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Privatradio - die Geißel der Menschheit

Jeder, der morgens zur Arbeit fährt, hat die dumme Angewohnheit, das Radio einzuschalten. Sei es aus informativen Gründen, um einen Stau rechtzeitig umfahren zu können oder beim Head-Banging mit 220 Sachen einen zu verursachen.

Es gibt aber seit geraumer Zeit jedoch noch eine dritte Menge von Menschen. Nämlich die, die das Radio genervt ausschalten. "Warum nur?", werden sich vielleicht eingefleischte Radioproduzenten im feinen Anzug mit angehängten Merchandising-Plaketten fragen. Dabei ist die Antwort doch ganz einfach: Weil es Scheiße ist.

Die Gründe mögen wohl in der sogenannten "Programmvielfalt" oder der gar hochgepriesenden "Abwechslung" mit den krankhaftesten Wiederholungen der "Lieder" von Backstreet Boys, Cher oder mißbrauchten, unbekannten Sechzehnjährigen liegen. Auch mag es daran liegen, daß es bisher keinen Moderatoren zu geben scheint, der es sich nehmen läßt, jeden flachen Witz, der wie ein feuchter Pup hervorgekrochen kommt, mit "fetziger" Untermalung an den Mann oder die Frau zu bringen, gipfelnd in der Betonung eines jeden Reims mit einem Trailer a la "Schlichte Gedichte". Na eff-eff-endlich wissen wir, wie man zum Poeten wird. Einfach abschalten.

Doch wie eine dumme, gefährliche und ungesunde Angewohnheit, wie Burger King oder Lindenstraße, zieht der örtliche Privatsender, gebührenfrei und doch niveaulos, auch den hartgesottensten Abschalter wieder und wieder in seinen seichten und dennoch tödlichen, weil klebrigen Bann.

Da freut man sich schon fast auf die alle halbe Stunde gesendete Werbung, die ja für sich allein genommen auch schon gefährliche Gehirntumore erzeugen kann. Doch bevor die nun endlich kommt, darf man sich das viertelstündige Trailergesülze anhören. Als ob das jemanden interessieren würde. Um die Leute dann auf dem Äther der Verdammnis zu halten, werden Geld, Häuser, kaputte Mixer oder 30 Tonnen Gleitcreme von Beate Uhse verlost.

Man braucht nur anzurufen, durch den Hörer dem Moderator oder der Moderatorin, nach dem Preis gierig sabbernd, in den Arsch zu kriechen mit den Worten: "Ich höre nur Radio, weil mein Verstand nicht mehr erfasst als Eure tollen Superhits und die witzigsten Sprüche der 70er. Ich möchte auch gerne meinen Therapeuten grüßen, der mir gestern wieder diesen leckeren Einlauf verpasst hat, und alle anderen, die mir eigentlich scheißegal sind, aber sonst sauer werden. Und natürlich meinen Arbeitgeber, Dieter Schlabonski Gas Wasser Scheiße in Brunswieck, ups, darf ich das sagen?" Aber selbstverständlich, lieber Hörer, schließlich dreht sich hier eh alles um Kohle, warum solltest da ausgerechnet Du nicht werben dürfen?

Und damit auch der dümmste Hörer, der sich selbst die 80 Superhits der 90er, aus denen 100% des Programms bestehen, nicht merken kann, eine Chance auf die fette Kohle hat, wird der Name und Interpret des diesstündlichen "Cash-Superhits" (welch erlesene Wortwahl! welch treffliche Akzentuierung des tiefsten Sinns des Ganzen!) auch fünfminütlich dem geneigten und gebeugten Publikum in den Schädel gehämmert. Wobei sich der Verdacht aufdrängt, es handele sich vielmehr um "Cache-Superhits", so benamst, weil sie getreu dem MRU-Prinzip als "Most Recently (ab)Used" noch im Zwischenspeicher des programmgestaltenden Rechners lauern, nur darauf wartend, daß wieder ein Gramgebeugter, müde der neuen Einfalt der Offenbar-Rechtlosen, auf der Suche nach Genesis oder auch nur Garfunkel im Irrgarten des automatischen Sendersuchlaufs sich auf unsere Frequenz verirre.

Und da Qualen besser doppelt oder dreifach serviert werden, gibt es auch schon lange nicht mehr einen Moderator, der die Zuhörer mit seiner Scheiße zumüllt. Jetzt sind es schon zwei oder drei, die den Witz und den Charme einer hustenden Küchenschabe durch ungekonntes verbales Doppelpasspiel aufwärmen, um ihn an die ahnungslose Öffentlichkeit schmettern zu können, jeder dem anderen die Schuld an vergeigter Pointe und peinlicher Pause zuschiebend, um von den eigenen Unpäßlichkeiten abzulenken.

Versucht man dann der 42.763sten Wiederholung des penetranten Gesäusels von Boyzone zu entfliehen, so muß man mit Schrecken feststellen, daß die anderen Sender wohl auch keine Zuflucht bieten - nur daß da das gleiche Lied erst anfängt. Spätestens dann, wenn der Sender mit seiner 10ten Ankündigung, daß jetzt "VIER" (!!!) Superhits am Stück gespielt werden, Hoffnungen weckt, die er sogleich wieder enttäuscht, da der eine wahre Hit unter ihnen höchstens 1,5 Minuten zu hören ist, nachdem die anderen mehrfach mit drohender Stimme einzeln heruntergezählt wurden - spätestens dann neigt der entnervte Autofahrer mit einem epileptisch zuckenden Lächeln auf den Lippen zum Crashtest am nächsten Brückenpfeiler.

Einmal nur, sterbend zwar, aber doch wenigstens erwähnt werden im Programm der Debilen. Ein einziges Mal: "A2 Hannover Richtung Braunschweig, auf Höhe der Anschlußstelle Peine ca. 17 Kilometer Stau nach einem Unfall, in Gegenrichtung 3 Kilometer durch Gaffer, dort haben sich mehrere Auffahrunfälle ereignet. Weiterhin viel Spaß mit den Supershits der 80er und 90er und dem Krassesten von heute!"

Erstellt am 22.02.1999. Letzte Änderung am 22.09.1999.

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