Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Schlabonskis Welt: Die ersten hundert Jahre

Meine Damen und Herren, liebe Mitleser und anderes Gesindel, ich darf Sie zum Festakt "100 Jahre Schlabonskis Welt" aufs Allerherzhafteste begrüßen. Wohl nur die wenigsten der Anwesenden, meine Wenigkeit eingeschlossen, sind mit der Frühgeschichte dieser in ihrer Belanglosigkeit nahezu unvergleichlichen Publikation vertraut. Eine vollständige Beschreibung ihrer Geschichte würde indes den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen; lassen Sie mich stattdessen in Zehn-Jahres-Intervallen Schlaglichter auf das Werden und vor allem Vergehen dieses unsäglichen Machwerkes werfen.

1908

Adolf Schlabonski, Gründer und Inhaber der Firma "Schlabonski ff. Fäkalarmaturen & Cie.", beschließt, sich fortan auch als Herausgeber einer radikalunpolitischen Kampfschrift namens "Schlabonskis Welt" zu betätigen. Aus dem Stand heraus erweist sich das Blatt als beeindruckend erfolglos, die Leser ignorieren es geradezu in Scharen.

1918

Nach dem Weltkrieg, den damals noch niemand den ersten nannte, wagt Oheim Adolf einen Neuanfang. In diese Zeit fällt die künftig zum Markenzeichen von Schlabonskis Welt werdende Orientierung auf vernichtende, unfaire und belanglose Kritik an nicht ohne weiteres zu ändernden Umständen des Lebens, des Universums und des ganzen Restes. Ein reiches Feld, auch und gerade damals – was nicht zwangsläufig bedeutet, daß deswegen auch die Leserschaft zugenommen hätte.

1928

Eins der Haileids dieses Jahres ist die Einführung der später sträflich vernachlässigten Rubrik "Formgestaltung oder Nichtexistenz", vielleicht bekannter unter ihrem später eingeführen Namen "Diehsain oder Nichtsein". Erstes und verdientes Opfer war der Rumpler Tropfenwagen; leider ist das darüber verfaßte Machwerk genauso verdientermaßen verschollen wie sein Opfer selber.

1938

In diesen dunklen Jahren erschien Schlabonskis Welt entweder gar nicht oder, die Wissenschaft ist sich diesbezüglich uneins, so dermaßen im Geheimen, daß es eigentlich keinen Unterschied macht. Jedenfalls sind alle allfälligen Unterlagen und Entwürfe, von etwaigen veröffentlichten Exemplaren ganz zu schweigen, in unseren umfangreichen Archiv-Räumlichkeiten glücklicherweise unauffindbar.

1948

Die größte Zäsur dieses Jahres: die Umstellung des Bezugspreises der seit einigen Monaten wieder erscheinenden Schrift von "drei Ami(zigaretten) oder ein Pfund Kartoffeln" auf zehn Pfennige. Was immerhin dazu führte, daß die Monatseinnahmen, wie traditionell üblich, wieder locker in einer Streichholzschachtel Platz fanden. Thematisch drehte sich das Pamphlet zu jener Zeit überwiegend um die Freuden des Schlangestehens um die Dinge des täglichen Bedarfs; es besteht dabei eine geradezu verblüffende Ähnlichkeit zu den wesentlich jüngeren Schriften über Supermarktkassen, was immerhin beweist, daß alles schon mal dagewesen ist.

1958

Mittlerweile hat die zweite Generation in Gestalt des Erwin Schlabonski das Ruder sowohl der Fäkalarmaturenfirma als auch der mittlerweile wohl am ehesten als radikalpolit^H^Hemisch zu klassifizierenden Publikation übernommen. Der dadurch bedingte Qualitätsverlust geht zunächst im wirtschaftsverwunderlichen Aufschwung unter und soll sich in späteren Jahren zu einem weiteren Markenzeichen beider Umtriebe entwickeln.

1968

Neunzehnhundertachtundsechzig! Woah! Welch ein Jahr! Und wenn Du nach Sankt Andreasberg gehst, sieh zu, daß Du ein paar Blumen im Haar trägst! Hat er aber natürlich nicht gemacht, der Erwin Schlabonski, sondern, langweilig und phantasielos wie er war, einfach nur immer weiter in der Scheiße gerührt, buchstäblich wie im übertragenen Sinne als nach wie vor alleiniger Setzkastenvergewaltiger.

1978

Die siebziger Jahre sind eine Zeit, die in einer jeden Rückschau, die etwas auf sich hält, geflissentlich ignoriert wird. Ich mein, mal ganz ehrlich: was außer Kätt Stiewenz ist denn damals schon an Berichtenswertem passiert? Eben. Und da erwarten Sie nun von mir, daß ich ein wichtiges Ereignis aus der Geschichte von Schlabonskis Welt präsentiere, das zu jener vergessenswürdigen Epoche stattfand? Ja, nee, is klar. Als nächstes liefere ich dann auch gleich noch Die Antwort auf Die Frage. Bestimmt. Wenn nicht die dritte Generation, unser allseits gefürchteter Dieter Schlabonski, just damals das Zepter übernommen hätte, fiele mir gar nix ein zu jenem unsäglichen Jahrzehnt.

1988

In jener Zeit zunehmender Konkurrenz im Wettbewerb um den belanglosesten Schwach-, Un- und Dünnsinn, angestoßen durch das Aufkommen privater Radio- und vor allem Fernsehsender, hatte es eine Publikation wie Schlabonskis Welt naturgemäß schwer. Das äußerte sich in einem zuvor kaum für möglich gehaltenen weiteren Rückgang der Verkaufszahlen in einem Maße, das die Verbreitung nahezu mit der Wichtigkeit der Ergüsse gleichziehen ließ. Mit anderen Worten: verdientermaßen näherte sich die Auflage dem Nullpunkt, weshalb die Schrift auch erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr im Bleisatz, sondern vermittels der Hektographie erstellt wurde. Was immerhin den positiven Effekt hatte, daß endlich die Qualität der Optik jener des Inhalts in beispielhafter Weise angemessen war.

1998

Am 11. September 1998 begann ein neues Zeitalter: Schlabonskis Welt schickte sich an, das Wörlt Weit Wäpp zu erobern! (Und genau drei Jahre später zeigte sich ein weiteres Mal, daß jenes Tagesdatum eine gewisse Katastrophenaffinität zu haben scheint.) Erstaunlicherweise begann hier eine in der langen Geschichte dieses Machwerks beispiellose Erfolgsstorrie: es ist tatsächlich verbürgt, daß es nicht nur Leser gab, sondern sogar Fännz! Gut, mittlerweile hat sich das auch wieder ein wenig gegeben, verdientermaßen natürlich – wer nix schreibt, hat nun mal auch keine Fännz. Bleibt einzig der Vorteil des Wörlt Weit Wäpp für Leser wie Autoren: es kost halt fast nix, weder an Arbeit noch an Geld, diese untote Publikation an etwas entfernt an Leben Erinnerndem zu halten. Insofern lassen Sie mich mein Glas heben auf die nächsten 100 Jahre Schlabonskis Welt!

*lork* *böarps*


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Erstellt am 11.09.2008
Letzte Änderung am 11.09.2008 01:27 (CEST)
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