Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Kulinarische Ausflüchte: McDurchfall's und Bürger-Schling

Kommt, liebe Leser. Laßt uns hinabsteigen in das tiefste Dunkel, das uns Deutschlands Erlebnisgastronomie zu bieten hat. Wir werden verächtlich vorbeigehen an den Warmduschern in den Dönerlokalen und Pizzabuden, an der gutwürgerlichen Küche und, ja, sogar an den asiatischen Zumutungen, direkt hinab in die Höhlen des Ronald McDonald, wo der Hackfleischkönig Hof hält.

Wir werden Wunder sehen, wie sie sich durch simple Schulphysik nicht erklären lassen: Pommes etwa, die, kaum aus der Friteuse gestürzt, schon sublauwarm sind, oder Börger, deren Majonehse schon nach neun Minuten auf der Warmhalteplatte wärmer ist als das darunterliegende Gebrät. Wir werden die logistische Meisterleistung der totalen Abschaffung von Besteck und Mehrweg bewundern und die beeindruckende Interpretationskunst der Abbildungen auf der Preisliste im Vergleich zum tatsächlichen Produkt. Und mehr noch – wir werden dieses Produkt käuflich erwerben, auswickeln und todesmutig hineinbeißen.

Danach gehen wir dann kotzen, aber die Toiletten sind wenigstens sauber.

Nun folgt mir in den Tempel des güldenen M, auf daß Ihr Zeugen seiet.

Gutntaachundherzlichwillkommbeimäckdonnelsmeinnameisanjaihrebestellungbidde? – Ich hätt gern einen Mäckschicken, einen Fischmäck und ne große Cola. – Daafsvielleichalsmenüsein? – Weiß nich, haben Sie denn auch warme Pommes? – ...?! – Ja also dann ein Mäckschickenmenü... – Nomaaloddamaxi? – ...was is denn da der Unterschied? – Maxiismitgroßngetränkundgroßnpommes. – Mit mittleren Pommes und großem Getränk bitte. – Dasgehtnichentwedernomaaloddamaxi. – Dann bitte Maxi. – Ketschappodamajodazu? – Nein danke. – Vielleicheinnachtisch? – Nein danke, aber... – Einmäckschickenalsmaximenümachtachtfümmensechzich. – Halt, warten Sie, ich wollt... zu spät. Weg isse.

Drei Minuten später.

Sodassinndannachtfümmensechzichbidde. – Ich wollt aber auch noch'n Fischmäck. – Daafsalsmenüsein?*seufz* Nein, einzeln bitte. – Daswärdanneinmäckschickenalsmaximenüundeinfischking, machtelfviernvierzich. – Hey, Sie können ja doch mitten im Satz Luft holen? – ...!? – Vergessen Sie's.

Zwei Minuten später.

Sodassinndannelfviernvierzichbidde.*ablatz*Dangeundgudnappetit.(zweifelnd) Meinen Sie? – ...?! – Danke.

Prüfend beschnuppern wir einen..., hmm, wie ist die Einzahl von "Pommes"? Probierenderweise stellen wir fest, sie lautet "kalter Gummistab". Nachdem wir der Furie am Tresen ein Tütchen des streng bewachten Salzes entrissen haben, versehen wir die Dinger erstmal mit Geschmack und begutachten anschließend zunächst den Fischmäck.

Oh Graus, oh Schauder. Ein bis zur Unkenntlichkeit zupaniertes Stück toten Meeresgetiers, so scheint's, wurde kaltblütig ersäuft in einer müffelnden Schlatze, die entfernt an Remoulade gemahnt, und eingepreßt zwischen zwei lappigen Brötchenhälften, die anderswo auch als Badeschwamm durchgehen. Ein bräunliches Salatblatt von der Konsistenz und Temperatur einer frisch abgezogenen Mundschleimhaut rundet das ganze farblich ab. Augen zu und reingebissen, ist schließlich bezahlt! Erlösung: es schmeckt nicht schlecht. Es schmeckt auch nicht gut – es schmeckt nach nix. Beruhigend. Es sind zum Glück auch nur drei Bissen.

Kommen wir zum Mäckschicken. Im Gegensatz zum Fischmäck ist er nicht in fettiges Papier gerollt, sondern lebt in einer Pappschachtel, deren Ausmaße gar so etwas wie Sättigung verheißen. Öffnen wir sie also! Doch nein, was erblicken wir? Schüchtern in die hinterste Ecke seiner Behausung verkrochen, glibbert der Mäckschicken leise vor sich hin. Ein gezielter Griff, schon haben wir Majo an den Fingern. Tief graben sich unsere Fingernägel in das wehr- und formlose Brötchen, dessen Temperatur der der Finger gut angepaßt ist, und führen es zum Munde. Nicht riechen, abbeißen!

Ein wirklich verblüffender Effekt stellt sich ein: hat das knapp fausthohe Gebilde sich beim Zusammenbeißen auf wenige Millimeter Dicke reduziert, so floppt es im Mund mit einem fast hörbaren Zischlaut wieder zurück in seine ursprüngliche Größe. Damit muß man erstmal klarkommen. Drei, vier Kauvorgänge später sind die formgebenden Molekülketten indes zerstört (die geschmackgebenden sind offenbar schon auf der Warmhalteplatte verendet), und die entstandene Matsche schmeckt wie in Majo mariniertes Toastbrot. Leider sind es fünf Bissen, bis ein Mäckschicken verdientermaßen in die Geschichte eingeht.

Nehmen wir, um dieses Gefühl loszuwerden, lieber noch einen Schluck Cola. Doch da die nächste Überraschung: dem Becher, noch locker ein Drittelkilo schwer in der Hand liegend, entlockt das Saugen am Trinkhalm nurmehr das charakteristische blubbernde Schlürfgeräusch, das anzeigt, daß außer Eis nix mehr drin ist.

Unter diesen Umständen können wir die Entsorgung der verbleibenden, inzwischen fast wieder gefrorenen Pommes mit unserem Gewissen vereinbaren. Was hätten wir für elfviernvierzich nicht alles an nahr- und Schmackhaftem kaufen können! Knapp sechs Liter Normalbenzin etwa, fünf Kilo Blumenerde oder zur Not ein Bickingicksicksellmegamenü bei der Konkurrenz... aber trauert nicht um die schnöden Kröten!

Glaubt mir, Freunde und Mitesser, es hätte schlimmer kommen können! Doch! Kein Scheiß! Wir haben weder einen Mäckglib... äh, Mäckripp vertilgt noch ein gequirltes Schlatzeis mit Schokoknorpeln, nicht mal einen Bickmäck haben wir gewagt! So verlassen wir denn erhobenen Hauptes die Stätte der markerschütternd kreischenden Friteusen und Kleinkinder, die mit ihren erst kürzlich erworbenen Juniortüten die mangels geeigneter Sprachkenntnisse nicht eingreifenden ausländischen Angestellten bombardieren, und schaffen es gar, dem tiefergelegten Dumm-Dumm-Geschoß auszuweichen, das gerade voll beschleunigend aus dem Mäckdraif schießt. Man muß ihn ja verstehen – er will nach Hause, eh es kalt ist. Armer Irrer.

Und was machen wir jetzt? Gehn wir was essen?

Dafür plädiert jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 15.08.2000. Letzte Änderung am 16.08.2000.

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