Schlabonskis Welt
8. März 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 16:45

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Das sieht man nicht alle Tage, gell? Aber warum eigentlich?

Es ist ja nun nicht so, daß das Auto, aus dem dieses Bild stammt, nun gerade ein besonders penetrantes Beispiel motorischer Zähigkeit wäre. Im Gegenteil, dem Golf 2 Sechzehnvau haben wir damals, als er rauskam, “Überzüchtung” nachgesagt. Überzüchtung! Einskommaacht Liter, hundertneunundzwanzig PS (ohne Kat sogar 139). Was für eine Hochdrehzahl-Rennmaschine, welch Leistungsorgie! Geradezu rührend, wenn man sich heutige Literleistungen von Smart über TSI bis M5 so ankuckt.

Und trotzdem trau ich ansich auch denen die 399.999 km zu. Okay, ja, dem Smart vielleicht nicht so. Aber an mechanischen Malaisen sollte eigentlich heutzutage kein Auto mehr verrecken, bevor es Youngtimerwürden erreicht hat (absolute Kilometerfresser und hoffnungslose Nuckelpinnen mal außen vor).

Woran dann?

Rost? Naja, auch wenn es Ausnahmen gibt, so sind doch die meisten Autos heute eher rostresistenter als die meisten Autos damals, als mein Golf neu war. (Der Golf ist auch ne Ausnahme, er hat jetzt vor seinem zehnten TÜV-Termin tatsächlich doch schon das erste Rostloch mit Handlungsbedarf entwickelt, trotz eher nachlässiger Pflege. Hört Ihr das, Ihr Oppeljünger da draußen?!)

Sonstiger Huddel, Elektronik oder so? Hm. Also im Golf ist ja auch so ein Zeugs, und in all den Jahren hat genau das Zeugs noch am wenigsten Ärger gemacht. Nur einmal zeigte sich das ABS sehr bockig gegen alle Diagnoseversuche, bis der Übeltäter sich als das Zündschloß entpuppte: winzigkleine Aussetzer, die man nicht sehen und kaum messen konnte, die aber reichten, um ständige ABS-Resets auszulösen. Und jetzt ist grad mal ein ABS-Sensor kaputt und nicht lieferbar. Aber sonst? Kein Befund.

Ersatzteilsorgen? Gut, da bin ich mit dem Golf natürlich im Vorteil. Auch bald 20 Jahre nach Produktionsstop (!) sind die Dinger im Straßenbild und auf den Schrottplätzen so verbreitet wie Fußpilz, so daß es eigentlich keine Engpässe gibt (auch der ABS-Sensor wird sich noch finden, da hab ich keine Bange). Mit einem gleichaltrigen Ford, Japaner oder auch Audi kuckt man da schon öfter mal dumm aus der Wäsche am Ersatzteiltresen, das stimmt schon. Aber hey, andere Leut restaurieren Borgward, da gibt’s seit einem halben Jahrhundert keinen Nachschub, und die schaffen es auch irgendwie! Ich habe jedenfalls noch nie von einem (nicht furchtbar alten und/oder seltenen) Auto gehört, das wegen Teilehuddel nicht mehr auf die Straße konnte.

Also, warum gehen die Twingos, E 30 und T4 gerade reihenweise in den Schrott? Meine These ist und bleibt: Weil keiner Bock auf die alten Kisten hat. Alles andere, ob nun Stinkersteuer, Teilesorgen, Rost oder auch der eine oder andere Motorschaden, ist eine faule Ausrede. Bitte: ich hab nix dagegen, wenn Ihr Lust auf was Neues habt! Im Gegenteil, so bleiben die alten Chaisen und ihre Teile beim Schrott wenigstens schön billig, und mein Golf wird irgendwann auch mal exclusiv :-). Aber dann solltet Ihr wenigstens die Größe haben, es zuzugeben.

Und es ist ja nur Euer Verlust, wenn Euch dieser Anblick nie vergönnt sein wird:

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2. März 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:21

Na, auch einen Schreck gekriegt bei der Überschrift? So ging es mir, als diese Meldung durchs Netz ging. (Ja, das ist ein paar Jahre her, aber da gab es dieses Blog halt noch nicht.) Und ich fragte mich: Was hat den Verfasser dieser Überschrift geritten? Wenn Metzgermeister Josef Merkel aus Klein-Wülferode unter den Bus gerät, titelt man ja auch nicht “Merkel ringt mit dem Leben”, oder?

24. Februar 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 20:00

Frau Käßmann, Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands, ist zurückgetreten. Na und, fragt Ihr Euch jetzt, seit wann interessiert sich Schlabonski für die Kirche? Tut er auch nicht, keine Bange. Aber zu dieser Nachricht hab ich dann doch drei leicht zusammenhanglose Gedanken anzumerken:

1. finde ich den Rücktritt als Reaktion auf die Verfehlung, eine Alkoholfahrt mit dem Dienstwagen, ein bißchen übertrieben. Ja, okay, es ist Fastenzeit, und Frau Käßmann hat erklärt, in derselben keinen Alkohol zu trinken; ja, geschenkt, das Auto ist gerade in Verbindung mit Alkohol ein gefährlich’ Ding und auch das potentielle Totfahren anderer Verkehrsteilnehmer ist nicht besonders christlich; ja, natürlich sollte eine Kirchenchefin eine Vorbildfunktion haben. Aber trotzdem, mmpf. Die katholischen Kollegen ficken Kinder, und die tritt zurück wegen Alkohols am Steuer? Nicht nur ich finde das übertrieben. Aber okay, es ehrt sie ja, wenn sie das enger sieht.

2. führt mich das zu der Beobachtung, daß das vielleicht einer der Gründe sein könnte, warum so viele Arschlöcher da oben über uns herrschen: Weil die wenigen Nichtarschlöcher, die es trotzdem nach oben schaffen, obwohl sie eben keine sind, dann gleich wieder so integer und korrekt sind, daß sie wegen Kleinkram gleich zurücktreten. Björn Engholm war auch so einer — das hätte Kohl doch auf einer Arschbacke abgesessen. Groß genug wär sie ja gewesen.

3. dann noch die kleine unbedeutende Anmerkung, daß der arme VW Phaeton, der ja gar nix dafür kann, arg viel schlechte Presse kriegt in letzter Zeit. Haider, Käßmann und der Goslarer Oberbürgermeister, der trotz Millionenschulden seiner Stadt so einen als Dienstwagen wollte, fallen mir spontan ein. Und auch im Fall Käßmann fragen sie schon wieder in den Foren, ob es nicht auch ein Passat getan hätte. Hallo? Jeder Chef einer verkackten kleinen mittelständischen Firma, jeder Politbonze fährt 7er, S-Klasse oder A8, und da kräht kein Hahn nach. Realitätsabgleich, Freunde, aber dringend. Es gibt da auch wunderschöne gepanzerte VW-Transporter für Frau Merkel, mit viel Platz drin. Hätte doch was, oder?

17. Februar 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 22:00

Soso, einer der beiden Reisezüge, die da in Belgien frontal zusammengedonnert sind, hat also vermutlich ein Haltsignal überfahren. Irgendwie habe ich gerade ein dickes fettes Deja-vu. Ja, so einen Artikel gab es schon mal auf Schlabonskis Welt, damals, 1999, als British Rail ein ähnliches Mißgeschick passierte.

Und schon damals war ich hin- und hergerissen zwischen Amüsement und Entrüstung über die Tatsache, daß British Rail in 200 km/h schnellen Intercity-Zügen immer noch nicht über eine Einrichtung verfügte, die es an deutschen Dampflokomotiven schon in den 50er Jahren gab: die induktive Zugsicherung, kurz Indusi.

Man sieht schon an der irgendwie netten Abkürzung im Stil von Gezuvor und Vileda, wie alt diese Erfindung ist. Heute hieße sie vermutlich ITS (Inductive Train Safety) stattdessen. Das Prinzip aber ist so simpel, daß man es heute vermutlich auf keinen Fall mehr so realisieren würde. Man braucht nicht mal einen Computer dafür: Das haltzeigende Signal gibt im Prinzip nur Strom auf einen Elektromagneten im Gleis, was einen Strom eine Spannung in einer Spule in der durchfahrenden Lok magnetisiert induziert und dieser so mitteilt: Heee, ich bin rot! Und die Lok bremst dann von selber. Mehr ist da nicht.

Erschreckend, daß das immer noch nicht alle eingebaut haben. Ein Eisenbahnzug ohne Indusi mutet 2010 ähnlich antiquiert an wie ein Auto mit Seilzugbremsen. Beides ist zwar TÜV-tauglich, aber täglich damit rumfahren möchte man eigentlich nicht mehr. Achtzehn Zugreisende in Belgien haben diese Erkenntnis mit ihrem Leben bezahlt. Ich bin neugierig, ob sie endlich die letzten sein werden.

Nein, glauben tu ich das nicht.

Danke an Mail- und Kommentarschreiber und andere E-Technik-Nachhilfelehrer!

Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 02:31

Daß ein zum Tode Verurteilter stirbt, ist nichts sonderlich Ungewöhnliches. Leider immer noch. Daß er aber, wie neulich in den United States of Neandertal, im zarten Alter von 94 Jahren eines natürlichen Todes stirbt, ist schon seltener.

Und es ist ein hübscher Anlaß, mal zu überlegen, ob man diese primitive Strafmethode nicht vielleicht doch endlich mal abschaffen sollte. Nicht so sehr wegen ihrer Unmenschlichkeit, und auch nicht, weil man dabei einmal gemachte Fehler nicht mehr korrigieren kann — beides ist den Amis ja traditionell egal –, sondern aus einem Grund, der vielleicht mehr Gehör finden wird: es kostet einfach zuviel.

Denn es ist ja nicht wegen Schlamperei, daß der Senior da seit 27 Jahren im Knast saß und auf seine Hinrichtung wartete. Ich weiß nicht, was der an Anwalts- und Gerichtskosten generiert haben mag im letzten Vierteljahrhundert, aber davon könnte man vermutlich einige Verbrecher bis an ihr Lebensende im Kittchen durchfüttern. Todesstrafe ist teuer, nicht wegen des Stroms für den elektrischen Stuhl, sondern wegen der -zig Sicherheitsnetze, die seinen fälschlichen Gebrauch vermeiden sollen. (Daß das trotzdem nicht immer so toll klappt mit dem Vermeiden, steht auf einem anderen Blatt.)

Es ist also teuer, fehlerbehaftet, nicht korrigierbar, und es sorgt obendrein für ein schlechtes Image in der zivilisierten Welt, wenn man Leute von Staats wegen umbringt. Und gelegentlich, zum Beispiel im aktuellen Fall, sorgt es außerdem auch noch für mildes Gespött. Ich bin ja mal gespannt, wann sie es einsehen da in USAnien. Mein Tip: das wird noch dauern. Mal kucken, wieviele ihrer Todeskandidaten bis dahin noch die Geduld verlieren und von alleine wegsterben.

28. Januar 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 14:09

Soso, da hat Äppel nun also endlich seinen langersehnten (hust) Tablett-PC vorgestellt, das “iPad” oder Eipätt, Übersetzung ;-) siehe oben. Und wie üblich, wenn der Messias (Herr Jobs) neue Hardware präsentiert, geht den Äppeljüngern kollektiv einer ab, während der Rest der Welt sich am Koppe kratzt und gar ketzerisch zu fragen wagt, was daran denn jetzt so toll sein soll.

So ein Tablett-PC war bis dato meist ein ganz normales Notbuch, bloß eben ohne Tastatur und dafür mit Tatschskriehn. Also blöd zum Tippen, aber dafür konnte man, statt mit der Maus oder irgendwelchen Maussurrogaten einen Zeiger zu bewegen, direkt mit den Fingern auf den (hoffentlich gefühlsechten) Programmen herumtatschen. Was vielleicht mal ganz witzig sein mag, aber kaum jemanden ernstlich dauerhaft überzeugen mochte, weswegen diese Geräteklasse seit Jahren vor sich hindümpelt.

Aber jetzt kommt Äppel.

Und Äppel macht schon aus Tradition alles anders. Statt ein Mäckbuch in so einen Tatschkompjuter umzufroklen, haben sie einfach ihr Eifon aufgeblasen. Was erstmal keine blöde Idee ist: Zuviel Rechenpauer für ein Mobiltelefon hatte das Ding ja schon immer, zu teuer war es auch, und die installierte Basis ist auch nicht zu verachten. Derer zwei sogar: einmal die Millionen überzeugter Eifonanbeter, die sich sicherlich leichter ein Appgräiht aufschwatzen lassen werden als Leute wie ich, die mit einem Samsung-Netzbuch herumhühnern, und andererseits die 140.000 existierenden Eifon-Äpps (Programme, für die Nichteingeweihten), die natürlich auch auf dem Eipätt laufen und schon aufgrund ihrer Herkunft gefühlsecht sind.

Soweit also alles gut? Mmmnnnnaja. Nein. Ganz und gar nicht.

Denn vom Eifon hat das Eipätt neben dem Konzept, den Äpps und den Anbetern auch einen gigantischen Nachteil geerbt (für die Anwender; für Äppel ist es natürlich ein, ach was, DER Vorteil): man kann auf dem Ding keine Software installieren, von der Äppel das nicht will. Was bei einem Eifon noch nur milde irritierend sein mag, wächst sich bei einem ausgewachsenen Universal-Kommunikationswerkzeug wie dem Eipätt, das bei manchem sicherlich den Kompjuter verdrängen oder gar ersetzen wird, zu einer Gefahr aus: der des Großen Bruders, der seinen Untertanen vorschreibt, was sie mit der Hardware zu tun und zu lassen haben. Welche Programme kannst Du installieren? Das entscheidet Äppel. Welchen Brauser benutzt Du? Das entscheidet Äppel. Welche Videos kannst Du ansehen? Entscheidet Äppel. Wo kaufst Du Deine Musik? Entscheidet Äppel. Elektrobücher? Entscheidet Äppel. Und kassiert nebenher natürlich fleißig mit, vom Anbieter wie vom Anwender, wenn sie natürlich nicht gleich selbst Anbieter werden.

Das Eipätt ist nicht Closed Source, sondern Closed Everything. Und das ist das Gefährliche daran. Denn wenn es ein Erfolg wird — und wer wollte daran realistisch zweifeln? –, dann bereitet es den Weg in eine IT-Zukunft, die niemand außer den Anbietern wollen kann.

Hoffen wir also, daß die Hacker da draußen sich auf ihren Auftrag besinnen und das Ding möglichst schnell zu dem machen, was es von Rechts wegen ab Werk hätte sein sollen: Ein Kompjuter, auf dem der Anwender entscheidet, welche Software läuft und wo die Daten herkommen. Damit ist die Gefahr zwar noch lange nicht gebannt, aber es wäre ein wichtiges Zeichen.

We don’t need no thought control.

15. Januar 2010
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:23

Geradezu erstaunlich grüne Töne hört man derzeit aus Berlin: Da hat doch das Bundesamt für Strahlenschutz (sitzen die eigentlich in Berlin? Hoffen wirs mal) einen Bericht ausgeschieden, in dem es heißt, man halte es für den sichersten Weg, die Asse (jenes ehemalige Salzbergwerk voll rostender Atommüllfässer, Plutonium, Giftmüll, toten Atomkraftwerksarbeitern und was weiß ich noch für einem Dreck, das hier in der Nachbarschaft gerade mit Grundwasser vollläuft) komplett zu räumen. Also: Alles muß raus! Das haben die Atomgegner zwar schon seit Jahren gefordert, insofern ist es schon verwunderlich, daß diese Erkenntnis erst jetzt da oben ankommt, aber flöt, man muß ja dankbar sein für die kleinen Dinge im Leben.

Die diskutierten sogenannten “Alternativen”, also das Umlagern des Mülls in tiefere Schichten der Asse (weil die ja nicht so volllaufen, schon klar) oder die “Vollverfüllung” der gesamten Bruchbude mit Beton, sind, wie nun also auch das BfS gemerkt hat, nicht so der Bringer. Bemerkenswert, dieser unerwartete Ausbruch von Intelligenz.

Und es kommt noch viel verblüffender: Forschungsministerin Schavan spricht gar von gemachten Fehlern (!), aus denen man gelernt habe (!!!): Man könne “ein ausgedientes Bergwerk nicht zur Einlagerung von Atommüll nutzen”. Bravo!

Ein kleiner Wermutstropfen allerdings bleibt: Ratet mal, wo das BfS den aus der Asse geschabten Dreck dann verklappen will. Na? Kommt Ihr nie drauf: Nur ein paar Kilometer weiter, im Schacht Konrad.

So lernt man in Berlin aus Fehlern.

29. Dezember 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 21:11

Das Phänomen geistert ja immer mal wieder durch den Blätterwald: Arbeitnehmer (oder meistens Arbeitnehmerinnen), die wegen des Diebstahls von fast oder auch ganz wertlosen Dingen (meist Lebensmittel oder deren Reste) fristlos gefeuert werden. Was offenbar rechtens ist.

Neu ist, daß dieser Tage auch immer mal wieder ein sich dafür zuständig fühlender Mensch (und ich gebrauche diesen Begriff ganz wertfrei) laut verkündet, er halte das auch für “gerechtfertigt”. Was ja beinahe so klingt wie “gerecht”. Und da hört’s dann auch allmählich auf, witzig zu sein.

Klar, wenn einer richtig ernsthaft stiehlt in der Firma oder von deren Kunden (im Radio brachte gerade einer dieser Experten das Beispiel eines Hotelangestellten, der Hotelgäste beklaut), dann gehört der gefeuert. Gar keine Frage. Aber hallo? Bei den zitierten Fällen ging es um Reste vom Büffet, die in den Müll gewandert wären. Um Pfandbons im Wert von einem Euro nochwas, die jemand verloren hatte. Kurz, um Sachen, die keine Sau je vermißt hätte. Ist das wirklich Diebstahl, vernichtet das wirklich das Vertrauen so restlos, daß eine Weiterbeschäftigung unzumutbar ist?

Natürlich geht es darum nicht wirklich. Natürlich sind das nur willkommene Gelegenheiten zum Personalabbau oder dazu, mißliebige Mitarbeiter rauszukanten. Umso wichtiger wäre doch aber eine klare Regelung dazu.

Mein Vorschlag: Man setze eine Bagatellgrenze fest (sagen wir 10 Euro), bis zu der der Arbeitgeber den klauenden Mitarbeiter erstmal abmahnen muß und erst im Wiederholungsfall rauswerfen darf. In besonders schweren Fällen, wo ein Vertrauensverlust begründbar ist (wie im o.g. Beispiel mit dem Hotelgast), mag die meinetwegen auch nicht gelten, das kann dann ja ein Arbeitsgericht oder eine Schiedsstelle entscheiden. Und bei tatsächlich wertlosem “Diebesgut” wie den Essensresten kann dann der Arbeitnehmer im Gegenzug die Abmahnung anfechten.

Wegen einer Frikadelle gekündigt werden ist jedenfalls, wenn auch offenbar rechtens, so doch keinesfalls gerecht.

Findet jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

20. Dezember 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 01:28

Na, wer hätte damit nur gerechnet? Der Klimagipfel ist gescheitert. “Die Uno-Konferenz rang sich am Samstagmorgen in einem dramatischen Finale durch, eine politische Schlusserklärung zur Zukunft des weltweiten Klimaschutzes zumindest zur Kenntnis nehmen”, schreibt der Spiegel, und mein inneres Ohr hört einen vertrauten Satz heraus: “Rufen Sie nicht uns an, wir rufen Sie an.”

Aber ehrlich gesagt: so dramatisch schlimm ist dieses absehbar gewesene Scheitern ja dann auch wieder nicht. Denn für die kommende Klimakatastrophe spielt es eine nur marginale Rolle, ob die sich jetzt auf 20, 30 oder sogar 40% CO2-Reduktion einigen oder auch nicht.

Das arktische Eis verschwindet. Der Permafrostboden taut. Dabei werden Unmengen an Methan frei, das ein viel schlimmeres Klimagas ist als Kohlenstoffdioxid. Statt Mobilitätswandel propagieren wir lieber Hybriden und Elektroautos — das bringt zwar nix, tut aber auch nicht so weh. Und sollte die Weltwirtschaftskrise irgendwann mal enden, geben wir sowieso alle wieder Vollgas. Drei Prozent der US-Amerikaner hält Klimaschutz für wichtig.

Und selbst wenn wir heute aufhörten, Klimagase zu produzieren: bis die angestoßene Maschinerie der Erderwärmung zur Ruhe kommt, vergehen eh schon mal ein paar Jahrzehnte. Wenn sie denn zur Ruhe kommt — denn dummerweise ist sie ab einem gewissen Punkt selbstverstärkend. Und auch wenn ich das natürlich nicht belegen kann, glaube ich doch, daß dieser Punkt schon überschritten ist, und selbst wenn nicht, daß er sehr bald überschritten sein wird.

Was also ist zu tun? Da verweise ich doch mal an Heinz Rudolf Kunze, der vor Jahren (1991!) schon einen Text namens “Es ist zu spät” sprach, aus dem ich auch die heutige Überschrift entlehnt und zu dem ich eigentlich nix mehr hinzuzufügen habe.

19. Dezember 2009
Abgelegt unter: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 00:39

Au, für den Kalauer in der Überschrift miuß ich mich dann wohl erstmal entschuldigen.

Saab ist tot. Das ist keine neue Nachricht, das ist nämlich schon 1990 passiert, als General Motors den Laden zunächst zur Hälfte übernommen hat. Was mit wunderbar skurrilen kleinen Fräsen wie dem 92 und 95 begann, seinen Höhepunkt mit höchst eigenwilligen, aber ziemlich guten Premium-Mittelklasse-Turbobrennern wie dem 99 und 900 erreichte (zu einer Zeit, als es das Wort “Premium” in dem Zusammenhang noch gar nicht gab!) und im 9000, einer Koproduktion mit Fiat, Lancia und Alfa Romeo, schon langsam zu kriseln begann, das war seit 2000 endgültig vorbei: da übernahm GM dann auch den Rest. Die letzten neun Jahre haben sie dann noch verkleidete Vectras verkauft und zum Schluß dann auch noch verkleidete Japaner (die aber gottseidank nur in den USA), und nun ist halt Schluß.

Schlimm? Nö, es hält sich in Grenzen. Technisch war vom einstigen Turbo-Pionier eh nix mehr zu erwarten, und das aktuelle Design war auch nur noch ein schwacher Schatten dessen, was sie in besseren Zeiten noch gekonnt und vor allem gedurft hatten. Um Rover fand ich’s deutlich bedauernswerter, die hatten ja mit dem 75 damals ihr seit langem erstes selbstentwickeltes Auto am Markt, als sie eingingen. Dagegen kannste doch so einen 93 verbrennen. Das GM-Markensterben geht weiter: Saturn, Pontiac, Hummer und nun also Saab. Wer kommt als nächstes? Vauxhall? Holden? Opel?

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