Schlabonskis Welt
29. April 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 23:09

Tja, das sieht ja nu alles nicht so richtig doll aus für Schwarz-GeldGelb derzeit. Blödes Timing, daß auch direkt nach der Laufzeitverlängerung ein japanisches Atomkraftwerk hochgehen muß. Und wider Erwarten sieht es ja tatsächlich so aus, als ob dieser Schock ne nachhaltige Änderung bringt.

Also muß dringend ein anderes Thema her.

Und was liegt näher, als sich bei den Automobilisten einzuschleimen? Reformieren sie halt mal eben die Flensburger Punktekartei. Ab demnächst sollen dann also alte Punkte verjähren, auch wenn neue dazugekommen sind.

Mit anderen Worten: so sechs Punkte im Jahr kann man sich schon erlauben. Die bisherigen zwei Jahre kompletter Selbstbeherrschung sind künftig nicht mehr erforderlich. Gaanz toll.

Mal kucken, ob das Autofahrervolk dumm genug ist, den um den Bart geschmierten Honig bei den nächsten Wahlen zu honorieren.

12. April 2011
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 21:36

Letzter Artikel zu Fukushima, versprochen. Denn eigentlich gibt es nichts mehr zu sagen, jetzt wo sogar die japanische Regierung als so ziemlich einer der letzten auf dem Planeten gemerkt hat, daß das ein Störfall der Kategorie 7 ist. (Davon hatten wir nur einen bis jetzt: Tschernobyl.)

Jetzt muß nur noch die Dumpfpresse merken, daß es bei den verzweifelten Versuchen, die rauchenden Trümmer des zermöllerten Kraftwerks zu kühlen, nicht darum geht, “eine Kernschmelze zu verhindern”: Darum ging es vielleicht in den ersten paar Stunden bis allenfalls Tagen. Die Dinger sind unter einer Meersalzkruste seit Wochen trefflich isoliert, was da schmelzen konnte, ist längst ein strahlender Corium-See — mit etwas Glück auf dem Boden der Containments, wahrscheinlicher aber irgendwo weiter unten. Da kann man jetzt nur noch kühlen und warten, bis das Pampf genug abgeklungen ist, daß man einen Betonklotz drüberbauen kann, ohne daß einem dabei die Arbeiter sterben wie die Fliegen.

Aber hey, klar, das ist von einem vielbeschäftigten Reporter zu viel verlangt, sich mal zu informieren, was so abgeht bei einem Super-GAU. Schon klar. Da werden dann eben die schon damals verlogenen Aussagen von Tepco von vorletzter Woche nochmal hervorgeholt, abgestaubt und rießailkelt, das geht schneller. Interessieren tut es eh keinen mehr, mit Nachrichten von Fukushima lockt man ja schon seit den grünen Landtagswahlen keinen Hund mehr hinter dem Ofen vor. Was soll man auch schreiben? “Nordjapan: Weltuntergang dauert an”? Das interessiert doch keinen, jetzt wo Hannover aufgestiegen ist und bald der Grong Schmu d’Örovißjong (äh: Juhropieän Zong Konntest heißt das ja jetzt, tschuldigung) ansteht. Lena wird’s schon richten.

Und so reiht sich Fukushima ein in die lange Reihe von Namen, die früher mal wirkliche Orte bezeichneten und heute stattdessen für Ereignisse stehen wie Tschernobyl, Eschede, Bhopal, der Platz des Himmlischen Friedens oder Lockerbie. Schade für die, die da leben bzw. — wo Kernenergie im Spiel war — gelebt haben.

Die Pessimisten haben mal wieder recht behalten. Nein, stolz bin zumindest ich nicht darauf.

26. March 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 00:06

In Abwandlung eines alten Erziehverses könnte man dieser Tage einen Merkspruch für Politiker propagieren: “Wenn einer mal die Wahrheit spricht — wenn der dann lügt, man glaubt ihm nicht.”

Der eine ist natürlich Onkel Brüderle, der mit Blick aufs “Atom-Moratorium” (mein Kandidat fürs Unwort 2011, nebenbei bemerkt) vor seinen Kumpanen in von der Wirtschaft den Satz fallenließ, kurz vor Wahlen seien politische Entscheidungen nicht immer rational. Was ja nur eine hübsche Umschreibung ist für unbedacht, kleinhirngesteuert, einfach drauflos. Wörter, die des Merkels Atompolitik in der Tat ganz treffend charakterisieren.

Klasse Vorlage jedenfalls, und entsprechend war auch der Nachhall. Brüderle, ganz Politiker, sah sich bemüßigt, zurückzurudern. Und das auch noch mit der dämlichsten Ausrede von allen: ein Protokollfehler sei es gewesen, man habe ihn falsch zitiert. Hohngelächter von der Opposition im Bundestag, und nicht nur von der … ich lache ja selten bei den Nachrichten, aber da schon.

Und wegen dieses Protokollfehlers (lies: dieses Fehlers, so eine versehentliche Ehrlichkeit ins Protokoll zu schreiben), tritt nun der Schnappauf zurück. Hat wohl zuviel aufgeschnappt. Er redet da aber auch von einer “Indiskretion”, nicht von angeblichen Protokollfehlern.

Und als sei der Scherbenhaufen nicht schon groß genug, kommt dann auch noch einer daher, den eigentlich keiner mehr auf dem Schirm hatte, und fällt mit der geballten Macht seiner wasweißichwievielen Zentner dem Merkelteil in den Rücken, daß die Knochen nur so krachen: der Kohl! Gut, der kommt aus einer ganz anderen Richtung und kritisiert das Atom-”Moratorium” direkt. Nicht daß der auf seine alten Tage auf einmal grün geworden wäre, nein: er fürchtet um die Wirtschaft und findet, man hätte einfach nix tun sollen, blah, das übliche, ist auch egal.

Nicht egal ist, wie die ganze Union entsetzt zusammenzuckt. Das ist dazu viel zu amüsant. “Beweis der Illoyalität”, “bloßgestellt”, “in den Rücken fallen”, “blankes Entsetzen” — Begriffe, die man gemeinhin nicht mit der Endphase eines Wahlkampfes assoziiert. Wenn man dann noch die Wörter aus der Brüderle-Geschichte wie zum Beispiel “Eselei” oder “Bauernopfer” dazunimmt, bleibt mir eigentlich nur eins: Der CDU einen spannenden Wahlabend zu wünschen.

Gnihihi. Vorfreu.

23. March 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 19:57

Fukushima liegt natürlich nicht in Bayern, sondern in Japan. Wie wir alle seit kurzem wissen, wo da dieses Atomkraftwerk nach Erdbeben und Tsunami (das ist aber auch fies, erst Erdbeben und dann auch noch Tsunami, damit konnte doch keiner rechnen!) langsam auf kleiner Flamme vor sich hin köchelt. Nun ist Japan weit weg, bis die radioaktive Verseuchung hier ist, kann man sie vermutlich als Meßfehler wegverbuchen. Insofern hält sich unsere Bestürzung wie immer in komfortablen Grenzen.

Trotzdem hat das Merkel in heldenhaftem Beinahe-Alleingang ein “Moratorium” verkündet, daß die sieben ältesten Atomkraftwerke “vorläufig” vom Netz sollen. Seht her, Schwarz-Geld tut was! Wie auch schon die Laufzeitverlängerung schööön am Bundestag vorbei, klar, man will das ja unbürokratisch wieder loswerden, wenn in ein paar Monaten (müssen nicht drei sein) etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Und selbst wenn die sieben Schrottmeiler nicht wieder ans Netz gehen: dank Laufzeitverlängerung können ihre Restlaufzeiten ja problemlos auf andere Atomkraftwerke übertragen werden. Die laufen dann vielleicht bis 2050. Macht ja nix. Sind ja sicher.

Ja. Naja. Und dann ist da das Atomkraftwerk in Gundremmingen. Das ist, genau wie die jetzt zermöllerte Schrottbüchse in Fukushima, ein Siedewasserreaktor. Bedeutet: der Dampf, der da in der Turbine Strom macht, ist radioaktiv. Was natürlich eine zusätzliche Fehlerquelle ist. Siehe Japan.

Gundremmingen hat drei Blöcke, A, B und, wer hätte es erwartet, C. Oder vielmehr hatte es die, denn der Block A ist seit den Siebzigern abgeschaltet. Da gab es nämlich den (bisher) einzigen größeren Störfall der deutschen Atomkraftgeschichte. Immerhin zwei Tote, radioaktive Belastung der Umgebung und ein Kraftwerksblock, der danach als Totalschaden abgeschrieben worden ist, also kein ganz kleiner Unfall. Update: Das waren zwei verschiedene Störfälle im selben Kraftwerksblock: ‘75 die Toten, ‘77 der Totalschaden.

Und ausgelöst hat diesen Störfall damals was? Nein, kein Tsunami. Auch kein Erdbeben, auch wenn die in Deutschland schon was häufiger sind als Tsunamis. Nein, die Ursache war — zuviel Rauhreif auf ein paar Stromleitungen. Beruhigend, hm?

Aber was red ich. Natürlich sind unsere Kraftwerke viiel sicherer als die in Japan. Ja nee, Merkel. Is klar. Die japanischen waren bis vorletzte Woche bestimmt auch viiiel sicherer als die russischen.

Gundremmingen B und C sind Baujahr ‘84, gehören also nicht zu den plötzlich unsicher gewordenen ältesten Kraftwerken und sind damit selbstverständlich weiterhin am Netz.

Mein einziger kleiner Trost: Auch Bayern ist weit weg. Nur leider nicht ganz so weit wie Japan.

4. March 2011
Filed under: Allgemein, Achwas, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:54

Zusammenfassung für Leute, die hier nur ne saftige Pointe suchen: Gerd Sonnleitner, der Präsi vom Bauernverband, hat gestern angesagt, die Angst vor Motorschäden durch E10 sei unbegründet. Ja nee, is klar. Und Karl Ranseier, Präsident des Verbandes der deutschen Frittenfettproduzenten, verweist auch die Angst vor Herzinfarkten durch zu fette Ernährung energisch ins Reich der Fabel. Ist doch immer schön, sowas von Leuten zu hören, die sich damit auch auskennen und vor allem keinerlei eigene Geschäftsinteressen mit ihrer Aussage verknüpfen.

So. Jetzt kommt die Langfassung.

Gestern ging ein Rauschen durch den Äther: E10 sei gestoppt, vermeldeten die Radiosender. E10, für die Nichtautofahrer (und die Nicht-Deutschland-Bewohner) unter den Lesern, ist der halbherzige Versuch der Mineralölindustrie, gesetzliche Vorgaben zum Anteil von “Biokraftstoffen” am Spritverbrauch der Nation zu erfüllen. Statt in Zusammenarbeit mit der Autoindustrie vielleicht mal die Einführung von und flächendeckende Versorgung mit (nahezu) reinem Ethanol, dem sogenannten E85 (85% Ethanol, 15% Mineralöl) auf die Beine zu stellen, hat man dort mal wieder gekniffen und E10 (wie der Name zustandekommt, sei dem Leser als Übungsaufgabe überlassen) in den Markt gedrückt.

Nicht weiter dramatisch, möchte man meinen, schließlich ist normales Eurosuper ja schon seit Jahren eigentlich E5. Es scheint aber so, als sei dieses Ethanol schon ein fieses Gesöff; trinkbar ist es zwar (wohlgemerkt: E100 wäre trinkbar, nicht daß Ihr jetzt an die Tanke einen saufen geht, und ich bin dann schuld!) …, wo war ich? Achja: … fieses Gesöff, das bei größerer Konzentration durchaus Spritschläuche und, was teurer kommt, Vergasergehäuse anzuknabbern vermag.

Und weil der deutsche Autofahrer nun vor lauter Verunsicherung ob solcher Hiobsbotschaften das neumodische Zeugs einfach nicht getankt hat, sah die Mineralölwirtschaft ihre Felle schwimmen: Logistische Probleme würde das machen, die Versorgung mit dem normalen Sprit sei nicht mehr zu gewährleisten. Und gestern haben sie dann eben die Reißleine gezogen und die E10-Einführung erstmal gestoppt.

Was für die Umwelt jetzt weniger schlimm ist, als es erstmal klingt. Denn auch wenn Ethanol rein technisch kein zusätzliches CO2 in die Atmosphäre entläßt, wenn man es verbrennt (denn das hat es ja zuvor, als es noch eine Pflanze war, selber gebunden beim Wachsen), so ist Autofahren mit Ethanol doch trotzdem nicht CO2-neutral. Denn die ganzen Traktoren, Erntemaschinen, Lastwagen und Schiffe, die das Zeug umherkarren, laufen ja auch nicht mit Luft (und auch nicht mit Ethanol, sondern wenn überhaupt mit Pflanzenöl, aber das ist eine andere Geschichte), und daß für den Anbau der Pflanzen auch erstmal Regenwald gerodet wird und/oder Anbauflächen, die für die Nahrungsmittelproduktion in der sogenannten dritten Welt gebraucht würden, umgewidmet, kommt erschwerend hinzu.

Summa summarum meinen die Umweltverbände jedenfalls, die Nicht-Einführung von E10 sei eine der wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen, die man jetzt so auf die Schnelle durchführen könne.

Und dann kommt der Herr Sonnleitner. Der ist Präsident des Deutschen Bauernverbandes und meint öffentlich, Schuld an dem Schlamassel hätten doch eh nur die Ölkonzerne, weil die die Autofahrer nicht richtig informiert hätten, und deren Angst vor eventuellen Schäden am Auto sei ja auch völlig unbegründet. Dazu siehe den ersten Absatz.

Und was die mangelhafte Information des Autofahrers betrifft: Na klar verweisen da die Ölkonzerne auf die Autohersteller. Die sind ja nicht bescheuert. Wenn ich als Ölkonzern sage, klar, lieber Kunde, dein sagenwirmal sechsundneunziger Audi A4 verdaut selbstredend problemlos E10, und der tankt das dann, und drölftausend Kilometer später brennt die Karre in einem schönen Benzinfeuer ab, oder die Einspritzanlage krepiert … wen wird der dann wohl verklagen? Selbst wenn der Schaden gar nix mit E10 zu tun hat? Das Risiko bindet sich doch keiner freiwillig ans Bein.

Und die Autohersteller? Denen ist es im Wesentlichen egal, ob die Leute, die ihre alten Kisten fahren, E10 tanken können oder in Brasilien ein Spritfaß umfällt. Also erteilen sie die Freigabe nur für die Autos, bei denen sie sich absolut sicher sind, daß das geht. Citroën zum Beispiel sagt: Alle Modelle ab Organisationsnummer sowieso, was soviel bedeutet wie: die ab einem bestimmten Datum gebaut worden sind. Kann mir keiner erzählen, daß genau an dem Tag alle Modelle entsprechend konstruktiv verändert worden sind — aber weiß man’s? Weiß man nich, und tankt also lieber weiter normalen Sprit. Wenn man sich denn überhaupt informiert hat und den nicht sowieso lieber weiter tankt, denn auf die paar Cent Unterschied zwischen Super und E10 sei doch geschissen. Bis man da eine Einspritzanlagenreparatur oder gar einen Motorbrand von bezahlt hat, ist die Karre eh ein paarmal zum Mond und zurück gefahren oder, wahrscheinlicher, zu Kochgeschirr rießaikelt.

Nee, richtig lohnen, wenn schon nicht für die Umwelt, dann wenigstens finanziell, tut sich Ethanol nur als E85. Das Gesöff kostet pro Liter weniger als nen Euro. Und auch wenn man davon wegen seines geringeren Energieinhalts ein paar Schluck mehr verbraucht, rechnet sich das zügig. Wenn die Karre es denn verträgt. Wie oben geschrieben: Wenn man die Leute dazu bringen will, Biosprit zu tanken, dann ist das der erfolgversprechendere Weg. Ich zumindest werde das für meine beiden Automobile (das alte und das richtig alte) mal in Erfahrung bringen müssen. Aber das ist ein anderer Schnack und gehört auch nicht hierher.

Meine Prognose? E10 kommt wieder, und sie werden es durch Anhebpassen der Preise in den Markt drücken. Ganz einfach: So lange E5 teurer machen und E10 billiger, bis der Pöbel E10 tankt. Fertig. Dazu müssen nur die Lobbyisten in Berlin dafür sorgen, daß diese lästige Pflicht, normales Super weiter anzubieten, wegfällt. Die Leute mit den E10-inkompatiblen Kisten können dann ja OptimaxPlusWiePauerUltimaRacing100 tanken.

Hoffentlich tank ich bis dahin schon E85.

20. February 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 12:00

Wer’s nicht gemerkt hat: der Artikel von gestern war natürlich ein Plagiat der Presseerklärung unseres Vertuscheidigungsministers Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, wenn auch mit ein paar kleinen Textänderungen, die auf Vorsatz hinweisen.

Das ist aber auch zu blöd, ne? Da puzzelt der junge Familienvater in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit ne Dissertation zusammen, statt sich um seine Abgeordnetentätigkeit zu kümmern, nur um seinen zahlreichen Vornamen und Adelstiteln auch noch das Wörtlein “Doktor” hinzufügen zu können, und dann sagt dem keiner, daß man sowas selber schreiben muß! So ein Pech aber auch.

Das wäre ja alles noch irgendwie ungefähr ein klein bißchen verzeihlich gewesen, aber seine engagierte Vorwärtsverteidigung (so sagt man in seinem Job für “Angriff”), beginnend mit dem Begriff “absurd” und endend in dem gestern hier plagiierten Gestammel, hat dann dafür gesorgt, daß er vollständig verkackt hat. Denn daß das Ausmaß der Abschreiberei im Internet-Zeitalter ans Licht kommen würde, muß ihm doch vorher klargewesen sein?

Das einzige, was er jetzt noch zu seiner moralischen Verteidigung anbringen könnte, wäre die Aussage, ihm sei nicht klargewesen, in welchem Maße sein Ghostwriter abgeschrieben habe. Und ja, das würde ich ihm sogar abnehmen, die Geschichte mit dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages hin oder her.

Seinen Doktortitel und sein Ministeramt sollte das aber nicht retten können, eigentlich. Denn daß er damit sein Amt und seine Alma Mater beschädigt, dürfte selbst dem glanzäugigsten Adelsanbeter klar sein. Ich wage indes die Prognose, daß er trotzdem im Amt bleiben wird. In der Union hat das Aussitzen von Problemen ja eine gute Tradition.

18. February 2011
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 11:37

Soso, da hat nun also das Bundeskabinett ein Gesetz beschlossen, in dem steht, daß Kindergeschrei rechtlich nicht als Lärm einzustufen sei, mit dem erklärten Ziel, es schwierig bis unmöglich zu machen, gegen den Bau von Kitas oder Spielplätzen in der Nachbarschaft zu klagen. Begründung: Kinder seien ja unsere Zukunft!

Nun, dazu mag man stehen, wie man will; Fakt ist jedoch, daß Kindergeschrei Lärm ist, auch wenn der Gesetzgeber was anderes sagt. Ich habe etwa ein Jahrzehnt lang neben einem Spielplatz gewohnt, ich weiß wovon ich rede — und auch wenn ich zumindest eingangs jenes Jahrzehnts selber noch Kind war, mir ging der Rabatz da tierisch auf die Nüsse. Ich kann jeden verstehen, der neben sowas nicht wohnen mag.

Ja dann zieh doch weg, sagen nun die Kinderfans. Ja hallo? Gut, da von neben dem Spielplatz bin ich weg, aber das Problem bleibt: es ist nicht möglich, in eine garantiert kinderlärmfreie Umgebung zu ziehen. Das liegt daran, daß man ein Kinderhaltungsverbot, anders als etwa Entsprechendes bezüglich Haustieren oder Autos, nicht in den Mietvertrag schreiben darf — Schwangerwerden ist schließlich ein Grundrecht! Und so passiert es mir immer wieder, daß das an sich ruhige Haus oder (in einem Fall) die an sich friedliche WG binnen weniger als Jahresfrist sich in einen weiteren Hort des plärrenden Vermehrungswahns verwandelt.

Vermutlich wird das auch noch so weitergehen, bis ich endlich alt genug bin fürs Seniorenheim. Da werden die Frauen wenigstens nicht mehr schwanger.

7. October 2010
Filed under: Allgemein, Denk mal, Mit freundlichem Grinsen — Dieter Schlabonski @ 18:25

Jahre, ach was, bald Jahrzehnte ist es her, aber typisch ist’s und bleibt’s: Ausstellung des Frauen- und Lesbenreferats (sind Lesben keine Frauen?) des AStA der TU Braunschweig in der Mensa zum Thema “Frauenfeindliche Werbung in Zeitungen und Zeitschriften”.

Ein Beispiel: Werbung für irgendein Deo mit nackter Frau auf dem Rücken eines Stiers. Frauenfeindlich, weil Frau offensichtlich mit Jagdbeute gleichgesetzt werde. Meinetwegen, auch wenn Stiere eher nicht jagen, sondern wenn dann ermordet werden, wenn ich recht informiert bin. Weiter: Werbung für irgendeinen Urlaubsort (wenn ich mich richtig erinnere, ist auch egal) mit leichtbekleideten Mädels am Strand. Frauenfeindlich, weil Frau offensichtlich mit anderen Annehmlichkeiten des Urlaubsortes gleichgesetzt werde. Naja, von mir aus. Aber dann: Werbung für irgendein Duschgel mit einem nackten Mann. Dreimal dürft Ihr raten.

Natürlich: auch frauenfeindlich, weil der Mann als solcher da offensichtlich verherrlicht werde, oder wann habe die BetrachterIn zuletzt so einen Adonis beim Allkauf getroffen?

Ich wünschte, ich hätte mir das ausgedacht.

5. October 2010
Filed under: Allgemein, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 21:32

Einerseits ist es ja schön zu sehen, daß in diesem unseren Lande doch noch so richtig schön gerechter Volkszorn brodeln kann, ganz ohne vorher wie von einem gewissen Herrn Lenin prophezeit Bahnsteigkarten zu kaufen. Und noch schöner, daß sich dieser Volkszorn dann auch mal gegen was Unsinniges richtet. Auch daß die brutalen Methoden der natürlich völlig angemessen handelnden Polizei mal wieder ins breitere Bewußtsein kommen, weil sowas mal mitten in einem Regierungssitz passiert statt auf einem Acker im Wendland, ist sicher nicht verkehrt.

Andererseits aber müssen sich die Stuttgart-21-Gegner einen Vorwurf schon gefallen lassen, nämlich den des Zuspätkommens. Ich hab jetzt nicht recherchiert (alles andere würde regelmäßige Leser hier ja auch überraschen), aber ich las zuerst von Stuttgart 21 in einer Zeitschrift, die ich seit bald einem Jahrzehnt nicht mehr lese. Und wann gehen sie auf die Straße? Wenn die ersten Mauern des Empfangsgebäudes und die ersten Bäume fallen.

Das ist, wie sich das mit der Restaurierung doch noch mal zu überlegen, nachdem der Schrottgreifer ins Dach des Familienwagens eingeschlagen ist.

Klar, mangelnde Erfolgsaussichten machen den Protest jetzt nicht sinnlos. Es ist schon gut, wenn die da oben merken, daß es den Leuten eben nicht egal ist, was mit ihrer Stadt, ihrem Bahnhof und den paar Milliarden passiert, die das alles kostet. Aber deswegen glaube ich noch lange nicht daran, daß dieser Protest in Stuttgart noch was ändern wird. Oder kann.

Aber vielleicht ändert er ja in Zukunft was, beim nächsten gigantomanischen Bauprojekt.

Die Stadt, in der ich lebe, ist ja auch Opfer eines solchen. Hier wurde der Hauptbahnhof 1960 verlegt: von der Innenstadt an den, hm, ja, Stadtrand ist das nicht, Außenbezirk auch nicht, aber irgendwie doch ein bißchen ab vom Schuß. Und dazu wurden Schneisen in die Bausubstanz gehauen, wie es sonst nur die Bomberflotten im 2. Weltkrieg geschafft haben. Ich kannte Braunschweig vorher nicht, wie auch, aber ich glaube, wer es vorher kannte, hat es danach bald nicht mehr wiedererkannt. Und die Gegend um den Torso des alten Bahnhofs, heute Sitz der Landessparkasse (vormals Nord/LB), ist immer noch irgendwie ein bißchen verrucht, nach bald 50 Jahren ohne Bahnhof. Erstaunlich. Wo war ich? Achja … wiedererkannt.

Stuttgart kenne ich auch nicht. Insofern könnte es mir eigentlich egal sein.

Mich ärgert an dem ganzen Bohei eigentlich auch am meisten, daß das schöne Geld viel sinnvoller in einem Ausbau der Bahnlinien zu den Nordseehäfen versenkt wäre als im Untergrund von Stuttgart. Nicht, weil ich da näher dran wohne, sondern weil der absehbare Verkehrsinfarkt infolge dauernd zunehmenden Güterverkehrs von und zu den Häfen mehr als nur ein paar Autobahnen im Norden lahmzulegen imstande sein wird.

Und auch sonst fiele mir einiges ein, was man für ein paar Milliarden bei der Bahn Sinnvolleres machen könnte. Und wenn es nur menschenwürdige Bahnhofstoiletten wären …

In diesem Sinne grüßt
  Euer Dieter Schlabonski.

6. July 2010
Filed under: Allgemein, Wahnsinn im Alltag, Denk mal — Dieter Schlabonski @ 15:51

Man kennt es ja zur Genüge: da konsumiert ein Jugendlicher auf seinem Computer sogenannte “Killerspiele”, also meistens First-Person-Shooter. Und dann schnappt er sich ne Knarre, zieht los und schießt Leute tot. Und auch wenn das nur ein kleiner Bruchteil eines Millionstels aller “Killerspiel”-Konsumenten tut, geht danach jedesmal das Theater los: Waah, diese bösen bösen Killerspiele müssen endlich verboten werden, die verführen unsere Kinder zu Gewalttaten!

Ja. Vorgestern früh hat in Hannover jemand zwei Leute in den Kopf geschossen. Auch wegen eines Killerspiels: Fußball. Die Streithähne konnten sich nicht einigen, wie oft Italien bislang Weltmeister geworden ist. Also holt der (deutsche) Täter eigens seine Knarre, geht zurück in die Kneipe und schießt seine (italienischen) Kontrahenten über den Haufen. Einer davon ist tot, der andere arbeitet noch dran. Update: Mittlerweile hat er’s geschafft.

Wetten, daß das keine Sau in die Forderung umbauen wird, Fußball zu verbieten?

Und, nebenbei bemerkt: Mobiles Internet für alle kann auch Leben retten. Mich hat es eben gerade genau 38 Sekunden gekostet, festzustellen, daß die Italiener in diesem Streit recht hatten: Italien hat viermal die Weltmeisterschaft gewonnen, Deutschland nur dreimal. Schau mal einer kuck. In der Zeit hätte ich nicht mal dann meine Knarre holen können, wenn ich eine hätte.

Nachdenkliche Grüße,
    Euer Dieter Schlabonski.

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