Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Die Musikindustrie

Neppster ist tot, es lebe der klebrige Brotaufstrich. So oder ähnlich könnte man zusammenfassen, was seit Jahren auf dem Musikmarkt tobt: der verzweifelte, letzten Endes aber doch zum Scheitern verurteilte Versuch der Musik-Industrie (ein Wort, das bis zur Schöpfung des Techno ansich schon paradox war), ihre Pfründe zu wahren in einer Welt, in der das Kopieren digitaler Daten das Normalste von derselben ist.

Dabei ist der Unterschied von MP3s heute zu MCs vor 15 Jahren gar nicht mal soo heftig. Zumindest nicht in dem, was ich so erlebe. Klar, man besorgt sich Aufnahmen von allem Möglichen, was man so im Radio hört, von Freunden empfohlen bekommt oder in einer Zeitschrift wohlwollend besprochen findet – aber das meiste davon, seien wir ehrlich, überlebt doch höchstens ein paar Wochen auf der Platte, um dann im virtuellen Mülleimer oder doch bestenfalls auf einer lieblos gebrannten Archiv-CD zu landen. Genau wie die MC damals irgendwann wieder gelöscht oder wegen Leierns entsorgt wurde.

Und was wirklich gut ist, davon brennt man sich zwar ne CD fürs Auto (bis Auto-MP3-Pläja mal billig werden), aber die Anschaffung des Originals für den heimischen Plattenschrank läßt doch trotzdem nicht lange auf sich warten.

Letztlich also genau dasselbe Szenario, mit dem die Mächtigen der Musik-Branche auch vor 15 Jahren konfrontiert waren: schwungvolles Tauschen minderwertigen Materials, gezieltes Kaufen des Guten. Wobei minderwertig und gut natürlich von Hörer zu Hörer wechseln.

Nur findet das Tauschen heutzutage natürlich ebenfalls in digitaler Form statt. Logisch: wer wird sich denn noch mit Cassetten abgeben, wenn CD-Brenner weniger kosten als Cassettenrekorder und Rohlinge weniger als Cassetten? Da müßt man ja wirklich bescheuert sein. Das Aussterben der analogen Vinylplatte war der Wegbereiter des Aussterbens des analogen Leierbandes. Und das ist auch gut so.

Jaa, sagen die Musik-Barone, aber digitale Kopien kann man beliebig oft weiterkopieren. Klar kann man. Aber wenn das so dramatisch ist, dann wär's doch vielleicht ne gute Idee, das eigene Produkt auf Weisen aufzuwerten, die sich digital nicht ohne weiteres reproduzieren lassen?

Höre ich da das Wort "Kopierschutz"? *PATSCH*. Sag das *nie* wieder. Ich sagte "aufwerten", und das mein ich auch so.

Kopiergeschützte CDs sind noch nicht besonders verbreitet. Damit das auch so bleibt, kann ich nur jedem raten, sie zu boykottieren. Denn zum einen ist es m.E. eine deftige Gebrauchseinschränkung, eine CD nicht am Kompjuter hören zu können, und zum anderen ist selbst die fehlende Möglichkeit, eine Kopie zu machen, eine solche. Denn zum Beispiel ins Auto leg ich Originale nur ungern – den dortigen Temperaturschwankungen und der Diebstahlgefahr wegen. Also fix ne Kopie gezogen, und das Original sicher daheim verwahrt. Ja, Pustekuchen.

Außerdem bringt's rein fast gar nix. Mit einer anständigen Saundkarte kann man die Lieder eh in brauchbarer Qualität heim ins digitale Reich holen, also was soll der Schmarrn? Die MP3-Freunde werden sich von sowas eh nicht abhalten lassen, und der normale Konsument leidet unter den Kopierschutzmaßnahmen. Genau wie bei Softwehr: der Null-Tage-Kräck ist Normalität, aber die zahlenden Benutzer ärgern sich mit Dongels, Freischaltkot und ähnlichem Geraffel rum.

Wie also aufwerten? Naja, nennt mich meinetwegen altmodisch, aber ich hab durchaus Spaß an Dingen wie einem schön gestalteten Bucklett, fein mit Texten bei, nett Fotos dazu, schön gemachtem Kawwa und vielleicht auch etwas eigenwillig geschteiltem Käihs. Sowas kann man nicht kopieren, und es bereitet viel mehr Genuß als ein handbeschrifteter Rohling mit kopiertem Einlegezettel für die Titelreihenfolge. Und ja, sowas ist mir mitunter auch 20, 25 Mark wert.

Eine andere Idee wäre, wo wir grad beim Thema sind, vielleicht eine Preissenkung. Warum kostet ein neues Album grundsätzlich 35 bis 40 Mark? Da ist es doch kein Wunder, daß die Leute sich das Teil stattdessen für ein paar Mark Onnleinkosten daunlohden und selber brennen. Und wo wir grade dabei sind: solche Scherze wie ein Lied, 2 Minuten Pause und noch ein Lied in einem einzigen Träck sind auch nicht wirklich hörgenußsteigernd. Da geht man eben mit dem Wäifedditer bei, macht aus dem Monsterträck zwei wie sich das gehört – und wenn die mit dem Rest des Albums auf CD gebrannt sind, kann man das unbrauchbare Original ja getrost verkaufen. Jetzt mal so gesehen.

Es gäbe wahrlich genug Möglichkeiten, sich der durch die Digitaltechnik zweifellos erstarkten Konkurrenz des privaten Tauschs zu erwehren, indem man die Produkte attraktiver macht – oder zumindest nicht vorsätzlich unbenutzbar. Aber solange die Musikkartelle das nicht peilen, sondern mit dubiosen Mitteln dieser Konkurrenz Schnippchen zu schlagen versuchen, brauchen sie sich über Napster, Gnutella, MP3.com und böse Artikel wie diesen auch nicht zu wundern.

Die Herausforderung wird angenommen.

Und wenn die Musikgangster statt dessen auf die Tränendrüse drücken, "10.000 kopierte CDs kosten eine Jungbännt die Existenz" – *prust*, dassich nicht lache. Erstens könnt Ihr 99 Prozent dieser Jungbännts gerne erschießen, ohne daß das für die Musik einen Verlust bedeutet; zweitens würden dann 260 Milliarden verkaufte CDs 26 Millionen Jungbännts bedeuten, darunter auch 260.000 gute, wo bitte sind die alle?; und drittens, vor allem, schreibt Euch mal bitte eins hinter die Ohren:

Es spielt überhaupt keine Rolle, ob ich Musik daunlohden kann oder nicht. Ich kaufe deswegen nicht weniger CDs. Höchstens andere.

Kapiert?

Das hofft und geht jetzt in den Plattenladen (aber wenn Paul Simons neues Album immer noch über 30 Mark kostet, auch unverrichteter Dinge wieder raus):
  Euer Dieter Schlabonski

Erstellt am 24.08.2001.

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