Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Schißhase oder: Schiff ahoi!

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben.

Vor ein paar Tagen sind im Ärmelkanal zwei - entschuldigt bitte den Fachausdruck - verfickt große Schiffe zusammengestoßen.

Man muß sich das wirklich mal vorstellen: da stoßen zwei wirklich richtig verflucht absolut-nicht-zu-übersehend-große Schiffe zusammen, Riesenpötte wenn man so will, und das an einer der meistbefahrenen Stellen der Weltmeere, mitten auf der A7 der Ozeane, wo wirklich jeder Schiffer mit dichtem Verkehr rechnen müßte.

Dabei ist zu bedenken, daß moderne Schiffe nicht nur ein paar Rettungsboote voll Beobachter an Bord haben, sondern auch ziemlich teures Radargerät und was weiß ich noch für elektronischen Firlefanz. Es wäre eine beachtliche Leistung, als Kapitän einer solchen schwimmenden Festung auch nur eine kleine Segeljolle zu übersehen - das muß schon deswegen so sein, weil die letztere Vorfahrt hat, selbst vor der HMS Queen Elizabeth.

Das liegt zum einen daran, daß die HMS Queen Elizabeth viel besser manövieren kann als die kleine Segeljolle, und zum anderen daran, daß auch die HMS Queen Elizabeth mit einer kleinen Segeljolle in der Schraube nicht mehr wirklich gut manövrieren kann.

Gesehen haben sie einander also, wenn nicht jeder an Bord sturzbesoffen war. Und trotzdem stoßen zwei Schiffe, jedes davon so groß wie ein paar übereinandergestapelte Häuser, gesichert durch Radar und andere teure Technik, vollgestopft mit aufmerksamen Menschen, zusammen - mitten auf dem flachen Meer. (Man kann ja einiges sagen über Meere, aber hügelig sind sie nicht wirklich.)

Soweit ich das beurteilen kann, war das entweder ein besonders bizarres Schißhase-Spiel, das gründlich in die Hose gegangen ist, oder Versicherungsbetrug allergrößten Kalibers. Wenn es Schißhase war, gehört den Kapitänen der Preis für die dümmste Idee seit dem Edsel und ein Ehrenplatz bei den Darwin Awards verliehen - sie müssen immerhin schon 50 Meilen vorher damit angefangen haben und sich beide gesagt haben, daß sie erst auf der letzten Meile ausweichen würden.

Wenn es aber Versicherungsbetrug war, was ich vermute, dann können einem die Kapitäne und ihre Brötchengeber nur leid tun - offensichtlich kennen sie nicht Bücher wie "Sehr geehrter Herr Firma", deren Inhalt zu nicht unerheblichen Teilen direkt aus den Anhörungsbögen von Versicherungsgesellschaften stammt. Ich kann's kaum erwarten, die Anhörungsbögen für diesen Versicherungsfall im Spiegel oder sonstwo zu lesen. Beschreiben Sie in Ihren eigenen Worten, wie es zum Schadensfall kam:

"Ich bin einer entgegenkommenden Makrele ausgewichen, dadurch kam es zum Unfall."

"Wir kamen an die Kreuzung und warfen Anker. Obwohl ich mehrmals mit der Lichthupe geblinkt habe, blieb das entgegenkommende Schiff auf der falschen Kanalseite und stieß mit uns zusammen."

"Während die Umfahrung einiger besonders schwieriger Wellen meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, gerieten wir an ein anderes Schiff. Diese Wellen waren gestern noch nicht da."

"Als er noch 20 Meilen weg war, bemerkte ich, daß mit seiner Lenkung etwas nicht zu stimmen schien. Ich versuchte noch auszuweichen, aber ich konnte den Aufprall 45 Minuten später nicht mehr verhindern."

"Das andere Wasserfahrzeug versuchte, mich zu überholen, obwohl die Sicht über die nächste Welle versperrt war."

Meine Güte.

Besonders aber freue ich mich auf das nette kleine handgezeichnete Bildchen unten mittig auf dem Unfallbericht.

Viel Spaß beim Lesen wünscht
   Euer Dieter Schlabonski.

Mit freundlicher Genehmigung frei übersetzter und erweiterter englischer Originaltext von Rik <rik@mono.org>, den er in seinem Diary auf der Monochrome BBS zuerst veröffentlicht hat. Vielen Dank dorthin!

Erstellt am 10.09.1999.

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