Radarfallen

"Heckenschützen" nennt man sie gemeinhin, "Raubritter" oder einfach "Bullenschweine", diejenigen unter unseren Freunden und Helfern, die die undankbare Aufgabe haben, jene Teilnehmer des fließenden Verkehrs zur Ordnung zu rufen, die den einschlägigen Bräuchen zur Wahl der Geschwindigkeit nicht die gebotene Beachtung schenken.

Es ist aber auch schwierig zu verstehen: da liegt ein gut ausgebautes Band glatten Asphalts in der Gegend rum, komplett mit weißen Linien für die Orientierungslosen, und daneben steht ein Schild, das die Geschwindigkeit auf demselben auf schneckenartige siebzig Kilometer je Stunde begrenzt - nur weil da ein Gebäude am Straßenrand steht, das zu verfehlen doch auch bei 160 noch problemlos möglich wäre. Solch offenkundig sinnloser Beschränkung zu huldigen, das kann man vom freien Bürger nun wirklich nicht erwarten!

Und was soll man dann von den "Heckenschützen" halten, die ihren betont auffällig-unauffälligen Opel Omega oder VW Passat dort am Straßenrand parken, die vorbeirauschenden Ka-Eff-Zett gnadenlos auf lichtempfindliches Zelluloid bannend, sobald deren Fahrer die Wahl der Geschwindigkeit ihrem "gesunden" Menschenverstand überlassen haben, anstatt sich sklavisch der Meinung der Verkehrsbehörde zu beugen? Offensichtlich machen die das doch nur aus Bosheit, allenfalls vielleicht zur Geldgewinnung. Die sollten lieber Verbrecher fangen, statt ordentlichen Bürgern so gemein aufzulauern und sie um Ersparnisse und Führerschein zu bringen, von der polizeistaatlich angehauchten Punktekartei in Flensburg ganz zu schweigen!

Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür.

Dieselben Leute regen sich nämlich auch gern darüber auf, wie in ihrer heimischen 30-Zone "gerast" wird. Da hat man doch erst heute nacht einen dieser hirnlosen Idioten im tiefen GTI mit Hilfe der von Conrad Electronic erworbenen Lichtschranke taaatsächlich mit stolzen 42 km/h ertappt - und erst neulich der Dackel von der Frau Schrader aus dem dritten Stock, den sie unter Tränen mit dem Spachtel von der Fahrbahn kratzen mußte! Man ist sich ja seines Lebens nicht mehr sicher, offenbar mißbraucht die halbe Stadt die eigene Siedlung als Umgehungsstraße oder Rennstrecke, da gehört ein Riegel vorgeschoben oder zumindest ein Blumenkübel, jawoll! Und wo ist eigentlich die Polizei? NIE sind sie da, wo man sie braucht.

Vielleicht hülfe es ja, wenn man dazu überginge, grundsätzlich nach Geschwindigkeitsverstößen den Anwohnern oder anderen Verkehrsteilnehmern im Umkreis des Tatorts Gelegenheit zu geben, gegen den Täter Strafanzeige wegen z.B. versuchten Totschlags zu stellen. Man schlüge so zwei Fliegen mit einer Klappe: der Täter sähe ein, warum er bestraft wird, und die anderen bekämen Gelegenheit, ihre Rachegelüste am Schnellerfahrenden auszuleben. Außerdem bekämen die darbenden Rechtsverdreh..., Entschuldigung, Rechtsanwälte endlich mal wieder richtig zu tun.

Einstweilen gibt's aber ein simples Mittel gegen "Raubritter" und rachsüchtige 30-Zonis: man halte sich (zumindest einigermaßen) ans Limit. Das ist so einfach, daß die meisten nicht drauf kommen - oder wie sonst erklären sich die immer wiederkehrenden Stammtischdiskussionen in Kneipen und Njuhsgruhps?

Man macht sich auch damit nicht nur Freunde, das ist wahr. Doch wenn der Fahrer der schweren Limousine oder des jugendlichen Krawallgeräts hinter mir der Ansicht sind, selbst entscheiden zu dürfen, wie schell zu fahren hier angemessen sei, dann darf ich das für mich ja wohl auch, oder? Und wenn die 20 km/h überm Limit gefahrlos fahren zu können glauben, bitte - dann müssen die bessere Fahrer sein als ich, denn mit deren Kühlergrill zehn Zentimeter hinter meiner Hängerkupplung fahr ich lieber 10 km/h unterm Limit, damit sie trotz fehlenden Sicherheitsabstands nicht bei meinem ersten Bremsmanöver meine schöne Chromstoßstange mit ihrem Motorblock verkratzen.

Und während dieser Charakterstudien am lichthupenden Objekt ruf ich all jenen, deren Adrenalin- sich ihrem Alkoholspiegel nähert, gedanklich zu: Immer locker bleiben!

Denn nur so, wenn überhaupt, überlebt man auf Dauer das Autofahren in Schlabonskis Welt.

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