Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Kulinarische Ausflüchte

Diagnose: Tod durch Kantine

Die meisten Menschen sterben nicht an Krebs, Herzinfakt oder Hören diverser Moddern Toking-Foltermelodien. Nein! Den höchsten Siechpunkt erreicht man in der eigenen Firmenkantine. In der Statistik sind die nicht so sehr beklagenswerten Opfer lediglich als Arbeitsunfall (im Fieberwahn von der Treppe gefallen) oder als Arbeitnehmerschwund (spontane Selbstauflösung) verzeichnet. Die grauenhafte Wahrheit mag wohl keiner so recht eingestehen, die Fakten aber sind erschreckend genug.

Während Bauernhöfe ihre Schweine, Rinder und Schafe mit dem eigenen Hausmüll versorgen, greift die Lebensmittelindustrie zu härteren Mitteln: Alles, was die Supermärkte trotz nervtötendem Lautsprechergesülze einfach nicht an den Kunden bringen können oder wovon die EU trotz kopierter Siegel, gefälschter Urkunden und verklebter Plaketten die Finger läßt, wird in sogenannten "Kantinen" entsorgt. Der Vorteil dabei: Man kann sogar noch ein paar Tacken damit machen...

So werden napalmsichere Behälter mit Gemüse, Kartoffelbrei – ach nee, das nennt man hier Püree – und vom britischen Rind abgefallenen Fleisch gefüllt, ordentlich zerrührt, zum nächsten weitentfernten Kücheneingang einer größeren Dienstleistungsfirma gekarrt und vor den Treppenstufen schlecht gezielt abgeworfen.

Dort angekommen, ergreifen die "Köche", oder besser das "Küchen"-Personal mit verbeultem Zylinder auf dem Kopf, die toxische Masse und füllen sie in ihre Zwischenlager. Damit alles reibungslos klappt, werden die Küchenleute auch von der Lebensmittelindustrie finanziell unterstützt. Schließlich gewähren die Kantinenwichtel ja eine reibungslose Abnahme der zu entsorgenden Altlasten.

Lediglich dann, wenn sich die Gefrierschränke trotz gemeinschaftlichen Nachdrückens nicht mehr weiter füllen lassen, kommt es zum Bruch der finanziellen Unterstützung seitens der Firmen. In diesem Fall muß dann auf alles zurückgegriffen werden, was in der Zwischenzeit nicht ganz bis zu Unkenntlichkeit verdorben ist, um es letztendlich mit anderen, wohlgemerkt nicht weniger weniger leckeren Zutaten vermischt, auf den Teller des Delinquenten zu klatschen. "Mahlzeit!"

Der Endverbraucher, den man dank seiner Mitwissenheit auch als Masochist bezeichnen könnte (oder doch zumindest als Ignoranten, denn ahnen tut das jeder), kann beim besten Willen nicht verleugnen, daß er gewisse Zutaten auf seinem Napf letzte Woche schon einmal ungegessen in den Tabletthalter gestellt hat. Naja, vielleicht ist es jetzt ja besser – bei Chili klappt's schließlich auch. Manchmal.

Die Atmosphäre in Kantinen, die neben dem Geruch des Kübelfrasses eine ganz eigene Note hat, ist auch schon zu Routine geworden: Niedere Angestellte in Schlipth... Entschuldigung: Schlips, Anzug oder Kleid (Iiigittt!) stehen mit Besteck und Tablett unter'm übelriechenden Arm vor einer langen Glasvitrine Schlange, wartend und harrend auf den Moment, der gekonnt krächzend geschrieenen Frage "Wassollssein??!" die Antwort "mit Kraut" oder "ohne Schimmel" – je nachdem – entgegenzuschmettern und dabei dem Personal seine Unterwürfigkeit nicht allzu offen darzulegen.

Damit die Bemerkungen der Endverwerter nicht in offene Revolten ausarten, wird das Personal gezielt ausgewählt: Grottenhäßlich, meistens mit 200 kg Übergewicht und immer mit einer Autorität, wie sie von geschulten Dominas und -nos nicht besser vermittelt werden könnte; das sind die besten Kriterien, um eingestellt zu werden. Wer den Job nicht mehr ganz gewachsen zu sein scheint oder sich bei einem freundlichen Wortwechsel mit dem Verbraucher erwischen läßt, muß drei Wochen lang die Essensreste wieder untermischen oder die Kantinenklos von den sterb- oder verdaulichen Überresten verschiedener Angestellter säubern.

Alles in allem: ein Arbeitsplatz mit Zukunft (denn gefressen wird wohl immer) und gleichzeitig ein herrlicher Hort des Schreckens!

Also: Dann haut mal rein!
  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 20.04.2000.

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