Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Kollegen, Kollegen...

Der größte Feind des Menschen, neben den lieben Nachbarn, ist der Kollege. Diese Gattung, dem Menschen äußerlich nicht eben gerade unähnlich, erfreut sich stets wachsender, egoistischer Euphorie, wenn es um das Quälen seiner Mitmenschen geht. Mit den Foltermethoden, die einst von Großinquisitoren mit viel Mühe und jahrelangem Training an Versuchsprobanden in dunklen Kellern langsam bis zur Vollkommenheit perfektioniert wurden, um heutzutage, innerhalb von zwei Arbeitstagen rasch erlernt, die Zielgruppe mit voller Wucht treffen, treiben sie ihre Mitarbeiter in den Himmel der Amoklaufenden.

Nicht das dies die Spezies Kollege irgendwie tangieren würde. Im Gegenteil: Erfolge machen Mut und führen zu einem suchtähnlichen Profilierungswahn, welcher sich meist dadurch äußert, daß man, im bildlichen Sinne gesprochen, mit Gleitcreme überzogen den Dickdarm des Vorgesetzten gründlich zu erkunden und bei Bedarf zu säubern sich beflissen fühlt.

Die etwas erfahrene Gattung erweitert sein Repertoire durch die klugscheißerische Komponente. Jedes Thema, welches weder mit dem Kollegen zu tun hat, noch das es mit demselbigen überhaupt besprochen wird, ruft den Dazu-weiß-ich-aber-auch-was-und-zudem-viel-besser-Effekt hervor, welcher durch stundenlange, beinahe schon monotone Sabbelei mit fehlender Diskussionsbereitschaft den einst so schönen Tag versüßt. Ohren zuhalten nützt nichts, da der Kollege Wert darauf legt, trotz körperlicher Abwehr der Gebeutelten in Form von auditoraler Ignoranz zumindest in seiner Person deutlich wahrgenommen zu werden.

Mit Schmatzen beim allstündlichen Fallobstverzehr, der leider beim Vollabern mehr in unsanfte Sabberei ausartet und kleine, fast kaum bemerkbare Fruchtreste auf die Nachbartische katapultiert, wo sie einsam und heimlich ein neues Leben beginnen, wird die Mauer der Ignoranz endgültig gebrochen. Nicht daß der Kollege es nicht merken würde, daß er von der Mehrzahl seiner Kollegen gemieden wird. Dies ist geradezu Herausforderung genug, seinen Mitarbeitern den fliehenden Weg zur Kantine mit den Worten "Warten Sie! Ich komme mit!" zu versperren.

Doch was tun, wenn man bereits schon in ein verlassenes altes Büro in der Sperrzone des Firmenkomplexes verbannt wurde, um der übrigen Belegschaft einen neuen Habe-wieder-Spaß-am-Leben-Impuls zu geben? Der Kollege findet immer einen Ausweg. Mit fadenscheinigen Ausreden verschafft er sich Zutritt zu den anderen Mitarbeitern, um seinen Folterkandidaten mit Vorliebe beim Arbeiten zuzuschauen oder mal eben die private Mail zu lesen, nicht zu vergessen die blöden Kommentare, die sich beim besten Willen nicht vermeiden ließen, an die betreffende Person zu schmettern. Heftiges Kopfschütteln oder deutlich hörbare Ausrufe "Achtung! Er/Sie kommt hierher! Alle wegkucken!!" scheinen eher die Bestätigung für den Erfolg der kollegialen Foltermethode zu sein. Grund genug also, damit weiter zu machen, wenn nicht gar die Intensität der Hirnstrangulation zu steigern.

Damit der Weg nach oben gesichert ist, ebenso wie der Arbeitsplatz, werden Teamerfolge allein für sich beansprucht, nicht zu vergessen, die Mißerfolge an die anderen Teammitglieder abzuwälzen. Auch gibt es neben der eigenen Arbeit keine weitere nutzbringende und wertvolle Aufgabe als die vom Kollegen gestellte. Der anschließenden Selbstbeweihräucherung im Kreise der "lieben" Mitarbeiter während einer Firmenfeier, oder wenn das Projekt nach zehn Jahren mit einem Verlust von ein paar Millionen nach Weglassen gewisser Teilaufgaben und nachträglicher Veränderung des Pflichtenhefts endlich "glücklich" beendet werden konnte, steht dann ohnehin nichts mehr im Wege.

Daß die eine Hälfte des Teams wegen schlechter Arbeitsatmosphäre längst den Weg zur Konkurrenz gefunden hat, um dort fortan für höheres Gehalt tätig zu sein, vier Mitarbeiter durch den Sprung vom höchsten Firmengebäude ihre Kündigung aussprachen und drei Leute wegen geplanter Attentate in Form von "Granat"-Äpfeln zur Weihnachtszeit oder unter Tischen angebrachten Selbstschußanlagen zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurden, kann den Erfolg des Kollegen kaum schmälern. Auch stört die Tatsache nicht, daß die Konkurrenz (die mit der anderen Hälfte des Teams) das Projekt innerhalb weniger Monate auf den gleichen Stand gebracht hatte, wie er vom alten Geldgeber bei der grandiosen Projektabschlußfeier dem Kunden vorgegaukelt wurde.

Aber keine Panik. Kollegen gehen auch wieder. Spätestens im Alter von 75 Jahren in Rente oder schon vorher, wenn die alte Firma endlich pleite ist oder die Konkurrenz so blöd war, ihn/sie trotz Warnung und unter Androhung von Gewalt seitens der Belegschaft mit noch höherem Gehalt einzustellen.

Willkommen im Leben. Willkommen in Schlabonskis Welt.

Erstellt am 05.05.1999. Letzte Änderung am 14.09.1999.

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