Das LCD-Disaster

Background

Es begab sich aber zu einer Zeit, daß durch die E-Mail-Verteiler der Fa. Schlabonski (Name geändert) in Brunswick (Name geändert) folgende Nachricht von einer Mitarbeiterin, Frau Hottenrott (Name geändert), geisterte:

Seit ca. 2 Wochen stehen im Besprechungsraum zwei Laptops (...). Beide Laptops haben abnehmbare LCD's. Seit ca. einer Woche ist ein LCD vom Laptop regelrecht ausgebrochen. Da das sehr teure Geräte sind, bitte ich dringend um Eure Mithilfe, ob jemand etwas gesehen hat. Eventuell schleicht hier jemand rum ... vor einiger Zeit ist wohl auch ein Kopfhörer "zerstückelt" aufgefunden wurden.

Das Leck

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Wem das nicht klar war, der wußte es spätenstens dann, als nur wenige Minuten später diese Nachricht über einen regionalen Rundfunksender kam:

Brunswick. Das in den Geschäftsräumen der Firma Schlabonski in Brunswick vor ca. einer Woche ausgebrochene LCD konnte trotz intensiver Bemühungen der Geschäftsleitung nicht wieder eingefangen werden. Wie eine Sprecherin des Unternehmens, Frau Hottenrott, erklärte, sei "vor einiger Zeit ... auch ein Kopfhörer zerstückelt aufgefunden" worden. Die Besorgnis seitens der Mitarbeiter nimmt zu - ein ungenannt bleiben wollender Mitarbeiter erklärte diesem Sender, er fühle sich "nicht sicher". Ein Sprecher der Firma SNI, Herstellerin des Laptops, aus dem das LCD ausgebrochen ist, erklärte unterdessen, dies sei "ein bedauerlicher Einzelfall, unsere Laptops sind unter den ausbruchssichersten der Welt". Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft dementieren jedoch nicht mehr, daß gegen SNI und Schlabonski Ermittlungsverfahren wegen unzureichendem Schutz vor wildgewordenen LCDs aufgenommen werden könnten.

Die Sensation

Klar - die Nachrichtenredaktionen der privaten Fernsehsender ruhen nicht... Hier ein repräsentatives Beispiel:

Tick Tick Tick ... und hier die neusten ACTION NEWS ... Tick Tick Tick

---- Kopfhörer von amoklaufendem LCD gerissen ----

Brunswick ... wie in den letzten Tagen bekannt wurde, ist ein LCD aus einem Versuchs-Laptop der Firma Schlabonski ausgebrochen. Nähere Aussagen sind bisher weder von der Firma SNI, Herstellerin des neuartigen Laptop-Prototypen, noch von Schlabonski verfügbar. Keiner der Pressesprecher war zu näheren Angaben bereit. Gerüchten zufolge handelt es sich bei dem Laptop um ein völlig neues revolutionäres Gerät. Angeblich sei die Testphase noch nicht abgeschlossen und folglich könne man noch keine Angaben über die Gefahr machen, die das freilaufende LCD mit sich bringt. Daß diese Befürchtungen sich leider als wahr herausstellten, wird durch das jüngste Disaster bestätigt.

Als am Morgen des 18.08.98 der Ausbruch bemerkt wurde, fand man kurze Zeit später auch ein bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Kopfhörer. "Der Anblick war grausam", war vom leitenden Ermittler zu hören. Auch in der Öffentlichkeit macht sich Angst breit. Es ist zu befürchten, daß bei weiteren Zwischenfällen dieser Art die Bürger zum Selbstschutz greifen werden. Sollte dies eintreten, bedeutet das den Tod vieler tausender unschuldiger LCDs.

Tick Tick Tick ....

Die Richtigstellung

Verantwortungsbewußtere Nachrichtensender brachten am Abend eine sachlichere Berichterstattung. Leider ein Einzelfall, der die öffentliche Meinung nicht mehr wesentlich beeinflussen konnte...

Brunswick. Entgegen neuesten Berichten in der Yellow Press kann von einem sich anbahnenden Disaster in den Geschäftsräumen der Firma Schlabonski keine Rede sein. Das versicherte ein Sprecher der Firma unseren Reportern auf Rückfrage. "Es handelt sich bei den betroffenen SNI-Laptops mitnichten um Prototypen, sondern um ganz normale Seriengeräte neuester Produktion", so der Sprecher. Auf unsere Rückfrage, ob dann evtl. auch andere SNI-Kunden betroffen sein könnten, lehnte Schlabonski jede Stellungnahme ab: "Das ist ein Problem von SNI. Von unseren SNI-Mobile 700 ist jedoch nur ein Gerät betroffen." Eine Anfrage unsererseits bei SNI blieb bis zur Stunde unbeantwortet.

Unterdessen wurde seitens des Ministeriums für Computersicherheit dringend von LCD-Jagden auf Verdacht abgeraten. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte: "Wir wissen noch nicht, wie es zu diesem Verhalten kommen kann. Außer dem Vorfall bei Schlabonski ist uns kein weiterer Ausbruch gemeldet worden, so daß die Gefahr nach derzeitigem Kenntnisstand als sehr gering zu bewerten ist, geringer jedenfalls als die von der Systemsoftware ausgehende. Wir raten dringend davon ab, wahllos LCDs zu töten. Freilaufende LCDs aus SNI-Mobile 700-Rechnern allerdings sollte mit äußerster Vorsicht begegnet werden, vor allem, wenn Sie ein Audioausgabegerät sind."

Der Sprecher wurde daraufhin von Mitarbeitern der psychiatrischen Abteilung des Bonner Krankenhauses abgeführt.

Wir informieren Sie, sobald es Neues gibt. Nun weiter zu meinem Mitarbeiter Gert Backend mit einem Bericht aus dem Virusseuchengebiet bei Redmond. Gert? ... Hallo, Gert, kannst Du mich hören? ...

Gert?

Und wie geht's weiter?

Leider sind unsere weiteren Nachforschungen ergebnislos geblieben - wer über weitere Berichte über die Vorkommnisse jener schicksalhaften Tage verfügt, der teile sich bitte mit. Wir werden Sie auf dem Laufenden halten.

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