Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Rollenspieler

Geklaut aus z-netz.alt.rollenspiele.dsa von Hilke K. Greff

Ein hochinteressantes Bild – charakterisiert es doch die Spezies Rollenspieler auf sehr anschauliche Art und Weise. Selbst die roten Augen sind nicht unbedingt fehl am Platze...

Vollschlanke Herren, chipskauende Autogesichter, eisteeschlürfende Damen, jeder zweite hat ne Brille und/oder lange Haare, T-Shirts, die entweder Individualität ausdrücken sollen (George W. Bush, wahrscheinlich mit einem 13373n Spruch drauf) oder von irgendeiner Poser-Metal-Band stammen. Umnächtigt sieht dort so ziemlich jeder aus und ist der klassische Gesichtsausdruck eines Hardcore-RPGlers. Wichtig: die Quotenfrau (die mit dem Eistee) und ein Quotenschwarzer – Rollenspieler zeichnen sich einerseits durch erhöhten Hormonspiegel (hervorgerufen von Chicks-in-Chainmail-Covern) und/oder Toleranz aus.

Nicht vergessen sollte man auch, daß wahrscheinlich 80% der anwesenden Herren solo sind. Die Quotenfrau dagegen dürfte sich entweder ganz wohl fühlen (weil sie ständig über ICQ, Usenet, IRC oder per Mail, denn anders nähert sich ein Rollenspielermännchen einem Rollenspielerweibchen nur ungern, mit allerlei Herren in Kontakt getreten wird und somit sich die Besten rauspicken kann) oder ausgesprochen unwohl (weil die holde Rollenspielmännlichkeit sie eben per ICQ, Usenet, IRC oder Mail nervt...). Vergeben ist sie auf jeden Fall und mindestens jeder dritte in dem Saal verflucht den Kerl, der schneller war.

Der vollschlanke Herr mit Bart, der direkt in die Kamera guckt, stand wahrscheinlich noch vor fünf Minuten irgendwo im Weg rum und hat Thomas Römer vollgesülzt, um ihm entweder:
a) von seinem Stufe-30-Magier zu erzählen, der Borbarad im Alleingang besiegt hat und Freizauberer ist. Während des Gesprächs hat sich Thomas Römer gewünscht, daß Mord nicht strafbar wäre.
b) zu sagen, wie Scheisse DSA ist und daß sich Ulrich Kiesow im Grab umdrehen würde. Während des Gesprächs hat sich Thomas Römer gewünscht, daß Mord nicht strafbar wäre.
c) von seinem neuen, eigenentwickelten Chicks-in-Chainmail-RPG erzählt, in dem sein Char eine Art Gott ist, dem die Chicken huldigen. Während des Gesprächs hat sich Thomas Römer gewünscht, daß Mord nicht strafbar wäre.
Beruflich ist er Dauerstudent der Informatik, ein 13373r (kennt jemand die Zahl für 'r'?) Hacker und wohnt noch bei Mami in der Dachkammer.

Der schwarzgekleidete Kerl links neben ihm ist dagegen einer jener Möchtegernsatanisten. In der RPG-Runde seines besten Kumpels (der Vollschlanke von eben), spielt er stets irgendwas mächtig Fieses und während des Rollenspiels tun sich wahre Abgründe der menschlichen Seele auf. In seinem Zimmer (irgendeine verkiffte WG) riecht es immer ein wenig nach Patschouli, er hört Deine Lakaien und die Welt ist einfach schlecht zu ihm. Mama hat ihn schon längst rausgeworfen und er hält seinem dicken Kumpel vor, wie uncool es doch ist, noch bei Mama zu wohnen (dafür hat der schwarzgekleidete aber auch kein Moped ...). Frauen verführt er gerne mit irgendwelchen Vampirgeschichten (die Dame mit dem Eistee hat ihn in ihrer ICQ-Ignore-Liste unter dem Namen "Lord Darkness"). Bevor er in den Saal kam, lag er noch unten in der Turnhalle und hat Schlaf nachgeholt, da er die Nacht lang mit spitzen Plastikzähnchen versucht hatte die wenigen anwesenden Damen zu beißen ... diese waren natürlich nicht sonderlich davon angetan und die Eisteedame hat ihn als perversen Satanisten bezeichnet.

Nun zu einem anderen, typischen Rollenspielerexemplar – die Grinsebacke ganz links im Metallica-T-Shirt. Der Ärmste – er wäre gerne hart, bekam aber in der Schule immer eins auf die Klappe. Hier jedoch, unter Gleichgesinnten, hat er endlich seine Ruhe – es gibt ja noch grössere Trottel als ihn (siehe der vollschlanke Kerl von vorhin mit seinem Satanistenkumpel). Er ist der liebe, nette Bubi von nebenan und die Eisteedame hatte schon Pixelsex bei Ultima Online mit ihm (bis ein böser M0sch0r auftauchte und den Elfenjüngling namens Aragon [man beachte das kreative Fehlen des 'r's] den er verkörperte, niederknüppelte, um sich die Eisteedame zu krallen). Zu mehr, als nur Metallica hören, hat es bei ihm nicht gereicht – das ist schon böse genug. Die Männer hassen ihn, die Frauen mögen ihn oder finden ihn einfach dämlich. Auf jeden Fall kriegt er von Mutti, wo er noch während seiner Lehre zum Einzelhandelskaufmann wohnt, zum Geburtstag immer Socken und Unterwäsche geschenkt. Ist er nicht herzig?

Nun zu Mister Weltkritisch – der Kerl mit dem George-W.-Bush-T-Shirt. Ihn kennt man unter so einem Namen wie "Philosoph" in den Newsgroups und Diskussionsforen dieser Welt. Er liebt es über Politik zu philosophieren (zum Studieren reicht es halt nicht) und drängt gerne jedem seine Meinung auf. Er ist kritisch... bzw. wäre es gerne und hat zu jedem Thema was zu sagen, auch wenn er keine Ahnung hat. Er haßt Dieter Nuhr.... und noch mehr haßt er die Eisteedame, die sich von seinem Gelabere gestern abend nicht beeindrucken ließ (immerhin war sie auch auf der Flucht vor dem Satanisten mit den Plastikzähnchen und weiter vorne stand ja der süße Aragon). Ganz gut verstand er sich mit dem Vollschlanken – konnten sich die beiden doch wunderbar gegenseitig dichtsülzen. Meist spielt er Kleriker, die auch im Spiel den Spielern ihre Meinung aufdrücken oder absolut atheistische Elfen, die stets mit einem lässigen "Sanya" auftauchen.

Er ist der Weltverbesserer und -retter Nr.1 – wenn es nach ihm ginge, doch leider reicht es nur für die Rolle des Detlefs bei den Weltenrettern ...

So ... das wars erstmal.

Ciao,
Hilke Greff
Institut für Rollenspielercharakterisierung


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Erstellt am 10.10.2003
Letzte Änderung am 18.07.2004 15:18 (CEST)
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