Schlabonskis Welt ...only life is worse...

Schwule Quallen

Mal wieder ist Mittagessen. "Mahlzeit!!" wird gebrüllt, und man findet sich werkalltäglich ein in der Miefhalle- oder -bude, je nach der Bezeichnung des Betriebes, in dem man seine harten Brötchen verdient.

Gespräche verhallen beim Anblick der zu verdauenden, aber bislang noch (vielleicht) ungegessenen Masse und finden die Ablenkung vom tristen Telefonalltag – und dem Essen.

Ja, Gerda hat schon wieder einen neuen Freund, Herberts Frau ist im sechsten Monat schwanger und will's sich immer noch nicht wegmachen lassen – "so langsam wird es aber knapp!" Naja, nach der Geburt ist ja auch noch früh genug. Babsis Zigaretten schwammen heute in der Kaffeekanne, und Herrn Knallers benutzte Pornohefte fand man auf dem Schreibtisch vom Chef. "Hat den eigentlich schon jemand gesehen?" "Ja, vor kurzem auf dem Dach, jetzt im Keller", dröhnt es von Karl "Sumu" Patlowski.

Tolles Leben. Nebenbei die Fetzen zerfetzter Sätze. Glückskeksweisheiten von der Chinamannserei im Nachbargebäude machen die Runde. "Wer aus vielen Büchsen schießt, trifft selten das Ziel." Falsch, muß heißen: Wer aus vielen Buchsen scheißt, trifft selten die Schüssel. Oder so ähnlich.

Das geistige Loch, der Abgrund, in den die Gesprächsthemen unweigerlich abdriften, scheint sich weiter auszubreiten. Schwule Quallen. Mahlzeiten bewegen sich scheinbar (?) in den Näpfen. Schlabberpilze in der Asiapfanne gepaart mit den zuckenden Fühlern einer Kakerlake unter der Käseschicht der Frutti di Mare. Lecker Pizza. Ein Tagesmenü für Feinschmecker. Hildegard bekommt Durchfall. Keiner will was abhaben.

Gruppenleiter Ernst Majoschke muß auch früher weg. Heute hat sein Hamster Geburtstag. "Hat der nicht mal den Sonderurlaub von Frau Kröppendörfer abgelehnt, weil sie zur Beerdigung ihres an Vereinsamung gestorbenen Sohnes gehen wollte?" "Möglich. Sie sollte sich die Tage wohl für den Rest der Familie aufsparen, wenn mal wieder ein bißchen mehr Ruhe in der Abteilung ist."

Die gequirlte Scheiße nimmt kein Ende, bis Chef die Szenerie betritt und seinen Blick über die kauende Menge schweifen lässt. "Sucht wohl Herrn Knaller", wird geraunt. Schnell werden die verwesenden Reste vom Tablett beim Nachbarn entsorgt und panikartige Flucht setzt ein. Furchtbares Gedränge.

Mal wieder einen halben Tag geschafft – ok. Frau Kröppendörfer muß heute mal wieder länger: Saadschnt Majoschke braucht bis morgen früh noch ein Stapel Änderungsanweisungen. Gerda hat schon wieder einen neuen Freund. Sumu Patlowski bekommt furchtbare Blähungen, und Chef sucht verzweifelt das Faltblatt des Pornomagazins.

Nur Herr Knaller hat's ruhig. Der verwest sich im Keller beim Ansaugrohr der hauseigenen Klimaanlage. Der Glückliche.

Und wer darf das alles wieder wegmachen?

Euer Dieter Schlabonski.


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Erstellt am 22.08.2002
Letzte Änderung am 24.07.2004 12:59 (CEST)
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