Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Prioritäten

Driiiiiillllllllllllll...knurtsch!...llllllll...

Hey, Eckat, mach ma aus!

Was is denn?

Sei mal still... hörste das auch?

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schnupper ... Scheiße, das is GAS! Nix wie weg hier!

Wir wissen nicht, was sich in diesem Hänigser Keller wirklich zugetragen hat, bevor er sich spontan selbstzersetzend in eine klassische Baugrube verwandelte. Aber so ähnlich wird's wohl gewesen sein.

Das Ergebnis erinnert, von unnötigen Beschädigungen wertvoller Bausubstanz abgesehen, stark an mafiöse Methoden: es genügt nicht, ein bis zwei Menschen zu meucheln, nein! Wenn, dann muß schon 'ne ganze Familie dran glauben, incl. Großeltern, Hund und Küchenschaben natürlich, damit's auch ordentlich schmerzt. Und genauso selbstverständlich muß auch wer überbleiben, den es schmerzen kann. Nicht nur wegen der Dahingeflogenen, sondern auch, weil er die Blagen nun alleine am Hals hat. Bzw. was davon lebend übrig blieb. Prima Dramaturgie.

Typisch nur mal wieder die Professionalität der ausführenden Baufirma. Vom Bohren verstehen sie was, das haben sie bewiesen – das Warnen von Hausbewohnern dagegen fällt offensichtlich nicht in ihr Fachgebiet. Wer will es ihnen verdenken? Wer stört schon gern eine traute Familienfeier mit den Worten "Äh, Entschuldigung, vielleicht können Sie besser draußen weiterfeiern? Wir haben da was angebohrt... Wie bitte? Och... das Licht können Sie ruhig auslassen"? Nein nein – das sollen dann doch lieber die Profis machen.

"Rodge, die werden nie rechtzeitig hiersein, nicht bei dem Verkehr!" Nun ist Hannover an der Leine zwar nicht ganz L.A., wo einst Sergeant Martin Riggs alias Lethal Weapon diese denkwürdigen Worte sprach – aber das Ergebnis ist letztendlich eine ähnliche Kater-Strophe. Nun ja, fast: das Haus in Hänigsen war kleiner. Dafür hatte es allerdings auch mehr das Bestreben, sich mittels des großzügigen Verteilens von Mauerwerk, Fenstern, Türen, Mobiliar und biologisch abbaubaren Materialien in die Nachbarschaft der Umwelt mitzuteilen, anstatt wie im Film bloß gleichgültig bis teilnahmslos in sich zusammenzufallen. Und applaudiert hat in Hannover wohl auch keiner.

Schade.

So ist das Leben eben. Manchmal verschwinden Häuser nicht bloß im fernen Moskau, Rom oder Düzce, sondern sogar mitten in unserer flachen, öden Gegend, wenn das Dachgebälk mit dem Keller ein fröhliches Wiedersehen feiert. Und es sind nicht immer Terroristen, Bauaufsichtsbehörden oder gar die gute alte, mit Recht zornige Mutter Erde; manchmal ist's auch einfach Murphy, der eines schönen Novembermorgens ganz normalen Menschen erst einen Bohrhammer und alsdann eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung in die Hände drückt.

Selbst so spektakuläre Knalleffekte wie der von Hänigsen haben im provinziellen Hannover halt meist auch provinzielle Ursachen: hier eben Dorftrottel an der Bohrmaschine.

Womit wieder einmal bewiesen wäre: Schlabonskis Welt ist überall und nichts Erfundenes so bizarr, daß es eine Pressemeldung nicht noch überbieten könnte.

Erstellt am 17.11.1999.

Schlabonskis Welt:
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