05

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Aus aktuellem, traurigem Anlaß:

erpelrain.jpg

Erpelrain, Erpelrain
Erpelrain, Erpelrain
Erpelrain, Erpelrain
I only want to see you dancing in the Erpelrain

7. April 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 16:08

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So ganz tief unten, da wo die Ideen noch rein sind, ist eine PKW-Maut ja noch nicht mal eine völlig schlechte solche. Ich bin ja schon immer der Ansicht, daß Autofahren zu billig ist und Autohalten zu teuer. Das führt dazu, daß man im Zweifel mit ungeeigneten Autos (weil man sich nicht leisten kann, das passende für jeden Zweck zu halten) mehr fährt als nötig (nu isses da, Steuer und Versicherung sind bezahlt, Sprit ist billig, da kann man’s auch nehmen). Würden Autos, sagen wir mal, 50 Euro Steuern im Jahr kosten (sozusagen als Parkgebühr auf öffentlichen Straßen), und Sprit dafür 2 oder 3 Euro den Liter, und Versicherungen auch per km abgerechnet werden: ich zumindest hätte mehr Autos und mehr Ahnung von den Fahrplänen der Öffis.

Und so ne Maut hat ja gegenüber höheren Spritpreisen den zusätzlichen Effekt, daß man damit Verkehr lenken kann. Also zum Beispiel Hauptreisezeiten teuer, damit mehr Leute nachts fahren und der Ferienstau sich entzerrt. Oder Innenstädte teuer, damit die Leut nicht mit dem Auto reinfahren. Oder bekannte Abkürzungen durch Städte teuer, damit die Leute auf der Autobahn außenrum fahren.

Wie gesagt: im Prinzip. Die beschlossene, aber derzeit auf Eis liegende PKW-Maut kann natürlich nix von alledem, denn sie ist eine Pauschalmaut pro Zeiteinheit und damit sogar schon wieder unsinniger als höhere Spritpreise, denn sie sorgt (wenn man jetzt mal die geplante Entlastung deutscher Fahrzeughalter außer acht läßt) dafür, daß ja schon wieder das Halten teurer wird.

Das ist allerdings nicht der Grund, warum die EU-Kommission Dobrindts Mautgesetz doof findet. Die hängen sich nach wie vor nur daran auf, daß die Maut und die gleichhohe Steuerentlastung ausländische Fahrer (oder vielmehr Halter) benachteiligt. Was ja, wir erinnern uns an die Stammtischpolitiemik der CSU, auch genau der Plan war. Endlich bastelt die CSU mal ein Gesetz, das tut, was es soll — das ist ja nun wirklich nicht selbstverständlich bei denen –, und dann ist es auch wieder nicht recht. Schöne Scheiße.

Richtig skurril wirds dann aber, wenn man sich die Vorschläge der EU-Kommission ankuckt, wie man stattdessen die Autofahrer von den Kosten der Maut entlasten könne: Man könne doch die Pendlerpauschale erhöhen zum Ausgleich. Oder die Spritsteuer senken.

What the fuck?!

Das sind beides zunächst mal Vielfahrerbelohnungen. Höhere Pendlerpauschale macht Wohnen weit weg vom Arbeitsplatz attraktiver, und billigerer Sprit macht mehr Fahren und versoffenere Autos attraktiver. Beides will man eher nicht. So gar nicht.

Und inwiefern eine höhere Pendlerpauschale jetzt gegenüber den Ausländern gerechter ist als eine niedrigere Kfz-Steuer, muß mir auch noch mal einer erklären bitte.

Mann mann mann. Der Dämlichkeitslevel der EU-Kommission kennt echt keine Grenzen, oder? Noch dümmere Vorschläge abzuliefern als die CSU, das will echt schon was heißen.

Noch könnte man den ganzen Mautmist ohne größeren Gesichtsverlust als ohnehin branchenüblich einstampfen. Um was wollen wir also wetten, daß genau das nicht passieren wird?

18. March 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 20:16

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Heute ist der letzte VW Phaeton in Dresden vom Band gelaufen. Schlabonskis Welt hat ja eine gewisse persönliche Beziehung zu diesem Auto, immerhin habe ich damals schon über seinen Namen gelästert. Von diesem Fehlgriff abgesehen fand ich das Auto selber aber eigentlich nie so richtig scheiße. Für eine Oberklasselimousine angenehm unaufgeregtes Design, Sieg in den (wenigen) Vergleichstests, die die Fachpresse ihm gönnte, mit dem leider viel zu früh verflossenen V10 TDI den geilsten Motor der Neuzeit (wie sogar Jeremy Clarkson anerkannte, als er ihn in einem Touareg (bäh!) testete), what’s not to like?

Beim großen Facelift entfielen dann die charismatischen, also: dicken Motoren, und irgendwie war ein Ende ab dann ja auch absehbar. Daß es nun tatsächlich so weit ist, tut mir entsprechend für die Autos auch nicht wirklich leid, denn falls ich mir je einen Phaeton leisten können sollte, dann doch bitte den dicken Diesel und nicht so einen piffeligen V6 oder V8.

Es gab übrigens sogar auch einen W12-Benziner, aber da träum ich nicht mal von. Ein echter Mann, so heißt es, sollte in seinem Leben einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut, ein Kind gezeugt und einen Zwölfzylinder gefahren haben. Nunja. Baum habbich. Der Rest reizt mich nicht. Doch zurück zum Phaeton: Der V10 TDI könnte mich aber schon reizen, denn mit dem hatte ich damals, als der Phaeton noch D1 hieß, eine Begegnung der dritten Art. Ich stand mit meinem Golf 2 GTI 16V an einer Ampel in Braunschweig, und neben mir kam ein D1 zum Stehen. Diese Autos waren damals in und um Wolfsburg keine so seltenen Erscheinungen im Straßenbild, aber so auf Türklinkenfühlung war schon was Besonderes. Also fix das Fenster runtergekurbelt — und dabei wurde ich des Laufgeräuschs aus des D1 Motorraum gewahr, das eher nach potentem Sportboot klang als nach Luxuslimousine: etwas unrund, nicht besonders leise und mit dem bassigen Unterton von viiiiel Hubraum.

Nun sind so VW-Testfahrer ja mitunter auch Spielkinder. Es reichte entsprechend, mit des GTIs Gaspedal zu spielen, um den D1-Piloten in den Race-Mode zu versetzen. Bei grünwerdender Ampel bot sich dann folgendes Schauspiel: Mit einem subtilen Donnern hob die schwere Limousine ihre gaffatapeverklebte Nase, faltete sodann fein säuberlich den Asphalt unter allen vier Rädern zu einem kunstvollen Origami und schnalzte wie vom Gummiband gezogen über die Kreuzung.

Damit hatte ich gerechnet.

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die weiteren vier offensichtlich identisch motorisierten D1, die hinter dem ersten gestanden hatten und es ihm nun gleichtaten.

Die Druckwelle der an mir vorbeidonnernden gut 10 Tonnen und 1500 PS warf meinen armen kleinen Golf gefühlt fast in die Krone des Baums am Straßenrand. Als einige 100 Meter weiter, an der nächsten Ampel, die fünf dicken Luxuswagen ein beeindruckend rotes LED-Bremslichtgewitter zündeten, war ich immer noch völlig fertig mit der Welt und nicht mal im zweiten Gang.

Whoah.

Irgendwann will ich mal sowas in meinem Leben, bitte.

Ja. Tschuldigung, ich bin da wohl ein wenig vom Thema abgekommen. Nun also gibt es auch keine Phaetons mit langweiligen V6-Dieseln oder V8-Benzinern mehr. War das Ganze jetzt also ein totaler Flop? Piëchs galoppierender Größenwahn? Nennt mich blauäugig, aber ich denke nein.

Denn zum einen sind um die zehntausend verkaufte Luxuslimousinen im Jahr, über gut anderthalb Jahrzehnte, nicht so richtig fürchterlich wenig. Citroën wäre froh, wenn sie soviele C6 hätten verkaufen können — also pro Jahr. Verkauft haben sie ungefähr so viele über die gesamte achtjährige Bauzeit. Oder denken wir an den Renault Avantime, ein wunderbar skurriles Espace-Coupé — dessen Gesamtstückzahl war sogar nur vierstellig. Und ja, zum anderen war der Phaeton sicherlich deutlich mehr Aufwand, aber man darf auch nicht vergessen, daß die gesamte Bentley-Continental-Modellreihe eigentlich auch nur getunte, verkleidete Phaetons sind. Und nein, das meine ich kein bißchen despektierlich. Auto Motor und Sport meinte nach dem ersten Test des Bentley Continental GT, ja, okay, eigentlich sei das wirklich nur ein Phaeton W12 Turbo Coupé — aber hey, immerhin sei es der beste, preiswerteste und schnellste Bentley, den sie je getestet hätten, also könne man deswegen jetzt auch nicht wirklich meckern.

Und die Bentleys verkaufen sich ja nach wie vor nicht so schlecht. Gibt es eben keine VW-gebrandeten Phaetons mehr, na und? Wenn man sich’s leisten kann, will man eh den Bentley.

Und wenn nicht, gibt es ja den Gebrauchtwagenmarkt, wo man sich eh bedient hätte, spätestens seit es die dicken Motoren im VW neu nicht mehr gibt.

Das einzige, was ich also ein bißchen bedauerlich finde, ist, daß ich es in all den Jahren nie geschafft habe, diese gläserne Manufaktur da in Dresden zu besichtigen. Das geht zwar auch weiterhin, aber wenn sie da keine Autos mehr bauen, fehlt irgendwie was, finde ich.

Naja. Irgendwann werden sie da auch wieder Autos bauen. Ob nun elektrische Phaetons, dicke Porsche oder auch mal wieder Bentleys, ist ja eigentlich egal. Kommt Zeit, kommt Besichtigung.

Bis dahin fahr ich dann weiter räudige Vierzylinder und träume vom V10.

25. February 2016
Filed under: Allgemein, Denk mal, Gummibahn-Cargo — Dieter Schlabonski @ 14:45

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Normalerweise würde man ja annehmen, daß es keinen Unterschied macht, wie lange man eine Pause (Lenkzeitunterbrechung) macht, solange deren Mindestlänge erreicht ist. Es gibt aber eine Konstellation, bei der eine versehentlich zu lange Pause dazu führt, daß auch die nächste Pause länger werden muß, als sie sonst sein müßte. Und das geht so:

Nehmen wir mal an, die Tour dauert insgesamt 7 Stunden Fahrzeit. Da müssen wir unterwegs mindestens 45 Minuten Pause machen, und zwar spätestens nach 4,5 Stunden Fahrzeit (und idealerweise aber auch frühestens nach 2,5 Stunden, damit wir in den verbleibenden 4,5 Stunden ohne weitere Pause bis ans Ziel kommen). Entsprechend ist die Tour kalkuliert: 7 Stunden + 45 Minuten Pause + 30 Minuten für Eventualitäten, also achteinviertel Stunden.

Leider fallen uns aber schon nach 1,5 Stunden die Äuglein immer wieder zu: Ein Powernap ist angesagt! Ist ja kein Problem: die vorgeschriebenen mindestens 45 Minuten Pause darf man ja aufteilen in einmal mindestens 15 und einmal mindestens 30 Minuten. Leider auch nur genau in dieser Reihenfolge. 15 sind ein bißchen knapp, also machen wir mal 30 Minuten Powernap-Pause, die verschwendete Viertelstunde ist ja immer irgendwie drin (und auch in den 30 Minuten für Eventualitäten), und ein Laster im Graben kommt ja noch viel später an.

Leider schaffen wir es aber, im Halbschlaf zweimal die Schlummertaste zu betätigen, und so hat unser Powernap nun doch 50 Minuten gedauert. Das Problem ist jetzt: das war eine vollständige Lenkzeitunterbrechung nach Vorschrift. Das heißt, sie gilt nicht mehr als “die ersten mindestens 15 Minuten”, und wir müssen im weiteren Verlauf nochmal volle 45 Minuten Pause machen. Als Ausgleich, weil wir so lange Pause gemacht haben. Statt geplanter 15 und tatsächlicher 35 Minuten “zuviel Pause”, beides noch kein Drama, ergibt das in Summe also schon 50 Minuten, die die Tour länger gedauert hat als nötig — und die lassen sich nicht mehr ohne weiteres “weglügen”, 20 Minuten Verspätung können schon richtig wehtun am Ziel.

Wohlgemerkt: es ist zumindest in meinem Job nicht die Regel, daß es wirklich auf die paar Minuten mehr oder weniger ankommt. Aber mitunter passiert es schon, und dann ist eine Vorschrift, die zuviel Pause mit noch mehr Pause vergilt, manchmal schon ein bißchen nervig. Und klar, so Stoß auf knapp wie hier im Beispiel sind die Touren normal auch nicht geplant. Trotzdem: ich habe es schon erlebt, daß es wegen dieses Effekts dann nicht mehr gereicht hat.

15. November 2015
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 13:21

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Neulich, nachts auf der A2. Gute Sicht, ein bißchen diesig vielleicht. Vor ein paar Kilometern war es leicht neblig. Man sieht es noch:

nsl12.jpg

Diese 12 Spinner habe ich innerhalb von 10 Minuten fotografiert, dann war die Speicherkarte meines Uralt-Nokia voll. Wie man deutlich daran sieht, daß man auch was anderes sieht als ihre Nebelschlußleuchten, war da kein Nebel.

Und nein, die hatten das nicht einfach vergessen. Denn erstens war der Nebel vorher nicht so doll, daß man die Nebelschlußleuchte überhaupt je gebraucht hätte, und zweitens hat einer von denen (der mitte rechts) die seine erst angemacht, nachdem er unmittelbar vor dem Bild auf die Autobahn gefahren war.

Nebelschlussleuchten dürfen nur dann benutzt werden, wenn durch Nebel die Sichtweite weniger als 50 m beträgt. (§17 (3) StVO)

Beträgt die Sichtweite durch Nebel, Schneefall oder Regen weniger als 50 m, darf nicht schneller als 50 km/h gefahren werden, wenn nicht eine geringere Geschwindigkeit geboten ist. (§3 (1) StVO)

It’s not just a good idea. It’s the fucking law, bitches.

25. September 2015
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 03:36

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Es ist ja schon erstaunlich, wie verwässert auch der kommende neue Abgastest WLTP sein wird, wenn es nach Deutschland, Frankreich und England geht. Dieser Artikel im Guardian listet die Schlupflöcher schön auf. Ich übersetz mal:

  • Die Batterien der zu testenden Fahrzeuge sind voll geladen, so daß der Verbrauch und damit der zusätzlich zu bewegende Widerstand der Lichtmaschine entfällt. (Das gilt übrigens nicht nur für die Starterbatterien normaler Autos, sondern auch für die Fahrbatterien von Plug-in-Hybriden, weswegen die auf absolute Fabelwerte kommen. Ein Porsche Cayenne Hybrid verbraucht laut Normzyklus 3,4 l/100 km. Ja nee, is klar.)
  • Der Test darf in bis zu 4% Gefälle stattfinden. Was bedeutet: Der Test findet in genau 4% Gefälle statt. Plus Meßungenauigkeiten beim Bau desselben, vermutlich.
  • Vom so ermittelten zu geringen CO2-Wert werden sicherheitshalber noch mal 4% abgezogen.
  • Das mit den inertia classes ist etwas langatmiger. Hier wird es auf Englisch fein erklärt. Kurzform: Da der Test auf einem Prüfstand stattfindet, wird die Fahrzeugmasse durch Widerstand der Laufrollen simuliert. Das ging 1970, als der noch gültige Test entwickelt wurde, nur stufenweise. Und so war es sinnvoll aus Herstellersicht, dafür zu sorgen, daß ein Auto möglichst knapp am oberen Ende einer solchen Stufe wiegt — dann wird es nämlich mit weniger simuliertem Gewicht getestet, als es real wiegt. Und die Stufen sind nicht klein: 55 bis 250 (!) Kilo. Heute gibt es keinen technischen Grund mehr für die Stufen, aber sie sollen beibehalten werden, weil man damit so schön mogeln kann.

All diese Schlupflöcher sind im derzeit gültigen Abgastest auch schon enthalten. Das ist schon schlimm genug. Daß man sie in den neuen mitzuschleppen sucht — obwohl eins der Ziele, das neuzumachen, ja gerade das Schließen der Schlupflöcher sein sollte –, ist allerdings schon ein ziemlicher Skandal. Gut, daß die ganze Thematik jetzt dank VW mal ein bißchen ins Licht der Öffentlichkeit rückt. (Nein, nur ein bißchen. Nicht ganz. Wo denkt Ihr denn hin?)

All das zusammen macht mal eben 14% aus — 14% mehr Verbrauch und 14% mehr Emissionen als angegeben. Und wenn man in Bezug auf die heutige Fahrzeugflotte doch schon eher ehrgeizige Emissions- und damit auch Verbrauchsziele einzuhalten hat, dann sind 14% mehr Verbrauch ein Riesenhaufen gesparter Kohle. Für die Hersteller, natürlich.

Und dann war da noch die Erkenntnis, warum die Mogelsoftware (”das sieht aus wie ein Abgastestzyklus, da hab ich mal weniger Leistung”, denkt sich das Auto) nicht aufgefallen ist bis neulich. Es war zwar bekannt, daß es sowas wahrscheinlich gibt, aber nachweisen konnte man es bisher nicht. Warum? Weil wegen der US-Copyrightgesetze die Hersteller niemand anderen in den Quelltext kucken lassen mußten.

Na huch. Wer hätte gedacht, daß sich aus dieser Geschichte noch ein Argument für Open Source basteln lassen würde? :-)

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