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Bonusträck: Metall

Wo einst sich der dumme Fels und die pädophile Roll noch im musikalischen Garten von Opa Blaues und Oma Schrei-Grell herumbalgten und Onkel Polka mit fauligen Tomaten bewarfen, turteln heute viele Kinder, Kindeskinder und Kindeskindeskinder dieser einst so stolzen Musikfamilie herum. Keiner weiß mehr so recht, wer von wem und wo mit welchem so richtig was zu tun oder zu hökern hatte.

So oder so ähnlich mögen es wohl die letzten Musikforscher dieses unseres Planeten dem Neuanfänger in Sachen musikalischer Herausforderung oder gar Abführmittel auszudrücken versuchen. Die Wahrheit grenzt aber allzu sehr an dieser Geschichte, möchte man glauben...

Eines der letzten noch lebenden und alternden Nachkommen des Fels (der zu dem Zeitpunkt von der Schlampe Roll schmählich im Stich gelassen wurde), wuchs Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre heran: Metall, oder wie es heute die Leuchtfraßfetischisten nennen würden: Schwermetall.

Der Stil dieses Furunkels von Papa Fels zeichnet sich durch skurile Morphismen aus, die meist in einer bizarren Form selbstaufgebender Geistesverschmelzung mit Raum und Schall zu enden scheinen. Besondere Merkmale sind stets erkennbar:

Die treuen minderjährigen Fanatiker dieser musikalischen Entweihung lassen sich an ihrer besonderen Kleidung und zotteligen Haarpracht erkennen. Meist schwarz gekleidet und stets bemüht, böse oder gemein dreinzuschauen, finden lediglich im Zungenbelagsexibitionismus ihre Höhepunkte – zumindest, wenn Sie dieses Organ bis zum Kehlkopf herauszudrücken vermögen. Bei Erwachsenen ist der Blick geübt und die Hände zeigen stets das Bild der verkrampft ausgestreckten kleinen wie auch Zeigefinger. Entkrampfen lässt sich der Knoten ausschließlich durch den gierigen Griff zum Dosenbier oder zu einer Schachtel Zigaretten. Die Lässigkeit und Kühlniss ist gerade für die Minderjährigen das Ideal, dem es nachzueifern gilt.

Eine besondere Ausdrucksform des Schwermetalls ist das sogenannte Kopfknallen (auf englisch hät bängen) – nicht zu verwechseln mit dem Rottenknallen (oder auch Gäng bängen) – welches sich im Takt des Schlages einer Basstrommel durch permanentes Nicken bemerkbar macht.

Doch wie Techno hat sich auch Schwermetall durch Inzucht fortgepflanzt. Heraus kamen absonderliche Scheußlichkeiten wie

Immer höher, schneller, lauter und blöder wollten es die Fanatiker haben. Vermutlich erklärt das auch die oben genannten Auswüchse. Leider hat Schwermetall den Fehler begangen, seinen Sinn für die Thematiken eines Liedes nur verklärt an seine Kin... äh Nachkommen weiterzugeben. So zelebriert das Liedgut eines herzerschütternden, sozialkritischen Schwarzmetallliedes die pragmatische Einfachheit in der Ausdrucksform eines Zuchtbullen in der Brunftzeit:

*BOMM-BOMM-BOMM-BOMMM* Hööö-Hööööö-Hööö *BOMM-BOMM-SCHRAMM-SCHRAMM* Hööö-Masserfacker-Höö *BOMM-BOMM-BOMM-BOMM* Höö-Hööö-Hööö Fack ju änd dei *BOMM-BOMM-BOMM-BOMM-TUSCH*

Ähnliches, vielleicht in noch skurilerer Griffweise vergewaltigter Saiten der elektrisch-aufgeladenen Gitarre und einer fröhlichen wenn auch sinnlosen Zerstörungswut eines amoklaufenden Schlagzeugers findet sich lediglich noch im Schrott- oder Schnellmetall.

Noch abartiger aber scheint der entflohende Schippschwager mit dem einfachen Namen Mist zu sein, bei der die zottelige Haartracht durch die farbige Frisur längst ausgestorbender Indiander ersetzt wurde und das Kopfknallen dem umsichprügelnden Pogo weichen musste... welch ein Niedergang. Vermutlich musste Mist auch die meiste Zeit seiner Kindheit mit einer Eslesmütze in einer Ecke darben und wurde ständig von den anderen aus der Familie mit schwarzen Lippenstifften und Büroklammern beworfen...

Um diese vielen putzigen bis ekeleregenden Metallarten an die Fanatiker zu bringen, rotten sich immer wieder mehrere Personen zu sogenannten Banden zusammen. Da Fanatiker und auch die Bandenmitglieder dem Ideal des Metalls entsprechen zu müssen glauben, sind die Bezeichnungen der jeweiligen Bande nach gleichen Muster gestrickt. Von Schlachter, Metallische, Eiserner Jungfrau bis hin zur Beschreibung von Starkstromschaltern, sind die Banden sich in der Vergabe von Eigennamen nichts zu schade. Bis heute wohl . Hin und wieder lösen sich diese Banden aufgrund ihres debilen Zustandes oder durch staatliche Gewalt auf, aber das ist ein anderes Thema...

Daher wird für viele Menschen das Phänomen Metall ein verschlossenes Buch mit sieben FSK-Siegeln bleiben, Für die anderen ist es die Odysee zu einem längst vergessen geglaubten Dixieklo.

Guten Abend,
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 20.12.2001.

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