Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Nicht schon wieder Weihnachten!

Eigentlich sollte sich unsereins in der Konsum-, Verbrauchs- und Werfsweitweg-Gesellschaft bei den perversen Auswüchsen diverser Lebensmittelvergewaltigungslieferanten über rein gar nichts mehr wundern, vor allem dann nicht, wenn mal wieder wie jedes Jahr irgendwelche Feiertage anstehen, mit denen die geplagten Familien und andere Masochisten gefälligst nichts anderes anzufangen haben sollen, als in irgend einen hornhautumbra verfliesten, mit weiß furnierten Sperrholz- oder verzinken Blechregalen vollgestellten Laden zu hetzen, auf daß auch wirklich der letzte Ramsch mit seit Äonen abgelaufenem Mindestverfallsdatum am besten noch vor der sylvesterlichen Inventur aus seinem verstaubten, spinnverwebten Stellplatz zur Kasse gezerrt werde.

Am deutlichsten wird dies, nachdem man gerade die sonnigen Strandbars einer spanischen Urlaubsinsel hinter sich lassen mußte. Kaum im heimatlichen Revier angelangt und voller Japp auf heimatliche Kost, die im sonnigen Ausland sowieso kein Schwein eßbar zubereiten konnte, glaubt man vorm zuvor noch mit Sonnenmilch und Badehosen ausstaffierten Kaufhausregal seinen Augen nicht trauen können zu dürfen.

In roten Stoffstreifen umhängte Decken mit goldenen und silbernen Glocken und anderen Gebamsel stimmen den braunverbrannten Ex-Urlauber in Verwirrung, doch ist das noch längst nicht alles: Was steht direkt darunter auf dem Boden? Eine Palette frisch reimportierter Lebkuchenherzen in herrlich dunklen Farben und mit verschneiten Tannenwäldern auf den Verpackungen, die fröhlich an die nahende Christenzeit in vier Monaten erinnern soll. Zwar ist es noch 29C warm (und nicht Kelvin!), und der Schweiß läuft immer noch über die braune Arschritze in die Bermudashorts, aber zumindest haben einen die netten Dekorateure klargemacht, daß es an dieser Stelle vorübergehend keine Klorollen oder Schweinshaxen gibt. Die darf man sich woanders suchen.

Die Perversität, daß mehrere Monate alter, mehrmals warmgewordenener Schokoladenspekulatius pünktlich im Dezember seinen vollen Geschmack erreicht haben soll, ist leider nur der Anfang. Eine Steigerung ist zu verzeichnen, wenn pünktlich im November bereits auf die supergünstigen Preise unbrauchbaren Tands aufmerksam gemacht wird, selbstverständlich mit der musikalischen Untermalung eines angemessen grausam gefolterterten Knabenchors mit bimmelnden Glöckchen im Unterhösch..., äh, Hintergrund. Glaubt man dann der Werbung im Supermarkt dennoch entronnen zu sein, wird gleich anschließend die "Heilige Nacht!" mit Panflöte aus den Ein-Weg-Boxen geschmettert. Schließlich darf man nicht vergessen, bald geht die heilige Adventszeit auch schon mächtig los.

Von drauß vom Landkreis komm ich her; ich muß Euch sagen, es weihnachtet sehr. Allüberall in den Straßengräben sah ich die Leut BMWs zerlegen. Ja, die Freuden der kalten Jahreszeit: der neueste CD-Fehlkauf spendet seine Hülle als Behelfseiskratzer, Schneematsch geht mit Überresten glühweininduzierter Speiseröhren-Umkehrspülung vom Weihnachtsmarkt ein farblich wirklich harmonisches Miteinander in der Gosse ein, und die Gabenteller quellen über mit fast abgelaufenem Schokomatsch und Walnüssen aus dem Vorvorvorjahr... Achja, und natürlich gibt's auch an jeder zweiten Straßenecke gemeuchelte Tännsche zu kaufen, nebst behelfsmäßig zu Kringeln zusammengetackerten Zweigen, die beim Fällen derselben unter den Unimog geraten sind.

Im Dezember erreicht denn auch die Konsumentenfolter schließlich den Höhepunkt. Süüßer die Kassen nie kliiii-ngeln, als wie zu der schaseligen Weihnachtszeit. Dann nämlich, wenn unglaublichster Kram an die kalten Tage vor dem Tannenbaum erinnern soll, sind die Kaufhäuser und Supermärkte zum Bersten mit zu verschleuderndem Schrott zu Wucherpreisen und in die Enge getriebenem Publikum gefüllt. Wer diese Stimmung in ihrer ganzen Intensität genießen möchte, dem empfehle ich besonders die Spielwarenregale im Supermarkt seines Alp..., äh, Vertrauens. Dort ist die Sinnfreiheit und netzhautverätzende Kreischbuntizität des Plastemülls aus Schkopau oder Korea am konzentriertesten beobachtbar, und auch der Nervpegel des Publikums erreicht ungeahnte Höhen, die man am Dosensuppenregal so einfach nicht finden kann.

In weiser Voraussicht, daß der Käufer noch was vergessen oder gar was vom Weihnachtsgeld überbehalten haben könnte, ist von sechs Kassen nur eine geöffnet, welche sogleich mit einer Aushilfe besetzt wurde, die keinen einzigen Preis kennt und keine Ahnung hat, wozu eigentlich diese Glasscheibe mit den roten Leuchtfäden darunter auf den Tisch montiert wurde. Glücklicherweise fällt einem dann auch tatsächlich wieder ein, was man vergessen hat, nur leider ist man selbst theoretisch gleich dran – und hinter einem steht schon die Schlange bis zum Haupteingang.

Einkaufen ist doch wirklich was Tolles. Jede Menge Scheiß zu "Schleuderpreisen", die mindestens dem Dreifachen des eigentlichen Werts entsprechen, oder Dinge, die man sich schon immer mal kaufen wollte, die aber leider ausverkauft, kaputt, unvollständig oder schlichtweg falsch etikettiert worden sind. Zum Glück ist ja bald Sylvester, da kann man sich wenigstens 'nen Böller in die Hose stecken und das Feuerzeug wegwerfen. Alternativ kann man natürlich auch die tollen Geschenke detonieren lassen...

Viel Spaß dabei wünscht jedenfalls
  Euer Dieter Schlabonski.

Erstellt am 06.12.1999.

Schlabonskis Welt:
Site Meter
Für Statistik auf den Counter klicken!