Schlabonskis Welt
6. Juli 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:51

Man kennt es ja zur Genüge: da konsumiert ein Jugendlicher auf seinem Computer sogenannte “Killerspiele”, also meistens First-Person-Shooter. Und dann schnappt er sich ne Knarre, zieht los und schießt Leute tot. Und auch wenn das nur ein kleiner Bruchteil eines Millionstels aller “Killerspiel”-Konsumenten tut, geht danach jedesmal das Theater los: Waah, diese bösen bösen Killerspiele müssen endlich verboten werden, die verführen unsere Kinder zu Gewalttaten!

Ja. Vorgestern früh hat in Hannover jemand zwei Leute in den Kopf geschossen. Auch wegen eines Killerspiels: Fußball. Die Streithähne konnten sich nicht einigen, wie oft Italien bislang Weltmeister geworden ist. Also holt der (deutsche) Täter eigens seine Knarre, geht zurück in die Kneipe und schießt seine (italienischen) Kontrahenten über den Haufen. Einer davon ist tot, der andere arbeitet noch dran. Update: Mittlerweile hat er’s geschafft.

Wetten, daß das keine Sau in die Forderung umbauen wird, Fußball zu verbieten?

Und, nebenbei bemerkt: Mobiles Internet für alle kann auch Leben retten. Mich hat es eben gerade genau 38 Sekunden gekostet, festzustellen, daß die Italiener in diesem Streit recht hatten: Italien hat viermal die Weltmeisterschaft gewonnen, Deutschland nur dreimal. Schau mal einer kuck. In der Zeit hätte ich nicht mal dann meine Knarre holen können, wenn ich eine hätte.

Nachdenkliche Grüße,
    Euer Dieter Schlabonski.

27. Juni 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal, Umfragen — Dieter Schlabonski @ 22:53

Schätzt mal, wieviele der kleinen weißen Pillen unten links, verpackt in die ansich schon viel zu großen Folienumhüllungen unten mitte, in dieser Packung waren.

amoclav.jpg

Die Auflösung steht in den Kommentaren, zusammen mit den drei Beiträgen, die tatsächlich einen Tip abgaben.

3. Juni 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:11

Okay, es ist wohl an der Zeit, daß wir uns dran gewöhnen, daß auf Geheiß von BP pro Tag etwa sechshundert Tanklastzüge voll Rohöl in den Golf von Mexico blubbern. Ist ja auch gar nicht so schlimm, bis jetzt sind die Benzinpreise ja noch einigermaßen stabil geblieben.

Die tollen Versuche, den Kram zu verstopfen, haben jedenfalls nicht funktioniert. Was ja kaum überraschen dürfte. Und auch die jetzt im Gange befindliche Zudeckelungsaktion erfüllt mich nicht mit Optimismus — wenn die jetzt schon als Ziel ansagen, “zumindest einen Teil” der Pampe auffangen zu wollen …

Bleiben, nachdem man die Atombombe als Lösungsoption offenbar nicht ernstnimmt (warum eigentlich, würde doch prima ins Bild passen?), als Hoffnung also die sogenannten Entlastungsbohrungen. Die sind in Kanada übrigens Pflicht, wogegen BP denn auch eifrig angeht. Klar, geht ja auch ohne, wie man im Golf von Mexico gerade schön sieht. Da werden die bis August fertig, heißt es — okay, das ist eine Terminansage von BP, also rechnen wir mal lieber noch ein paar Monate drauf. Schließlich kommt ja jetzt auch die Hurrikan-Saison, da geht das eh alles ein bißchen langsamer. Dafür wird die Pampe aber weiter geweht.

Beruhigend, daß wenigstens die riesigen Ölblasen unter Wasser nicht existieren. Öl ist ja schließlich leichter als Wasser, das kann also gar nicht sein. Sagt zumindest Tony Hayward von BP: “Das Öl ist an der Oberfläche. Öl hat eine etwa halb so große Dichte wie Wasser. Es will wegen des Dichteunterschieds an die Oberfläche steigen.” Wollen kann es ja viel, wenn man es nicht läßt. Und genau deswegen ist es ja auch guter Brauch, Ölteppiche mit Chemikalien zu besprühen, damit sie sinken: Aus den Augen, aus dem Sinn. BP macht es nur noch etwas geschickter: die kippen das Zeug direkt am Bohrloch dazu, so daß das Öl gar nicht erst zur Oberfläche kommt. Was da unten vorgeht, sieht man ja nicht. Daß die Chemikalien giftig sind, versteht sich von selber. Daß die Firma, die sie herstellt, zumindest teilweise BP gehört, auch.

Und was trotzdem oben ankommt, muß man ja nicht gleich fotografieren oder filmen deswegen. Da sorgen dann schon die Freunde in den Behörden für und verbieten Journalisten den Zugang zur Küste oder den Flug über die Ölteppiche. Soll ja alles schön sauber bleiben, gell?

Nebenbei hat Telepolis dann noch angemerkt (ganz runter scrollen oder alles lesen!), daß zum Beispiel in Nigeria völlig routinemäßig ähnliche Ölmengen in die Umwelt entfleuchen, ohne daß sich die halbe Welt drum einen feuchten Furz schert. Logisch, sind ja auch keine Strände in God’s Own Country betroffen, wen schert schon das Nìgerdelta?

Naja. So hat wenigstens auch BP nach Esso/Exxon (erinnert Ihr Euch noch an die Exxon Valdez?) und Shell (Brent Spar, anyone?) seinen Öl-GAU, und wir wissen endgültig nicht mehr, wen wir nicht boykottieren sollen. Aral gehört zu BP, sei mal vorsichtig angemerkt.

Beschließen wir das ganze mit dem neuen BP-Logo und -Slogan:
bp.jpg

(Das Logo ist geklaut von Dump.com.)

30. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 23:07

Es gibt doch noch Affären, die zumindest so verlaufen, daß man als Beobachter sich nicht ständig vors Hirn schlagen muß ob soviel geballter Inkompetenz, Unbeholfenheit und Selbstsucht.

Jörg Tauss, früher SPD, seit letztem Jahr dann Piratenpartei, ist wegen Besitzes von Kinderpornos zu 15 Monaten Knast auf Bewährung verurteilt worden. Darüber gibt es nix weiter zu sagen — er leugnet, das aus persönlichem Interesse getan zu haben, und ob der Richter oder ich ihm das glauben oder nicht, tut nix zur Sache. Was ich an der Affäre so gut finde, ist das, was dann passiert ist.

Nämlich hat ihn erstmal die Piratenpartei nicht rausgeschmissen, sondern ihm eine Chance gegeben, die Sache zu regeln — bis das Urteil rechtskräftig ist (er könnte ja noch in Berufung oder Revision gehen). Und dann ist aber er aus der Partei ausgetreten, ausdrücklich um selbige vor Diskussionen über seine Person zu schützen: “Wir müssen an den Infoständen über unsere Inhalte diskutieren können und dürfen nicht durch eine ‘Tauss-Debatte’ gelähmt werden. Aus diesem Grunde erkläre ich meinen Austritt aus der Partei.” Respekt, Herr Tauss. Und Respekt auch den Piraten. So soll es laufen, wenn es schon mal schiefgelaufen ist. Keine Vorverurteilung, keine Sesselkleberei. Schön, daß es sowas noch gibt.

28. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 13:40

“Top Kill” nennen die BP-Manager ihre nach grade mal gut einem Monat überraschend schnell eingeleiteten Versuche, das Leck im Golf von Mexico zu schließen. Und man kuckt so auf die Live-Bilder und denkt sich: Schlimm, schlimm. Wird der Sprit bestimmt bald wieder teurer.

Die großen und ständig größerwerdenden Zahlen vermögen es hingegen kaum, Betroffenheit auszulösen. Wie auch? Wer kann sich denn auch 3,8 Millionen Liter vorstellen?

Schlabonski hilft.

Ein normaler Eisenbahn-Kesselwagen faßt so etwa 50.000 Liter (plus/minus ein paar 10.000, aber egal). Davon kann man mit 3,8 Mio Litern also immerhin sechsundsiebzig Stück vollschütten. Mit anderen Worten: Im Golf von Mexiko fließen zwei Güterzüge voll Öl ins Meer. Pro Tag. Oder anders gesagt: 152 Sattelzüge voll. Knapp alle zehn Minuten einer.

Und wenn das nicht bedrohlich genug klingt, bitte: statt der 3,8 Mio kann man, so man mag, auch 15 Mio einsetzen — das ist die höchste von mir bisher gefundene Schätzung. Das macht dann schon 300 Eisenbahnkesselwagen (oder rund 10 Güterzüge) bzw. 600 Sattelschlepper am Tag: einer alle 144 Sekunden.

Oder auch: etwa soviel Öl, wie Slowenien oder Zypern in derselben Zeit verbrauchen. Oder Hamburg.

Klingt schon ganz anders, oder?

20. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 03:28

Aus der Abteilung “Lebensweisheiten, die jeder kennt und ich nicht glauben wollte”, heute: Zeitarbeitsfirmen sind herzlose Ausbeuter. Aus dem Off in der Stimme Vicco von Bülows ein trockenes “Achwas”. Danke.

Was ist passiert? Nun, in meiner Eigenschaft als frischgebackener Zeitarbeitnehmer entlud ich einen Lastwagen, als plötzlich ein gar erschöcklich heftiger Schmerz meinen rechten Unterschenkel, und somit: mich, immobilisierte. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man so ein Körperteil einfach als gegeben hinnimmt und erst, wenn es nicht mehr schmerzfrei seinen Job tut, bemerkt, wie oft man es doch braucht. Lieber Leser: Klopfe Deinem rechten Unterschenkel mal auf die sprichwörtliche Schulter und danke ihm für die gute Arbeit!

Naja. Am zweiten Arbeitstag läßt man, wenn es irgendwie geht, wegen sowas nicht gleich den Laster stehen, also bin ich die Schicht dann halt noch zuende gefahren. Viele (naja, gefühlt viele, tatsächlich vielleicht zwei) Kilometer Fußwegs im Volkswagenwerk Hannover und 12 Stunden später war dieses vollbracht, und ich sank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

Es folgten ein Arzt- und ein sicherheitshalber Krankenhausbesuch, mehrere Telefonate und eine Fahrt zur Zeitarbeitsfirma, den Krankmeldungswisch abgeben. Und was bekomme ich dort als Dank für die zur vollen Zufriedenheit des Kunden unter Schmerzen durchgezogene Schicht? Na was wohl: eine fristgerechte Kündigung.

Nein, die Frage, ob das so überhaupt rechtens sei, stellt sich mir eigentlich nicht. Denn wenn ich die eben schnell ergoogelten Websites richtig verstehe, habe ich bestenfalls Lohnfortzahlung über das Ende der Kündigungsfrist hinaus bis zum Ende der Krankheit zu erwarten. Das werden, so wie sich das derzeit anfühlt, ziemlich genau null Tage sein. Drauf geschissen also. Und ja, ich denke, daß das Methode hat: Auf Weiterbeschäftigung klagen würde ich auch bei guten Erfolgsaussichten schon deshalb nicht, weil ich bei so einem gar nicht beschäftigt sein will. Und ich denke, weil die das wissen, trauen die sich sowas.

Liebe Zeitarbeitsfirmen: Wenn Ihr so mit Euren Arbeitnehmern umgeht, braucht Ihr Euch nicht über Euer mieses Image zu wundern. Wer gute Leute beim ersten Problemchen rauswirft, kriegt irgendwann nur noch schlechte; und wer dann nur noch schlechte hat, kann die irgendwann auch seinen Kunden nicht mehr als gute verkaufen. Denkt mal drüber nach.

10. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 02:37

(Die Überschrift auf deutsch: in etwa “Nordrhein-Westfehlschlag”.)

Wie schon in England haben wir nun also auch in Nordrhein-Westfalen nach der Neuwahl ein Patt. Während das bei den Briten daran liegt, daß die sowas wie eine Koalition nicht kennen und außerdem ein völlig verkorkstes Wahlsystem haben, liegt es in NRW mal wieder daran, daß sich niemand traut, zusammen mit der Linkspartei zu regieren.

CDU und SPD gleichauf, Grün 23 Sitze, FDP 10, Linke 11 — und fertig ist der Deadlock. Ohne Linke hat weder Rotgrün noch Schwarzgelb ne Mehrheit, Ampeln egal welcher Kombination will keiner, was bleibt also? Große Koalition. Na toll.

Wie lange kann sich unser Land noch leisten, die Linken zu blockieren? Die Mehrheit hat klar für Rotrotgrün gestimmt. Wann begreifen die Politiker der “etablierten” Parteien, daß sie da nicht länger den Kopf in den Sand stecken können?

Schlabonskis Tip: Bald. Aber diesmal noch nicht.

3. Mai 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 14:43

Mit Worten gegen rechts zu sein, da sind sie ja schnell dabei, unsere Politiker. Worte tun ja auch keinem weh. Aber wehe, wenn es einer mal wagt, sich mit mehr als Worten den Nazis entgegenzustellen! So wie unser Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, der am Wochenende in Berlin an einer Sitzblockade gegen einen Naziaufmarsch teilnahm.

Und schon geht wieder das unerträgliche Geschwalle los von “würdelos” und “billiger Populismus”, zunächst von Seiten der Gewerkschaft der Polizei. Gut, die haben da ja schon das Problem, daß der Naziaufmarsch nun mal genehmigt war (warum eigentlich?) und die Gegendemo nicht (warum eigentlich nicht?) und daß Thierse und seine Mitblockierer somit auf der falschen Seite des Gesetzes standen; daß die Polizei da mäkelt, ist schon klar. Rücktrittsforderungen gegen Thierse allerdings zeigen nur allzu deutlich, wes Geistes Kind so manch hohes Tier der Polizeigewerkschaft offenbar ist. Kann ja nicht sein, daß sich da einer gegen Rechts stellt! Da fehlt es wohl an Zocht und Orrtnunk! Aber sei’s drum, wo, wenn nicht in der Polizei, soll sich so ein Nazi-Sympathisant denn auch sonst verstecken in diesem unseren Lande?

Warum jetzt aber auch die FDP sich schon wieder zu Wort melden muß, von “parteipolitischen Interessen” und “Öffentlichkeitsgeilheit” schwallt und der Staatsanwaltschaft vorzuschreiben versucht, wie sie auf Herrn Thierses Verfehlung zu reagieren habe, das versteh ich nun wirklich nicht mehr. Könnte es vielleicht an parteipolitischen Interessen einer FDP liegen, die mit diesem netten kleinen Skandälchen von eigenen Problemen abzulenken sucht? Oder leidet der Herr Jotzo von der FDP gar nur an Öffentlichkeitsgeilheit?

Schlabonski jedenfalls sitzt in Gedanken neben Herrn Thierse, den Nazis im Weg. Auch denen in der Polizei und in der FDP.

30. April 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 09:49

Wie manch einer vielleicht mitgekriegt haben wird, sind Adobe und Apple gerade mächtig auf dem verbalen Kriegspfad. Anlaß ist Apples Verzicht auf die Unterstützung von Fläsch im Eifon und damit auch jetzt im Eipott, dem ausführlich gehypten Surftablett mit Tatschskriehn, von dem Apple hofft, es möge genau wie das Eifon ein Riesenhit werden. Daß die kein Fläsch können, ist einerseits lästig; andererseits will man die Dinger als denkender Mensch aber eh nicht, und Fläsch ist ohnehin Dreck, insofern kann man sich bei dem Streit auch entspannt zurücklehnen, Popcorn konsumieren und einfach alles auf sich wirken lassen.

Das neueste Scharmützel: Entweder hat Adobes Chef Shantanu Narayen folgendes über Apple gesagt:

Apples Produkte sind 100% proprietär. Sie sind nur von Apple erhältlich, und nur Apple kann über ihre künftige Weiterentwicklung, Preisgestaltung etc. entscheiden. Obwohl Apples Produkte einfach zu bekommen sind, bedeutet das nicht, daß sie offen sind, weil sie vollständig von Apple kontrolliert werden und ausschließlich von Apple erhältlich sind. Nach praktisch jeder Definition ist Apple ein geschlossenes System.

Oder Apples Chef Steve Jobs hat folgendes über Adobe gesagt:

Adobes Flash-Produkte sind 100% proprietär. Sie sind nur von Adobe erhältlich, und nur Adobe kann über ihre künftige Weiterentwicklung, Preisgestaltung etc. entscheiden. Obwohl Adobes Flash-Produkte einfach zu bekommen sind, bedeutet das nicht, daß sie offen sind, weil sie vollständig von Adobe kontrolliert werden und ausschließlich von Adobe erhältlich sind. Nach praktisch jeder Definition ist Flash ein geschlossenes System.

Verblüffend, oder? Beide haben recht! (Nur einer hat es auch wirklich so gesagt. Welcher, das sei dem Leser als Hausaufgabe überlassen.)

Wie dem auch sei: in diesem Streit kann es nur Verlierer geben. Und das ist auch gut so. Die Amis haben für Fälle wie diesen das schöne Idiom, der Topf schimpfe den Kessel schwarz; unsereins muß leider auf Kindergarten-Sprachniveau zurück und einen Satz gebrauchen, der ohne angehängtes “Ännännännännäänääh!” eigentlich nicht funktioniert. Egal: Herr Narayen, Herr Jobs: Was man sagt, das ist man selber.

27. April 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:07

War ja klar. Da sagt mal ein Politiker etwas Vernünftiges, prompt wird er (oder in diesem Falle halt sie) zurückgepfiffen und muß sich entschuldigen. Diesmal traf es Aygül Özkan, designierte niedersächsische Sozialministerin. Die hatte die begrüßenswerte Chuzpe, zu fordern, alle religiösen Symbole aus den Schulen zu verbannen, auch Kopftücher (komisch, dafür gab es keine Prügel) und eben die christlichen Kreuze an den Wänden.

Hei, was war das ein Sturm der Entrüstung, wie waren sie alle am Schäumen! Und Özkans eigene Partei, die ja den Herrn Christus auch schon im Namen führt, mit Schmackes allen voran. Das gehe ja nun gar nicht, blah, rabäh … den ganzen Sermon hier zu wiederholen spar ich mir mal, nur den Herrn McAllister (Chef der Christdemokraten hier im Land) zu zitieren kann ich nicht widerstehen: “Das Kreuz ist aus Sicht der CDU ein Symbol der Toleranz auch gegenüber anderen Religionen.”

Ja nee, is klar. Die Abbildung eines Folterinstrumentes ist also ein Zeichen der Toleranz. Da werd ich mir doch gleich mal das Bild einer Bärenfalle aufs Auto kleben, als Zeichen meiner Tierliebe. Meine Fresse, was ne Pappnase, wann hat der Typ eigentlich das letzte Mal was gemerkt?

Wie doll sie dann die Frau Özkan zusammengefaltet haben hinter den Kulissen, kann man leider nur erahnen an der Tatsache, daß nicht sie selber, sondern ihr Chef (der andere, Herr Wulff) vor die Presse trat und nach dem üblichen Geschwalle von den christlichen Wertemaßstäben (jetzt keine Kinderfickerwitze, Dieter, benimm Dich) stolz verkündete, Özkan habe dies “akzeptiert” und werde diese Politik mittragen. Damit sei das Thema für ihn erledigt.

Tonfall Rüdiger Hoffmann: “Jaa, das hat se dann auch gleich eingeseeehn …”

Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Frau Özkan: Ich finde es gut, daß Sie die erste muslimische Ministerin Deutschlands werden, noch dazu in meinem Heimatbundesland. Respekt! (Über den EU-Beitritt der Türkei sind wir nicht derselben Meinung, zugegeben.) Aber ganz ehrlich: Finden Sie nicht auch trotzdem, daß Sie in der falschen Partei sind?

Trotzdem alles Gute wünscht:
  Ihr Dieter Schlabonski.

Nächste Seite »